Montag, 14. Mai 2012

Standpunkt 225 - Nachrichten-Ticker, 13.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Italiens Regierung berät über Einsatz von Armee
Erst das Attentat auf einen führenden Atommanager, dann wütende Proteste und Brandanschläge auf die Steuerbehörde: Italien wird von einer Welle der Gewalt erfasst. Die Regierung erwägt jetzt den Einsatz der Armee. Lesen ...

Kommentar: Die italienische Regierung um den nichtgewählten Technokraten Mario Monti reagiert schnell. Die aufziehenden gewalt(tät)igen Unruhen sollen mit der ganzen Macht des Staates schon im Keim erstickt werden. Ein weiteres Experiment auf dem Weg zur endgültigen Lösung der europäischen Krise. Eines scheint jedenfalls sicher: Die Demokratie bekommt in Europa gerade mächtig was auf die Mütze.


Griechenland erhält nach Euro-Austritt weiter Hilfsgelder
Einem Medienbericht zufolge soll das hoch verschuldete Land auch im Falle eines Euro-Austritts nicht auf europäische Hilfszahlungen verzichten müssen. Wegfallen würden nur die Zahlungen, die direkt an den Haushalt gehen. Lesen …

Kommentar: Was auch sonst, wir haben es bereits thematisiert. Es geht um die Stabilisierung der Bankenhilfen. Andere Hilfen werden unter der Voraussetzung bewilligt, dass Griechenland in der EU bleibt. Markige Sprüche von Horst Seehofer und Philipp Rösler. Letzter wird durch das Wahlergebnis in NRW in seiner unnachgiebigen Haltung erst einmal bestärkt. Wir sind aber schon gespannt, wen zuerst die Realität einholt: Hollande in Frankreich oder die keulenschwingenden deutschen Politiker.   


Europe Blinks: Troika Willing To Change Terms of Greek Bailout Deal
The so-called troika of the European Union, the International Monetary Fund and the European Central Bank is willing to make six important changes to Greece’s financial aid agreement if a pro-European government is formed in the country, Real News said. Lesen…

Kommentar: Na also, geht doch: Europa blinzelt: „Troika ist bereit die Bedingungen für das griechische Hilfspaket zu ändern“. Während in Europa heftig über Einhaltung der Verträge durch die neue griechische Regierung diskutiert wird, versuchen es EU/EZB/IWF-Troika gerade mit ein bisschen Realität gegenüber Griechenland. Eher wird es Wahlkampfhilfe für die erwartete Neuwahl im Juni. Europas Krisenmanagement will unbedingt verhindern, dass die extremen Parteien weiter Zulauf erhalten. Ein schwieriges Unterfangen, wie der folgende Bericht zeigt:


Greece: Latest polls shows clear lead for far-left-Syriza
As Greece wavers with no clear mandate to form a government, latest polls show a distinct turn in favour of the far-left anti-bailout party Syriza. The results indicate if a second election is called Syriza will swoop to first place. Lesen …

Kommentar: Das sind keine erfreulichen Aussichten für die Rettungsbemühungen im Süden Europas. Nach einer neuen Umfrage liegt die extreme linke Partei Syriza unter ihrem Vorsitzenden Alexis Tsipras bei der kommenden Wahl im Juni mit 25,5% als stärkste Partei weit vor den Neuen Demokraten (21%) und noch weiter vor den Sozialisten der PASOK (16%). Die Krise in Europa sind die Politiker, nicht die Schulden.  


A Greek Exit from the Euro Area: A Disaster for Greece, a Crisis for the World
A Greek exit from the Euro Area (EA) has become more likely recently. Greek EA exit would be hugely costly for Greece and yield small benefits. Greek EA exit would also have large negative effects on the rest of the EA through direct and indirect channels. The most important indirect effects would be due to the fact that a taboo was broken that countries do not leave the EA, further increasing pressures on the remaining weak EA countries. Greek EA exit would most likely be preceded by a halt in Troika (IMF, EU/EA, ECB)  funding for the Greek sovereign and banks and would be closely preceded or followed by Greek sovereign default. Greek sovereign default is consistent with Greece remaining in the EA. Deep restructuring involving large NPV losses for both private and official creditors other than possibly the IMF is a given in the case of Greece – a Greek exit from the euro area (EA) is not. For the sake of economic stability and growth in the EA, the wider EU and globally, we hope that this massage is taken to heart by the European authorities. Lesen ...

Ergänzung: Dieser “Global Economics View” des Ökonomen der Londoner Citigroup, Willem Buiter, ist schon einige Monate alt, hat aber an Aktualität nichts eingebüßt. Schon damals wurde in Europa über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone spekuliert, vornehmlich im anglo-amerikanischen Raum. In Deutschland wurde das Thema vom Mainstream nicht ernsthaft aufgegriffen. Buiter schildert in seinem Ausblick sehr plastisch die Schwierigkeiten, die mit dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone verbunden sind. Er sieht durch einen Austritt Europas Glaubwürdigkeit beschädigt und in der Folge erhebliche Probleme für die anderen schwachen Euro-Staaten. Buiter erwartet und hofft, dass es so weit nicht kommt. Nach seiner Auffassung wir die Troika alles versuchen diesen letzten Schritt zu vermeiden, mit dem ein Tabu gebrochen würde. Willem Biuter gehört zu den wenigen Ökonomen, die uns durch gute, machbare Lösungsvorschlage zur europäischen Krise auffallen (vgl. hier). Es ist längst überfällig, diesen Leuten und ihren Ideen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.   


Deutschland entgeht nur knapp einer Rezession
Der boomende Export bewahrt Deutschland laut Ökonomen vor dem Fall in die Rezession. Die Wirtschaft könnte im ersten Quartal nicht nur eine schwarze Null schaffen, sondern sogar leicht gewachsen sein. 

Kommentar: Wer will noch länger behaupten, dass die Schwellenländer die Weltwirtschaft wieder anschieben. Deutschland wird es sein. Während der Rest Europas in den Seilen hängt, profitiert das anerkannte Musterland von der Nachfrage nach seinen Produkten aus Staaten außerhalb Europas. “Deutsche Exporte lassen sich weltweit nicht  so einfach ersetzen”, heißt es da. Sicherlich richtig, nur was passiert, wenn sich in diesen Ländern die Konjunktur deutlich abschwächt, was für die BRIC-Staaten beispielsweise bereits kommuniziert wird? Da soll es die Inlandsnachfrage richten und in der Lage sein, “den Wachstumsstab vom Außenhandel zu übernehmen”. Die angesprochene Binnennachfrage hat in Deutschland, außer in den Vorhersagen von Ifo-Institut und GfK, seit Bestehen der Bundesrepublik noch nie funktioniert. Warum soll sich das plötzlich ändern? Weil Politik und Wirtschaft in schwierigsten Zeiten Zuversicht verbreiten? Wohl kaum. Die Verhältnisse werden schöngeredet und –geschrieben. Anreize schaffen? Das hat auch noch nie wirklich funktioniert. Die Abwrackprämie ist keine Erfolgsgeschichte.  


Jens Weidmann garantiert Deutschen stabile Preise
Bundesbankchef Weidmann wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, sein Haus würde stärker steigende Preise in Deutschland akzeptieren. Er verspricht: Die Inflation wird nicht aus dem Ruder laufen. Lesen ...

Kommentar: Schon wieder eine gute Nachricht: Die Bundesbank kümmert sich um die Stabilität des Euro in Deutschland, unabhängig von der EZB. Weidmann muss dann aber eigentlich bestätigen, was offensichtlich ist: Die Löhne müssen stärker steigen als in anderen Euro-Ländern, “das kann zu Teuerungsraten über dem Euroland-Schnitt führen”. Schon lange monieren Ökonomen, vorzugsweise aus dem Ausland, die unterdurchschnittliche Inflation in Deutschland als einen der Gründe für die Ungleichheit in der Eurozone. Weidmann akzeptiert eine Veränderung dieser Positionen. 


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