Montag, 21. Mai 2012

Standpunkt 235 - Kinderarbeit in Europa

Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen! - Folge 28


In Neapel gehen Kinder wieder arbeiten

 Das Rätselraten über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone geht unvermindert weiter. In ihren Diskussionsbeiträgen spielen die Politiker, Notenbanker, Manager, Berater, die mit einem solchen Austritt verbundenen Gefahren zielstrebig herunter.

Wir müssen es aber immer wieder betonen: Tatsächlich kann niemand, nicht die tollen Technokraten bei EU/EZB/IWF oder Troika, nicht die Ökonomen, am allerwenigsten die Politiker, die Wirkung eines Ausscheidens Athens aus der Gemeinschaftswährung verlässlich einschätzen. Sie stochern im dichten Nebel, Sichtweite höchstens 10 Meter.

Sicher ist nur: die Risiken überwiegen. Hoffnungslos überschuldete Banken nicht nur in Griechenland und den anderen PIIGS-Staaten, sondern in allen EU-Staaten, nach unserer Einschätzung ist sehr wahrscheinlich der gesamte Kontinent betroffen. Ausnahmslos alle sogenannten systemrelevanten Banken sind dabei. Leider sind aber auch alle längst „too big to rescue“, zu groß, um gerettet zu werden. Selbst eine Regulierung kommt zu spät.  

Es gibt nur eine Lösung: Realwirtschaft und Finanzwirtschaft müssen sich trennen, so wie es vor 2008 schon einmal war.

In den Jahren vor der Lehman-Pleite haben sich die Banken über viele Jahre mit Luftgeschäften die Bilanzen vollgeschrieben, aus 20 $ Einsatz wurde mit Hilfe von Goldman Sachs auf die Schnelle ein 20 Mrd. $ Geschäft kreiert. Die Geschäfte mit der Realwirtschaft waren ein notwendiges Übel, quasi das Mäntelchen für die big deals, warfen zu wenig Gewinn ab, störten eigentlich aber nur. Leider wurde dann überraschend einer der Mitspieler vom damaligen US-Finanzminister Paulson gewaltsam aus dem Markt genommen und der schöne Schein drohte aufzufliegen. Nicht wirklich: Innerhalb weniger Tage wurden die Verluste sozialisiert, Pleite-Banken und ebensolche Versicherungen übernommen, in den USA und Europa milliardenschwere Hilfspakete geschnürt. Heute wissen wir: alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Chose geht weiter.

Nur mit dem Unterschied, dass die Bankenkrise zwischendurch in eine Staatsschuldenkrise umgedeutet wurde. Die Folge? Ganz einfach, plötzlich waren es die Staaten, die schon über viele Jahre nutzlose Schulden angehäuft hatten, die von den Banken mit – man ahnt es schon – deutschen Sparguthaben finanziert werden mussten. Leider ist das alles so falsch wie die Tatsache, dass die Erde keine Scheibe ist.

Ein Blick in die Bilanzen der Banken würde genügen, eine ordnungsgemäße Buchführung vorausgesetzt, um diese Geschichte als das zu entlarven was sie ist, schlicht und ergreifend eine Lüge.

Nur wurde diese Lüge gerade in Deutschland besonders dankbar als die einzige Wahrheit angenommen. Lenkt bis heute ab von den eigenen gravierenden Verfehlungen wie Leistungsbilanzüberschüssen, Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft, Agenda 2010, Entfesselung des Finanzmarktes, usw. Die deutschen Stammtische hatten so ihre Ruhe und konnten weiter den Kopf in den Sand stecken.

Pech nur, dass die Sache so sehr aus dem Ruder lief, und plötzlich aus dem Nichts die Frage nach den Verursachern, den Mitschuldigen, gestellt wurde. Eine Unverschämtheit, dass seit dem plötzlich Deutschland im grellen Rampenlicht steht. Aufgeregt suchen alle Deckung wo keine ist.

Kriegserfahren wie wir Deutschen nun einmal sind, heißt es jetzt plötzlich: Angriff ist die beste Verteidigung. Was unter diesem Leitspruch seit über drei Jahren in Europa abläuft müssen wir jetzt nicht näher erläutern, steht in jeder Tageszeitung.

Angeführt von ultra-nationalen Hetzern, aus der „neutralen“ Ferne bestens orchestriert, reduziert sich der europäische Gedanke eines geeinten Europas auf die Größe einer Erbse, höchstens. Die wirtschaftliche Kraft, der dauerhafte Frieden (wenigstens im harten Kern), die demokratische Ausprägung, werden einem Kleingeist geopfert, der sich offenbar in nationalistischer Kleinstaaterei gegeneinander abschotten soll. Das ist 19. Jahrhundert. Oder sogar tiefstes Mittelalter?

Kommt es wirklich so weit, verliert Europa für Jahre, möglicherweise Jahrzehnte jede gestalterische Kraft, nach Innen und  Außen. Diktaturen und Kriege liegen in Reichweite.

Deutschlands aktuelle Europapolitik fördert diese Entwicklung und wird, bleibt es dabei, in einem Desaster enden. Die Krise, die so entschieden bekämpft werden soll, dehnt sich stattdessen immer weiter in den Kern Europas aus. Selbst in Italien ist diese Krise, trotz brachialer Sparprogramme, schon angekommen, wie ein Beitrag der Pariser Tageszeitung „Le Monde“ am 30.03.2012 eindringlich beschreibt. Soll so wirklich die nächste Zukunft aussehen? 

„Neapel gehört zu den ärmsten Städten Europas. Hier verlassen tausende Kinder die Schule, um ihren Eltern dabei zu helfen, über die Runden zu kommen. Sie leisten Schwarzarbeit oder werden von der Mafia für deren Drecksarbeit angeheuert. Die Krise hat dieses Phänomen noch verstärkt. Auszüge.“ Weiterlesen …