Samstag, 19. Mai 2012

Standpunkt 231 - Nachrichten-Ticker, 18.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Banken fürchten Griechenlands Euro-Austritt wie Weltuntergang
Die internationalen Banken sorgen sich wegen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone. Sie fürchten katastrophale Folgen - und sprechen gar vom Weltuntergang. Lesen …

Kommentar: Den Bankern schiessen so langsam die Tränen in die Augen. Der Weltuntergang wird beschworen. Schon bei einem endgültigen Bankrott Griechenlands als Folge des Rauswurfs aus der Euro-Zone schlottern den Welt-Finanzkonzernen die Knie. Ihr Ratschlag: Eine „Anpassung“ des Rettungsprogramms für Griechenland „an die neuen Realitäten“, d. h. mehr Zeit, um die Sparziele zu erreichen. Schnell bringt sich auch noch der scheidende Weltbank-Chef Zoellick mit seiner Sorge um die Folgen eines griechischen Euro-Austritts und seine Folgen für Spanien und Italien in Stellung. Echte Lösungsvorschläge werden keine angeboten. Wäre doch nicht schlecht, es geht doch eigentlich noch immer nur darum die Banken zu retten. 


EU-Kommissar: “Das Endspiel hat begonnen”
In der Griechenlandkrise ist ein weiteres Tabu gebrochen: Erstmals hat ein EU-Kommissar zugegeben, dass sich die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission auf einen Austritt Athens aus der Eurozone vorbereiten. Lesen ...

Kommentar: Der zweite Teil seiner Aussage ist sehr viel aussagekräftiger: “... und ich weiß nicht, wie es ausgehen wird”, so das Zitat des EU-Handelskommissars Karel de Gucht weiter. Darin steckt nämlich das ganze Dilemma der europäischen Krisenmanager: Sie haben keinen Plan. Sie versuchen mit uralten Mitteln aus der Frühzeit des vergangenen Jahrhunderts eine Krise zu bekämpfen, die in Ursache und Wirkung unvergleichlich ist. Keine der bisherigen Krisen, die “Great Depression” von 1929 inklusive, taugt als Vorbild. Es wäre nach unserer Einschätzung eine Mischung aus Keynes und Erhard mit der diese Krise gelöst werden könnte. Unabdingbare Voraussetzung dafür: vorher muß den Banken ihr nutzloses Handwerk gelegt werden. Geschieht das nicht, kommt es zum Kollaps bei dem nur noch eine Frage zu klären ist: Wer geht als erster durch diese Tür? Europa oder die USA. Gerade sieht alles nach Europa aus. Die in Aussicht gestellten Notfallpläne erinnern an die Bezeugungen aus den letztjährigen Gipfletreffen der europäischen Lenker unter der Regie von Frau Merkel, der neuen “Eisernen Lady” in Europa, Maggie Thatcher läßt grüßen. Ein möglicher Dominoeffekt? Vernachlässigbar, so der EU-Handelskommissar. Natürlich wäre nur in Griechenland das Chaos enorm. Liest der Mann keine Zeitungen? Sieht er nicht, was gerade schon in Spanien passiert und sich in Italien vorbereitet? Doch, aber immer noch gilt die Devise: Lasst uns die Öffentlichkeit einfach weiter beschwichtigen, lasst uns Tricksen und Täuschen, Handlungsfähigkeit demonstrieren, immer neue Ideen aus dem Hut zaubern, denen wir klangvolle Namen geben, währenddessen wir in Wirklichkeit hilflos zuschauen, wie alles vor die Hunde geht.    


Brüderle: Austritt Griechenlands aus Euro beherrschbar
FDP-Fraktionschef sieht keinen Anlass für Nachverhandlungen über Hilfspaket. Lesen …

Kommentar: Steht hier als Beweis für unseren vorangegangenen Kommentar. Rainer Brüderle, der Meister der Sprechblasen. Unkommentierbar.  


Griechischer Linkspolitiker droht Europa
Der Chef der linksradikalen Syriza-Partei bietet Europa die Stirn. In einem Zeitungsinterview sagt Alexis Tsipras, Griechenland werde seine Schulden nicht mehr bedienen, falls Europa sein Land nicht mehr finanziert. Lesen…

Kommentar: Das neue deutsche Feindbild. Der Ton wird rauer. Logisch, in Griechenland ist noch Wahlkampf und Tsipras will sein Ergebnis weiter verbessern. So wie die Berliner Parteien aller Couleur darauf reagieren, bleiben seine Chancen gut. Ein Glück, dass es diesen Tsipras gibt, damit lässt sich sehr gut von den wahren Schwierigkeiten ablenken, die heißen aktuell Spanien und Italien, ein bisschen auch noch Portugal. 


Moody’s zerreißt Spaniens Banken
Krisenherd Spanien: Moody's stuft die Kreditwürdigkeit von 16 spanischen Banken um eine bis drei Stufen herab. Lesen …

Kommentar: Treffender kann man das nicht beschreiben. An den deutschen Stammtischen hören wir Beifall. Demnächst sind die Spanier die neuen Griechen. In jeder Beziehung. Am Montag 26 ital. Banken jetzt sind die spanischen an der Reihe, demnächst wieder die französischen, usw. Uns ist klar, der deutsche Mainstream ist ernsthaft der Meinung, dass die Ratingagenturen einen guten Job machen . Das Erwachen aus diesem Traum wird brutal sein. Ein bisschen Kopf-Futter bieten wir hier.


Griechenlands Countdown zum Bankrott
Griechenlands Politiker glauben, noch Spielraum zu haben. Ihr neuer starker Mann, Alexis Tsipras, droht Europa ganz unverhohlen. Dabei steht schon fest, wann sich Athens Katastrophe ereignet. Lesen ...

Kommentar: Lesen und wirken lassen. Wer uns regelmäßig liest, der wird auch die richtigen Schlüsse ziehen. Alle anderen müssen nachsitzen und sich durch unseren Blog arbeiten. Wir erleben hier journalistische Meinungsmache auf relativ hohem Niveau. Sehr gefährlich. Übrigens, die EZB kann der griechischen Notenbank die Notstützung gar nicht verbieten. Das wäre der berühmte Schuss in den Rücken, nicht nur für Griechenland, sondern gleich für die gesamte Euro-Zone.


Athens Schrei vernehmen
Statt die griechischen Verantwortungsträger wie Aussetzige und ihre Wähler wie Pestkranke zu behandeln, täten die europäischen Führungsspitzen, und allen voran die Deutschen, besser daran, ihnen Gehör zu schenken. Stattdessen haben sie nur ihre wirtschaftlichen Forderungen im Kopf. Allerdings lassen sie dabei die demokratischen Grundsätze außer Acht und nagen so am Fundament der Union.  Lesen ...

Kommentar: Empfehlenswert, bitte sorgfältig lesen. Es lohnt sich wirklich. Ein unverstellter Blick auf das, was wirklich wichtig ist. Aus Italien. In Deutschland z. Zt. nicht möglich.   


Hohe Schulden sind das Problem der Gläubiger
Griechenland ist in einer stärkeren Verhandlungsposition, als zu vermuten wäre. Verweigern die öffentlichen Gläubiger weitere Kredite, schaden sie sich selbst. Lesen ...

Kommentar: Noch eine interessante Außenansicht. Wer sich unabhängig informieren möchte, muß ausweichen. Wir versuchen zu helfen. An dieser Stelle mit einem Zitat, sinnigerweise aus dem Mund eines Griechen:  “Wenn man der Bank eine Million schuldet, hat man ein Problem. Wenn man der Bank 100 Millionen schuldet, hat die Bank ein Problem.“ (Aristoteles Onassis)


Trichet will drastische Maßnahmen zur Eurorettung
Im Eurodrama schaltet sich ein alter Bekannter ein – mit einem drastischen Vorschlag: Ex-EZB-Chef Trichet fordert, ein EU-Land im Extremfall quasi zu entmündigen – und seine Fiskalpolitik anderen Staaten zu überlassen. Lesen ...

Kommentar: Wer schützt uns vor solchen Leuten? Eine Konkursverwaltung, am besten noch von Goldman Sachs, oder wenigstens von Leuten, die von Goldman Sachs ausgebildet wurden. Das würde unseren Politikern so richtig in den Kram passen. Und am Ende ihrer Karriere schnell einen der neuen Arbeitsplätze ergattern, die in der EU-Konkursverwaltung zwangsläufig entstanden sind. Für viel Geld versteht sich, was der Pleite-Staat irgendwie aufbringen muß. Die Perversion der Vorschläge kennt keine Grenzen.


USA warnen Europa: Mehr gegen die Krise tun
Vor dem G8-Gipfel heißt es von der anderen Seite des Atlantik, Europa müsse "weitere Schritte" unternehmen. Lesen ...

Kommentar: Man sitzt zu Gericht über Europa. Nur wer sind die Richter? Wer sich über den Zustand Amerikas informieren möchte, der sollte hier nachlesen. Nicht bei den neuesten Lügen über Wirtschaftsaufschwung, Jobwunder und Konsumfreude. Die Manager eines Landes, ehemalige No. 1 in der Welt, das Monat für Monat über 46 Mio. Lebensmittelmarken ausgeben muss, wo inoffizielle Schätzungen davon sprechen, dass eigentlich mehr als 60 Mio. Menschen Anspruch auf diese Hilfe hätten, wo über 83 Millionen arbeitsfähige Menschen ab 16 Jahren keine Arbeit finden, bzw. keine die sie ernährt, wo geschätzte 2,5 Mio. Menschen nach der Finanzkrise 2008 obdachlos geworden sind, haben kein Recht über Europa zu richten. Vor allen Dingen haben sie kein Recht, sich als großes Vorbild zu generieren. Vorbild für was? Für eine völlige Erosion der Mittelklasse, dem Herz des amerikanischen “Way of Life”? Dem folgen die Europäer doch schon lange, wenn auch in abgeschwächter Form. In Deutschland nennt sich dieses Programm “Agenda 2010” und wurde von den Sozialdemokraten durchgeboxt. Heute, im Zeichen der Euro-Krise, wird es als große Errungenschaft gefeiert, als Schutzschild gegen das Lotterleben im Ausland. In Wirklichkeit ist es das deutsche Instrument der Vermögensumverteilung. Basta.   

Ergänzung: Der ehemalige US-Senator Alan Simpson, zweiter Mann in Obamas Steuerkommission, erwartet sogar, dass die USA sich aus der Schuldenfalle nicht ohne eine Finanzkrise oder einen politischen Tumult befreien können. (Zitiert aus: "USA droht Schuldenstand wie Griechenland", 10.04.2012, "manager-magazin.de", hier das Original)


“Die USA haben ein unhaltbares Schuldenproblem”
Die USA müssen endlich sparen, sagt Allan Meltzer. Im Interview spricht der US-Ökonom über die Fehler von Barack Obama und die falsche deutsche Euro-Politik. Lesen ...

Kommentar: Allan Meltzer bereichert den Beitrag mit locker formulierten, im Kern aber harten, vor allen Dingen richtigen Aussagen. Der spricht von einem “Staat der Regulierung”, statt vom Rechtsstaat. Als unmittelbare Folge davon sieht er Korruption und die Schaffung eines Privilegiensystems. Er unterstellt der Fed, sie habe keinen durchdachten Plan, wie sie die schlechten Kredite in ihrer Bilanz wieder loswerden kann. Seine Aussagen zu Keynes und Krugman: köstlich. Wirklich lesenswert. Seine Meinung zum Euro ist sehr einseitig, stellenweise unvollständig. Kein Wort zu den Arbeitslosenzahlen, nichts Neues zur Krisenlösung. Trotzdem besser als die Beiträge vieler anderer Ökonomen. Dieser Satz über Keynes reisst es raus: Er wollte, dass die Regierung Dinge unternimmt, die dem Investment helfen, nicht dem Konsum.


Bis zu 30.000 Jobs bei HP bedroht
Hewlett-Packard-Chefin Meg Whitman plant offenbar einen massiven Personalabbau. Bis zu 30.000 Jobs könnten bei dem angeschlagenen US-Technologiekonzern wegfallen. Lesen ...

Kommentar: Eine gigantische Zahl. In den USA entstehen gerade einmal schöngerechnete 120.000 neue Jobs im Monat. 44 % Gewinneinbruch hinterlassen ihre tiefen Spuren. Wasser auf die Mühlen der Republikaner im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Work, Mr. President!