Mittwoch, 23. Mai 2012

Standpunkt 237 - Deutsche Bank


Die Deutsche Bank – Leistung aus Leidenschaft?


In jüngster Zeit beschäftigen wir uns ein wenig intensiver mit Deutschlands No. 1, der Deutschen Bank, augenblicklich noch unter der Führung von Josef Ackermann. Es wird Zeit, Abschied zu nehmen.

Schon lange wissen wir von dem unsäglichen Leid amerikanischer Familien, die ihre Häuser an die Deutsche Bank, bzw. eine ihrer Tochtergesellschaften, verlieren. Das Internet ist voll von Berichten aus den USA über das unwürdige Geschäftsgebaren dieses Finanzkonzerns im Zusammenhang mit zahllosen Gerichtsverfahren, an dessen Ende regelmäßig die Enteignung der rechtmäßigen Eigentümer stand. Ausnahmen gab es selten.

Es ist eine Enteignung der Eigentümer, wenn trotz gültiger Zahlungsvereinbarung, regelmäßig schon nach kurzer Zeit die Annahme der Einzahlungen verweigert wird, um das Haus doch zu versteigern. Es ist eine Enteignung, wenn mit getürkten, sehr oft mit komplett gefälschten Unterlagen Zwangsvollstreckungen gegen die Eigentümer durchgeführt werden. Es sind keine Einzelfälle, es ist die Regel. Das ist modernes Raubrittertum, oder?

Warum, so fragen wir uns, werden diese Menschen vom amerikanischen Staat immer noch nicht besser geschützt? Wie ist es außerdem möglich, dass sich die Deutsche Bank in den USA gegen kleines Geld aus Klageverfahren freikaufen kann? Was läuft hier schief? Ein Beispiel:

Kürzlich wurde ein Verfahren gegen Zahlung von 250 Millionen $ eingestellt, in dem es um Forderungen von mindestens 1 Milliarde $ gegen die Bank im Zusammenhang mit windigen Hypothekengeschäften gegangen ist. Die Chancen für die Deutsche Bank zu gewinnen standen schlecht, also hat sie mit diesem Vergleich satte 750 Millionen $ verdient. Abzüglich der Kosten für einige der besten Anwälte des Landes. Oder, anders ausgedrückt: Die Deutsche Bank hat 300 % Gewinn gemacht: 250 Millionen Einsatz für 750 Millionen $ Profit. Aus dem ursprünglichen Gewinn von 1 Milliarde aus den Hypothekendeals sind auf diese Weise für die US-Tochter insgesamt 1,750 Milliarden $ herausgekommen. Dieser Vergleich war keine Strafe sondern ein dickes Geschäft. Bestraft wurde dagegen der US-amerikanische Steuerzahler, dem ein zweites Mal das Fell über die Ohren gezogen wurde, nur jetzt ein bisschen günstiger.

Der von Barack Obama eingesetzte Untersuchungsausschuss zur Finanzkrise in den USA beschäftigt sich in seinem 646 Seiten starken Abschlussbericht vom 13.04.2011 auf immerhin 62 Seiten mit den Verstössen der Deutschen Bank. Es gibt weitere Untersuchungen in den USA mit ähnlichen Ergebnissen.

Enteignet wurden von der Deutschen Bank auch viele deutsche Kommunen und Versorgungsunternehmen der öffentlichen Hand. Für uns einigermaßen überraschend, wurde wenigstens über diese Dinge ausführlicher in den deutschen Führungsmedien berichtet. Stellvertretend nennen wir einen Bericht der „Welt“, erschienen am 20.03.2011 unter der Überschrift „Wie ganze Städte auf die Deutsche Bank hereinfielen“ (hier).

Wer sich näher mit den „tollen Geschäften“ dieser Bank beschäftigen möchte, den verweisen wir auf eine Dokumentation mit dem Titel „Verzockt – und verklagt“ in der „Das Erste Mediathek“, die hier zur Verfügung steht. Wirklich sehr, sehr empfehlenswert, um sich wenigstens einen Überblick zu verschaffen.  

Josef „Joe“ Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes, spielt bei der Entwicklung der Bank in den vergangenen zehn Jahren eine sehr unrühmliche Rolle. Der Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson findet im Schweizer "Tages-Anzeiger": „Ackermann ist einer der gefährlichsten Banker der Welt“ (hier).

In Deutschland spielte Ackermann zu Beginn der Finanzkrise eine sehr dubiose Rolle bei der angeblichen Rettung der Hypo Real Estate (HRE) im September 2008, dokumentiert in dem Protokoll der BaFin vom 09.10.2008: „Zusammenfassung der Gespräche zur Stützung der Hypo Real Estate Gruppe (HRE) vom 26.09.2008 – 28.09.2008 im Frankfurter Dienstsitz der BaFin“ (hier). Nicht zuletzt wegen des „guten Joe“ war das Ergebnis für den deutschen Staat, vulgo seine Steuerzahler, ein Desaster, für die Banken der absolute Bringer. Nebenbei wurde der italienischen Großbank UniCredit die Pein erspart, ihre erheblichen, finanziellen Verpflichtungen für die HRE einzulösen. Teil dieser Verschwörung, anders kann man dieses Schauspiel nicht nennen: der Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, heute Volkswirt bei der EZB, kurzzeitig als deren Chef-Volkswirt im Gespräch.

Schon 2004, in seiner  bei der „F.A.Z.“ ungehaltenen Rede, hat sich Ludwig Poullain zur Personalie Josef Ackermann so geäußert: „Höre ich Ackermann, fallen mir Globalisierungswut und schwyzerischer Erwerbssinn ein, letzterer jedoch nur in verfremdeter Form. Ackermann ist dabei, die Identität der Bank, die einen stolzen Namen trägt und, dies bekenne ich gerne, für mich in meiner aktiven Zeit immer ein Vorbild für Abgewogenheit im Denken und Tun war, für immer und ewig wegzugeben.“ Heute können wir Poullains Menschenkenntnis und Weitsicht nur bewundern (hier).  

Einen Einblick in Ackermanns Wirken gibt ein Interview, vor wenigen Tagen bei „phoenix“ ausgestrahlt und hier zu finden. Können wir nur empfehlen. Die ausgeprägte Scheinheiligkeit vieler Aussagen erschließt sich leider nur denen, die bereits über einiges Wissen zu den Praktiken der Deutschen Bank verfügen. Alle anderen sollten sich erst die ARD-Doku ansehen. 

Unser Fazit: Die Deutsche Bank ist ein Raubritter. Keine verantwortlich handelnde Bank, wie es über viele Jahre hinweg Josef "Joe" Ackermann der Öffentlichkeit Glauben machte. Sie setzt ihre Interessen mit allen Mitteln durch, sie bedient sich dabei krimineller Methoden, bricht gültiges Recht. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Der bereits erwähnte Ökonom Simon Johnson findet, die Bank sei „besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen“ (hier). Ihre Gewinne sind Blutgeld, die Boni auch. „Leistung aus Leidenschaft“ ist das nicht wirklich, oder?  

Wir würden uns für die Deutsche Bank einen Bank-Run der besonderen Art wünschen: tausendfache Kontoauflösungen. 

Vorankündigung: Im Kontext zu diesem Beitrag veröffentlichen wir in den nächsten Tagen die deutsche Übersetzung zu dem bemerkenswerten Artikel des US-amerikanischen "RollingStone" zu Goldman Sachs. Originaltitel: "Goldman Sachs: The Great American Bubble Machine". Schlicht der Hammer!