Samstag, 5. Mai 2012

Standpunkt 213 - Nachrichten-Ticker, 04.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Commerzbank-Chefvolkswirt kritisiert Italien
Italien hat aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer noch einen langen Weg vor sich. Die Rahmenbedingungen seien “katastrophal”. Besser sehe es dagegen in den Krisenstaaten Spanien, Portugal und Irland aus.  Lesen ...

Kommentar: Krämer wörtlich: “Die Rahmenbedingungen für Unternehmen sind katastrophal und auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.” Der Mann spricht so abschätzig über eines der wirtschaftlichen Schwergewichte der Euro-Zone. Krämer hebt vor allem auch die Entwicklung der Lohnstückkosten hervor, wo Italien an Boden verliere. Deshalb hier noch einmal eine Grafik zum besseren Verständnis: 

Was soll diese Aussage, Herr Krämer? Oder die andere: Spanien, Portugal und Irland sehen besser aus? Dazu eine andere Grafik, die der Industrieproduktion, Stand Dezember 2011, in Europa. Mal was anderes als die Staatsschuldenquote, Handelsbilanz oder Arbeitslosenquote.  

© Real-World Economics Review Blog, 2012

Wo stehen diese Staaten im Vergleich zu dem kritisierten Italien? Wir lassen es hierbei bewenden, andere Grafiken zeigen ein ähnliches Bild. Der Chef-Volkswirt der Commerzbank muss andere Zahlen vorliegen haben, oder er versucht gerade eine “Meinung zu machen”.


Eurozone: Sparpakete treiben Industrie in Dreijahres-Tief
Der Markit-Einkaufsmanagerindex signalisierte im April nur mehr für Österreich und Irland Wachstum. Die harten Sparprogramme schlagen durch.  Lesen …

Kommentar: Offensichtlich verfügt Markit über andere Zahlen als das deutsche Ifo-Institut des Hans-Werner Sinn. „Die Eurozone-Industrie ist im April noch tiefer in die Rezession geschlittert“, heißt es bei Markit. Sehr aufschlussreich auch die Feststellung, dass „sich ein Großteil des Warenverkehrs mit Industrieerzeugnissen zwischen den Euro-Ländern abspielt“ und deshalb „haben die Nachfrageausfälle aus den mit harten Sparprogrammen kämpfenden Schuldenländern Südeuropas zunehmend negative Auswirkungen auf die gesamte Eurozone“, betont Markit. „Offensichtlich auch auf Deutschland, was die neuerlichen Produktionskürzungen dort zeigen.“

Produktionskürzungen - wo, wie, hier in Deutschland? Wer türkt die Zahlen? Markit? Ifo-Institut? Bundesregierung? Beobachten Sie selbst was in den nächsten Wochen, wenn die Wahlen vorbei sind, passiert. Wir werden auf jeden Fall berichten.


Deutsche unterstützen Merkels Sparkurs in Europa
Eine klare Mehrheit der Deutschen befürwortet den europäischen Fiskalpakt. Neue, teilweise kreditfinanzierte Wachstumsprogramme lehnen sie ab. Nur Anhänger der Linkspartei denken anders.   

Ergänzung: Gestern war es eine der Nachrichten in unserem Ticker. Heute hat sich dieses Ergebnis als manipulative Umfrage der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”, einer Lobbyorganisation der Arbeitgeber, herausgestellt. Die Hintergründe dazu gibt es hier. Lesen Sie bitte selbst. 


Zwei Jahre Griechenland-Hilfe – eine Bilanz
Am Sonntag wählen die Griechen erstmals seit Beginn der Rettungsaktionen ein neues Parlament. Der Sparkurs hat das Land in die Krise gestürzt. Aber es gibt erste Hoffnungszeichen. Lesen...

Kommentar: Die Fakten, Fakten, Fakten sehen anders aus. Siehe die folgende Grafik:

Die Frage “Wie viel Geld haben die Griechen erhalten?” unterstellt wieder einmal, dass die milliardenschweren Hilfen an das Volk der Griechen geflossen sind. Nach wie vor wird hier eine Nachricht verbreitet, die schlicht falsch ist, was jedem auch nur einigermaßen kundigen Journalisten bekannt sein dürfte. Beständig müssen wir deshalb auch die Wahrheit wiederholen, die wir in einem eigenen Beitrag (“Fata Morgana Griechenland-Rettung”) thematisiert haben (hier).

Selbstverständlich gibt es keine Fortschritte bei der Verschuldung, bei der Reform der Verwaltung, bei dem Wirtschaftswachstum. Die Rezession wird noch Jahre anhalten, die Armut noch zunehmen, der plötzlich geplante Wirtschaftspakt kommt zu spät und ist zu wenig. Entscheidend ist nämlich, dass die Hilfen an die Banken in einer Art und Weise weitergehen, dass für gescheite, vernünftige Maßnahmen nur vergleichsweise winzige Beträge eingesetzt werden können.


Thomas Fricke - Totgesparte kriseln länger
Nach zwei Jahren heilloser Versuche, die Krise durch Pakte, Kürzungs- und Steuerorgien zu lösen, orakelt selbst die Kanzlerin vom nötigen Wachstum. Nur muss das schnell kommen. Lesen ...

Kommentar: Thomas Fricke schreibt in seinem Artikel Dinge die zeigen, dass er sich Gedanken gemacht hat über die Sachen von denen er schreibt. Eine Seltenheit in den deutschen Führungsmedien, die unbeirrt noch den neoliberalen Lehren nachrennen und nach wie vor für deren Durchsetzung kämpfen. 

Fricke hofft auf eine Strategiewende, die wirkliches Wachstum bringen soll, bevor es zu spät ist. Stellenweise verwendet er immer noch neoliberales Gedankengut, z. B. wenn er von “Marktpanik” schreibt, oder Schuldenbremse und Fiskalpakt für berechtigt hält, oder kein Wort darüber verliert, dass es für die Verbesserung der Arbeitsmärkte in den betroffenen Ländern eben nicht reicht, einen unterfinanzierten Wachstumspakt auf den Weg zu bringen der, wenn überhaupt, erst viel zu spät Wachstum generiert. Arbeitslosigkeit und Armut benötigen Maßnahmen mit unmittelbaren Erfolgen, 10 Milliarden Kapitalerhöhung für die Europäische Investitionsbank (EIB) sind da nicht nur “zweifelhaft”, sondern schlicht ein schlechter Witz. Hier hätte Fricke für uns ruhig deutlich werden können. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Banken rund 800 Milliarden bei der EZB bunkern, statt wenigstens kleine Teile davon in den Wirtschaftskreislauf zu schleusen, was ursprünglich vollmundig angekündigt wurde.


Die EZB hat ihr Pulver verschossen und ist ratlos
Der Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag mitten im Krisenherd Spanien getagt, Reisefreiheit, Freizügigkeit und weitere Freiheiten blieben auf der Strecke. 

Die spanische Regierung hatte in der katalanischen Metropole massiv Sicherheitskräfte zusammengezogen. Obwohl nicht einmal Demonstrationen angekündigt waren, fabulierte Madrid Gefahren und Krawalle herbei, passiert ist nichts. Die EZB hat den Leitzins nach der Sitzung auf dem Tiefstand von 1% belassen. Sie spricht sich wachsweich dafür aus, das Wachstum zu fördern. Da er gleichzeitig Merkels Fiskalpakt beschwört, ist unklar, wie sich Wachstum mit dem Spardiktat vertragen soll. Lesen ... 

Kommentar: Absolut Lesenwertes von Ralf Streck, an dem wir uns jeder Kritik enthalten. Die Fakten stimmen, mit seiner Meinung kommt er auf den Punkt. Danke.


Krise treibt verschuldete Italiener in den Suizid
Seit 2008 ist die Zahl der Selbstmorde aus wirtschaftlicher Not um 25 Prozent gestiegen. Vor allem Kleinunternehmer verzweifeln wegen Ausgabenlast und fehlenden Aufträgen. Lesen ...

Kommentar: Wir haben das Thema schon behandelt, wundern uns nur, dass diese Nachrichten quer durch die deutsche Presse ankommen. Offensichtlich fällt hierzulande auf, dass selbst in den USA und, ganz aktuell, von der BBC berichtet wird.

Es klingt vereinfachend, aber auch hier trifft die Banken Verantwortung. Die sind es, die keine Kredite mehr geben, sondern die Liquidität, die ihnen in den vergangenen Monaten von der EZB zur Verfügung gestellt wurde, lieber dort wieder anlegen. Die Technokraten in der italienischen Regierung, in Brüssel, beim IWF, der EZB und innerhalb der Troika, läßt diese Entwicklung kalt. Da steckt viel Potenzial für soziale Unruhen drin. Die Italiener werden diesem Treiben nicht mehr lange zusehen.


Beobachtet: Brüssel geht vor China in die Knie
Gegenüber mächtigen Geschäftspartnern sind Werte nicht mehr so wichtig. Das weckt Zweifel an der Durchsetzungskraft der Kommission. Lesen ...

Kommentar: Geld macht gefügig. China wird nach Ansicht der europäischen Top-Politiker gebraucht, um den Euro zu retten. Bettelfahrten nach China hat es schon mehrfach gegeben, chinesische Investitionen sind nicht nur in den Krisenländern sehr willkommen, wie die Beispiele in Griechenland, Portugal oder Spanien zeigen. Selbst in Deutschland werden Kronjuwelen des Maschinenbaus längst an Konzerne aus dem Reich der Mitte verkauft, tendenziell zunehmend. Offensichtlich ist, dass Europa nicht nur nach Innen die demokratischen Werte gering erachtet. “Geld macht ansehnlich”, sagt der Volksmund.


Bange US-Delegation fürchtet China-Delle
Gipfel gegen die Krise: US-Finanzminister Geithner und Außenministerin Clinton sind nach Peking aufgebrochen, während US-Firmen und ihre EU-Konkurrenten schon Schleifspuren im China-Geschäft beklagen – und die Aussichten noch mauer sind. Nur eine Branche spürt keine China-Krise. Lesen ...

Kommentar: Ein Wachstum von zuletzt 7,3% in China sorgt für Unruhe in den Industriestaaten. Nicht nur Konzerne wie Caterpillar, 3M, United Technologies und ABB erleben gerade empfindliche Umsatzeinbrüche. Selbst Siemens verzeichnet für die vergangenen sechs Monate 5% Minus.

Noch kann China den Eindruck erwecken, dass der Wachstumsrückgang in einer sogenannten weichen Landung endet. Viele Ökonomen, besonders chinesiche, glauben nicht mehr daran, sondern befürchten eine handfeste Krise. Die offiziellen Zahlen sollen jedenfalls den Eindruck vermitteln, es sei alles in bester Ordnung, eben nur eine Delle. Fest steht für uns: China wird auf keinen Fall dazu in der Lage sein, die deutschen Exporteinbrüche in Europa auszugleichen. Definitiv. 



Looking Ahead To Today’s Noisy Non-Farm Payroll Number
Here ist what Wall Strett expects will be announced at (’30 am Eastern today: Barclays Capital +150K, Deutsche Bank +175K, Goldman Sachs +125K, JP Morgan +145K, UBS +170K, Morgan Stanley +130K, HSBC +170K, Bank of America +155K.

And while as usual the actual number will be largely meaningless, and is merely an indication of our headline chasing nature since as the BLS itself says the error interval is +/- 100,000, a few hundred purely statistic jobs will make or break the market and send it soaring on either “virtuous circle” expectations, or on NEW QE coming back with a bang. Lesen ...

Kommentar: Wir sind schon immer der Meinung, die offizielle US-Arbeitslosenstatistik hat mit der harten Wirklichkeit nichts zu tun. Bitte unseren Beitrag hier noch einmal nachlesen.

Den deutschsprachigen Medien ist das egal. Deren Berichterstatter übernehmen die offiziellen Zahlen  und changieren bei ihren Deutungen regelmäßig zwischen einsetzender Erholung auf der einen und unerwarteter Schwäche auf der anderen Seite. Fürchten alle die Wahrheit?

Die liegt nämlich irgendwo zwischen 18% (GALLUPEconomy) und knapp 23% (John Williams, Shadow Governemnt Statistics). Das ist die Realität.

Den Unterschied macht die Position “Not in Labor Force”, die “Stille Reserve” erwerbsfähiger Amerikaner ab 16 Jahre. Hier werden von der BLS mittlerweile 88,419 Millionen Menschen vor der Arbeitslosenstatistik versteckt, d. h. nicht gezählt. In Deutschland berichtet “querschuesse.de” ständig über die wahre US-Arbeitslosenquote, zuletzt hier

Der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck gibt in einem sehr aufschlussreichen Aufsatz mit dem bezeichnenden Titel "Statistik und andere Lügen"  einen lesenswerten Einblick in die Materie (hier).

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.