Mittwoch, 16. Mai 2012

Standpunkt 227 - Nachrichten-Ticker, 15.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Deutsche wollen Bundesbank-Goldschatz heimholen
Mehr als die Hälfte des deutschen Goldes lagert im Ausland. Eine Bürgerinitiative will es repatriieren. Ihr Vorwurf: Die Bundesbank achtet nicht genug darauf. Selbst der Bundestag ist alarmiert. Lesen ...

Kommentar: Die Initiative hat es geschafft, das Thema ist in dem deutschen Mainstream angekommen. Diese Leute treiben eine Sau durch das mediale Dorf und wissen ganz genau, dass die Sache lange schon erledigt ist. Wir wissen nicht genau wie lange der grösste Teil des  deutschen Goldes schon in London und New York lagert, jedenfalls sind es aber schon Jahrzehnte. Gestern haben wir zu diesem Thema u. a. folgendes erklärt: Bestenfalls 13% des Goldes sind noch greifbar für Deutschland. Die Mengen, die in NY und London liegen, sind definitiv weg. Das pfeifen die Spatzen in den USA schon seit vielen Jahren von den Dächern. Liegt am US-Kriegsrecht. Die Bundesbank weiß das, die Regierung auch. Deshalb gibt es auch keine Informationen mehr. Die Leute, die diese Forderung vor einigen Wochen angestossen haben, kennen diese Hintergründe. Denen geht es nur darum, dass die Bundesregierung/Bundesbank die Tatsache öffentlich macht, das deutsche Gold gilt für die USA quasi als Faustpfand. Diese Auskunft können wir uns so nicht vorstellen, selbst wenn sich jetzt der Haushaltsausschuss darum kümmert. Die Bundesbank ist nach unserer Kenntnis nicht verpflichtet gegenüber der Öffentlichkeit zu dieser Sache Auskunft zu geben.   


Wenn die Drachme wiederkehrt
Die Koalitionsgespräche sind am Scheitern, die Rettungsversuche ebenso - und plötzlich verliert der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion seinen Schrecken: Europa sucht einen Plan B. Was würde der Austritt aus dem Euro kosten? Und welchen Anteil müssten die Deutschen tragen? Lesen…

Kommentar: Mittlerweile wissen wir: in Griechenland werden Neuwahlen stattfinden. Bis heute wird davon ausgegangen, dass die ultra-linke Partei zur stärksten Kraft wird. Was dann passieren könnte, wird in diesem Artikel beschrieben. Was schon wieder fehlt ist eine Antwort darauf, wer das Land finanziell stützt, wenn es den Euro oder gleich die EU verlassen hat. Oder lässt es Europa zu, dass Griechenland innerhalb der europäischen Grenzen völlig verarmt, weil es selbst mit einer nationalen Währung keine Chance hat, seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Es ist längst sicher: Selbst ein völliger Schuldenerlass – es geht immerhin um über 300 Milliarden Euro – reicht nicht aus, das Land lebensfähig zu machen. Vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass vorher noch das Staatsvermögen verwertet werden soll, um diese Schulden zu reduzieren. Eine Verwertung, die von einem deutschen Unternehmen “betreut” wird.


Europa spielt mit dem Feuer
Die Fronten zwischen Griechenland und seinen „Rettern“ verhärten sich von Tag zu Tag mehr. Der Ausschluss Griechenlands aus EU und Eurozone galt zum Jahresbeginn noch als wenig wahrscheinliches und vor allem auch bedrohliches Schreckensszenario. Glaubt man deutschen und österreichischen Regierungsvertretern ist aus diesem Szenario mittlerweile eine Option geworden, die ernsthaft in Betracht gezogen wird. Für Alexis Tsipras, den neuen starken Mann in Athen, ist diese Option jedoch lediglich ein Bluff. Sollte Europa nicht schon bald das Ruder herumreißen, könnte es zu einem Showdown an der Ägäis kommen, der nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa in einer ökonomischen und politischen Katastrophe enden könnte. Lesen …

Kommentar: Der Autor, Jens Berger, bringt es auf den Punkt. Da gibt es erst einmal nichts mehr hinzuzusetzen. Bitte genau hinsehen. 


Keine Angst vor der radikalen Linken
Selbst wenn die Partei von Alexis Tsipras an die Macht kommt – Griechenland bleibt im Euro. Doch über die Hilfsprogramme muss neu verhandelt werden. Lesen …

Kommentar: Noch eine Antwort auf die gerade so moderne Diskussion über einen Rauswurf Athens aus dem Euro. Und keine schlechte. Aber wieder nur etwas für Leute mit einer starken Neigung zu ausgeprägter Informationsvielfalt. Dann gibt es hier Futter.      


Eurogruppe sieht sich in Konsolidierungsstrategie bestätigt
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat angesichts der am Freitag vorgelegten Frühjahrsprognose der EU-Kommission die Konsolidierungsstrategie für den Währungsraum als positiv bezeichnet. Griechenland solle im Euroraum bleiben, aber müsse auch seine Verpflichtungen erfüllen. Zudem haben die Euro-Finanzminister auch die Reformen in Spanien - vor allem im Bankenbereich - begrüßt, die Anstrengungen der Niederlande trotz des Bruchs der Regierung gelobt und Fortschritte für Portugal registriert, sagte Juncker Montag nach der Sitzung der Eurogruppe in Brüssel. Lesen ...

Kommentar: Wie hat sich Juncker innerhalb der letzten Monate verändert. Leider sehr zum Nachteil für den Euro und Europa. Nur noch hinter vorgehaltener Hand äußert er notwendige Kritik an der von Deutschland geprägten europäischen Sparpolitik mit klaren Worten. Was die Eurogruppe hier zu erkennen glaubt, ist das, was sie erkennen will. Mit der Wahrheit hat das wieder einmal nichts zu tun. Dabei wäre es dringend geboten, endlich die Wahrheit zu sagen. Zuerst gegenüber der bankrotten Finanzindustrie, anschliessend gegenüber den Bürgern Europas. Die einen haben es verdient, dass man ihnen auf die Finger haut, die anderen, dass man ihre Lebensgrundlage schützt. Solange beides nicht geschieht, können die bestehenden Probleme nicht gelöst, sondern nur verschlimmert werden. Bis dahin helfen keine Spardiktate, keine Rettungsschirme (die diesen Namen sowieso nicht verdienen) oder Wachstumsprogramme. Außerdem auch keine Schuldenbremse und kein Fiskalpakt. Das ist alles Nonsens, wenn die Finanzkonzerne weiter ihre Leichen in den Bilanzen verstecken dürfen. Wir sehen nämlich gerade in Spanien oder bei der US-Großbank JP Morgan: es funktioniert auf Dauer nicht. Beispiel Spanien: Bewerten die spanischen Banken die Immobilienwerte in ihren Bilanzen nach dem wirklichen Wert, würde sich anschliessend die spanische Staatsverschuldung über Nacht um sagenhafte 50% erhöhen. Das sind aber wirklich nur die sprichwörtlichen Peanuts im Vergleich zu den Leichen, die die 10 weltweit größten Geschäftsbanken (inkl. Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse) bunkern. Da geht es um mindestens 700 Billionen US-Dollar Derivategiftmüll. Das sind unvorstellbare 700 x 1000 Milliarden. Die gesamte Weltwirtschaftsleistung eines ganzen Jahres schafft es noch nicht einmal auf 1/10 dieser Summe. Dieser riesige Giftmüllhaufen spielt in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle, also gibt es ihn nicht. Die Regierungen wären die einzige Macht, die hier noch ordnend eingreifen könnten. Womit die sich stattdessen lieber beschäftigen ist bekannt.


Die Banken könnten den Euro sprengen
Legen wir einmal die Debatte „Sparen versus Wachstum“ beiseite. Die Zukunft des Euro spielt sich im Bankensektor ab. Denn mit der Krise sind Banken und Staaten derart miteinander verstrickt, dass sie sich gegenseitig schwächen. Lesen...

Kommentar: Die Überschrift hat unsere Hoffnung keimen lassen, als hätte jemand das Problem mit dem Euro verstanden. Leider nicht ganz. Sondern nur den Teil, der die PIIGS-Staaten betrifft, und der am Beispiel Spaniens erläutert wird. Da jedoch mit den richtigen Ansätzen. Daniel Gros gehört für uns sowieso zu den “guten” Ökonomen, der auch für den Fall richtige Lösungen parat hätte, wenn die Ursache, die Bankenkrise, nachhaltig bekämpft wird. Aufgrund der jüngsten Entwicklung keimt bei uns die Hoffnung auf, dass dieser Zeitpunkt unaufhaltsam näher rückt.


Schuldenkrise: Griechen sollen langsamer sparen
Im Regierungschaos in Griechenland droht das Sparen unterzugehen - am Ende droht der Euro-Austritt. Aber jetzt häufen sich die Stimmen, die Griechenland stattdessen mehr Zeit einräumen wollen. Selbst ein wichtiger deutscher Wirtschaftsvertreter ist dabei. Lesen ...

Kommentar: An dieser Meldung ist nur interessant, dass sie die jüngsten Äußerungen von Merkel, Schäuble oder auch Weidmann konterkariert. Ausgerechnet der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Driftmann, kommt mit diesem Vorschlag in Deutschland aus der Deckung. Dieser Mann hat erst kürzlich von der Bundeskanzlerin in einem Brief noch härtere Sparmaßnahmen für Deutschland gefordert. Die Angst vor arbeitnehmerfreundlichen Lohnerhöhungen sitzt tief.

Außerdem warnt er vor einem “Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum”. Das klang kürzlich auch noch anders. Sollte das Nachdenken eigesetzt haben? Nur, wie lange hält das an?

Ebenfalls einlenken wollen überraschend Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker und der Wirtschafts- und Währungskommisar Olli Rehn. Jetzt heißt es, eine “voll funktionsfähige” griechische Regierung wäre “berechtigt an den Konditionen des Rettungspakets herumzuflicken”. Gäbe es dramatische Veränderungen der Umstände, “würden wir uns einer Debatte über eine Verlängerung der Fristen nicht verschliessen”, so Juncker. Hört, hört. Seit dem unser Beitrag “Europas Lügen haben kurze Beine” (hier) fertig ist, kommen täglich neue Fälle dazu.


Europa-Finanzminister: Griechenland soll Euro behalten
Die Euro-Länder setzen alles an den Verbleib Griechenlands in der Währungsunion. Das hoch verschuldete Land steuert indes auf Neuwahlen zu. Die Finanzminister der Euro-Staaten appellierten am Montag an das überschuldete Land, unter einer neuen Regierung den vereinbarten Sparkurs bald fortzusetzen. Die immer offener diskutierte Alternative eines Ausscheidens aus der Währungsunion lehnte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach der Sitzung entschieden ab. Lesen ...

Kommentar: Gleich wird schon wieder unglaublich übertrieben. Die Politiker bleiben ihrem zwielichtigen Ruf treu. Jetzt wird noch schnell das “Griechenland-Mobbing” von Kommissionspräsident Barroso und der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter kritisiert. Bei dieser Gelegenheit wird Neuwahlen in Griechenland auch gleich ihre Aufregung genommen. Klang doch in den vergangenen Tagen deutlich anders, oder? Übrigens, die ursprüngliche Überschrift zu dem Artikel hat uns besser gefallen: "Unser unerschütterlicher Wunsch ist es ..."


Hollandes Programm: Die (zu) großen Versprechen
Reform der Rente, Ende der Austerität, Einfrieren der Benzinpreise: Eine Woche nach dem Wahlsieg von François Hollande ist klar: So manches Versprechen aus dem Wahlkampf muss Frankreichs Präsident wieder zurücknehmen. Lesen ...

Kommentar: Hollande hat noch nicht mit seiner Regierung angefangen, da betreibt das Handelsblatt Meinungsmache zu Gunsten der deutschen Regierung, nicht der deutschen Interessen. Warten wir ab, ob sich Monsieur Hollande so sehr beeindrucken lässt.


Worauf sich Hollande und Merkel einigen müssen
Gerade vereidigt und schon in Berlin. Frankreichs Präsident Hollande trifft heute auf Kanzlerin Merkel. Sparen, wachsen oder beides – wie muss der Euro-Kurs aussehen? Lesen ...

Kommentar: Stefan ist ein deutscher Ökonom mit nachdenkenswerten Thesen. Deshalb bekommt dieser Artikel von uns eine dicke Leseempfehlung.


Moody’s stuft Italiens Banken massenweise herab
Die Ratingagentur Moody's hat zum Rundumschlag angesetzt und die Bonität von 26 italienischen Geldinstituten verschlechtert. Für die Institute dürfte es nun schwerer werden, ihr Geschäft zu betreiben. Lesen ...

Kommentar: Die spanischen und griechischen Probleme bleiben nicht alleine. Italien steht nach wie vor auf der Agenda der Spekulanten. Da hilft es nichts, dass die italienische Bankenvereinigung ABI vehement gegen diese Herabstufungen durch Moody’s protestiert (hier). Das Urteil ist gesprochen, die Folgen bekannt. Der Druck auf Europa wird weiter erhöht.


Türkei behauptet sich als Europas Wachstumsmeister
Die Türkei trotzt allen Unsicherheiten: Export, privater Konsum und Investitionen sichern weiterhin ein hohes Wachstum im Tigerstaat zwischen Europa und Asien. Auch Deutschland profitiert von der Entwicklung und bleibt größter Handelspartner der Türkei. Lesen ...

Kommentar: Die F.A.Z. als Speerspitze der Befürworter einer türkischen EU-Mitgliedschaft. Da wird die Wirtschaft der Türkei schon einmal schöngeschrieben. Kein Wort von den 500 Millionen Euro Wirtschaftsförderung der EU jährlich, die genausogut in einem Euro-Land investiert werden könnten. Die Türkei zu umwerben hat machtpolitische Gründe in Vorderasien, hinter denen die USA stehen. Um europäische Interessen geht es hier nicht.


Deutschlands Zugmaschinen stottern
China sollte helfen, Europa aus der Krise zu ziehen. Doch die chinesische Volkswirtschaft, die für einen
Großteil des globalen Wachstums sorgen soll, verliert Schwung. Auch Indien wackelt. Das trifft deutsche Unternehmen hart - Hoffnungen auf ein neues Konjunkturpaket in Fernost steigen. Lesen ...

Kommentar: Wir haben uns den Beitrag auf der Zunge zergehen lassen und bitten dafür um Verständnis. Ein überwiegend kritischer Bericht, dem wir in seiner Tendenz gerne folgen.