Freitag, 11. Mai 2012

Standpunkt 221 - Nachrichten-Ticker, 10.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


“Es bleiben nur sechs bis sieben Euro-Länder übrig”
Als unabhängiger Vermögensverwalter nimmt Bert Flossbach kein Blatt vor den Mund. Warum es im Euro-Gebälk knirscht, wieso die Börse bald krachen könnte und wie der Staat uns durch Inflation enteignen will. Lesen ...

Kommentar: Sorry, es ist kein Ökonom, es ist ein Vermögensverwalter, u. a. von 1991 bis 1999 bei Goldman Sachs, der den Kreis der Euro-Länder heruntergerechnet hat (vgl. gestern). Aber auch er will einfach nicht anerkennen, dass die Schuldenkrise ihre Ursache nicht darin hat, dass die Länder am Rande der Euro-Zone “anders ticken in Bezug auf Steuern, Abgaben, Korruption.” Flossbach bietet keine Neuigkeiten: Deutschland habe seine Hausaufgaben gemacht, die anderen Länder nicht. Kein Wort davon, dass die europäischen Staaten in den ersten Monaten nach der Finanzkrise mindestens 1,6 Billionen Euro an Hilfen für ihre notleidenden Banken bereitgestellt haben. Offensichtlich eine vernachlässigbare Grössenordnung. Zu gering, um überhaupt erwähnt zu werden. Ohne dass diese Tatsache berücksichtigt wird, ist jede Analyse und jeder Lösungsvorschlag nicht ernstzunehmen.       


Schäuble: Kann Athen nicht zwingen zu bleiben
Führende Politiker der Währungsunion stemmen sich gegen die Erpressungsversuche der griechischen Protestparteien. In Berlin baut man unterschwellig darauf, dass die Brandmauern reichen, wenn das griechische Haus in Flammen aufgehen sollte. Lesen …

Kommentar: Welche Erpressungsversuche? Von welchen Protestparteien? Noch einmal: Griechenland hat demokratische Wahlen abgehalten. Das Ergebnis – offensichtlich eine Wahl gegen das Spardiktat der EU - passt den europäischen Krisenmanagern nicht. Deshalb sind es in deren Augen Aussenseiter, die jetzt Nachverhandlungen verlangen oder gleich ganz die Zahlungen einstellen wollen, wenn Europa nicht noch Zugeständnisse macht, die nicht bei den Banken hängenbleiben, sondern bei den Menschen ankommen. Europas Führer haben natürlich vergessen, dass in den vergangenen zwei Jahren für die als Griechenland-Rettung verkaufte Bankenhilfe der griechischen Regierung diverse Spardiktate abgepresst wurden. Deren Nutzlosigkeit längst bewiesen ist.

Ach ja, die Vertragstreue. Scheinbar auch eine sehr einseitige Sache, die hauptsächlich von den kleinen Partnern in Europa eingefordert wird. Die neue griechische Regierung habe die Regeln einzuhalten, sonst gibt es keine neuen Kredite. In diesem Sinn äußerte sich schon der Luxemburger Außenminister Jean Asselborn. Die vielen Verstösse gegen den Maastricht-Vertrag sind Geschichte.  


UK Bookmakers Suspend Betting on a Greek Euro Exit
Want a flutter on Greece leaving the eurozone? It may already be too late. A surge in bets has forced Britain's biggest bookmakers William Hill Plc and Ladbrokes Plc to suspend betting on the odds of Greece dropping out. Lesen …

Kommentar: Die englischen Buchmacher spüren die Euro-Krise. Ihre Kunden haben den Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone schon eingepreist. Weil die Wettbüros das Verlustrisiko fürchten, gibt es auf der Insel keine Wetten mehr gegen Athen.


Der goldene Schulden-Schnitt
Machtvakuum in Griechenland, wachsende Sorgen um Spanien: Bekommt Europa seine Schulden nicht in den Griff, droht eine fatale Abwärtsspirale. Ein Expertenteam hat nach Wegen aus der Krise gefahndet – mit erstaunlichen Ergebnissen.. Lesen …

Kommentar: Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, die Experten haben gesprochen und präsentieren eine neue Lösung für Europas Krise. Leider ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen. Dinge, die so schon irgendwo zu lesen waren, weil sie mit den uralten Lehren der Ökonomie begründet sind. Der Rest ist „Feigheit vor dem Feind“. Es fehlen Ideen über den Umgang mit den völlig überschuldeten Banken oder auch zur zügigen Verbesserung der Staatseinnahmen über mehr Jobs, mehr Konsum, bessere Steuergesetze. Dazu haben wir kein Wort gefunden. Es geht bei den Lösungsvorschlägen immer nur um den Umgang mit den bisher schon sozialisierten Verlusten der too-big-to-rescue-Finanzkonzerne und, vor allen Dingen, wie die neuen Verluste auch noch in Staatsschulden umgemünzt werden können. Neu ist nur die Idee einer „kontrollierten Inflation“, was noch nie funktioniert hat. Bringen wir es auf den Punkt: Viel Wind um nichts.


“Merkels Fiskalpakt ist Wahnsinn”
Es ist Europawoche, doch Feierstimmung will in Brüssel nicht aufkommen. In Griechenland und Frankreich erstarken Populisten und Nationalisten. Grünen-Parlamentarier Cohn-Bendit gibt Angela Merkel und den deutsch-französischen Alleingängen die Schuld. Am Ende muss er einräumen: Das Europäische Parlament ist vor allem eines - machtlos. Lesen ...

Kommentar: Daniel Cohn-Bendit formuliert es treffend. Deshalb wird der Fiskalpakt in vielen europäischen Ländern in dieser Form freiwillig nicht ratifiziert werden. Gut so. Die Zustimmung wird man den Staaten abpressen, die Hilfe von EU/EZB/IWF brauchen.  


Griechenland schulde den Banken herzlich wenig
Banken hätten den Griechen "Kredite nachgeschmissen". Die Schulden erinnern den Globalisierungskritiker Bello ein wenig an jene von Diktatoren. Lesen ...

Kommentar: Interessante Ansichten und nicht von der Hand zu weisen. Was Walden Bello beschreibt ist die Handschrift des IWF, bekannt für jahrzehntelange erfolglose Krisenbewältigung rund um den Globus.


“Die Griechen werden ihre Ersparnisse verlieren”
UBS-Chefökonom Andreas Höfert warnt vor einer Ansteckungsgefahr für Portugal im Fall eines griechischen Euroaustritts. Zudem stellt er unter europäischen Politikern eine grosse Müdigkeit in Bezug auf die Krise fest. Lesen ...

Kommentar: Der Autor vertritt einige interessante Thesen. Seine Einschätzung zu Portugal teilen wir nicht. Dessen Situation ist sehr wohl mit der Griechenlands zu vergleichen. Aufschlussreich: Nach Höferts Meinung könnte ein Austritt der Griechen (tatsächlich meint er einen Rauswurf) disziplinierend auf die übrigen Euroländer wirken.

Dass die Griechen ihre Ersparnisse verlieren interessiert im restlichen Europa niemand. Vielmehr wird es als gerechte Strafe für die jahrelange Mißwirtschaft angesehen. Wir sind heute schon auf die Reaktionen gespannt, wenn diese Verluste in Europa ihre Runde machen.          


“Hellas Angels” vs. “Austerity Now”
Europa liebäugelt damit, Griechenland aus der Eurozone zu entlassen. Was wären die Folgen? Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt ein Wunsch- und ein Schreckensszenario auf. Lesen ...

Kommentar: Es wird teuer. Trotzdem wären für die Eurozone weitere Intergrationsschritte und eine Transferunion nötig. Selbst Griechenland bleibt für viele Jahre auf die Hilfe seiner früheren Freunde in Europa angewiesen.   


Merkel stimmt Deutsche auf langen Kampf gegen die Krise ein
Keine "Wunderwaffen": Kanzlerin Merkel räumt ein, dass es noch lange dauern wird, die europäische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Staatstragend kommt die Regierungserklärung der CDU-Chefin daher - schnippisch wirkt sie nur bei einem Wortgefecht mit Grünen-Fraktionschefin Künast. SPD-Fraktionschef Steinmeier rechnet anschließend mit Schwarz-Gelb ab. Lesen ...

Kommentar: ... und am Ende dieser Krisenpolitik werden 99% der Deutschen ihre Ersparnisse verloren haben. Staatstragend versteht sich. Wie das geht, steht hier.      


Regierungserklärung: Kanzlerin Merkel lehnt “Wachstum auf Pump” ab
Angela Merkel bleibt ihrer Linie treu: In ihrer Regierungserklärung vor dem Bundestag lehnte die Bundeskanzlerin den Wunsch von Frankreichs designiertem Präsidenten Hollande ab, die Wirtschaft durch schuldenfinanzierte Programme zu beleben. Lesen ...

Kommentar: Jetzt werden von der Kanzlerin auch noch die Spielregeln des Kapitalismus umgedeutet, bzw. für Europa gleich mal geändert. Sie will das Unmögliche: „Der Abbau der Verschuldung und die Stärkung von Wachstum und Beschäftigung sind die beiden Säulen der Strategie“, so die Erklärung. Sie verlangt “Wachstum durch Strukturreformen”, wohlweislich ohne nähere Erklärungen. Die nächsten Wochen werden sicherlich die Nebel über ihren tiefgründigen Aussagen lichten.


EU-Studie zur Finanztransaktionssteuer: Und sie funktioniert doch 
Steuern auf Spekulationsgeschäfte sind stark umstritten. Auch weil es heißt, Geldhäuser würden ihre Geschäfte dann eben ins Ausland verlagern – und damit das heimische Wachstum bremsen. Doch eine neue Studie der EU-Kommission entkräftet alle Argumente gegen die Finanztransaktionssteuer. Sie nennt einen Vorteil der Spekulationsabgabe, an den bisher niemand gedacht hat. Lesen ...

Kommentar: Wäre ja schon mal ein kleiner Anfang. Selbst nur in den 25 EU-Staaten, exklusive Großbritannien und Tschechien. Den Rest der Welt müssen wir nicht gleich bekehren. Die Banken drohen mit Abwanderung? Kein Problem, nachdem sie ihr Vermögen an der Grenze abgeliefert haben. Es könnte so einfach sein ...


Deutsche Sparer beglücken Europas Banken
Ausländische Banken locken deutsche Anleger mit hohen Zinsen. Millionen folgen dem Ruf. Über 20 Mrd. Euro sammelten ausländische Institute in den letzten zwölf Monaten von deutschen Kleinanlegern ein. 

Kommentar: Wie verrückt ist das denn! Erinnert aber irgendwie ein bisschen an die von den deutschen Stammtischen verfluchten Griechen, Portugiesen, Spanier oder Italiener. Offensichtlich suchen auch die Deutschen Sicherheit für ihr Geld im Ausland. Bei Banken, die dem Tode geweiht sind, wenn die weitere Sozialisierung ihrer Verluste fehlschlägt, was absehbar ist.