Montag, 28. Mai 2012

Standpunkt 243 - Nachrichten-Ticker, 27.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


CHF: Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
Möglicher Euro-Austritts Griechenlands: Eine Arbeitsgruppe des Bundes trifft laut Nationalbankpräsident Thomas Jordan Notfallvorbereitungen. Eine Massnahme wären Kapitalverkehrskontrollen. Weiterlesen …

Kommentar: Es gibt keinen sicheren Hafen fürs Geld. Gegen die staatliche Enteignung ist kein Kraut mehr gewachsen. Wir können nur immer wieder darauf hinweisen: Die Schweiz steckt selbst in höchster Anspannung über die weitere Entwicklung in Europa und der Finanzkrise 08, was nicht ständig etwas miteinander zu tun hat Beides läuft aber, mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, in Richtung finaler Countdown. Definitiv. Deshalb muss sich die Schweiz gegenüber ihren wichtigsten Partnern den Rücken freihalten. Streitpotential ist da unerwünscht. Eine geeignete Maßnahme sind nun mal Kapitalverkehrskontrollen. Die „Altfälle“ werden gemeldet, besonders Dreisten wird ihr Vermögen einfach blockiert. Die Staaten rücken diesbezüglich zusammen.   


Sachwert schlägt Geldwert, jetzt erst recht
Wenn ein für seine Offenheit bekannter Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken wie Andreas Schmitz kein Blatt vor den Mund nimmt, ist er es wert, hier mit einigen brisanten Aussagen zitiert zu werden. Zumal seine Amtszeit demnächst ausläuft und er deshalb umso freimütiger über alle anstehenden Probleme und ihre Lösungen reden kann, wie in diesem Fall vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten am vergangenen Mittwoch. Sein Rundumschlag hat es mehrfach in sich:

Die Krise sei "zum Normalzustand geworden", so Schmitz, der Interbankenmarkt werde praktisch nur noch von der Europäischen Zentralbank zusammengehalten. Der Sparkurs Griechenlands sei "nicht aufrecht zu erhalten", die Proteste der dortigen Bevölkerung werden noch zunehmen und auch auf andere Euroländer ausstrahlen. Schmitz nennt das einen "psychologischen Dominoeffekt". Für die Lösung des Problems der Eurozone gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine politische Union, oder die Währungsunion kann in ihrer jetzigen Form nicht mehr bestehen bleiben. Was die zweite Alternative betrifft, "nehmen die Risiken eher zu", so Schmitz. Weiterleiten …

Kommentar: Der Autor, Manfred Gburek, ist bekannt für “lebensnahe” Analysen und Ratschläge. Auf jeden Fall lesenswert. Was Gburek beschreibt, steht so nicht an jeder Ecke herum.     


“Europa ist wie Japan. Nur viel schlimmer”
Hedgefonds-Manager Robert Brooke hat es miterlebt: das Platzen der japanischen Immobilienblase und die folgende Bankenkrise. Im Interview spricht er über die Parallelen zu Europa. Weiterlesen … 

Kommentar: So, so, ein Insider. Vielleicht verortert er deshalb Europa auch in einer Bankenkrise, nicht in einer Staatsschuldenkrise, die uns Europas Experten ständig einreden. Die heutige Krise der Banken ist keine auf Europa begrenzte, sie betrifft außerdem wenigstens noch Nordamerika, Japan und China. Es ist abzusehen, dass irgendwann auch der noch übrige Rest betroffen sein wird. In Japan ist damals eine Immobilienblase geplatzt, fertig. Die geplatzte Immobilienblase 2007 in den USA und die Pleite von Lehman im folgenden Jahr sind bloße Auslöser für einen Super-GAU, die kleine Spitze eines mega-gigantischen Eisbergs. Die Größenordnung: Wir geben dieser Spitze den Wert 3, dem Eisberg den Wert 1 000. Im Juni gibt es von uns ein  Dossier zu diesem Thema.  


Der Euro erwartet sein Urteil
Die Schaffung des Euro vor über einem Jahrzehnt war ein mutiges und einzigartiges Experiment. Was dabei herauskam, erweckt heute jedoch großen Zweifel   nämlich, ob der Euro überleben wird und ob es für die Europäer richtig ist, ihn zu behalten. Wenn die Eurozone überlebt, verspricht dies allerdings große Vorteile für die Mitgliedsländer – und vielleicht für die Welt.

Für die Mitglieder ist der Euro eine Währung mit ultrafestem Wechselkurs: Die Länder der Währungsunion schlossen sich anfangs zu einem bestimmten Wechselkurs gegenüber ihren früheren Währungen ein und warfen die Schlüssel ins hohe Gras. Heute durchkämmt eine zunehmende Zahl von Europäern das Gras, um auf leisen Sohlen nach den Schlüsseln zu suchen. Der Euro weist wichtige gemeinsame Merkmale mit manchen Versionen des alten Goldstandards auf. Damals legten die Länder ihre Wechselkurse zueinander fest, indem sie den Preis festsetzten, zu welchem die einheimische Währung in Gold eingetauscht werden konnte.

Heute vertreten einige  - oft lautstark – den Standpunkt, dass der Goldstandard mit wirtschaftlicher und finanzieller Stabilität gleichzusetzen war. Das allerdings steht in krassem Gegensatz zu den historischen Daten: Das Zeitalter des Goldstandards ist voller Boom-Bust-Phasen, die durch übermäßige Kreditaufnahme von Staaten, Firmen, Einzelpersonen oder allen zusammen geschürt wurden.

Zwischen dem Euro und dem Goldstandard bestehen drei Unterschiede – von denen momentan keiner besonders beruhigend ist. Weiterlesen …

Kommentar: Ein interessanter Artikel, auf jeden Fall. Was uns fehlt ist eine weniger allgemeine Sicht auf die Ursachen zum Anstieg der Staatsschulden, also ein Vergleich zwischen vor 2008 und danach. Gehört eigentlich in so einen  Beitrag zwingend hinein. Schade. 


Fördert Gleichheit die Demokratie?
Selten waren die Vermögen in Deutschland so gleich verteilt wie 1945. Das hatte sein Gutes. Weiterlesen …

Kommentar: Ein bisschen Unterricht in bundesdeutscher Geschichte. Eine interessante These, die von Seymour Lipset, dass die Haltbarkeit einer Demokratie von der Höhe des wirtschaftlichen Wohlstandes im Land abhängt. Trifft das zu, dann kommen auf Europa, später auch Deutschland, harte Zeiten zu. In Griechenland und Portugal wünschen sich viele Menschen wieder eine Militärdiktatur. Möglicherweise bestärkt durch den respektlosen Umgang Europas mit der Demokratie im Zeichen der Krise.


Tag der Abrechnung rückt unaufhaltsam näher
Da schlägt sie zu, die IWF-Chefin Largarde, „zahlt Steuern“ ruft sie den Griechen entgegen, wohlwissend das auch eine bessere Zahlungsmoral bei den Steuern das Problem Griechenlands nicht lösen würde. Auch mit nahezu optimaler Steuermoral würden die Steuereinahmen des Staates sinken, in Anbetracht von knapp -20% realem BIP-Schwund, einem Einbruch von -33,2% bei der Industrieproduktion, bei einer offiziellen Arbeitslosenquote von 22,6% und bei hunderttausenden Mittelständlern und Selbstständigen die mittels sinnentleerter, undifferenzierter und aufoktroyierter Sparmaßnahmen für Griechenland in den Ruin getrieben wurden. Auch die Schrumpfung der Lohn- und Mehrwertsteuereinnahmen wurde maximiert, durch einen Einbruch der Summe der realen Arbeitnehmerentgelte von nahezu -30% und von einem Einbruch der realen Einzelhandelsumsätze von -35% zum Hoch. Die um ein Drittel geschrumpften Steuereinnahmen des griechischen Staates im Mai 2012 von ca. -1,4 Mrd. Euro zum Vorjahresmonat sind Zeichen eines wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und damit einhergehenden moralischen Kollapses, von ansatzweise Weimarer Verhältnissen in Griechenland im 21. Jahrhundert.

Der IWF als Teil der Troika ist ursächlich mit seiner Strategie des prozyklischen und undifferenzierten Sparens, während einer Rezession, für dieses Desaster in Griechenland verantwortlich. Nach der dargebotenen Logik Lagardes wären aber auch die Portugiesen, Spanier und Italiener selber an den Problemen Schuld. Aber spätestens wenn Spanien dem Fehlkonstrukt der Eurozone den Todesstoß versetzen wird, muss sogar die Welle der “Schuldigen” erweitert werden. Denn dann wird sich offenbaren, dass nicht nur die Schuldner jahrelang über ihre Verhältnisse lebten, sondern auch die Gläubiger, die wohl wissend erst per privaten Kapitalfluss, dann später über die öffentlichen Hände die Defizite der Südperipherie finanzierten und Waren und Güter, also Exporterfolge gegen uneinbringbare Forderungen eintauschten. Lagarde betätigt sich mit ihrem armseligen Vergleich von griechischen und afrikanischen Schülern als übelste Populistin und versucht über die systemische Krise per Griechen-Bashing hinweg zu täuschen, dem Sumpf aus einer Fehlkonstruktion des Euro, einer ungeeigneten Geldpolitik die Fehlentwicklungen beförderte, deregulierten Banken und deren Kreditexzesse, unhaltbaren wirtschaftlichen Ungleichgewichten und unfähigen und korrupten Politikern gerade in Griechenland. Weiterlesen …

Kommentar: Er hat mal wieder zugeschlagen, der Meister der Statistiken. Seine Aufbereitung der Zahlen ist wie immer erstklassig, die Schlüsse, die er daraus zieht treffen nicht immer genauso klar ins Schwarze. Macht aber nichts, der Autor befindet sich damit in allerbester Gesellschaft, der eindeutigen Mehrheit.


Joan Baez: „Sie protestieren, singen, lächeln Polizisten ins Gesicht“
Joan Baez ist eine Ikone der Protestmusik. Heute unterstützt sie Occupy, 2008 war es noch Barack Obama. Warum er sie enttäuscht hat, erklärt sie im Interview. Weiterlesen …

Kommentar: In Europa ist es ruhig geworden um Joan Baez. Sie war schon vor 40 Jahren Teil der Protestbewegung in den USA. Ihre Meinung zu Occupy, Obama und Romney ist sehr persönlich, aber auch aufschlussreich. Positiv: Die Amerikaner gehen wieder auf die Strasse.