Freitag, 25. Mai 2012

Standpunkt 240 - Nachrichten-Ticker, 24.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Spanien kommt durchs Hintertürchen: Absprachen zu EZB-Hilfen?
Die Meldungen über Schieflagen im spanischen Haushalt und Bankensektor reißen nicht ab. Madrid braucht dringend Geld. Nur woher nehmen? Die Regierung setzt auf die EZB. Sie soll spanische Staatsanleihen kaufen. Angeblich gibt es bereits ein entsprechendes „Gentlement Agreement“. Besser wär’s. Auf schnelle Gipfelbeschlüsse kann Madrid nicht hoffen. Weiterlesen …

Kommentar: Das Land ist, mehr noch als Griechenland, ein Fass ohne Boden. Alleine der Wertberichtigungsbedarf der spanischen Banken bei den Immobilienkrediten beläuft sich auf rund 300 Milliarden Euro. Über diese Tatsache können auch die beschlossenen Sparprogramme nicht hinwegtäuschen. Der Bankensektor ist völlig zerschossen, die Wirtschaft auf dem Weg in eine tiefe Rezession, die Aussichten trübe. Aber selbst unter diesen Umständen ist Europa nicht in der Lage die dringend gebotenen Entscheidungen zu treffen. Rumeiern hat Hochkonjunktur. Was machen Portugal und jetzt Spanien besser, dass ihnen im Vergleich zu Griechenland eine Sonderbehandlung gewährt wird? Liegt es etwa an den konservativen Regierungen? An der Entwicklung der Staatsschulden kann es nicht liegen, die geht weiter nach oben. Soll hier die Eurozone gerettet werden? Das wird auf diesem Weg nicht funktionieren.


Spain Calls for Help to Lower Borrowing Rates
Worries about Greece’s electoral turmoil and Spain’s spiraling borrowing costs are piling the pressure on European Union leaders meeting in Brussels on Wednesday amid renewed market pressure to keep the region’s debt problems from getting worse. Spain’s prime minister warned that his country can’t continue much longer with its current high borrowing rates and urged a joint European response to help. Weiterlesen ...

Kommentar: Leider so klar formuliert in den deutschen Medien nicht zu finden. Paßt offensichtlich nicht deren “Weltbild” für Europa.    


Spain create a large public bank under state control
The government is considering the possibility of creating a public bank that brings together institutions nationalized by the state, which include BFA-Bankia, Caixa Catalunya and Novacaixagalicia, Europa Press reported financial sources.  Weiterlesen … 

Kommentar: Die Voraussetzung für einen EU/EZB-gestützten bail-out. Hier entsteht ein gigantisches Auffangbecken, in dem ganze Banken verschwinden. Ein riesiger Schwindel, der hier durchgezogen wird. Leider ohne Aussicht auf Erfolg, die Spekulanten machen weiter.


Spanien steckt Milliarden in Bankia-Rettung
Weitere Eingriffe sollte es nur im Notfall geben: Doch um die verstaatlichte Sparkasse Bankia zu retten, will das hochverschuldete Spanien erneut mehrere Milliarden investieren. Für die Regierung ist Bankia ein Einzelfall, Experten bezweifeln das. Weiterlesen …

Kommentar: Das ist die Version der vorangegangenen Nachricht auf deutsch. Da geht es nur um läppische 9 Milliarden Euro. Wir können es nur wiederholen: Den spanischen Banken fehlen alleine aus dem Berichtigungsbedarf für überbewertete Immobilien aktuell rund 300 Milliarden Euro. Diese Summe wird sich zwangsläufig durch die Sparprogramme in den kommenden Monaten noch erhöhen. Sehr wahrscheinlich wird sich der Währungskrieg gegen den Euro schon in Spanien entscheiden. Es wird Zeit sich darauf vorzubereiten!


Zeitbombe im französischen Hypothekenmarkt – Endspiel für den Euro?
Der Euro gerät zur Zeit von verschiedenen Fronten unter Druck. Prekär ist die Lage in Griechenland, wo die Neuwahlen auf Siege im Euro-kritischen Lager hindeuten. Wer nichts mehr zu verlieren hat, der kann hoch pokern. Also entweder ihr zahlt oder wir (die Griechen) lassen euer Europrojekt hochgehen. Rein strategisch ist das keine schlechte Position für Griechenland.
Dann wäre da Spanien, das mit rapide wachsender Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsschrumpfung kämpft und kein Land sieht. Angeblich steht das Land unmittelbar davor, die EZB um Hilfe zu bitten. Auch Italien findet sich im Teufelskreis von Rezession und wirtschaftlichem Niedergang gefangen.
Wenig Beachtung wird bisher aber Frankreich geschenkt, denn hier handelt es sich ja angeblich um einen fast so soliden Währungsteilnehmer wie Deutschland. Diese Einschätzung könnte kaum falscher sein. In einem neuen Beitrag untersucht "Tyler Durden" von Zerohedge den fanzösischen Hypothekenmarkt und dessen vermutlich unmittelbar bevorstehendes Desaster. Hier eine Zusammenfassung seines Artikels. Weiterlesen …

Kommentar: Was für Aussichten. Demnächst wird Europa richtig Prügel beziehen. Die europäischen Politiker, allen voran die „Eiserne Lady“ Angela Merkel, haben versagt. Seit nunmehr knapp vier Jahren doktert Europa unter ihrer Leitung an den Folgen der Finanzkrise erfolglos herum. Das Ergebnis: ein Scherbenhaufen. Und schon wieder sind es die Ratingagenturen, die ihre Messer wetzen, um den Spekulanten den Weg zu bereiten. Hilflos sehen die politischen Führungskräfte zu. Sehr schön zu beobachten in den deutschen Talkshows dieser Woche. Ein Armutszeugnis.


Europas Showdown
Wie das Spardiktat der Bundesregierung den Zerfall der Eurozone beschleunigt - und wieso auch Hollandes Gegenvorschläge keinen Ausweg aus der Krise liefern.
Die Zeit der deutsch-französischen Harmonie, als Angela Merkel und Nicolas Sarkozy das Merkozy getaufte europäische Führungsduo bildeten, scheint fürs Erste vorbei. Der jüngste informelle EU-Gipfel war von einem regelrechten Schlagabtausch geprägt, bei dem die konträren Forderungen der Bundeskanzlerin und des neuen französischen Staatschefs François Hollande direkt aufeinanderprallten. Hollande forderte bei dem Treffen die Einführung von Eurobonds, mit denen die Zinslast der europäischen Krisenländer gesenkt werden könnte. Merkel lehnte dies ebenso strikt ab, da diese Maßnahme die Zinslast für Deutschland erhöhen würde. Weiterlesen …

Kommentar: Dieser Artikel ist ein Muss. Es ist eine Beschreibung der Hoffnungslosigkeit in Europa. Möglicherweise auch schon der Beweis für die fehlende Zukunft der Europäischen Gemeinschaft. Ein Abgesang. Treffend auch das Zitat von Hannah Arendt: „Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt jedoch in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“


El-Erian – Wer die Schuld an der griechischen Tragödie trägt
Vier Parteien haben die Lage Griechenlands zu verantworten: die Politik in Athen, die Gläubiger des Landes, die europäische Administration und der Internationale Währungsfonds. Sie alle haben das Land für Jahre ins Elend gestürzt. Weiterlesen …

Kommentar: Es gibt noch eine fünfte Partei: die Spekulanten, was der Autor, Chef der Allianz-Tochter PIMCO, dem weltgrößten Investor für Anleihen, verschweigt. Davon abgesehen trifft er den Nagel ziemlich genau auf den Kopf.


Schatzbriefe zum Nulltarif – Die Spekulation mit der Angst
Das gab es noch nie. Bei der gestrigen Versteigerung von zweijährigen Bundesschatzbriefen mit einem Kupon von 0,0% konnte die Finanzagentur ein Rekordergebnis erzielen. Gegen einen Abschlag von 0,07% kann sich der Bund nun 4,5 Milliarden Euro zinslos von privaten Investoren leihen. Marktbeobachter gehen bereits davon aus, dass in den nächsten Monaten für deutsche Staatsanleihen sogar Negativzinsen erzielt werden könnten. Was vordergründig ein Grund zur Freude ist, weist jedoch auf eine tiefe Verwerfung des Finanzsystems hin. Offenbar spekulieren die Finanzinstitute auf einen Kollaps der Eurozone – anders ist die Flucht in den sicheren Hafen „Bundesschatzbrief“ nicht zu erklären. Weiterlesen …

Kommentar: Schon seit Monaten warnen wir vor diesen Dingern. Finger weg, am Ende sind sie wertlos! Es gibt Alternativen. In diesem Zusammenhang empfehlen wir das Studium unsers Dossiers zum Thema Enteignung (hier).     


Quo vadis Europa – Der kleine Mann muss leiden
Griechenland hat in der Eurozone keine Chance, wieder auf die Beine zu kommen, glaubt Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler Matthias Kullas. Warum er die diskutierten EU-Projektbonds eher für diplomatisches Geplänkel, die Bereitschaft zum Transfer in die schwächeren Euroländer für gering und Einschnitte trotz sozialer Unruhen für alternativlos hält, erzählt er im derStandard.at-Interview. Weiterlesen …

Kommentar: Wirklich, ist es das, was wir wollen? Das Casino der Banken am Leben erhalten für den von Kullas beschriebenen Preis? Nein, muss die Antwort lauten! Leider gibt es augenblicklich nur ein winzig kleines Stück Hoffnung.    


Euro-Krise stutzt Deutschland-Boom
Seit einem halben Jahr kennt der Ifo-Geschäftsklimaindex nur eine Richtung: aufwärts. Die Sorge um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hat diesen Trend nun allerdings gestoppt. Deutschlands wichtigster Konjunkturindex sackt durch. Weiterlesen …

Kommentar: Unerwartet ist diese Entwicklung nicht. Beschönigend wird nur von einer Korrektur geredet. Träumt weiter!  


Deutschland zwischen Schock und Hoffnung
Was bedeutet der jüngste Stimmungseinbruch für die deutschen Firmen? Und was folgt? Ein Blick auf die drei möglichen Szenarien. Weiterlesen …

Kommentar: Was ist denn nun los? Hält die Realität Einzug? Nicht wirklich. Wir sind uns sicher, es wird längst am neuen schönen Schein gearbeitet. Vor allen Dingen am Befreiungsschlag „Grexit“. Der wird Deutschlands Wirtschaft gut tun, wird zumindest behauptet werden.


Banken haben „Aufgabe, in der Gesellschaft, Rechenschaft abzulegen“
Der künftige Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat schwere Versäumnisse in der Finanzbranche eingeräumt. Die Finanzinstitute sollen wieder mehr als Dienstleister in einer Marktwirtschaft agieren. Weiterlesen …

Kommentar: Fitschen erweckt den Anschein, als wolle er die Deutsche Bank vom Saulus zum Paulus verändern, aber nur, wenn die Finanzbranche mitzieht. Wir haben eine andere Deutung: Er beginnt damit, die Rettung der deutschen No. 1 auf Kosten der Steuerzahler vorzubereiten. Nach unserer Einschätzung ist die Deutsche Bank nämlich längst pleite, was eine Grafik hier gut darstellt. Listig, listig, der Herr Fitschen.


Cameron schlittert von Panne zu Panne
Großbritannien rüstet sich zum Kronjubiläum. Aber während ein Prachtumzug an den Glanz des Empires erinnert, wirkt die Wirklichkeit derzeit düster. Vor allem auf der internationalen Bühne wirkt Großbritannien wie Kleinbritannien. Weiterlesen …

Kommentar: Abschließend werfen wir heute noch einen Blick auf einen weiteren Pleite-Staat. Es geht zu Ende mit der britischen Herrlichkeit. Wenigstens wir nehmen das schon seit Monaten zur Kenntnis. Die deutsche Öffentlichkeit noch nicht. Sie wäre aber gut beraten. Schließlich lebt Großbritannien gerade den Niedergang eines Staates vor, der seine Geschicke vor Jahren schon auf „Gedeih und Verderb“ in die Hände der Finanzkonzerne der Londoner City gelegt hat. Gerade gibt es die Quittung dafür. Der beispiellose Sparwahn beschleunigt nur, was nicht mehr aufzuhalten ist. Wann macht Großbritannien auch noch durch eine Auswanderungswelle von sich reden? Andererseits: Die Briten sind, anders als beispielsweise Spanier oder Italiener, schlecht ausgebildet. Wohin damit? Stellt sich nur noch die Frage: Wann rettet Kontinentaleuropa die Briten? Oder übernimmt diesen Job noch einmal der „große Bruder“ Amerika?   


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