Freitag, 18. Mai 2012

Standpunkt 229 - Nachrichten-Ticker, 17.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Jugendarbeitslosigkeit: “Manche Länder müssen ihr Wirtschaftsmodell komplett ändern”
Eine hohe Jugendarbeitslosigkeit belastet eine Gesellschaft auf Jahre hinaus, sagt OECD-Expertin Glenda Quintini. Sie fordert Bildungsreformen und mehr Kündigungsschutz. Lesen …

Kommentar: Das passt aber so gar nicht in die aktuellen Vorstellungen der Reform des Arbeitsmarktes und den Einsparungen bei den Bildungsausgaben in den Staaten mit mittlerweile extrem ausgeprägter Jugendarbeitslosigkeit, wie Griechenland und Spanien. Diesen Ländern wurden doch ausdrücklich als Teil der aufgezwungenen Sparprogramme milliardenschwere Einsparungen in diesen Bereichen abverlangt. Die Situation der Jugendlichen war schon vor diesen Maßnahmen nicht rosig, jetzt wird ihnen dieses Wenige auch noch genommen. Die von Frau Quintini geforderten Reformen kosten Geld, viel Geld. Als Teil des neuen Wachstumspakts für Europa kommen sie auch nicht in Frage: Es entsteht kurzfristig kein Profit mit dem die Staatsschulden reduziert werden können.  


Die Scham der italienischen Kleinunternehmer
Eine Suizidserie hat Italien aufgeschreckt. In der Wirtschaftskrise ist das Vertrauen zwischen Banken, Behörden und Kleinunternehmern empfindlich gestört. Lesen ...

Kommentar: Es ist eine unglaubliche Schande, was da passiert. Die erfolglose Sparpolitik des Technokraten Monti kostet Menschenleben. Und sie wird noch verschärft. Wir müssen daran erinnern: Dahinter steht die Germanisierung Europas. Es sind Beschlüsse aus Berlin, dem Amtssitz von Angie I., Kaiserin von Europa (vgl. hier), die jetzt in Südeuropa umgesetzt werden. In Italien zudem von einer nicht gewählten Regierung. Die Auflehnung der Menschen wird zunehmen, das ist gut so.       


Super-Marios Absturz
Enttäuschende Bilanz: Seit Amtsantritt des Ministerpräsidenten Mario Monti im November 2011 bricht die italienische Wirtschaft dramatisch ein. Die Opposition fordert ein Ende des Sparkurses. Für die Rettung der Euro-Zone ist das Land von immenser Bedeutung. Lesen …

Kommentar: Wieder ein Beweis dafür, dass es nicht funktioniert, das Spardiktat aus Deutschland, überwacht von EU/EZB/IWF und Troika. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Das von den Europäern in Italien eingesetzte Technokratenkabinett unter dem Ex-Goldman-Sachs-Jünger Monti versagt auf ganzer Linie. Es ist gar nicht lange her, da wurde Monti als Heilsbringer, als “Mario Monti, der Star-Reformer” gefeiert: “Fast geräuschlos baut Italiens Regierungschef Mario Monti das Land um. Ihm gelingen Reformen, an denen Silvio Berlusconi kläglich gescheitert ist”, schreibt am 20.03.2012 die “Zeit” (hier). Natürlich war der damalige italienische Ministerpräsident nicht in der Lage, sein Land in der aufziehenden Krise noch weiter zu führen. Nur ist es Monti offensichtlich auch nicht, wie sich gerade eindrucksvoll zeigt: Er spart das Land in eine tiefe Rezession und wirft es damit den Spekulanten endgültig zum Frass vor. Tolle Leistung.


Spanien zittert vor dem Gespenst der Insolvenz
Die Madrider Börse ist im freien Fall, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen klettern in den kritischen Bereich, die Banken wackeln: Spanien kann den Druck der Märkte nicht mehr lange aushalten. Lesen …

Kommentar: Erstaunlich, diese Überraschung. Zeichnet sich doch schon seit Monaten ab, was gerade in Spanien passiert. Deshalb helfen auch keine Schuldzuweisungen an Griechenland. Die Verursacher sitzen woanders: in New York, London, Frankfurt, Berlin und Brüssel. Andererseits: Griechenland ist der Feldversuch, das „learning by doing“ der europäischen Krisen-Manager und ihrer vielen Souffleure. Da darf sich Spanien nicht wundern, wenn die Einschläge näher kommen. Offensichtlich hat auch dort schon ein Banken-Run begonnen.   


Griechenland wird Europa immer gleichgültiger
Es sollte den Griechen zu denken geben, dass niemand aus Brüssel ihnen mehr droht. Sie sollten sich genau überlegen, wo sie ihr Kreuz diesmal machen. Denn eine dritte Chance wird es nicht geben. Lesen …

Kommentar: Starke Worte aus dem deutschen MeinungsBILDungs-Verlag. Die Zustimmung der Deutschen ist dem Autor sicher. Schliesslich halten aktuell 49% den Euro für eine schlechte Sache. Ob sich aber die Griechen davon beeindrucken lassen und diejenigen wählen, die ihnen diese Sache „Spardiktat“ und seine Folgen eingebrockt haben? Hans-Werner Sinn, der ultra-nationale Altmeister der deutschen Ökonomen fordert doch schon seit vielen Monaten den Austritt Griechenlands als beste aller Optionen für das Land selbst und Europa. Da wäre doch eine radikale Linke, wenn auch demokratisch gewählt, die beste Voraussetzung für einen Rauswurf.


Euro-Krise: Deutschland droht Billionen-Verlust
In einem Interview spricht sich der Chef des Ifo-Instituts erneut für den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aus. Deutschland könnte wegen der Krise außerdem fast eine Billion Euro verlieren. Lesen ...

Kommentar: Der deutsche No. 1-Ökonom (lt. Ranking der “Wirtschaftswoche”) assistiert beim Griechenland-Bashing. So ganz nebenbei spekuliert er mit einem möglichen Staatskonkurs der PIGS-Staaten und ruft auch schon das Ende des Euro aus. Der Mann ist ein Krakeeler und, sehr viel schlimmer, ein Brandstifter, sonst nichts. Fundierte, begründete Ideen – gerne auch akademisch verbrämt – sind schlicht Fehlanzeige. Das Wort “Sinn-voll” bekommt für uns eine ganz neue Bedeutung. Deshalb verzichten wir gleich ganz auf alle Worte mit diesem Bestandteil. Seine Berechnung ist – natürlich – fehlerhaft. Es sind die Derivate, stupid, die uns das Genick brechen werden. Da geht es gleich um viele Billionen USD, wie das Beispiel Deutsche Bank hier eindrucksvoll zeigt. Dazu reichen ein paar Milliarden demnächst in Spanien oder auch schon der Euro-Rauswurf Griechenlands (ja, Sinn und die anderen nennen es beschönigend “Austritt”), um diese Kernschmelze in Gang zu setzen. Dagegen ist seine Berechnung wie ein Blick in die Portokasse.  


Wolfgang Münchau: Griechen raus – und dann?
Werft Griechenland aus dem Euro - diese populistische Forderung macht sich allmählich die Politik zu eigen. Doch wenn die Griechen gehen müssen, werden auch Frankreich und Italien nicht mehr zu halten sein. Und am Ende? Besteht die Euro-Zone womöglich nur noch aus Deutschland und Österreich. Lesen ...

Kommentar: Lesen, lesen, lesen und nochmals lesen. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Höchstens noch “liebe Grüsse nach München”.  


UBS-Weber: Griechenland soll im Euroraum bleiben
Für UBS-Präsident Axel Weber ist ein Verbleib Griechenlands in der Eurozone wünschenswert. Lesen ...

Kommentar: Was ist los mit Herrn Weber. Hat er nachgerechnet? Für “seine” UBS? Nachvollziehbar.


Die Angst vor dem griechischen Bankenbeben
Die Sparer flüchten, die EZB gibt kein Geld mehr: Die katastrophale Lage von Griechenlands Banken lässt Investoren und Politiker zittern. In Großbritannien bereitet sich die Regierung angeblich schon eilig auf die Folgen eines griechischen Euro-Austritts vor. Und Spanien fürchtet die Ansteckung. Lesen ...

Kommentar: Für Europa doch alles kein Problem, so der allgemeine Tenor. Die griechische Notenbank wird es schon richten, am Ende doch wieder die EZB. Das europäische Haus brennt und diejenigen die dem Feuer am nächsten sind, versuchen sich zu retten. Ein ganz normaler Reflex, oder? Jetzt schon die Spanier, demnächst auch die Italiener. So what? Alles kein Problem für die Krisen-Politiker in Europas Mitte. Die Finanzmärkte werden sich schon beruhigen, wenn erst alle Maßnahmen gegriffen haben. Die Finanzmärkte? Welche Finanzmärkte? Das ist neoliberales Wunschdenken, die Wirklichkeit sieht anders aus. Wir erleben ungehemmte Spekulation, die sich am Elend der Menschen nur weiter bereichert, so wie es schon seit Jahren geschieht. Das Ende ist zwar absehbar, aber fatal.


Griechen-Krise versetzt Welt in Euro-Panik
In aller Welt wächst die Furcht vor einer neuen Finanzkrise, falls Griechenland nach den nächsten Wahlen Mitte Juni aus dem Euro ausscheiden sollte. Briten-Premier Cameron sieht schon die Euro-Zone insgesamt in Gefahr. Lesen ...

Kommentar: Schon im Ansatz falsch. Es gibt keine neue Finanzkrise, die alte hat sich einfach nur weiterentwickelt. Trotzdem lesenswert. Ja, die Briten. Immer auf Augenhöhe mit der Krise, manchmal sogar schon einige Meter davor. Hören halt das Gras wachsen. Nur, was will Cameron tun? Sein Land ist schon lange pleite, der Lebensstandard unterwegs in die 1920er Jahre, die Jugendarbeitslosigkeit hoch, die Bildung nicht mehr der Rede wert, die Sparprogramme sind ambitioniert, aber nicht erfolgreich. Keine guten Voraussetzungen, um den aufziehenden Sturm – Hurikan Katrina war dagegen ein laues Lüftchen – einigermaßen zu überstehen. Aber auch auf der Insel gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.


Mit Hollande wird es Merkel nicht leicht haben
 Das erste Treffen zwischen Frankreichs Präsident Hollande und Kanzlerin Merkel verlief kühl. Der Gast machte klar, dass über Europa neu verhandelt werden muss. Lesen ...

Kommentar: Hoffentlich. Hollande ist erlaubt, was Griechenland verwehrt wird: über den Nutzen der Spardiktate in Europa nachzudenken und – besser noch – neu zu verhandeln. Nur muss er sich beeilen, sonst steht Frankreich selbst unter massivem Druck der Spekulanten. In Amerika wird schon getrommelt und mit den Füssen gescharrt.