Donnerstag, 10. Mai 2012

Standpunkt 220 - Nachrichten-Ticker, 09.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Moody’s Bank Downgrades Risk Choking European Recovery
Moody’s Investors Service will this month start cutting the credit ratings of more than 100 banks, a move that risks pushing up their funding costs and forcing them to curb lending in a threat to economic growth. Lesen ...

Kommentar: Klangvolle europäische Namen sind dabei: Deutsche Bank, BNP Paribas, UBS, Credit Suisse, HSBC, Barclays, RBS, Lloyds. Bis zu drei Stufen geht es in den Keller. Spielen die Ratings bei dem Zustand der europäischen Krise überhaupt noch eine Rolle? Langsam wird nämlich der Punkt erreicht, ab dem sich Europa, angefangen bei der Eurozone, selbst zerlegt. Über diese Entwicklung, in Deutschland jüngst wieder mehr oder weniger deutlich gefordert, können sich nur Trottel freuen.    


“Banken sind kaum in der Lage, im Privatsektor Geld zu erhalten”
Das spanische Finanzsystem steht am Abgrund. Übermorgen legt die Regierung einen Rettungsplan vor. Doch welche Chance hat Madrid überhaupt noch? ZKB-Ökonom Jörn Spillmann hat Antworten. Lesen …

Kommentar: Eine neue Zahl steht im Raum: 140 Milliarden Euro fauler Kredite sollen es in Spanien sein. Ausserdem wird unsere Annahme bestätigt, wonach der Kapitalbedarf für das gesamte spanische Bankensystem auf 50 bis 120 Milliarden Euro geschätzt wird. Es ist schon lange her, dass wir darauf hingewiesen haben. Klar ist auch: Spanien wird es alleine nicht schaffen. 10 Milliarden Euro an die Bankia-BFA bleiben wirkungslos.


Spanien verstaatlicht drittgrößte Bank des Landes
Die spanische Regierung übernimmt die Kontrolle über die Muttergesellschaft der Großbank Bankia. Das Finanzinstitut mit gut zehn Millionen Kunden war wegen überbewerteter Immobilien in Schieflage geraten. Lesen …

Kommentar: Es ist keine Teilverstaatlichung, wie viele Medien gemeldet haben. Die Bank wird zu 100% verstaatlicht. Das ist nur der Anfang in Spanien, weitere Banken werden folgen. Die Bilanzkosmetik reicht nicht mehr aus, um die Probleme zu verbergen. Europa ist ratlos und lässt die Dinge einfach nur treiben.   


Der Souverän hat gesprochen
Der Rest Europas sollte die griechische Wahl als Warnsignal verstehen. Politischer Erdrutsch oder gar ein Beben? Gerne bedienen sich die Medien solcher Formulierungen, um Umwälzungen bei demokratischen Wahlen entsprechend hervorzuheben. Bei näherer Betrachtung handelt es sich bei der griechischen Wahl von Sonntag freilich eher um eine politische Beschleunigung einer Entwicklung, die auch sonst in Europa vielerorts zu beobachten ist. Lesen ...

Kommentar: Politikverdrossenheit lässt sich auch hierzulande schon seit Jahren beobachten. Und es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, wann auch in Deutschland ultra-rechte Gruppierungen gewählt werden. Eine Entwicklung, die natürlich von den etablierten Parteien bis zum Schluss kleingeredet wird und deshalb so gefährlich ist. Drohende Arbeitslosigkeit, Armut, Leistungsentzug und Zukunftsängste sind die Ursachen.  

 
EZB spricht erstmals offen von griechischem Euro-Aus
Überraschende Töne aus der EZB: Mit Jörg Asmussen thematisiert erstmals ein hochrangiges Mitglied der Notenbank einen Austritt Athens aus der Euro-Zone. Ein Szenario, das mehreren Ökonomen gefällt. 

Kommentar: Jetzt geht es aber Schlag auf Schlag. Nachdem gestern schon die erste Berechnung aufgetaucht ist, was der Euro-Austritt Griechenlands uns kostet, fordern die ersten verkappten Euro-Retter den Rauswurf der Griechen als Plan B. Natürlich mit dem Hinweis auf das Wahlergebnis vom Sonntag und als Antwort auf vereinzelte Forderungen aus Athen, das Sanierungsprogramm “Spardiktat” neu zu verhandeln oder gleich ganz für null und nichtig zu erklären. “Hochrangige deutsche Ökonomen” unterstützen diesen Plan, Griechenland aus dem Euro zu expedieren. Erhöht ganz selbstverständlich den Druck auf die anderen Krisen-Staaten, treu und brav ihre Hausaufgaben zu erledigen, sonst sind sie an der Reihe. Irgendein Hardcore-Ökonom, der Name ist uns gleich wieder entfallen, hat den Kreis der Euro-Staaten vorsorglich schon mal auf 6 – 7 Länder heruntergerechnet.


Jens Weidmann – Zentralbanken sind keine Krisenlöser
Mit außergewöhnlichen Eingriffen der Notenbanken muss bald Schluss sein - sonst wird die Krise verschlimmert und der Euro gefährdet. Lesen ...

Kommentar: Der Autor erklärt die Welt. Aber welche? Kann sich die Krise überhaupt noch verschlimmern? Ist der Euro nicht schon höchst gefährdet? Europa hat sich bei der Lösung seiner Krise verlaufen und irrt verzweifelt umher, um noch einmal zurück zu finden. Wie wäre es mal mit einem Kompass. Nicht einer aus dem Kaugummiautomaten, sondern einer aus dem Laden, bei dem wenigstens die Himmelsrichtungen da sind, wo sie hingehören. Orientierung ist offensichtlich das, was gerade wieder einmal fehlt. Nur damit lässt sich so ein Satz erklären: “Neben den Zinssenkungen hat das Eurosystem eine Reihe geldpolitischer Sondermaßnahmen ergriffen, um den beispiellosen krisenbedingten Herausforderungen für die Preis- und Finanzstabilität zu begegnen.” Wie wäre es denn mit Maßnahmen für mehr Wirtschaftswachstum, zum schnellen Abbau der Arbeitslosigkeit, gegen eine Zunahme der Armut, billiges Geld für die Staaten, um ihren Banken zu helfen, statt es denen für 0,25% in den Hintern zu stecken, die dann für 5,5% Zinsen aufwärts es an ihre Staaten verleihen, die damit dann wieder die Banken ein Stück weit am Leben halten, usw., usw. Die Zeiten haben sich geändert, also müssen sich auch die Zentralbanken ändern. Dazu muss aber erst alles in Schutt und Asche liegen: der Euro, Europa, wahrscheinlich sogar die Welt.         


Bundesbank duldet höhere Inflation
Bislang galten die deutschen Notenbanken als Hüter der Stabilität in einem Ozean aus europäischen Schulden. Doch auch die Bundesbanker müssen sich ökonomischen Realitäten beugen und nehmen künftig in Kauf, dass die Teuerung in der Euro-Zone etwas höher ausfällt. Lesen ...

Kommentar: Bundesbank goes Euro-Krise? Soll der Weg bereitet werden, um der IWF-Empfehlung zu folgen, “einen Anstieg der Gehälter und einiger Güterpreise” als Teil eines Ausgleichsprozesses in der Euro-Zone hinzunehmen, wie der Autor schreibt? Ein Analyst der NL-Bank ING sieht sogar einen “großen Durchbruch”. Die Bundesbank gebe erstmals zu, dass Deutschland Verantwortung für ein neues Gleichgewicht im Euro-Raum übernehmen müsse. Aha, interessant, nicht wirklich.   


Top-Ökonom fordert riesiges Konjunkturprogramm
Der US-Nobelpreisträger Paul Krugman fordert von Deutschland ein Wachstumspaket, um Krisen-Staaten zu helfen. In seinem neuen Buch "Vergesst die Krise!" rechnet er mit der Sparpolitik weltweit ab. Lesen ...

Kommentar: Mr. K(l)ugman und die Sparpolitk – zwei Welten treffen aufeinander. Mit der europäischen geht er besonders hart ins Gericht, hält die Sparprogramme für das falsche Rezept, eine Inflation bis 4% für vertretbar. Als ewiger Gegner des Euro wäre für ihn heute das Ende der Gemeinschaftswährung aber eine Katastrophe. Dagegen fordert Krugman hauptsächlich zwei Dinge: Die EZB müsse notfalls Staaten retten und die Staaten müssten mehr, nicht weniger, Geld ausgeben. Er glaubt, dass die Politik die wahren Ursachen der Finanz- und Staatsschuldenkrise nicht erkannt hätte. Nach seiner Ansicht ist es die Privatwirtschaft, die zu hohe Risiken eingegangen sei. Hier formuliert Amerikas einflussreichster Ökonom reichlich ungenau und kommt nicht auf den Punkt. Da verwundert es auch nicht, dass er mit den Wetten der Banker kein ernsthaftes Problem hat, “Ökonomie ist kein moralisches Spiel”. Vor diesem Hintergrund ist jedes Konjunkturprogramm völlig wirkungslos. Wieder würden nur die Finanzkonzerne gefüttert, die daraufhin ihre Wetteinsätze im weltweiten Spekulationsspiel noch weiter erhöhen. Zwangsläufig entstehen neue Risiken. Das erinnert irgendwie stark an den Zauberlehrling.    


Wie die Allianz in Nahrungsmittelspekulation verstrickt ist
Oxfam-Studie: “Mit Essen spielt man nicht! – Die deutsche Finanzbranche und das Geschäft mit dem Hunger.” Lesen ...

Kommentar: Wem die Erde und ihre Menschen am Herzen liegen, der muss endlich Konsequenzen ziehen. Es gibt mittlerweile genügend Alternativen.