Sonntag, 20. Mai 2012

Standpunkt 232 - Nachrichten-Ticker, 19.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Lasst sie ruhig zocken!
Aber Finanzkolosse wie JPMorgan müssen zerschlagen werden. Sonst könnten Fehlspekulationen erneut die Welt gefährden. Lesen …

Kommentar: Das wäre doch mal ein Rat über den großen Teich, an die Adresse Obama's. Dort ist die Nachrichtenlage aber eindeutig: Schon seit Monaten beklagen sich kritische Journalisten, u. a. bei der „New York Times“, darüber, dass die Lobby der „big five“  erfolgreich die Umsetzung der fertig vorbereiteten Regulierung verhindert. Selbst wenn jetzt hier und da die Rede davon ist, JPMorgan sollte wegen der aktuellen Verluste zerschlagen werden, bleibt für uns die Gewissheit: keine Veränderung in Sicht. Gemessen an den wirklichen Leichen im Keller von JPMorgan sind die 2 – 3 Milliarden $ übrigens eine Kleinigkeit.

Weil die europäischen Banken in einer ganz ähnlichen kritischen Situation stehen, sogar was die Kapitalisierung betrifft sehr viel schlechter, sollte Europa den Anfang machen. Namen gefällig? Kein Problem: Deutsche Bank, UBS, Crédit Suisse, Commerzbank, Crédit Agricole, BNP Paribas, Barclays, Danske Bank, Nordea Bank, Svenska Handelsbanken, usw., usw. Die deutschen Landesbanken gehören unverzüglich aufgelöst, gleiches gilt für die HRE. Angenehmer Nebeneffekt: Die europäische Krise würde sich enorm entspannen.


Nouriel Roubini: Griechenland muss raus aus dem Euro
Die griechische Eurotragödie nähert sich ihrem letzten Akt: Es ist klar, dass Griechenland entweder dieses oder nächstes Jahr höchstwahrscheinlich insolvent sein und die Eurozone verlassen wird. Lesen ...

Kommentar: Einspruch Euer Ehren. Natürlich grenzt es an Majestätsbeleidigung, wenn wir dem öffentlich erklärten Meister der Vorhersage widersprechen. Es sind immer noch die alten Thesen, mit denen selbst hochrangige Ökonomen gegen Griechenland argumentieren. Wir sind davon überzeugt,  wider besseren Wissens. Hier geht es vornehmlich um US-Interessen, so unglaublich das für viele unserer LeserInnen klingt. Der Austritt/Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone wäre ein kapitaler, irreparabler Schaden für den Euro, die EU und letztlich auch Europa. Griechenland ist wirtschaftlich betrachtet ein Mückenschiss und die Euro-Zone/EU muss dazu in der Lage sein, dieses Land zu retten, rauszukaufen aus den Verpflichtungen gegenüber den Spekulanten. Nur dann hat es der Euro auch verdient, die Weltreservewährung zu bleiben. Wir möchten daran erinnern, dass die Euro-Zone/EU seit Beginn der Gemeinschaftswährung 1998 genau dieses Ziel verfolgt. Da gehört natürlich auch dazu, den Euro gegen Spekulationen zu verteidigen. Das gehört sich einfach für die Weltwirtschaftsmacht No. 1, die Europa (immer noch) ist. Alles andere, Rauswurf, Austritt, Auflösung, Teilung, wäre diletantisch und ein Rückfall in die Kleinstaatlichkeit des 20. Jahrhunderts.   

Sieben Gründe für die Drachme
Griechenland taumelt am Abgrund, die Menschen plündern ihre Bankkonten, das Finanzsystem kollabiert, die Neu-Wahlen spitzen sich auf die Frage “Euro oder Drachme” zu. Dabei wäre die Rückkehr zur Drachme nicht nur aus linksradikaler Sicht die beste Lösung des Problems. Lesen…

Kommentar: Von einer Erlösung zu sprechen, wie der Autor, wenn Griechenland wieder zur Drachme zurückkehrt, ist engstirnig, ahnungslos, dumm. Es gibt kein Ende mit Schrecken. Der Schrecken fängt dann erst richtig an. Was passiert mit den Euro-Schulden? Rückzahlung per Drachme? Völliger Erlass? Beides unmöglich! Die griechischen Schulden haben sich trotz des Haircuts nicht verringert, wir reden hier also nach wie vor über mehr als 320 Milliarden Euro. Die griechischen Staatsunternehmen sind unverkäuflich, deren Einnahmen sind schon seit 2001 und noch bis mindestens 2020 abgetreten. Wofür? Ganz einfach, um die Aufnahmekriterien für die Eurozone einigermaßen erfüllt zu haben. An wen? Hauptsächlich Goldman Sachs und JPMorgan. Alles vor den Augen und mit Wissen der EU. Die Griechen werden durch eine flexible Wechselkurspolitik nicht wettbewerbsfähiger: Die Einnahmen gehen höchstens noch weiter zurück, das europäische Interesse an Griechenland erlahmt völlig. Überspritzt formuliert: Geld gibt es nur noch für Rüstungskäufe. Solche Artikel bedienen den ahnungslosen deutschen Mainstream, der sich in seiner unnachgiebigen Haltung bestätigt sieht.


Euro-Zone droht Griechen mit Rausschmiss
Muss Griechenland die Währungsunion verlassen? Offiziell ist das für die Regierungen der Euro-Zone noch kein Thema. Doch hinter verschlossenen Türen wird den Griechen nach SPIEGEL-Informationen bereits unverblümt mit dem Rausschmiss gedroht. Lesen …

Kommentar: Langsam kommt die Wahrheit ans Licht: es geht um einen Rausschmiss, nicht um einen Austritt. Jetzt hetzen auch schon die Krisen-Staaten gegeneinander. Tolle Entwicklung. Nur haben weder Irland noch Portugal Grund dazu. Wir kennen die positiven Nachrichten zu Irland und Portugal. Wir kennen aber auch die Wirklichkeit. „Kunstgriff erleichtert Irland um Schulden“ hat am 02.04.2012 der österreichische „Standard“ getitelt (hier). Es geht um einen Zahlungsaufschub von vorläufig 3 Milliarden Euro, insgesamt geht es um 47 Milliarden Euro. Selbst Portugal sollte den Ball flach halten. Portugiesische Banken haben sich am letzten EZB-Zahltag mit vielen Milliarden vollgesaugt (hier). Die griechischen Banken waren von dieser Möglichkeit abgeschnitten. Portugal hat sich, genau wie Griechenland, kaputtgespart, nur um sich neue Hilfsmilliarden der EU zu sichern. Das sagt etwas über den wahren Zustand des Landes aus, nicht die Schönschreiber in den Medien. 


Lebensmittelpakete fürs Euroland
Das Reformprogramm von IWF und EU zeitigt Erfolge. Die Regierung will sozial verträglich sparen, die Verelendung nimmt dennoch zu. Lesen …

Kommentar: Kein Beleg für die angeblichen Erfolge des Reformprogramms. Oder reicht es schon, dass es in Osteuropa mehr Mangelernährte gibt wie in Portugal? Oder dass es in diesem Land schon vorher Armut gegeben hat? Die angeblich breite Zustimmung durch einen Teil der Gewerkschaften und der oppositionellen Sozialisten ist eine Mähr. Täglich, wirklich täglich finden in Portugal Demos gegen diese Spardiktate statt. Leider werden diese Tatsachen in den deutschen Medien gar nicht, in den übrigen deutschsprachigen Medien nur sehr verhalten kommuniziert. Fakt ist es, dass man in Gewerkschaftskreisen im Land selbst wieder über die „Einführung“ einer Militärdiktatur diskutiert, um das zunehmende Elend zu beenden.


Spanien kann Lage “mit eigenen Mitteln bewältigen”
Spanien bekommt seine Probleme nach Einschätzung der deutschen Regierung auch ohne Hilfe von außen in den Griff. Lesen ...

Kommentar: Eine unglaubliche Lüge für die deutsche Öffentlichkeit. Seitdem wir uns hier mit diesem Thema eingehend beschäftigt haben, sind einige dicke Dinger dazugekommen. “Unseren” Politikern ist wirklich jedes Mittel recht. Leider werden Lügen durch immer neue Lügen ersetzt, statt es endlich mit der Wahrheit genauer zu nehmen.  


“Es liegt in der Hand der Griechen”
Sparen oder Austreten: Bundespräsident Jens Weidmann erinnert die Griechen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass sie ihr Schicksal selbst bestimmen können. Lesen ...

Kommentar: Noch so ein Baron Münchhausen. Nicht die Griechen sind es, die etwas dafür tun können. Der Ball liegt bei der EU. Wir haben das immer wieder erläutert.   


Jetzt macht die Spanien-Krise Europa Angst
Während die Zukunft Griechenlands in der Eurozone immer unsicherer wird, gewinnt ein viel grösseres Problem für den Währungsraum an Dramatik: Spanien. Lesen...

Kommentar: Alles logisch.


“Wenn Griechenland zusammenbricht, geht alles zugrunde”
Ungewöhnlich deutlich hat der italienische Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi Berlin für die Haltung in der Euro-Krise kritisiert. Gleichzeitig hat er unter anderem Österreichs Politik zu einer gemeinsamen Blockbildung mit Italien, Frankreich und Spanien aufgefordert. Lesen ...

Kommentar: Lassen wir unkommentiert so stehen.


“Es reicht, wenn fünf Prozent der Sparguthaben abgezogen werden”
Nach Griechenland ziehen auch in Spanien Bankkunden ihr Erspartes ab. Ökonom Stephan Schulmeister über Deutschlands Machtstreben und warum ein Bank-Run für die Eurozone brandgefährlich ist. Lesen ...

Kommentar: Ein Dominoeffekt, der auch schon auf Italien übergreift. Es macht nachdenklich, welche Ansichten der österreichische Ökonom gegenüber dieser Schweizer Zeitung zum Besten gibt. Deshalb unbedingt lesen.   

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