Mittwoch, 9. Mai 2012

Standpunkt 219 - Nachrichten-Ticker, 08.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Die Angst der Eliten vor dem Volk
Wie eigentlich kaum anders zu erwarten, hat das Gros der deutschen Medien mit hysterischer Schnappatmung auf den Linksrutsch in Frankreich und Griechenland reagiert. Anstatt das Votum des Volkes zu akzeptieren und zu respektieren, verweist die deutsche Presselandschaft lieber mit gespielter Distanziertheit auf die vermeintliche Reaktion der Finanzmärkte und prophezeit der Eurozone eine “Vertrauenskrise”. Freilich ist dabei nicht das Vertrauen der Bürger, sondern das Vertrauen der Finanzspekulanten gemeint. Die Bürger vertrauen nämlich längst nicht mehr darauf, dass die Politik ihre Interessen vertritt. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob Medien, die ganz offen die Interessen der Eliten und der Finanzlobby über die Interessen des Volkes stellen, überhaupt noch der freiheitlich demokratischen Grundordnung entsprechen. Lesen ...

Kommentar: Wir haben dem Beitrag keine eigene Meinung hinzuzufügen. Gefallen hat uns noch das abgedruckte Zitat des Publizisten Paul Sethe: “Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.”


Kaputtsparen wird die Eurozone nicht retten
Der Euro wäre ohne Griechen besser dran und der Rettungsschirm sollte die Lizenz zum Gelddrucken haben, meint WU-Ökonom Herbert Walther.

Sparprogramm über Sparprogramm wird die Eurokrisenländer nicht auf den Erfolgspfad zurückführen. Warum Griechenland zur Drachme zurückkehren soll, die EZB am Staatsanleihenmarkt intervenieren müsste und Frankreichs neuer Präsident François Hollande den Fiskalpakt nicht aufschnüren wird, erklärt Herbert Walther im Interview. Lesen …

Kommentar: Eine von vielen Meinungen. Auch Walther traut sich nicht an die wahren Ursachen ran: die Staatsschuldenkrise ist im Kern eine Bankenkrise. Mit keinem Wort erwähnt er diese Tatsache. Deshalb können auch seine Lösungsvorschläge nicht zum richtigen Ergebnis führen.


„Euro überlebt auch ohne Griechenland“
Die Rating-Agentur Fitch hält einen Euro-Austritt Griechenlands für verkraftbar. Dies bedeute nicht das Ende der Gemeinschaftswährung. Derweil ist in Athen nun die Radikale Linke mit der Regierungsbildung beauftragt. Ihr Credo: Wir zahlen keine Schulden zurück. Lesen…

Kommentar: Für uns keine Überraschung, dass sich die Agenturen gleich wieder einmischen. Jetzt greifen sie schon von vorneherein in die Entwicklung ein. Sie werden schamlos zu Meinungsmachern. Den Euro-Austritt der Griechen wollen die Ratingagenturen schon lange. Das ist die beste Voraussetzung dafür, hemmungslos weiter gegen die Euro-Zone zu wettern und die Spekulanten mit entsprechenden Bewertungen zu unterstützen.

Natürlich ist eine neue griechische Regierung in Sicht. Spätestens nach einer Neuwahl im Juni. So weit weg ist das nicht mehr. Für uns aber auch eine Option: Eine Machtübernahme durch das Militär. Wäre für EU/EZB/IWF sicherlich nicht die schlechteste Entwicklung.      


In Griechenland haben zwei Drittel Piraten gewählt
Es kann keine Überraschung sein, dass so viele Griechen gegen die Fortsetzung des Sparprogramms gestimmt haben. Man müsste an ihrer Intelligenz zweifeln, wenn sie es nicht getan hätten. Lesen ...

Kommentar: Wirken lassen.


Der Weg ins Chaos
Am 6. Mai rechneten die Griechen mit ihren beiden traditionellen Parteien und deren Absegnung der Sparpolitik ab und ließen die radikale Linke und die extreme Rechte ins Parlament einziehen. Dieses Ergebnis könnte zu einer machtlosen Regierung und sogar zu Gewalttätigkeiten führen, befürchtet ein Kolumnist. Lesen ...

Kommentar: Siehe hierzu die anderen zitierten Nachrichten. Dieses Wahlergebnis kann nicht verwundern, selbst die fehlende Mehrheit war absehbar. Die Menschen in Griechenland sehen die Welt eben nicht mit den Augen deutscher Ökonomen oder Historiker und gleich garnicht mit denen eines Politikers. Beispiel: Die Korruption verursacht in Griechenland “nur” einen “Schaden” von 600 Millionen Euro, ist aber allgegenwärtig. In Deutschland werden die Schäden aufgrund von Korruption auf satte 250 Milliarden Euro geschätzt, alleine 25 Milliarden entfallen auf das Gesundheitssystem, im alltäglichen Leben der Deutschen spielt sie keine Rolle.

Es war eine demokratische Wahl, ohne Wahlbeobachter, also ist Griechenland keine sogenannte Bananenrepublik. Dass die etablierten Parteien erdrutschartige Verluste erlitten haben, liegt an den europäischen Spardiktaten und sicherlich auch daran, dass die Menschen erkennen, wem damit wirklich geholfen wird.

Gewalttäigkeiten gibt es schon seit Monaten und sind auch keine griechische Spezialität, wie ähnliche Entwicklungen in Portugal, Spanien, Italien und sogar in den USA zeigen. Machtlose Regierungen übrigens auch nicht. Wieder einmal wird Griechenland zur Blaupause für die Entwicklungen gemacht, die andernorts längst ebenfalls an der Tagesordnung sind. Uns macht es vielmehr hoffnungsvoll, dass sich die Menschen letztlich doch nicht wie dumme Rindviecher gängeln und am Nasenring herumführen lassen.


Was uns der Euro-Austritt der Griechen kosten würde
Auf bis zu 75 Prozent schätzt mittlerweile die Citigroup die Chance, dass Griechenland die Eurozone verlässt. Für das Land wäre dieser Schritt ein großes Risiko. Für Deutschland könnte es richtig teuer werden. Lesen ...

Kommentar: So, so, die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone liegt bei 50 – 75%. Diesen Ausstieg gibt es nicht umsonst, milliardenschwere Kosten kämen auf Europa zu. Damit kein Chaos ausbricht, müssen die anderen Staaten solidarisch sein. Unternehmen und Banken müssen ihre Forderungen abschreiben, deren genaue Höhe ist nicht bekannt. Gerade die Banken halten ihre Engagements im Verborgenen. Die deutschen Steuerzahler, besser Staatsbürger, wären  mit voraussichtlich 70 Milliarden Euro aus den Hilfspaketen und den Target2-Forderungen betroffen. Aber auch hier gilt: Niemand kennt die genaue Summe. Stichwort Schattenbanken und Zweckgesellschaften. Hier stecken immense Risiken, die niemand bewerten kann, da dieser Bereich der Finanzwirtschaft immer noch völlig unbeaufsichtigt ist. Natürlich enthält der Artikel keinen Hinweis auf diese Unwägbarkeiten, die leicht weitere Milliardensummen ausmachen können, für die die Bürger zusätzlich haften müssen.       


“Damit nicht alles zusammenbricht”
Spanien braucht Zeit, die es nicht hat, die Finanzmisere muss gelöst werden, sagt der spanische Ökonom Valverde. Lesen ...

Kommentar: Natürlich braucht Spanien Zeit, und Griechenland, Portugal, Italien oder auch – nicht zu vergessen – Irland. Und richtig, die Finanzmisere muss gelöst werden. Weder klappt das Eine noch das Andere. Die nach wie vor gültigen neoliberalen Marktregeln haben aber für diese Probleme keine Lösungen parat, also wird weitergewurstelt. Möglicherweise sogar nach einem Plan. Neoliberale Lösungen werden gerade neu erfunden, und wir dürfen dabei sein. Besonders schlimm: wir sind die Versuchskaninchen, denen am Ende, wenn die letzten neoliberalen Ideen ausgehen, nur noch das Fell über die Ohren gezogen wird. Wie das dann geht steht hier.    


Brüssel ist Schuld
Das Schuldenchaos wirft die Frage auf: War Griechenland reif für den Euro? Doch Fehler wurden auch nach dem Beitritt zur Währungsunion gemacht, und nicht nur in Griechenland. Schuld an Armut und Unruhen tragen auch unrealistische Forderungen der anderen Europäer. Lesen...

Kommentar: Bitte ohne Voruteile lesen. Der Beitrag hat es verdient. Es ist der Versuch einer objektiven Betrachtung aus griechischer Sicht. Die die Dinge nicht so vereinfacht darstellt wie vor einigen Wochen der ehemalige deutsche Finanzminister Waigel in der Schweiz: “Griechenland hat gelogen und betrogen” (hier). Fakt ist, dass es seinerzeit politisch gewollt war, dass die Griechen aufgenommen wurden. Daher waren Details zu den griechischen Statistiken offenbar nicht wirklich gewünscht. Ob die bemängelten Punkte in “betrügerischer” Absicht falsch dargestellt wurden, darüber kann man sich unter Bilanzierungsexperten vortrefflich streiten. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund der heutigen Tricksereien im Zusammenhang mit den Bankbilanzen. (Aus: “Die große Griechenland-Lüge”, 09.02.2010, “weissgarnix.de”, leider Online nicht mehr verfügbar)

Vertiefend bitte hier, hier, hier und hier nachlesen.  


Fünf Gründe, warum der Euro nicht abstürzen wird
Die Angst, dass das “linke” Wochenende einen Schwächeanfall der Einheitswährung zur Folge haben wird, ist unbegründet. Lesen ...

Kommentar: Ein sehr interessanter Artikel. Der folgendes feststellt: Es gibt keine Alternativen zum Euro. Hollande will eine Sozialismus-Variante nach skandinavischem Vorbild, die sich, wie Schweden, Dänemark und Norwegen, sehr gut mit einer international wettbewerbsfähigen Wirtschaft verträgt. Innerhalb der EU droht kein Polit-Krach. Ein schwacher Euro löst das Grundproblem nicht. Nicht der Kurs des Euro gegenüber Dollar und anderen Währungen verursacht Bauchweh, sondern das Ungleichgewicht innerhalb von Euroland. Was in Athen in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird, ist unabsehbar. Doch Griechenland ist ökonomisch gesehen unbedeutend.  


“Ohne gesunde Banken gibt es kein Wachstum”
Hollande, Merkel, Lagarde und Draghi: Sie alle verlangen Wachstum, damit Europa aus der Krise findet. Doch wie wächst man eigentlich über sich hinaus? Credit-Suisse-Chefökonom Oliver Adler nimmt Stellung. Lesen ...

Kommentar: Die Überschrift verspricht mehr, als der Beitrag dann hält. Trotzdem als Aussenansicht sind die Aussagen in diesem Interview diskussionswürdig. Sie sind sehr viel mutiger als das, was man in Deutschland liest. 


Der doppelte deutsche Selbstbetrug
Höchste Zeit für zwei unangenehme Wahrheiten: Die Deutschen sind alles andere als ein Vorbild für Haushaltsdisziplin. Und die Euro-Zone muss zur Transferunion werden, wenn sie überleben soll. Doch die Bundesregierung will das nicht wahrhaben und malt sich lieber eine heile Welt. Lesen...

Kommentar: Stimmt alles, greift aber trotzdem zu kurz. 


Deutsche Industrie wird zum Krisenblocker
Erst war es nur die vergleichsweise gute Stimmung, die Deutschlands Wirtschaft dem Abschwung entgegenzusetzen schien. Jetzt drehen die Unternehmen hierzulande wohl tatsächlich auf. Die hiesige Industrie, Deutschlands Wirtschaftsrückgrat, hat ihre Produktion hochgefahren. Lesen ...

Kommentar: Was für eine Story. Und so nachvollziehbar. Top Stimmung überall, wenigstens in den Chefetagen und im Bundeswirtschaftsministerium. Deutschland, eine Insel der Glückseligkeit. Danke Angela Merkel und ihrer geballten Kompetenz. 

Nichts als gut gemachte Propaganda. Aber wir wollen nicht unken: Geniessen wir einfach diese umfassende Zuversicht so lange es sie noch gibt.


Brasilien: Erstes BRIC schon bald in Rezession?
Eine ganze Reihe von brasilianischen Banken geriet an der heimischen Börse seit der vergangenen Woche unter Druck, nachdem die Unternehmen mitteilten, dass ihre potenziellen Verluste aus faul gewordenen Krediten im zweiten Quartal teils deutlich ansteigen werden. Neueste Konjunkturdaten zeigen, dass Brasiliens Industrieproduktion im April schrumpfte und die Unternehmen damit begannen, Arbeitsplätze abzubauen. Die Zentralbank reagierte zuletzt durch eine Senkung ihres Leitzinses um satte 75 Basispunkte auf 9%. Ob diese Maßnahme dabei hilft, die brasilianische Wirtschaft vor dem Abdriften in eine Rezession zu bewahren, wird vielerorts bezweifelt: Die weltweite Nachfrage nach brasilianischen Gütern kühlt sich weiter ab. Lesen ...

Kommentar: Hört, hört, es scheint Schwierigkeiten zu geben, in den Schwellenländern. Nach China und Indien kommen nun auch schlechte Nachrichten aus dem bisher so hoch gelobten Brasilien. Fehlt jetzt nur noch Rußland, dann sind die BRIC-Staaten auch in der aufziehenden Rezession vereint. Wer glaubt denn auch ernsthaft, dass die Krise in Europa, die in Wahrheit desolaten Zustände in den USA und die Schwierigkeiten in Japan nicht auch andernorts tiefe Spuren hinterlassen.

Schon seit Wochen kommen außerdem üble Nachrichten aus Australien, Neuseeland, Kanada, und aus den europäischen Vorzeigestaaten Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland, sogar, wenn auch noch in sehr schwacher Form, aus Norwegen. In Deutschland merkt das nur noch keiner, es fehlt an den entsprechenden Berichten in den Leitmedien. Deshalb dürfen die Manager hierzulande immer noch von tollen Umsätzen in den BRIC-Staaten fabulieren.


Beware of China’s ‘epic’ property bubble
Notoriously bearish on China, Kynikos Associates president Jim Chanos is continuing to caution investors to brace for China’s real estate bubble to burst. The hedge fund manager also sounded the warning bell about the outlook for Chinese inflation. “We’re bearish on China’s property sector and the credit sector”, Chanos told CNNMoney at the Milken Institute Global Conference in Los Angeles. “This is a country that’s in the middle of an epic property bubble and construction bubble that will end at some point and it won’t be pleasant when it ends.” Home sales began slowing last year, he said. But the problem is construction continues to outpace demand, and that can skew China’s gross domestic product figues. Lesen ...

Kommentar: Wir wissen um die grosse Freude der deutschen Wirtschaft und ihrer Anhänger über die wunderbaren Geschäfte mit China. Wir wissen außerdem, dass die offiziellen Zahlen in den Statistiken aus China eine “sanfte” Landung zu bestätigen scheinen. Und wir wissen natürlich auch, dass in den deutschen Medien niemand an diesem Status rüttelt, bzw. diesen hinterfragt. Die US-amerikanischen Medien sind hier schon wesentlich weiter, wie dieses Beispiel zeigt.


Deutsche überschwemmen Russen mit Geld
Die “russische Kaupthing” hat dreimal mehr Geld beisammen als die isländische am Tag der Pleite – und zieht die Notbremse. Lesen ...

Kommentar: Die deutschen Stammtischschwestern und Stammtischbrüder lernen nichts dazu. Außerdem verlassen sie sich auf die Merkel’schen Garantie vom Oktober 2008, nach der die Sparguthaben sicher sind und die Einlagen der Sparer garantiert werden. Kein Gedanke daran, dass die Isländer per Volksentscheid beschlossen haben, für die Verluste ihrer Banken eben nicht aufzukommen. Großbritannien und die Niederlande mussten stattdessen mit mehreren Milliarden einspringen, um das Schlimmste bei britischen und holländischen Sparern zu verhindern. In Deutschland waren es relativ bescheidene 300 Millionen Euro. Heute soll es um rund 1 Milliarde Euro gehen, die die russische Bank in Deutschland eingesammelt hat. Kompletter Irrsinn, was die deutschen Sparer hier veranstalten. 


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