Montag, 21. Mai 2012

Standpunkt 234 - Nachrichten-Ticker, 20.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Wo ist das Gold der Deutschen?
Hat die Bundesbank tatsächlich Gold in ihren Tresoren liegen? Oder lediglich Forderungen auf dem Papier, die einen Anspruch auf Gold belegen? Es würde einen großen Unterschied machen. Lesen …

Kommentar: Was erwartet Gauweiler? Dass die Bundesbank die Wahrheit berichtet? Der darauf folgende Orkan der Entrüstung macht den Verantwortlichen in Frankfurt und Berlin Angst, seine Folgen sind nicht abzuschätzen. Die folgende Grafik zeigt die Verteilung des deutschen Goldes auf die verschiedenen Lagerstätten: 

 
Sicher erreichbar sind nur die Bestände in Frankfurt und Paris. New York und London bleiben definitiv außen vor. Unabhängig von uralten Verabredungen aus den 1950er Jahren, die nach wie vor nicht öffentlich gemacht werden, wird Amerika konsequent sein Kriegsrecht nutzen, um diese Bestände zur eigenen Verfügung zu halten. Jedenfalls hat die Bundesbank mit der Auslagerung der Goldbestände auch das Recht auf Zugriff verloren. Das deutsche Gold in London und New York dient als Faustpfand. Gauweiler weiß das. Er unterstützt ein scheinheiliges Spiel. Ähnlich wie bei seinen regelmäßigen Versuchen, den Euro für Deutschland oder gleich für ganz Europa abzuschaffen. Sein Hinweis auf die zweifelhaften Bilanzierungsmethoden der Bundesbank zeugen von einer sehr einseitigen Sichtweise: Bisher ist Gauweiler nicht dadurch aufgefallen, dass er die doppelte Buchführung der Bundesregierung im Zusammenhang mit den milliardenschweren Hilfen für die deutschen Banken geißelt. Oder die Bilanzierungen der Banken seit der Lehman-Pleite 2008. Hier anzusetzen würde dem Steuerzahler sehr viel mehr Geld sparen, als der Wert des deutschen Goldes überhaupt ausmacht.


Zentralbanken pumpten Milliarden in Banken der Euro-Krisenländer
Nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ hatten Griechenland, Irland, Spanien und Zypern ihren Instituten im März Hilfsdarlehen von mehr als 120 Milliarden Euro gewährt. Lesen ...

Kommentar: Richtig, es handelt sich um ein Notfallinstrument, und wir haben den Notfall. Trotz aller schönen Reden zu Irland ("ab 2013 wieder international kreditfähig") und Spanien ("schafft die Probleme alleine"): in diesen Ländern gehen gerade die sprichwörtlichen Lichter aus. Die unmittelbare Folge: Alle schönen und billigen Milliarden aus dem letzten EZB-Topf reichen den irischen und spanischen Banken offensichtlich immer noch nicht aus. Da ist höchste Gefahr in Verzug. Bei Griechenland darf sich niemand wundern, dessen Banken sind von allen Töpfen abgeschnitten, haben selbst von dem billigen Geld der EZB nichts abbekommen. Damit war klar, die nationale Notenbank muss ran. Wer sich über diese logische Folge wundert, der stochert auch sonst im Nebel.

Was Jens Weidmann wieder einmal zum Besten gibt, hat vielleicht einen gewissen Unterhaltungswert für die deutschen Stammtische, taugt aber keineswegs als Hinweis für einen Ausweg aus der Krise. Schon wieder verwechselt einer der Protagonisten, gerade mit Blick auf die griechischen Banken,  Ursache und Wirkung. Andererseits bereitet Weidmann den Weg dafür, notleidende Banken  aus dem Rettungsfonds zu unterstützen. Wahrscheinlich ist die nächste Stufe dann schon Euro-Bonds.


“Politik muss zeigen, wohin die Reise geht”
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht keinen Anlass für eine lockere Geldpolitik. „Vor dieser Wahl sehe ich uns nicht“, sagte er. Zugleich seien die griechischen Risiken für die EZB nie höher gewesen als jetzt.  Lesen …

Kommentar: Der Buba-Präsident hat sich fleißig geäußert, am Wochenende. Die Kaiserin war weit weg, da konnte einer ihrer Schranzen das Volk unterhalten. Eigentlich wäre es an der Zeit, dass sich Weidmann endlich mit der Geschichte seines Hauses beschäftigt, besonders mit der Zeit, in der die Bundesbank Deutschland mit ihrer Politik an den Rand des Abgrundes reguliert hat. Die dafür verantwortlichen Bundesbanker leben noch, könnten also persönlich Auskunft geben. Sogar die Rolle der Bundesbank bei der Gründung der Euro-Zone böte genügend Lehrstoff, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Schon einmal an dieser Stelle: Es sind die von der Bundesbank in den Maastricht-Vertrag hineingepressten Vorschriften, die ein wesentlicher Teil der heutigen Probleme sind. Das lässt folgenden Schluss zu: Schon immer nimmt die Bundesbank maßgeblichen Einfluss auf die deutsche Politik, daran hat sich nichts geändert. Leider oft nicht zum Vorteil Deutschlands. Umgekehrt verbittet sie sich jedoch jede Einflussnahme. Jetzt wiederholt von der Politik Entscheidungen zu fordern, ist mindestens scheinheilig und verdreht die Wirklichkeit.


Weidmann gegen höhere Hilfen für Hellas
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zeigt sich besorgt über die Notfallkreditvergabe der Europäischen Zentralbank. Diese hat Medienberichten zufolge den Kreditrahmen Griechenlands auf 100 Milliarden Euro erhöht. Weidmann warnte, im Zweifel müsse der deutsche Steuerzahler haften. Lesen …

Kommentar: Wieder so eine Falschmeldung. Hellas, der Staat bzw. die Menschen, hat bis heute noch keine Hilfen bekommen, lediglich die Banken (vgl. hier). Insofern treibt Jens W. ein übles Spiel mit den Fakten. Als Folge dieser Nicht-Hilfe muss sich zwangsläufig die Notfallkreditvergabe erhöhen.  


Euro-Austritt Griechenlands wäre Gang „vom Regen in die Traufe“
Der Chef der deutschen Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hat Griechenland vor einem Austritt aus der Eurozone gewarnt. Lesen …

Kommentar: Die beschriebenen Folgen sind nun wirklich nicht neu. Nur dass sich jetzt auch noch ein deutscher Wirtschaftsweiser in den griechischen Wahlkampf einmischt. Wieder wird unterstellt, bei der Neuwahl werden die Griechen auch über den Austritt aus der Eurozone entscheiden. Stimmt aber nicht, keine Partei fordert diesen Austritt. Der Schwarze Peter liegt also weiter bei den Obergurus von EU/EZB/IWF, die ihn natürlich gerne loswerden möchten. 

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