Montag, 7. Mai 2012

Standpunkt 216 - Nachrichten-Ticker, 06.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Ackermann fordert europäischen Bankenrettungsfonds
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann drängt auf die Einrichtung eines europäischen Bankenrettungsfonds. Ein Fonds zur geordneten Sanierung oder Abwicklung von Banken sei “wünschenswerter denn je”, sagte Ackermann dem Magazin “SPIEGEL” lt. Vorabbericht. Dieser könne “zur Stabilisierung von Bankensystemen, zur Restrukturierung auch großer grenzüberschreitender Banken, zur Sicherung des Finanzbinnenmarkts und zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen durch nationale Regelungen” dienen. Die Re-Nationalisierung der europäischen Bankenmärkte nannte er “besorgniserregend. Lesen ...

Kommentar: Steht es so schlimm um die Banken, wie wir lange schon vermuten und kürzlich erst am Beispiel der Deutschen Bank dargestellt haben (hier)? Einen anderen Grund können wir für die Forderung des smarten Joe nach diesem Rettungsfonds nicht erkennen. Die 1.000 Milliarden der EZB werden sich als Tropfen auf den heißen Stein entpuppen, völlig unzureichend, um die betroffenen Banken wirklich zu retten. Betroffene Banken sind für uns alle, in allen Ländern, die Sparkassen und Genossenschaftsbanken inklusive. Wir wissen, Sparkassenkunden und die Kunden der für ihre Seriosität sich gerne lobenden Genossenschaftsbanken, halten ihre Institute für die letzten wahren und soliden Institute. Eine völlige Fehleinschätzung. Sicherlich stinken die Leichen in den Bilanzen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken nicht so zum Himmel wie die der Privatbank-Konzerne. Leichen haben aber auch die im Keller. Stärker ist der Druck auf die Sparkassen, dank ihrer regelmäßigen 50%-Beteiligung an den Landesbanken. Deren schlechte Verfassung ist bereits hinlänglich bekannt. Sehr aufschlussreich ist ein Artikel, der am 08.04.2012 unter der Überschrift “Die Sparkassenwelt ist die der gegenseitigen Vorteile” bei “welt.de” erschienen ist (hier). Es geht um die Nebeneinkünfte von Provinzpolitikern im Zusammenhang mit ihren Tätigkeiten für Sparkassen und zeigt klar die tiefen, jahrealten Verquickungen in diesem Bereich. Kontrolle findet nicht statt, Sachverstand nicht erforderlich.

Gibt die Politik dieser Forderung nach einem Bankenrettungsfonds nach, was wir befürchten, dann brechen alle Dämme gegen die grenzenlose Macht der Banken. Dann hilft noch nicht einmal mehr Beten.


Zeit, die Wahrheit zu sagen
In Europa sind Privatleute, Unternehmen und Staaten so stark verschuldet, dass alle Verzicht üben müssen – auch die Deutschen. Lesen …

Kommentar: Unsere Meinung über die journalistischen Leistungen der „ZEIT“ ist lange schon im Keller. Zu Recht.

Sicherlich verirrt sich hier und da noch ein Artikel früherer Qualität in die Zeitung, bzw. deren Online-Ausgabe. Der aktuelle Beitrag hätte nicht geschrieben werden müssen und gehört eindeutig in die Rubrik Meinungsmache. Neuigkeiten, gar die Wahrheit, bietet er nicht. Davon gibt es auf unserem Blog mehr.

Vor irgendeinem Gedanken über Euro-Bonds, Vermögenssteuer, Sparen, oder Maßnahmen des "financial repression", müssen die Banken mitsamt ihres Casinobetriebes, ihre Schattenbanken mit den zusätzlichen unkalkulierbaren Risiken, die Hedge-Fonds, usw., kaltgestellt werden. Keinesfalls mit einem Bankenrettungsfonds, wie von Josef Ackermann gefordert. „Rückbau des Finanzsystems“ nannte es der ehemalige Chef der deutschen Bankenaufsicht, Sanio in seiner Abschiedsrede. Dazu reichen die bereits reichlich gegebenen Garantieerklärungen der Staaten und die Liquidität, die von der EZB bereits den Banken zur Verfügung gestellt worden ist. Das Einzige was noch fehlt, ist der politische Wille, um gegen die weltweit größte Lobby und ihre Helfershelfer an den Schaltstellen der politischen Macht (EZB, EU, IWF, Troika, div. Regierungen) zu handeln.  


Sparschwein mit Wachstumsprognose
Statt „Sparpaket“ ist jetzt der „Wachstumspakt“ en vogue: Europas Politiker haben erkannt, dass harte Einschnitte nicht weiterhelfen. Rigides Sparen kann für die Lösung der Schuldenkrise sogar schädlich sein. Stattdessen brauchen die Menschen Hoffnung auf bessere Zeiten. Lesen...

Kommentar: Ein netter Versuch, Zuversicht zu verbreiten. Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun. Ernsthaft ist es auch nicht. Leicht zu erkennen an den mickrigen 10 Milliarden Euro, mit denen das Kapital der EIB erhöht werden soll. Bankenhilfen vs Wirtschaftswachstum im Verhältnis 1000 : 10. Lächerlich. Die Menschen bekommen schön klingende Worthülsen zugeflüstert, die in ihrer Wirkung höchstens als Placebos wirken. Also nur wieder neue Lügen der Art, die wir hier schon eingehend beschrieben haben. Wie lange noch?  


Schuldenkrise: Europa glaubt nicht mehr an das Sparen
Die Stimmung in Europa kippt: Die Rosskur für die Schuldenländer macht alles nur noch schlimmer, sagen die Gegner des Sparens. Und empfehlen üppige Ausgabenprogramme. Lesen...

Kommentar: Keine Ausgabenprogramme, solange die Finanzwirtschaft und ihre im Verborgenen wirkende Parallelwelt nicht an die kurze Leine genommen worden sind. Außerdem die sofortige Aussetzung der Spardiktate, das beschriebene “Tempolimit” ist Quatsch.

Was wird kommen: Die “alternativlosen” Milliardenhilfen für die Banken gehen weiter, die von den im Gegenzug “alternativlosen” Sparprogramme betroffenen Menschen werden mit Mini-Programmen für den europäischen Wachstumspakt beruhigt. Eine winzig kleine Hoffnung haben wir noch. Sie heißt Hollande und die neue griechische Regierung. Letztere könnte aber auch den Austritt/Rauswurf aus Euro-Zone/EU bedeuten, statt eine Veränderung im Umgang mit der Krise in Europa bewirken.


Politiker bangen um das Ende des Sparkurses
Von den Wahlergebnissen in Frankreich und Griechenland hängt das Schicksal der EU ab. Volker Kauder (CDU) fürchtet vor allem Schwierigkeiten im deutsch-französischen Zusammenspiel. Lesen ...

Kommentar: Da haben wir es doch schon. “Auf Druck Frankreichs und der Südländer werde man teure und letzlich unnütze Wachstumsprogramme auflegen”, wird Lüder Gerken, Vorstand des Centrums für Europäische Politik (CEP) zitiert. Es seien “neue bedenkenlose Konjunkturpakete auf Pump, Wahlgeschenke auf Kosten zukünftiger Generationen”, so Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Qirin Bank. Die Gegner solcher Maßnahmen bringen sich und ihre Helfershelfer schon in Stellung. Wie vorhersehbar.  


Morgan Stanley rechnet mit Übernahmewelle aus China
Der Übernahmehunger chinesischer Unternehmen wird nach Einschätzung von Morgan Stanley immer größer. Bereits im vergangenen Jahr sei die Zahl chinesischer Akquisitionen um zehn Prozent auf 56 Milliarden Dollar (42,6 Mrd. Euro) gestiegen, sagt Morgan-Stanley-China-Chefin Wei Sun Christianson in einem am Wochenende veröffentlichten Interview mit Reuters und der “F.A.Z.”. “Auch im laufenden Jahr rechnen wir mit zweistelligen Zuwachsraten”. Lesen ...

Kommentar: Bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen. Verlierer sind die Beschäftigten und der Industriestandort Deutschland. China nutzt die augenblickliche Schwäche Europas kompromisslos aus. 


Verkäufe an privaten Immobilienmärkten Chinas sinken in Q1 um 18%
Die Verkäufe an Chinas privaten Immobilienmärkten sanken im ersten Quartal laut neuester Daten um 18%. Nachdem die kommunistische Staatsführung im vergangenen Jahr weitreichende Restriktionen einführte, um die Kauforgie im Sektor der Einfamilienhäuser und Appartments abzukühlen, befinden sich diese Segmente nun deutlich auf dem Rückzug. Die Kaufzurückhaltung potenzieller Interessenten hat unter vielen heimischen Projektentwicklern zu einer Austrocknung ihrer Liquidität geführt. Diese Situation schafft neue Probleme in anderen Segmenten der Häusermärkte großer Metropolen wie Penking oder Shanghai. Lesen ... 

Kommentar: Stehen die Zeichen doch auf Sturm? Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt, das Volumen der notleidenden Kredite bleibt hoch und nun trifft es auch noch die Immobilienmärkte. Nach den Einfamilienhäusern und Appartments erwischt es die Gewerbeimmobilien. Diese Entwicklung war vorhersehbar. Jetzt geht es darum, ob Chinas Planwirtschaft eine Antwort auf diese Probleme findet. Wir sind gespannt. 


Indiens Steuerzahler: Kapitalisierung von Staatsbanken unumgänglich
Nicht nur Europas Banken haben im Angesicht der Umsetzung der mit Basel III einhergehenden Kapitalauflagen mit einer ernsthaften Eigenkapitalschwäche zu kämpfen. Wie Fitch Ratings gestern ankündigte, müssen auch die indischen Banken frisches Kapital in Höhe von $50 Milliarden aufnehmen, um den Auflagen gerecht zu werden. Ähnlich der Situation in Europa kommt die Notwendigkeit für neue Kapitalaufnahmen durch Indiens Institute zu einer Unzeit. Denn momentan befinden sich die Aktienkurse der meisten Unternehmen deutlich unter Druck, da Investoren eine signifikante Wachstumsabschwächung in Indien prognostizieren.  Lesen ...

Kommentar: Es ist nicht mehr weit her mit den Schwellenländern. Der Glaube an die neuen Lokomotiven der Weltwirtschaft scheint doch sehr auf Sand gebaut. Vor allen Dingen deutschen Managern sollte das zu Denken geben.