Donnerstag, 17. Mai 2012

Standpunkt 228 - Nachrichten-Ticker, 16.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Top-Nachricht: Doch noch ein Lebensgeist in Griechenland
Die griechische Wirtschaft wächst wieder - das ist ein Hoffnungsschimmer für das geplagte Land. Und ein Grund mehr, warum eine pragmatische Regierung an die Macht kommen sollte. Die Griechen sollten das bei ihrer nächsten Wahl bedenken. Lesen …

Kommentar: Diese Nachricht verdient heute Top-Status. Wir müssen da etwas übersehen haben. Oder der „Reuters“-Korrespondent hat sehr genau hingesehen, um diesen Wirtschaftsaufschwung zu entdecken. Da liegt ein Land in Trümmern, offensichtlich ohne Perspektive, aber mit neuem Wachstum. Wenigstens der Schluss des Artikels stimmt versöhnlich, aber lesen Sie selbst.


Total konzeptlos
Man hat sich in den letzten zwei Jahren allmählich daran gewöhnt, dass das Management der Eurokrise alles andere als optimal ist. So schlimm wie zurzeit war es aber noch nie. Lesen ...

Kommentar: Schweizer haben den Vorteil, dass sie die Dinge in EU-Europa aus nächster Nähe, aber trotzdem mit einem gewissen Abstand beurteilen können. Nicht mit allem muss man zustimmen, was aus dem Nachbarland an Einschätzungen oder Ratschlägen kommt. Vieles ist jedoch so erfrischend, das zu lesen klärt die Gedanken: Sparstrategie gescheitert, kein Ende der Krise in Sicht, das Euro-Aus Griechenlands logisch, usw. Wie gesagt, nicht alles ist richtig, aber nachvollziehbar.    


EZB stoppt Refinanzierung griechischer Banken
Die Europäische Zentralbank stellt Medienberichten zufolge die Refinanzierung von vier kriselnden griechischen Banken ein. Den betroffenen Instituten bleibt nur noch die Unterstützung der griechischen Zentralbank. Die EZB will das Gerücht nicht kommentieren.  Lesen …

Kommentar: Eine zielführende Entscheidung, die jetzt wieder die griechische Notenbank zum Handeln zwingt. Handeln, mit dem auch wieder nur die Euro-Zone belastet wird. Eine Schublade geht zu, eine andere auf. Planlos.  


„Die Bedingungen für Griechenland liegen auf dem Tisch“
Ein Austritt aus der Euro-Zone könnte Griechenland den staatlichen Kollaps bringen. Die Wirtschaftsweise Claudia Buch über die Finanzkrise, die Problematik von Euro-Bonds, und die schwierige Lage der EZB. Lesen…

Kommentar: Unglaublich engstirnig. Europa wird nicht nur kaputtgespart, sondern auch kaputttheoretisiert. Weiter so, das Ende ist ganz sicher kein Silberstreif am Horizont und nie und nimmer Wachstum, Jobs, Schuldenabbau.    


„Die Südländer haben sich kaputtgespart“
Der Wirtschaftsweise und VWL-Professor Peter Bofinger kritisiert die Rezepte der Politik für Euro-Land. Im FOCUS-Online-Interview moniert er zu starkes Sparen und zu geringes Wachstum und nennt seine Medizin für die Gemeinschaftswährung. Lesen …

Kommentar: Eine andere Meinung, der Gegenentwurf zu Frau Buch. Viel näher an der Wirklichkeit. Will nur in Deutschland niemand hören. Die nächsten Wochen zwingen aber ein Umdenken.


Euro-Austritt Griechenlands könnte Frankreich in die Knie zwingen
Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde Frankreich einer Studie zufolge mit bis zu 80 Milliarden Euro belasten. Lesen ...

Kommentar: Wieder eine Berechnung zum griechischen Euro-Rauswurf. Wir haben das in den letzten Tagen schon hinreichend kommentiert. Nur noch soviel: wer glaubt, die Spekulanten werden sich mit Griechenland zufrieden geben, der befindet sich im 7. Himmel. Der Euro ist das Ziel, die Griechen wären da nur ein Etappensieg. Dann rechnen die Experten nicht mehr nur in Milliarden, dann geht es um Billionen. Und um die Frage, was mit den Kreditversicherungen passiert, deren Bedienung bereits bei der bisherigen griechischen Teillösung nur mit Mühe geleistet werden konnte.


Appetiser cost of Greek exit ist €155bn for Germany, France: trillions for meat course
Eric Dor’s team at the IESEG School of Management in Lille has put together a table on the direct costs to Germany and France if Greece is pushed out of the euro. Lesen ...

Kommentar: Ambrose Evans-Pritchard vom britischen “Telegraph” zitiert eine Studie und nennt ganz andere Zahlen und kommt zu völlig unterschiedlichen Belastungen. Danach wird Deutschland mit über 20 Milliarden Euro mehr belastet als Frankreich. Die Wirklichkeit bildet diese Studie leider auch nicht ab. Trotzdem sollten diese Zahlen Europas Top-Krisenmanagern die Tränen in die Augen treiben ...


IIF warnt vor Griechenland-Ausstieg – IWF lobt Italien als Vorbild für Europa
Der internationale Bankenverband IIF warnt vor gravierenden Folgen eines Ausstiegs Griechenlands aus der Euro-Zone. Für den Rest Europas seien die Ansteckungsgefahren riesig, sagte IIF-Geschäftsführer Charles Dallara am Mittwoch in Dublin. "Der Druck auf Spanien, Portugal, selbst Italien und möglicherweise auch Irland wäre immens." Es sei zwar möglich, dass Griechenland die Währungsunion verlasse. Das sei aber nicht wahrscheinlich - oder gar unvermeidbar, betonte der Bankenlobbyist. Lesen ...

Kommentar: Sollte den Banken die Sache doch noch entgleiten? Denen kann an dem griechischen Eurozonen-Aus nichts liegen, kommen dann doch neue Probleme hoch, die nach unserer Auffassung bisher in keiner der vielen Berechungen über die Kosten des Austritts/Rauswurfs berücksichtigt sind. Der Grund liegt auf der Hand: niemand will sich die Finger verbrennen.

Das IWF-Lob für Italien: ein Fake. Wieder so eine kalkulierte Lüge. Es genügt ein Blick auf die neuen Wirtschaftsdaten, die Arbeitslosenzahlen oder – auch ein Aspekt der als Reformen verkleideten Spardiktate – der sprunghaft gestiegenen Selbstmordrate.


François Hollande betritt die internationale Bühne
Als François Hollande unmittelbar nach seiner Wahl zum französischen Präsidenten von einem Journalisten gefragt wurde, in welcher Sprache er sich bei seinem ersten Treffen mit US-Präsident Barack Obama unterhalten würde, gab er eine aufschlussreiche Antwort. „Ich spreche fließender Englisch als der frühere Präsident“, sagte der sozialistische Parteichef in Anspielung auf seinen Vorgänger Nicolas Sarkozy. „Aber ein französischer Präsident muss Französisch sprechen!“ Lesen ...

Kommentar: Die öffentliche Meinung in Deutschland glaubt fest daran, dass der französische Präsident von Berlin auf Linie gebracht werden kann. Noch ist das Ergebnis offen. Wir sind anderer Auffassung. Hollande bringt sehr wahrscheinlich frischen Wind in Europas Krise. Ob er damit was bewegen kann, lässt sich schwer einschätzen. Seine Gegner sitzen innerhalb und außerhalb Europas. 

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