Sonntag, 6. Mai 2012

Standpunkt 214 - Nachrichten-Ticker, 05.05.


 Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Schäuble: Spanien muss nicht unter Euro-Rettungsschirm
Spanien kommt nach Einschätzung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble im Kampf gegen die Schuldenkrise ohne Hilfen des Euro-Rettungsfonds aus. “Die Spanier sagen: Wir schaffen es alleine, und ich glaube ihnen das”, sagte Schäuble dem Magazin “Focus” laut Vorausbericht vom Samstag.  Lesen ...

Kommentar: Was für eine Aussage. Eine neue Episode in der unendlichen Geschichte “Europas Lügen haben kurze Beine” (hier). Kürzlich haben wir in den USA eine Übersicht entdeckt, die sich mit dem Ansehen verschiedener Berufe/Tätigkeiten beschäftigt. Der US-Meinungsforscher GALLUP hat im Dezember 2011 eine entsprechende Umfrage durchgeführt und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen: 

Deutlich zu sehen: Weit abgeschlagen am Ende liegen Politiker, Lobbyisten und Autoverkäufer. Selbst Banker und Journalisten haben einen Platz im Mittelfeld. Klar an der Spitze liegen Krankenschwestern, Apotheker und Ärzte. Wir sind fest davon überzeugt, Umfragen in Europa hätten ähnliche Ergebnisse. Es ist klar, warum.


Portugal I: 26 Firmenbankrotte pro Tag – Anstieg von 51,5% in Q1
In Portugal kommt es nach Angaben von Coface, einer Firma im Sektor des Forderungsmanagements, seit Beginn dieses Jahres zu durchschnittlich 26 Unternehmensinsolvenzen pro Tag. Die Firmenbankrotte befinden sich in einem steilen Aufwärtstrend, der im ersten Quartal um 51,5% im Vergleich mit dem Vorquartal zulegte. Ähnlich sieht die Lage im Immobiliensektor aus, in dem täglich fast dieselbe Anzahl von Objekten an die Banken zurück fällt. Hauptgrund ist, dass private Hausbesitzer und Baufirmen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage zahlungsausfällig auf ihre ehemals aufgenommenen Kredite werden. Portugal befindet sich in einer vergleichbaren Negativspirale wie Griechenland. Lesen …

Kommentar: Das europäische Spardiktat für Portugal zeigt Wirkung. In Wirklichkeit fallen die Zahlen noch sehr viel schlimmer aus: Die Insolvenzrate im Restaurantsektor liegt bei 143% im Vergleich zum 4. Quartal 2011. Selbst die Zahl der Firmenbankrotte liegt tatsächlich höher. Die Anzahl stiller Schließungen, d. h. ohne Beteiligung von Gerichten, wird auf einige hundert pro Monat geschätzt.


Portugal II: Große Not an Häusermärkten – Zwangsversteigerungen klettern um 74%
Als ob die Not unter portugiesischen Hausbesitzern nicht bereits groß genug wäre, sieht es momentan danach aus, als ob sich die lokalen Gemeindesteuern verfünf- bis versiebenfachen könnten. Unterdessen ist die Anzahl der Hypothekennehmer an den privaten Häusermärkten, die ihre Objekte durch eine Zwangsversteigerung verloren haben, im ersten Quartal dieses Jahres um 74% im Vergleich mit derselben Periode des Vorjahrs gestiegen. Heimische Banken nahmen in Q1 somit 2.300 Häuser oder rund 26 Objekte pro Tag von den Kreditnehmern zurück. Wie in Spanien und Irland könnte sich die deutliche Zunahme der zahlungsausfälligen Immobilienkredite letztendlich als Sargnagel für Portugal erweisen. Lesen...

Kommentar: Das Kaputtsparen in Europa geht weiter. Die Zunahme von Unternehmenspleiten führt zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote, was zwangsläufig zu einer Zunahme von Ausfällen bei den Hypothekendarlehen führt. Auf die portugiesischen/spanischen/französischen/deutschen Banken kommen neue Zahlungsausfälle in Milliardenhöhe zu, auf Europa die x-te Bankenrettung. Beste Aussichten für die Fortdauer der europäischen Krise über den Termin der US-Präsidentenwahl hinaus. Amerika wird weiter behaupten können, die größten Risiken für die Welt liegen in Europa.


Der Euro war und ist eine Schnapsidee
Den immer weitergehenden Forderungen, die Führungsrolle der Währungsunion zu übernehmen, wird Deutschland nicht mehr gerecht. Daher fordert der Publizist und Historiker Arnulf Baring Deutschlands Austritt aus der Währungsunion. Lesen...

Kommentar: Eigentlich ist gegen solche Leute und ihre hanebüchenen Theorien schon alles gesagt. Wieder wird so getan, als könne nur Deutschland wegen seiner wirtschaftlichen Stärke Europa retten. Dabei argumentiert Baring ganz geschickt so, dass seine Ansicht absolut mehrheitsfähig ist. Zutreffend ist sie nicht. Keine Rede von den wahren Ursachen: der Bankenkrise, den Handelsbilanzüberschüssen auf der einen und den Handelsbilanzdefziten auf der anderen Seite, der fehlenden Konsumneigung in Deutschland, dem Lohnminusmeister, dem Euro-Profiteur. Baring greift einfach in die Luft und entwickelt daraus seine Anti-Euro-Thesen.

Natürlich sind die Kommentatoren dieses Beitrages begeistert. Halten seine Argumente für schlüssig. Übersehen dabei aber, dass die Dinge, die Baring beschreibt, das Ergebnis einer vollkommen verfehlten deutschen Krisenpolitik ist, nicht das Ergebnis der “Schnapsidee Euro”. Die Deutschen hören es nun einmal nicht gerne, dass Deutschland entscheidendes Teil des Problemes ist, jahrelanger Nutznießer des weltweit größten Wirtschaftsraumes mit einer einheitlichen Währung. Seit Gründung der Gemeinschaftswährung hat Deutschland im Handel mit seinen Nachbarn einen Leistungsbilanzüberschuss von über 500 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das konnte nur innerhalb der Eurozone funktionieren, nie und nimmer im Handel mit dem Rest der Welt. Trotzdem hat auch hier der Euro nur Vorteile für Deutschland gebracht. Der Euro ist längst Weltreservewährung, über 30% des Welthandels werden in Euro abgerechnet, sehr zum Leidwesen der USA, was eine weitere Ursache für die europäische Krise ist. Amerika setzt sich dagegen mit allen Mitteln zur Wehr.

Baring ignoriert diese Tatsachen einfach. Stattdessen formuliert  er am Mainstream entlang. So ist ihm jedenfalls die Zustimmung des deutschen Michel sicher. Die Schnapsidee ist der Euro-Austritt oder gleich die Abschaffung der Gemeinschaftswährung.

Vielleicht weiß Baring das sogar und verzichtet deshalb gezielt auf alternative Vorschläge. Was soll es auch sein? Euro-Austritt, Euro abschaffen? Was passiert dann mit den Schulden? Mitnehmen? Dann ändert sich nichts an den Zuständen. Streichen? Bedeutet Milliardenabschreibungen in den Bankbilanzen rund um die Welt, vor allen Dingen aber innerhalb Europas. Möchte nicht erleben, wie GB, Irland, SP, Italien, FR, ja selbst Deutschland damit umgehen wird! GB erzielt knapp 80% seiner Wirtschaftsleistung (BIP) mit den Finanzkonzernen der Londoner City. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist der britische Lebensstandard unterwegs in die 1920er Jahre (lt. BoE). Tolle Aussichten.

Außerdem: Die Kosten solcher Maßnahmen sind überhaupt nicht abzuschätzen. Die einer vernünftigen Lösung schon. Was Teil einer vernünftigen Lösung ist hat A. Kostolany schon Mitte der 1980er erkannt und ist hier nachzulesen. Leuten wie Baring, Sinn, Starbatty, Hankel, Henkel und den anderen Euro-Brandstiftern gefällt so eine Lösung natürlich nicht.  


US-Arbeitslosenquote sinkt auf 8,1 Prozent
Die Lage bessert sich weiter: In den USA ist die Arbeitslosenquote im April um 0,1 Prozent gesunken. Die Quote liegt nun bei 8,1 Porzent. Der Schwung, mit dem neue Jobs angeboten werden, lässt allerdings nach – und auch die durchschnittlichen Stundenlöhne steigen zuletzt kaum noch. Lesen ...

Kommentar: Wir hatten gestern dieses Thema schon aufgegriffen und kommentiert. Heute noch ein Beispiel, wie die offiziellen US-Zahlen hierzulande verbreitet werden. Null Recherche, übernommen wird, was dpa liefert. Es wäre so einfach, diese Zahlen zu überprüfen. Folgende Übersicht ist im Internet frei zugänglich: 
Diese Grafik macht weitere Erklärungen entbehrlich.


Jobs Report, First Impression
This just in: AUSTERITY DOESN’T WORK! It doesn’t work here, it doesn’t work in Europe, it doesn’t work for state and local governments. I’m tempted to ask how many data points we need to recognize this crucial economic truth, but I’m afraid data points don’t have much to do with it. Lesen ...  

Kommentar: Die Aussagen sind klar: Sparen schafft keine Arbeit. Nicht in den USA, nicht in Europa. Wieviele Daten brauchen wir, um diese Wahrheit zu erkennen, aber es ist sicher, dass die Daten nicht viel mit der Wahrheit zu tun haben. 

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.