Samstag, 30. Juni 2012

Standpunkt 287 - Nachrichten-Ticker, 29.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Kakofonie schadet
(wort.lu) Ob Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, Italiens Interimspremier Mario Monti, Frankreichs Präsident François Hollande oder Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel: Alle haben sich vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel lautstark in die Debatte über die Zukunft der Währungsunion und somit auch der Europäischen Union eingebracht. Die Wortmeldungen der Staatenlenker geben eine befremdende und gefährliche Kakofonie ab, mit der sich die vier Politiker selbst schaden. Weiterlesen…

Kommentar: Heute erstmals ein Artikel aus unserem kleinen Nachbarland Luxemburg, der Heimat des Chefs der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Thema, wie könnte es anders sein, der EU-Krisen-Gipfel. Neue, brauchbare Ideen scheinen auch im Großherzogtum nicht auf den Bäumen zu wachsen.  


Brüsseler Wachstums-Voodoo
(handelsblatt.com) Von einem Wachstumswunder ist Europa weit entfernt. Doch sollte man die Bemühungen der Regierungschefs für ein besseres Wirtschaftsklima zu sorgen, nicht gering schätzen. Zaghafte Ideen sind besser als gar kein Plan. Weiterlesen...

Kommentar: Sorry, aber was als Wachstumspaket beschlossen wurde, hat bestenfalls das Format eines 20g-Briefchens, mehr nicht. Also noch nicht einmal eine zaghafte Idee, sondern nur die übliche Augenwischerei. Die Rezession in Europa, fast hätten wir es vergessen zu schreiben, wird nur durch eine vollständige Neuordnung der Finanzmärkte erreicht. Den Banken müssen wieder die Regeln ordnungsgemäßer Geschäfte beigebracht werden. Alles andere sind Spiegelfechtereien.


“Ein eindeutiger Sieg für Mario Monti”
(tagesanzeiger.ch) Die Krisenstaaten erhalten Zugeständnisse, die Krisenbanken direktes Geld von Europa. Ein Schritt ins Verderben oder in die richtige Richtung? Wirtschaftsprofessor Tobias Straumann nimmt Stellung. Weiterlesen...

Kommentar: Die Meinung aus der Schweiz.      


Analysten: Merkel ist die eigentliche Siegerin des EU-Gipfels
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Nachdem sich die ersten Rauchschwaden der italienischen Sieges-Feuerwerke verzogen haben, kehrt Ernüchterung ein: Die meisten Analysten halten wenig bis gar nichts von den EU-Gipfelergebnissen. Weiterlesen...

Kommentar: Das Gegenteil zur Meinung aus der Schweiz.


Zu wenig, zu langsam, zu unsicher
(zeit.de) Viel Grund für Enttäuschung: Die Beschlüsse des EU-Gipfels werden die Panik an den Märkten nicht beenden und den Krisenstaaten nur wenig helfen, kommentiert M. Schieritz. Weiterlesen...

Kommentar: Hier nun die dritte Meinung. Der wir uns erst einmal anschliessen. Wenn sich der Theaterdonner verzogen hat, fassen wir die Ereignisse in einem eigenen Beitrag zusammen.


Neues Deutschland – totes Europa
(spiegel.de) Angela Merkels taktische Spielchen beim Euro-Gipfel haben gezeigt, was für ein Trugbild die europäische Solidarität ist, die berechenbare, deutsche Europapolitik ist Geschichte. Wir erleben eine Zeitenwende, an die wir uns später einmal erinnern werden. Vermutlich mit großem Bedauern. Weiterlesen...

Kommentar: Der “Spiegel” ist da schon weiter und hat sich eine Meinung gebildet. Die kommt aber zu spät. Was der Autor beschreibt hat schon wesentlich früher, 2009, eingesetzt, zu Beginn der angeblichen Krise in Griechenland.    


Wachstumspakt für Europa: Fast nur Luftbuchungen
(dgb.de) Europa kriselt und kommt allein nicht auf die Beine. Überall lauert die Rezession, fast überall wächst die Arbeitslosigkeit. Trotz Ausgabenkürzungen steigen die Schulden. Doch nun soll ein 130 Mrd. Euro schweres Wachstumspaket für Wachstum, Beschäftigung und Steuereinnahmen sorgen, so die Ankündigung von den Regierungschefs der vier größten Volkswirtschaften der Eurozone. Doch der Schein trügt: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben eine Rechnung mit vielen Unbekannten aufgestellt, die fast einer Luftbuchung gleicht. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Tatsachen in Kurzfassung. Für schnelle LeserInnen. Und die Grafik dazu: 


                         © DGB, 2012     


Warum Deutschland die Welt nicht retten kann
(handelsblatt.com) Englische und amerikanische Ökonomen glauben, die Deutschen können mit ihrem Geld den Euro vorm Untergang bewahren. Doch ihre Thesen entbehren jeglicher Grundlage. Weiterlesen…

Kommentar: Noch so ein Hofschranze von Angie I., Kaiserin von Europa. Was für eine Überzeichnung, es geht doch nur um Europa. Wer soll es denn sonst tun? Die Schwellenländer, allen voran China? Hätten die Deutschen gerne. Die USA? Sind selbst fußkrank im fortgeschrittenen Stadium. Der IWF? Dessen Einfluss als verlängerter Arm Amerikas ist jetzt schon unerträglich.  Nein, so funktioniert das nicht. Es muss nach dem Verursacherprinzip gehen und dann trifft es zu allererst Deutschland. So einfach ist das. Was wir meinen, zeigt beispielhaft die folgende Grafik: 

© Spiegel Online, 2012

Wohlgemerkt, das ist nur eine der vielen Ursachen. 

„Ein bisschen Demut täte uns Deutschen gut“
(spiegel.de) Er ist einer der mächtigsten Gewerkschaftsführer des Landes und gilt als kluger Taktiker: IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis kritisiert im Interview mit SPIEGEL ONLINE die überhebliche Haltung Deutschlands in der Griechenland-Krise und spricht über die Gefahren von Billigjobs in der Exportindustrie. Weiterlesen…

Kommentar: Demut? In Deutschland gerade nicht in Mode, schliesslich fühlen sich die Deutschen mit ihren Forderungen nach harten Sparmaßnahmen vollkommen im Recht. Am deutschen Wesen soll Europa genesen. Wann geht dieses nutzlose Experiment endlich zu Ende? Lesenswert, selbst unter dem Gesichtspunkt, dass auch Vassiliadis von einer Staatsschuldenkrise ausgeht.   


Der Finanzmarkt braucht keine Banken
(fes.de) Die Krise in der Eurozone macht eines ganz deutlich: Der Bankensektor ist und bleibt ein beständiges Systemrisiko sowohl für die einzelnen Staaten als auch für die Staatengemeinschaft als Ganzes. Dass dem so ist, ist vor allem einem Mechanismus geschuldet, der nach immer demselben Prinzip funktioniert. Droht den Banken Insolvenz, werden sie entweder durch »billige« Kredite der Europäischen  Zentralbank  (EZB)  subventioniert  oder  der  Staat übernimmt die Verluste mittels sogenannter Bad Bank-Lösungen und Beteiligungen (siehe aktuell Spanien). Weiterlesen…

Kommentar: Ein diskussionswürdiges „Plädoyer für eine grundlegende Finanzreform“ heißt es dort richtig. Leider noch lange nicht durchsetzbar.   


Irland zeigt wie es geht
(zeit.de) Der EU-Gipfel verschafft Spanien eine Atempause, mehr nicht. Wie man am besten mit einer Bankenkrise umgeht, können die Spanier von Irland lernen. Weiterlesen…

Kommentar: Zuletzt war es Island, das als Blaupause für eine erfolgreiche Krisenpolitik herhalten musste. Unter völlig falschen Annahmen. So ist es auch bei Irland. Das Referendum zum Fiskalpakt war eine Farce. Mit dem IWF wird andauernd über die Konditionen der Hilfskredite nachverhandelt. Tausende von Iren verlassen das Land Richtung England und Amerika (hier). Wieder einmal werden, auch bei der "ZEIT", Äpfel mit Birnen verglichen.


Neuer Skandal um britische Großbanken
(ftd.de) Erneuter Schlag für die britische Finanzwelt: Weil sie ihren Kunden komplexe Finanzprodukte verkauft, sie aber nicht ausreichend über deren Risiken aufgeklärt haben, müssen vier Großbanken tausende Kunden entschädigen. Weiterlesen…

Kommentar: Es hört einfach nicht auf. Kürzlich Milliardenverluste bei JPMorgan, jetzt gleich vier „angesehene“ Banken in England. Die Betrügereien gehen munter weiter. Wenigstens müssen Schadenersatzzahlungen geleistet werden. In Deutschland kämen die Banken ungeschoren davon.
     

„Das ist die schlimmste Bank von allen“
(sueddeutsche.de) Faule Hypothekenkredite an Kleinsparer, riskante Vorzugsscheine an Analphabeten: Über 100 Jahre war die Caja Mediterraneo eine traditionelle Sparkasse in Spanien – dann kamen Boom und Gier. Tausende Kunden wurden abgezockt. Weiterlesen…

Kommentar: Es funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie in Griechenland: Banken-Bashing an Hand konkreter Beispiele. Scheinheilig. Deutschland ist Jahr für Jahr ab Oktober Tummelplatz strukturierter Verkaufsorgien mit Schrottimmobilien, die Milliarden-Schäden verursachen und regelmäßig Menschen in die Armut treiben, manche sogar in den Selbstmord. Mittendrin Banken aller Couleur.


Handel registriert Käuferschwund
(manager-magazin.de) Der Umsatz des deutschen Einzelhandels ist im Mai nach Abzug der Preissteigerung gesunken. Unter dem Strich blieben den Händlern 0,3 Prozent weniger in den Kassen als im April, berichten die Bundesstatistiker – und auch im April selbst lief es nicht so glänzend, wie erst angenommen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Klare Aussage. Die Grafiken dazu gibt es hier.


Abschließend wieder eine aussagekräftige Karikatur, passend zum Brüsseler Gipfel: 

© goldseitenblog.com, 2012


Freitag, 29. Juni 2012

Standpunkt 286 - Nachrichten-Ticker, 28.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Menschen glauben den Vertretern der Politik und der Wirtschaft nicht
(heise.de/telepolis) Eine Studie will die Unglaubwürdigkeit aber nur auf "mangelhafte Kommunikation" zurückführen, auch wenn zwei Drittel in der Umfrage sagen, dass sie sich in der Krise durch die Politik nicht vertreten sehen.
Politiker führen Misserfolge bei Wahlen oder Entscheidungen gerne darauf zurück, die Menschen hätten nur nicht recht verstanden, noch viel lieber wird die Worthülse verwendet, man habe die Politik oder das Thema nur nicht richtig kommuniziert. Eigentlich, so heißt das, habe man natürlich recht, weswegen die Bürger das auch sehen müssten. Eine Gemeinschaftsstudie des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Stuttgart) und der ING-DiBa AG (Frankfurt) scheint in dieser Weise auch die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zu deuten und sieht in der "mangelnden Glaubwürdigkeit" von Politikern, Unternehmen und Journalisten das zentrale Problem. Die würden die Krise nicht so erklären, "dass es den Menschen weiterhilft". Weiterlesen…

Kommentar: Deckt sich mit einer Untersuchung des renommierten Meinungsforschers „GALLUP“ in den USA im Dezember 2011. Die folgende Grafik macht das deutlich: 



Wenn Ökonomen die Realität verleugnen
(tagesanzeiger.ch) Massenarbeitslosigkeit herrscht in weiten Teilen Europas – und es wird immer schlimmer. Trotzdem fordern Ökonomen, dass wir noch mehr arbeiten und noch mehr Zuwanderung zulassen. Ein Irrsinn. Weiterlesen...

Kommentar: Die Einleitung soll nicht täuschen. Der Artikel beschreibt grundsätzlich die Schwierigkeiten der Ökonomen, sich von ihren alten Lehren zu verabschieden. Anschaulich.    


Ab in die Reha-Klinik
(manager-magazin.de) Der Wirtschaftsprofessor und Ifo-Chef Hans-Werner Sinn lobt den Widerstand der Kanzlerin. Im Falle einer Vergemeinschaftung der Schulden im Euro-Raum sieht er einen Untergang Europas voraus. Sinn will die Südstaaten in die Rekonvaleszenz entlassen. Weiterlesen...

Kommentar: Der Professor aus München ist für uns ein typisches Beispiel für die Verleugnung der Realität. Was er vorschlägt begeistert die Deutschen, löst aber nicht die Krise, wie wir immer wieder erläutern. Sinn ignoriert regelmäßig die Fakten, um der Regierung in Berlin unter die Arme zu greifen. Ein weiteres Beispiel seiner verqueren Thesen:     


“Ein Euro-Crash wäre für alle verheerend”
(focus.de) Starökonom Hans-Werner Sinn äußert sich im Interview über das mögliche Platzen einer Euro-Blase. Außerdem erklärt der Ifo-Präsident, warum Anleger jetzt lieber ihr Bad renovieren sollten. Weiterlesen...

Kommentar: Verheerend ist nur, was der sogenannte “Starökonom” hier zum Besten gibt. Wir finden es unerträglich, dass die Abrißbirne der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland jetzt auch nicht davor zurückschreckt, den Euro einzureißen und das dann auch noch als die einzig wahre Lösung zu verkaufen. Er sollte sich besser bei Kollegen wie Michael Hudson gründlich informieren, der die wahrhaftigen Hintergründe der Krise längst richtig beschreiben hat. Wir haben es hier, hier und hier bereits zusammengetragen.


EU-Fiskalpakt: Strangulierung von Wirtschaft und Sozialstaat
Die Umsetzung des Fiskalpakts wäre der finale Schritt ans Ende jener Sackgasse, in welche die EU vor 20 Jahren mit den Maastricht-Kriterien eingebogen ist. Die “automatisierte” und kollektive Sparpolitik wird die Wirtschaft in eine langjährige Krise führen und das Europäische Sozialmodell scheibchenweise demotieren. Weiterlesen...

Kommentar: Wir bieten diese Analyse des österreichischen Ökonomen Stephan Schulmeisters an, weil wir nicht erwarten, dass sich die deutschen Leitmedien mit den offensichtlichen Nachteilen des Fiskalpakts beschäftigen. Wir bedauern nur, dass Schulmeister leider nicht so gefällig schreibt, um auch für Laien verständlich zu sein. Trotzdem empfehlen wir allen LeserInnen sich daran zu versuchen.         


Demokratie, Austerität und die zwei Europas
(nachdenkseiten.de) Es gibt das marktkonforme Europa der Angela Merkel, das sich in Brüssel hinter den Institutionen der EU verschanzt hat und im Kielwasser der Krise die Mitgliedsstaaten auf die neoliberale Austeritätspolitik nach deutschem Vorbild umzukrempeln versucht. Die demokratische Legitimation dieses Europas ist jedoch zumindest fragwürdig. Es gibt aber auch noch das demokratische Europa, das trotz der unverhohlenen Erpressungen aus Berlin und Brüssel seine Stimme gegen diese Austeritätspolitik erhebt. Dieses Europa hat sich gestern in der parlamentarischen Versammlung des Straßburger Europarats eindrucksvoll zu Wort gemeldet und der Austeritätspolitik Merkelscher Schule eine klare Absage erteilt. Eine breite Mehrheit der Abgeordneten stimmte über alle Parteigrenzen hinweg mit siebzigprozentiger Mehrheit einem Bericht des deutschen Linken-Politikers Andrej Hunko zu, in dem die europäischen Staaten aufgefordert werden, ihre einseitige Austeritätspolitik zu Lasten der Volkswirtschaft und der sozial Schwachen neu zu justieren, sowie die Staatshaushalte nicht durch Kürzungen, sondern durch eine höhere Besteuerung der Wohlhabenden zu sanieren. Von Jens Berger. Weiterlesen...

Kommentar: Sehr aussagefähig. Sehr empfehlenswert auch der Verweis am Ende des Beitrags.   


“Deutschland lebt auf Kosten der anderen”
(derStandard.at) Für Walter Ötsch sind Deutschlands Nullzinsen ein Alarmsignal, das Wachstumspaket eine Mogelpackung und der Fiskalpakt grundverkehrt. Weiterlesen...

Kommentar: Noch ein Beitrag, den es so in den deutschen Medien nicht geben wird. Selbst wer Wachstumspaket und Fiskalpakt für eine gute Sache hält, könnte an Hand neuer Gegenargumente seine Position überdenken, ggfs. korrigieren. Alle anderen finden in dem Interview Unterstützung. Ötsch ist ein österreichischer Ökonom.    


Die tragische Heldin der Euro-Zone
(handelsblatt.com) Kanzlerin Merkel steckt in einem Dilemma: Gibt sie den Brüsseler Forderungen nach, zahlt Deutschland mit höherer Haftung für die Währungsgemeinschaft. Will sie die finanzielle Unschuld bewahren, droht dem Euro das Aus. Weiterlesen…

Kommentar: Angela Merkel wird höchstens zur tragischen Figur, keinesfalls zur Heldin. Sie heizt die Krise an, statt sie zu beenden. Das wird bestraft, spätestens in der zukünftigen Geschichte.    


Europas Vietnam
(presseurop.eu) Die siebenundzwanzig EU-Staaten versammeln sich zum x-ten „Gipfel der letzten Chance“. Vehement halten sie an ihren Standpunkten fest, blasen trotz allem weiterhin in ein und dasselbe Horn und hoffen, dass sich die Krise ganz einfach selbst löst. Ein bisschen so wie diese US-amerikanischen Generäle, die außerstande waren, den Krieg zu beenden und Vietnam immer und immer wieder bombardierten, kritisiert Barbara Spinelli. Weiterlesen…

Kommentar: Ein lesens- und nachdenkenswerter Artikel. Besonders auch die Bewertung des auf dem Vierer-Gipfel in Rom beschlossenen Wachstumspakets.


Nein! No! Non!
(handelsblatt.com) Beim EU-Gipfel wollen die Südstaaten gemeinsam mit Brüssels Bürokraten Deutschlands Haftung in Europa erhöhen. Damit schaden sie deutschen Wirtschaftsinteressen und der europäischen Idee. Dagegen steht die Kanzlerin. Weiterlesen…

Kommentar: Auf Gabor Steinhart kann sich die Kanzlerin verlassen. Ein Hofnarr. Für den Chefredakteur einer Wirtschaftszeitung zeigt er wenig Sachverstand. Devot schreibt er die Europapolitik der Kanzlerin schön. Leider wird er sich dafür nie verantworten müssen.


Warum Deutschland den EU-Masterplan blockiert
(sueddeutsche.de) Die Brüsseler Führungsspitze hat eine Vision für die Gemeinschaftswährung vorgelegt. Der Gipfel soll die EU völlig umbauen. Doch der Plan schafft gerade jetzt mehr Ärger, als dass er Probleme löst. Weil er in einer einzigen, unverantwortlichen Forderung mündet: den Bürger noch stärker in die Pflicht zu nehmen. Weiterlesen…

Kommentar: Stimmt, dieser Masterplan kommt zum falschen Zeitpunkt. Aber nicht, weil er vielleicht gegen die deutschen Sparer zielt, sondern weil vorher die Bankenschuldenkrise gelöst werden muss. Der Masterplan hilft dabei nicht. Gerne wird vergessen: besonders die deutschen Banken, angeführt von ihrem Primus Deutsche Bank, sind ursächlicher Teil dieser Krise. Jeder Cent aus den bisherigen Hilfspaketen für Irland, Portugal, Griechenland und jetzt Spanien, nutzt auch den Banken hierzulande. Noch werden dafür die Menschen in den betroffenen Ländern in die Pflicht genommen, ohne dass sie einen Nutzen aus diesen Hilfspaketen haben. Sind rundherum alle Länder abgearbeitet, fällt das Problem den deutschen Sparern vor die Füße und es geht an deren Ersparnisse. Wir hoffen, die Deutschen werden sich dann noch daran erinnern, wer ihnen die Krise und ihren Verlauf falsch erklärt hat. Es sind Unzählige.


„Die Krise droht uns zu verschlingen“
(zeit.de) Eine neue Verfassung, ein Umbau Europas – alles richtig, sagt der frühere EU-Kommissar Günter Verheugen im Interview. Bloß: Im Moment haben wir dafür keine Zeit! Weiterlesen…

Kommentar: Vieles analysiert Verheugen richtig, noch mehr falsch. Ein typischer EU-Bürokrat. Gerade deshalb empfehlen wir: lesen. Gibt eine Einführung in Brüsseler Denkmuster.    
     

Die große globale Schnäppchenjagd
(project-syndicate.org) Wenige Wahlen in der jüngeren Vergangenheit haben weltweit derartige Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie die Wahlen in Griechenland am 17. Juni. Nachdem die stimmenstärkste Mitte-Rechts-Partei Nea Dimokratia mit der Mitte-Links-Partei PASOK und der demokratischen Linken eine Koalition gebildet hat, besteht die Kernfrage für die Regierung unter Ministerpräsident Antonis Samaras darin, ob sie die mit den Partnern in der Eurozone vereinbarten Sparmaßnahmen im Gegenzug für die weitere Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union auch umsetzen kann.
Die Situation bleibt gefährlich – und das nicht nur für Griechenland. Spanien und Italien steht im Juli die Rückzahlung von Staatsanleihen im Ausmaß von 13,2 beziehungsweise 17 Milliarden Euro bevor. Wie ein unaufhaltsamer Tsunami kommen in jedem darauf folgenden Monat auf die beiden Länder weitere Rückzahlungen zu, die für anhaltende Turbulenzen in Europa und darüber hinaus sorgen werden.
Angesichts der globalen Bedrohung aufgrund der europäischen Schulden- und Bankenkrise gewannenMaßnahmen zur Stärkung des europäischen Bankensystems und der Förderung einer fiskalischen Integration am jüngsten G-20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos eine gewisse Dynamik. In der Abschlusserklärung des Gipfels heißt es, dass Länder mit guter monetärer Ausstattung bereit sind, wirtschaftliche Impulse zu geben, wenn sich das Wachstum abschwächt. Weiterlesen…

Kommentar: Die Autorin, Yuriko Koike, ehemalige japanische Verteidigungsministerin, beschreibt an Hand zweier Beispiele, Griechenland und Island, wie sich China in der Finanzkrise lukrative Schnäppchen sichert. Unsere regelmäßigen LeserInnen, wissen: wir sind besorgt über diese Entwicklung in Europa.   


Forscher rechnen mit mehr Wachstum in Deutschland
(spiegel.de) Das Ifo-Institut sieht Deutschlands Lage trotz Euro-Krise positiv. In diesem Jahr werde die Wirtschaftsleistung um 0,7% wachsen, heißt es in einer aktuellen Prognose. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine Bauernfängerei. Gestern noch meldete das österreichische „Wirtschaftsblatt“: „Wachstum der deutschen Wirtschaft mehr als halbiert” (hier) und zitierte aus einer Prognose des DIW. Da muss unverzüglich eine Gegenmeldung her. Selbst wenn es nur geringstes Wachstum ist. Scheinbar beginnt der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2013 schon so zeitig wie nie.


Sloweniens Banken werden zur Gefahr
(handelsblatt.com) Das größte slowenische Geldhaus hat nach staatlicher Hilfe gerufen. Wegen der massiv gewachsenen Verschuldung kann die Regierung die Institute jedoch kaum noch stützen. Und auch westliche Geldgeber zögern. Weiterlesen…

Kommentar: Der nächste Kandidat für die Krise. Jetzt also auch Osteuropa. Das wird Österreichs Banken treffen. Die sind dort kräftig engagiert. Absehbar, wann das Rating der Austria-Banken weiter in den Keller geht. Das Rating für Österreich wird folgen. 

Donnerstag, 28. Juni 2012

Standpunkt 285 - Nachrichten-Ticker, 27.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Merkel warnt vor Scheinlösungen auf EU-Gipfel
(wirtschaftsblatt.at) Um das Vertrauen der Welt in Europa zurückzugewinnen, seien eine klare Haushaltskonsolidierung, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und intelligente Wachstumsimpulse nötig, sagt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Weiterlesen…

Kommentar: Scheinlösungen sind doch genau die Maßnahmen mit denen Merkel die Krise seit Monaten zu bekämpfen versucht. Und so geht es weiter. Es geht zuallererst nicht um das Vertrauen der Welt, es geht um das Vertrauen innerhalb Europas, in den PIIGS-Staaten genauso wie im Rest. Nicht die Haushaltskonsolidierung ist das Problem, sondern die Regulierung der Finanzmärkte, heute besser als Spekulationsmärkte zu bezeichnen. Erst danach sind andere Maßnahmen überhaupt erst nützlich. Ob es dann tatsächlich Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsimpulse sein müssen, lassen wir offen.


Der merkwürdigste Satz der Kanzlerin
(ftd.de) Kurz vor dem EU-Gipfel wird die Kanzlerin pathetisch: Keine Eurobonds, "solange ich lebe". War der Satz ein Versehen - oder ein Missverständnis? In jedem Fall gilt: So sehr wir uns Pathos von Angela Merkel wünschen - diesmal wäre es unklug und gefährlich. Weiterlesen...

Kommentar: Selbst Horst von Buttlar, Anhänger der Merkel’schen Krisenpolitik, stört sich an diesem Ausspruch. Bemerkenswert.   


Euro-Retter rutschen Richtung Abgrund
(manager-magazin.de) Mehr Hilfe für einzelne Staaten, zugleich mehr Einfluss Brüssels auf einzelne Staaten: Der Streit um Geld und Übertragung nationaler Souveränität lähmt die Euro-Retter vor dem Euro-Gipfel. Die Zeit wird knapp: Da die Geldpolitik an Grenzen stößt, rutscht die Euro-Zone mit defekten Bremsen Richtung Abgrund. Weiterlesen...

Kommentar: Natürlich ist die Angst, ausgebeutet zu werden, berechtigt. Nur sind es nicht die Hilfen an die europäischen Nachbarn von denen Gefahr ausgeht. Es sind die “too big to rescue”-Banken, wie beispielsweise die Deutsche Bank, für die die deutschen Ersparnisse einstehen müssen. Selbst die bereits geschnürten Hilfspakete für Irland, Portugal, Griechenland, gehören dazu. Bei Spanien ist es das Gleiche, bei den folgenden Ländern auch. Immer geht es um verdeckte Bankenhilfen, sonst nichts. Es wird dringend Zeit, dieses Thema öffentlich zu diskutieren.    


Warum mehr Europa vielen Angst macht
(zeit.de) Eine politische Union soll die EU aus der Krise holen, doch, das Misstrauen der Deutschen ist groß. Dabei gibt es Gründe, an Europa zu glauben. Weiterlesen...

Kommentar: Das Misstrauen speist sich aus der offenkundigen Unfähigkeit der europäischen Spitzen-Politiker und regierenden Technokraten in den zurückliegenden Jahren keine geeigneten Mittel gegen die Krise in Europa gefunden zu haben. Jeder spürt: die Dinge haben sich verschlimmert, statt verbessert. Dieses Gefühl hat gleichzeitig das Misstrauen der Menschen gesteigert. Objektiv betrachtet zu Recht.     


Wachstum der deutschen Wirtschaft mehr als halbiert
(wirtschaftsblatt.at) Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich nach einer Prognose des DIW im zweiten Quartal mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde nur noch um knapp 0,2 Prozent zulegen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Zu Jahresbeginn waren es noch 0,5 Prozent. Weiterlesen...

Kommentar: Was nützen ifo-Index und GfK-Konsumklimaindex? Nichts. Wir brauchen unsere europäischen Nachbarn, um Geschäfte zu machen. Die Schwellenländer reichen nicht aus. Die Geschäfte mit den BRIC-Staaten lassen sich so weit steigern, um die Ausfälle in Europa auszugleichen. Leicht nachzuvollziehen, gerade vor dem Hintergrund zunehmender Probleme in diesen Staaten. Siehe China oder auch Brasilien, wo gerade milliardenschwere Konjunkturprogramme für die heimische Wirtschaft aufgelegt werden. Insgesamt eine äusserst wackelige Angelegenheit.         


Was taugen die Instrumente zur Eurorettung?
(tagesanzeiger.ch) Bankenunion, Eurobonds, Schuldentilgungsfonds: Vorschläge zur Bekämpfung der Krise in Europa gibt es viele. Doch würden die Massnahmen tatsächlich greifen? Ein Realitätscheck.  Weiterlesen...

Kommentar: Deutsche Milliarden-Vermögen lagern bei Schweizer Banken. Auch sonst stehen die Eidgenossen hoch im Kurs. Da ist es nicht uninteressant zu lesen, wie die Schweizer die neuen Lösungsversuche zur Euro-Krise bewerten. Bemerkenswert: Die deutschen Banken werden als gesund eingestuft. Die zum Schluss vorgestellten Projektbonds sind Teil einer „Financial Repression“, die letztendlich Teil einer staatlichen Enteignung sind, unbemerkt versteht sich.  


Werft Deutschland aus dem Euro
(zeit.de) Es gibt zwei Interpretationen der Linie der Bundesregierung in der Euro-Krise. Die wohlwollende Interpretation lautet, das deutsche Zögern diene dem Zweck, im Gegenzug für eine Vergemeinschaftung der Haftung durch Souveränitätsverzicht auch gemeinsame Kontrollmöglichkeiten im Währungsraum zu etablieren.
Diese Strategie hätte – auch wenn in der Umsetzung nicht immer geschickt vorgegangen werden mag – einen rationalen Kern. Risiko und Haftung gehören zusammen, wie schon die alten Ordoliberalen sagten und da hatten sie sogar einmal recht. Einfach nur mit Geld um sich werfen, das schafft eine weder ökonomisch noch politisch stabile Situation. In diesem Fall läge der Ball genau so im Feld der Franzosen, die sich mit dem Souveränitätsverzicht schwer tun, wie im Feld der Deutschen, die ihre Bonität nicht so gerne hergeben.
Die zynische Interpretation lautet, dass die Deutschen in Wahrheit überhaupt keinen Umbau der Währungsunion wollen, der diese wetterfest machen wird. Sie stellen nur Bedingungen, von denen sie
wissen, dass sie nie zu ihrer Zufriedenheit erfüllt werden, um ihr Versprechen nicht einlösen zu müssen. In diesem Sinne wurde vor vielen Jahren von den Skeptikern auch die berühmte Krönungstheorie der Bundesbank interpretiert, wonach der Euro erst nach der vollendeten politischen Union eingeführt werden dürfe. Weiterlesen...

Kommentar: Vorsicht mit dieser Aufforderung. Sie wird gerade in Deutschland wieder sehr wohlwollend diskutiert. Obwohl die Folgen nicht abzusehen sind und eher die Nachteile überwiegen. Wer kann dann noch für die Rettung deutscher Banken in die Verpflichtung genommen werden? Die Deutsche Bank, die teilverstaatlichte Commerzbank, die verbliebenen Landesbanken, alle zusammen können nicht gerettet werden. Die Deutsche Bank alleine ist schon too big to rescue.    


Analyse: Dem EU-Gipfel droht eine Nord-Süd-Spaltung
(wirtschaftsblatt.at) Eigentlich beginnt der EU-Gipfel in Brüssel erst am Donnerstagnachmittag. Aber wie immer findet der härteste Austausch der 27 EU-Regierungen in den Tagen zuvor statt, wenn alle auf nationaler Bühne ihre Positionen und Erwartungen abstecken - das erleichtert dann eine versöhnliche Einigung in Brüssel. Diesmal zeichnet sich aber ein anderes Bild ab, nicht nur weil der Gipfel als "historisch" bezeichnet wird. Die Instabilität an den Finanzmärkten und der innenpolitische Druck in vielen Ländern sorgen dafür, dass die Stimmung enorm aufgeladen ist. Es droht ein ernster Riss zwischen dem Norden und Süden der Union. Weiterlesen…

Kommentar: Stimmt. Nur hat Nord-Europa keinen Grund, über den Süden, inklusive Frankreich, die Nase zu rümpfen. Holland, Dänemark, Schweden, stecken unbemerkt schon feste in der Krise. Finnland und Österreich werden folgen. Deutschland auch. Noch gelingt es dem Norden, seine Probleme auf Kosten des Südens zu vertuschen. Die Spekulanten werden das kurzfristig ändern.   


Das Ende der Euro-Zone naht – und auch das der EU
(welt.de) Europas Abstieg ist sicher, meint der Historiker Walter Laqueur. An einen tiefgreifenden Umbau der EU glaubt er nicht. Wahrscheinlicher sei ein neuer Anlauf für ein geeintes Europa.  Weiterlesen…

Kommentar: Ein lesens- und nachdenkenswerter Artikel. Viele der geschilderten Risiken für die Gemeinschaftswährung und die EU sind immer noch lösbar. Was fehlt, ist ein/e politische/r Führer/in im besten Sinne des Wortes. Merkel ist es definitiv nicht.   


So wird der Euro stabil
(sueddeutsche.de) Der Euro muss so stark bleiben, wie die D-Mark einst war. Wer für Euro-Bonds oder Euro-Bills plädiert, der blendet aus: Mitgliedstaaten müssen dafür auf Souveränität verzichten und ihre Verfassungen ändern. Versuche, sich daran vorbeizumogeln, untergraben das Vertrauen in die Zukunft der Währungsunion. Weiterlesen…

Kommentar: Was denn nun, Herr Weidmann? Am 25.06.2012 erklären Sie in Hamburg: „Der Euro ist eine stabile Währung“ (hier), zwei Tage später schüren Sie Zweifel und stellen Forderungen. Die Lieblingswährung der Deutschen, die D-Mark, ist Geschichte und wird auch nicht mehr auferstehen. Weidmann weiss das. An den aktuellen Problemen des Euro trifft die Bundesbank seit der Abfassung des Maastricht-Vertrages Mitte der 1990er Jahre eine erhebliche Schuld. Später hat sie zugelassen, dass der deutsche Finanzmarkt fast vollständig entreguliert wurde, obwohl ihr in dieser Zeit schon bekannt war, dass durch sogenannte Zweckgesellschaften erhebliche Risiken für die deutschen Banken bestanden. Statt einzugreifen wurde noch eine erhebliche Ausweitung dieser Risiken gefördert. Einzelheiten dazu haben wir (hier) und (hier) zusammengetragen und erläutert.  


Die gefährlichen Rezepte der Euro-Besserwisser
(focus.de) Eine Handvoll Star-Ökonomen glaubt zu wissen, wie sich die Schuldenkrise lösen lässt: Auf Kosten Deutschlands – mit noch mehr Schulden, Eurobonds und höherer Inflation. Eine Abrechnung mit Krugman, Roubini und Co. Weiterlesen…

Kommentar: Mit diesem nichtsnutzigen Artikel hat sich bereits gestern „nachdenkseiten.de“ beschäftigt (hier). Einen Teil, die ergänzenden Anmerkungen von Roger Strassburg, übernehmen wir hierher. Besser kann man die Kritik am Autor Uli Dönch nicht zusammenfassen:

Dönch wirft Krugman “gefährliche Vereinfachung” vor, dann nennt er zwei Forderungen Krugmans:

  • Forderung eins: Die (bereits überschuldeten) Staaten sollen noch viel mehr Geld ausgeben. So lange bis der Staats-Sektor die zurückgegangene Nachfrage der Privatwirtschaft ausgeglichen hat. Ja, das ist eine von Krugmans Forderungen, dass Staaten fehlende Nachfrage ausgleichen. Diese Forderung wird vor allem an die Staaten gerichtet, die noch günstige Kredite bekommen können, also an diejenigen, die nach Ansicht der Märkte gerade nicht überschuldet sind. Was an dieser Forderung falsch sein soll, erklärt Dönch nicht, außer zu unterstellen, dass die Staaten überschuldet sind, um die es geht. Dönch erklärt nicht, wer denn sonst die fehlende Nachfrage ausgleichen soll. Vielleicht glaubt er allen Ernstes, man könne auf Nachfrage verzichten.

  • Forderung zwei: Die Zentralbanken müssen die Zinsen noch weiter senken und eine deutlich höhere Inflation zulassen, damit die Staaten ihre gigantische Schuldenlast nicht so stark spüren – und sich sogar auf Kosten der Sparer entschulden können. Krugman fordert in der Tat eine höhere Inflation für Kern-Europa, damit die schwachen Länder ihre relative Wettbewerbsfähigkeit ohne Deflation verbessern können. Ja, Krugman hält nichts davon, dass die Staaten “ihre gigantische Schuldenlast stark spüren” sollen. Da haben wir wieder die deutsche Lust nach Strafe. Was die Sparer betrifft: ja, Inflation mindert den realen Wert ihrer Ersparnisse, aber ebenso die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners. Diese wird weniger wahrscheinlich, wenn die Last verringert wird, und sei es durch eine gewisse Inflation.

Außer dem Hinweis auf die Sparer erklärt Dönch auch hier nicht, was an dieser Forderung falsch ist. Krugman fordert auch, dass die EZB die Rolle des “lender of last resort” spielt, was Dönch nicht nennt,
obwohl auch diese Forderung für ihn sicherlich Teufelszeug wäre.
Krugman und seinem deutscher “Stellvertreter”, Peter Bofinger, wird vorgeworfen, es würde sie nicht interessieren, wie die Schulden entstanden sind. Offenbar hat Dönch Krugman nie wirklich gelesen, sonst wüsste er, dass Krugman sehr wohl weiß, wie sie entstanden sind. Ob dieses Wissen hilft, eine Lösung zu finden, ist eine andere Frage.
Auch der Vorwurf, es interessiere sie nicht, dass diese Schulden irgendwann abgetragen werden müssen, schlägt fehl. Erstens, es ist keineswegs so, dass der Staat irgendwann ohne Schulden dastehen müsste. Er muss nur seine Schulden bedienen können. Zweitens, wenn Dönch Krugman wirklich gelesen hätte, dann wüsste er, dass Krugman sehr wohl versteht, dass Schulden bedient werden müssen und wie sie auch zurückbezahlt werden könnten.
Dönchs Hinweis auf die USA, die angeblich “im August 2011 um Haaresbreite einem solchen Staatsbankrott entgingen”, soll suggerieren, dass die USA wegen Überschuldung beinahe Pleite gingen, obwohl es sich in der Tat nur um ein taktisches Spiel der Republikaner handelte, die Zugeständnisse als Bedingung für ihre Zustimmung zur sonst routinemäßigen Erhöhung der Schuldengrenze machten. Die Marktzinsen für US-Staatsanleihen sanken trotzdem weiter, was als Urteil des sonst so geehrten Marktes zu sehen ist, dass der amerikanische Staat weiterhin als solide galt. Seitdem sind die Marktzinsen noch weiter gefallen, und liegen so niedrig, wie nie zuvor in der Geschichte.
Doch wenn es anders wäre, und der amerikanische Staat tatsächlich in finanziellen Schwierigkeiten wäre, was hat das mit Krugmans Rezepten zu tun? Hat Krugman in den USA die Politik gemacht? Dönch erklärt nicht, wie die Höhe der amerikanischen Staatsschulden Krugmans Thesen widerlegt.
Dönch nennt dann “die schlimmste Entgleisung Krugmans”, nämlich Krugmans Aussage im Handelsblatt, dass wenn der Euro auf eine Parität zum Dollar fällt oder Länder anfangen, ihre Sparpolitik zu exportieren und damit bei uns die Arbeitslosigkeit erhöhen, würden Forderungen aus dem Kongress kommen, die Krugman unterstützen würde, denn man müsse etwas dagegen tun. Entgleisung? Nähmen es die Deutschen etwa hin, wenn andere Länder eine Wirtschaftspolitik betrieben, die für Deutschland erhebliche Nachteile bedeutet? Ach!
Es ist eigentlich Zeitverschwendung, sich mit diesem Artikel aufzuhalten, denn Dönch bringt keine Argumente, warum Krugmans Thesen falsch sind, er denunziert sie nur. Und versucht, etwa mit dem Hinweis auf die Bücher Krugmans und anderer, deren unlautere Motive anzudeuten. Dieser Artikel von Dönch ist aber leider exemplarisch für das, was in Deutschland als Journalismus durchgeht. Und dagegen muss man kämpfen.

Abschliessen wollen wir den Kommentar mit einem Zitat von Alt-Kanzler Helmut Schmidt: „Politiker und Journalisten teilen sich das Schicksal, dass sie heute über Dinge reden, die sie morgen erst verstehen“.


Austeritätspolitik und soziale Verwerfungen in Großbritannien
(annotazioni.de) In Deutschland wird Großbritannien derzeit in erster Linie als europakritisches Land wahrgenommen. Was leider sehr viel seltener thematisiert wird: Genau wie in vielen anderen Staaten Europas, sieht sich derzeit auch die Bevölkerung in Großbritannien massiven Kürzungsprogrammen unterworfen. Die britische Regierung unter konservativer Führung hat einen wirtschafts- und finanzpolitischen Fünf-Jahres-Plan entworfen, um das Defizit in den öffentlichen Haushalten bis zur nächsten Wahl 2015 auf Null zu reduzieren. Dieser Plan hat nicht nur verheerende Folgen, sondern er kann schon jetzt als gescheitert gelten. Weiterlesen…

Kommentar: Großbritannien, einst Weltmacht, auf dem Weg zu Europas Armenhaus. Zugrunde gerichtet durch seinen Glauben an grenzenlosen Neoliberalismus und die Londoner City. Wer wissen will, was an der Politik von Angela Merkel falsch ist, der wird in diesem Artikel fündig. Der britische Europaminister Lidington fiel vor einigen Tagen mit der Aussage auf „Wir lösen unsere Probleme, die Euroländer sollen ihre lösen“ (hier). Hoffentlich hält sich Großbritannien daran.   


Das Wunder von Island
(derStandard.at) Vier Jahre nach Bankenkollaps und Beinah-Bankrott erwirtschaftet das 320.000-Einwohner-Land Wachstumsquoten, von denen EU-Länder nur träumen können. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine infame Lüge, die zur rechten Zeit verbreitet werden soll. Von einem Wunder ist Island weit entfernt. Zwei Dinge sind für die Entwicklung in Island verantwortlich: Der IWF hat das Land mit drakonischen Maßnahmen saniert und die Isländer haben es abgelehnt die Schulden ihrer Banken zu übernehmen. Dieser Schritt war problemlos möglich, da von dem faktischen Staatsbankrott keine der Banken aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz ernsthaft betroffen waren. Andernfalls hätte es nicht funktioniert. Eine Maßnahme, die deshalb für kein Land in der Euro-Zone infrage kommt.

„Nach der Lehman-Pleite reiste Mitte Oktober 2008 eine IWF-Delegation nach Reykjavík, um ein Programm zur Krisenbewältigung auszuarbeiten. Es war das erste Mal seit der britischen Währungskrise von 1976, dass der Internationale Währungsfonds zur wirtschaftlichen Rettung eines entwickelten Landes herbeigerufen wurde. Um die isländische Krone zu stabilisieren, bewilligte der IWF am 24. Oktober 2008 ein mit Auflagen versehenes Darlehen in Höhe von 2,1 Milliarden Dollar; zugleich unterstützte er die Forderung der Regierungen in London und Den Haag, dass Island seine Verpflichtungen aus dem europäischen Einlagengarantieabkommen zu erfüllen habe. Das bedeutete, dass Reykjavík beiden Regierungen die Summen rückerstatten muss, mit denen diese die britischen und niederländischen Icesave-Anleger entschädigt hatten“ (Aus: „Die Reykiavik-Gang“, 13.05.2011, Le Monde diplomatique). Für dieses Darlehen zahlt Island moderate 3,2% Zinsen.  

Später hat dann die Bevölkerung per Referendum die Regierung gezwungen, die Einlagensicherung der isländischen Banken für ihre ausländischen Kunden – und nur für die – außer Kraft zu setzen. Von dem IWF wurde diese Entscheidung, trotz entsprechender Auflagen, akzeptiert.

Gegenüber britischen und niederländischen Anlegern blieb Island bis heute knapp 4 Milliarden Euro schuldig, über die nach wie vor auf Regierungsebene verhandelt wird.  

Trotzdem war die Staatsverschuldung zwischenzeitlich von weniger als 30% 2007 auf 120% angestiegen. Die Inflationsrate liegt über 10%.

Scheinbar versucht Island wieder einmal in die Euro-Zone aufgenommen zu werden. Da sind gute Nachrichten, selbst wenn sie falsch sind, unabdingbar.


Heute schließen wir den Nachrichten-Ticker wieder einmal mit einer Karikatur ab. Wir können sie unseren LeserInnen einfach nicht vorenthalten: 

"Komm schon, Angela, schiess zurück!" © Nicolas Vadot, presseurop.eu 

Mittwoch, 27. Juni 2012

Standpunkt 284 - Nachrichten-Ticker, 26.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Oberster Bankenlobbyist warnt USA vor Spekulationsattacken
(ftd.de) Den USA drohen spekulative Attacken, sollten die Investoren von ihrem derzeitigen Ziel Europa ablassen - das sagt kein Geringerer als der Cheflobbyist des globalen Bankenverbands IIF. Charles Dallara scheidet bald aus dem Amt und nimmt deshalb kein Blatt vor den Mund. Weiterlesen…

Kommentar: Das wäre ein Ding, wenn die Spekulanten demnächst die USA angreifen. Dann würde sich rächen, dass Barack Obama bei der beabsichtigten Bankenregulierung viel heiße Luft bewegt, aber nie ernsthaft die Umsetzung der fertigen Vorschläge von Dodd-Frank oder Volcker betrieben hat. Obama hatte es auch in der Hand, die kriminellen Machenschaften der Finanzkonzerne im Zusammenhang mit den Ursachen der Finanzkrise 2007/08 durch ernsthafte Strafverfahren gegen die Verantwortlichen juristisch aufarbeiten zu lassen. Einzelheiten dazu gibt es in unserem Beitrag „Bail not Jail“ (hier). Absolut lesenswert, klärt mit Hilfe des Amerikaners Simon Johnson ein paar Zusammenhänge.        


Ratingzwerg stuft Deutschlands Bonität herab
(handelsblatt.com) Die Ratingagentur Egan-Jones hat Deutschlands Bonitätsnote von AA- auf A+ herabgesetzt. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hätte schwere Folgen, urteilt die Agentur. Weiterlesen...

Kommentar: Es ist nur die kleinste der US-Ratingagenturen. Ihre Besonderheit: Sie nimmt die Entwicklung bei den großen 3 regelmäßig vorweg. Sehr schön bei den Ratings der vergangenen Monate zu beobachten. Quasi die Vorhut. Auffällig auch, dass die Gründe für die Herabstufungen sehr viel weniger den Eindruck politischer Ratings vermitteln (hier). Für uns deshalb die einzige wirklich seriöse amerikanische Ratingagentur.  


USA erhöhen Druck auf Europa in der Schuldenkrise
(welt.de) Deutliche Worte aus den USA: Europa fehlten noch viele Details für einen Weg aus der Krise, so die Kritik. Von Griechenland verlangt Obama eine enge Zusammenarbeit mit den internationalen Geldgebern. Weiterlesen...

Kommentar: Was die USA hier verlangen ist eine größere Einflussnahme für sich auf die europäischen Entscheidungen. Für uns eine unerträgliche Vorstellung. Gerade weil wir der festen Überzeugung sind, dass die Wall Street Verursacher und Antreiber der Krise in Europa ist. Für uns ist das ein Währungskrieg.     


US-Banken greifen nach europäischen Schnäppchen
(welt.de) Sie sind auf auf der Suche nach einem günstigen Geschäft: US-Banken kaufen derzeit Kreditportfolios von ihren europäischen Konkurrenten – weil diese dringend Kapital für ihre Bilanzen brauchen. Weiterlesen...

Kommentar: Na also, die Aasgeier kommen schon, bevor die Beute endgültig erlegt ist. Schon vor Monaten haben wir auf die riesigen Liquiditätsbestände der US-Konzerne hingewiesen. Die angeblichen Konjunkturprogramme der Regierung/FED dienten nur einem Zweck: Zaster für das weltweite Spiel-Casino der Banken bereitzustellen. Manch einer in Europa wird sich noch die Augen wundreiben, wenn die Hintergründe der Spekulationen auf den Tisch kommen. Unsere LeserInnen jedenfalls wissen da über viele Dinge schon lange Bescheid.   


Der Dollar wird sterben
(derStandard.at) Die USA mahnen Europa mit zunehmender Intensität zur Eile bei der Eurorettung, dabei sehen manche nicht ganz so beachtet die Dollar-Dämmerung heraufziehen. Weiterlesen...

Kommentar: Noch eine andere Stimme zu den beängstigenden Schwierigkeiten der USA. Der Dollar verliert rapide an Bedeutung. Die Schwächung des Euro, der bereits auf dem Weg einer starken Welt-Reservewährung war bevor ihn die Amerikaner aufs Korn genommen haben, wird dessen Zerfall nicht aufhalten, nur verzögern. Das haben die Chinesen schon 2009 richtig erkannt. Eine wunderbar akademische Aussage zum Thema liefert die Schweizer Währungsexpertin Myret Zaki: “Die US-Wirtschaft ist technisch bankrott.” Für sie ist der Greenback auf dem Weg “von der Leitwährung zur größten Spekulationsblase der Geschichte”. Auch sehr schön: “Die größte Volkswirtschaft der Welt ist eine große illusion. Um 14.000 Milliarden Dollar Volkseinkommen zu generieren, erwirtschaften die USA mehr als 50.000 Milliarden Gesamtschulden, deren Verzinsung allein jährlich 4.000 Milliarden Dollar kostet.” Seit 1913, der Gründung der US-Notenbank, wurde der Dollar ständig abgewertet und hat 97% an Wert verloren. Wer im Vergleich dazu die Euro-Zone für schwach und unbedeutend hält, und die Staatsschuldenkrise in Europa für hausgemacht, der hat keine Ahnung oder, sorry, nicht mehr alle Tassen im Schrank.        


Der Euro ist die beste Währung für Europa
(sueddeutsche.de) Der Euro steht am Abgrund. Aber ist diese Währung überhaupt die beste? Die ehrliche Antwort darauf lautet: ja. Beim EU-Gipfel am Donnerstag müssen Europas Politiker den Steuerzahlern endlich jene Frage zumuten, die sie ihnen zu lange nicht gestellt haben: Wie viel bist du bereit, für den Erhalt der Währung zu zahlen? Weiterlesen...

Kommentar: Die Kernaussagen stimmen, nur die Schlussfolgerungen sind falsch. Die EZB ist kein Krisen-Retter, sie ist ein klassischer Bankenretter, nur in dieser Rolle sieht sie sich. Diese Haltung vertritt, bestens maskiert, auch die Bundesbank. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf unseren Beitrag “Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?”, basierend auf einer Untersuchung des österreichischen Ökonomen Stephan Schulmeister aus 1997 (hier). Der tadellose Ruf der Bundesbank ist kaum gerechtfertigt.


Weidmann tadelt “politisches Nicht-Handeln”
(welt.de) Der Bundesbank-Präsident warnt vor einer raschen Einführung einer Bankenunion, dazu müssten die EU-Verträge geändert werden. Weidmann zweifelt, ob Staaten zu diesem Souveränitätsverzicht bereit wären. Weiterlesen...

Kommentar: Geschicht, geschickt, der Herr Bundesbank-Präsident. Ein Meister der Augenwischerei. Es ist ihm längst klar, dass die Verträge dringend geändert werden müssen. Nur wird dann die Bundesbank zwangsläufig an Einfluss verlieren, was dort nicht akzeptabel ist. Leider verhindern EZB und die Notenbanken, allen voran die Bundesbank, auch nicht immer deckungsgleich, mit ihrer unnachgiebigen Haltung jeden vernünftigen Lösungsansatz.    


Merkel verschärft Ton: EU-Pläne „wirtschaftlich falsch und kontraproduktiv“
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Bundeskanzlerin Merkel hält Eurobonds, Eurobills und einen europäischen Einlagensicherungsfonds für falsch. Die Staaten sollten sich auf Strukturreformen konzentrieren. Damit weist Merkel die EU-Granden in die Schranken, die hinter den Kulissen an einer weitgehenden Haftungsunion für Europa basteln. Weiterlesen…

Kommentar: Merkel wird in die europäische Geschichte eingehen. Als erfolgloser Versuch, unter deutscher Anleitung die größte europäische Krise zu bewältigen. Wer berät bloß die Kanzlerin? Ein Freund kann es nicht sein.  


„Keine Euro-Bonds, solange ich lebe“
(spiegel.de) Deutlich wie nie hat sich die Kanzlerin gegen Euro-Bonds oder vergleichbare Projekte ausgesprochen. Es werde in der europäischen Schuldenkrise keine gemeinsame Haftung geben, "solange ich lebe", sagte Angela Merkel vor der FDP-Fraktion. Damit lehnt sie entsprechende Pläne der EU-Chefstrategen kategorisch ab. Weiterlesen…

Kommentar: „Madame Non“ gibt sich die Ehre. Sehr zur Freude der Euro-Gegner. Sie zeigt Nerven. Unter diesen Umständen wünschen wir uns ihren Rücktritt, um weiteren Schaden von Deutschland und Europa abzuwenden. Die Kanzlerin ist nicht fähig klar zu denken, die bisherigen Fehler bei den Krisenbewältigungsversuchen zu korrigieren und notwendige Maßnahmen einzuleiten, zu denen möglicherweise in Zukunft auch Euro-Bonds gehören könnten, aber nicht zwangsläufig müssen. Sie jedoch kategorisch auszuschließen, zeugt von völliger Ahnungslosigkeit über Ursache und Wirkung der europäischen Krise. Angie I., Kaiserin von Europa (hier), muss abdanken.


George Soros: „Deutschland wird gehasst werden“
(spiegel.de) Vor dem EU-Gipfel wächst der Druck auf Europas Regierungen. Der Investor George Soros gibt ihnen nur noch kurze Zeit, um die Währungsunion zu retten. Im Interview erklärt er, wie sich Deutschland zur verhassten Imperialmacht entwickelt - und warum ein Ausstieg aus dem Euro extrem teuer würde. Weiterlesen…

Kommentar: Man kann vom Spekulanten Soros halten was man will, viele Dinge sieht er klar und er findet deutliche Wort. So auch in diesem Interview.  


Niederlande wenden sich vom Defizitziel ab
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der noch amtierende Ministerpräsident will bei einer Wiederwahl einige der wichtigsten Maßnahmen aus dem Sparpaket zurücknehmen. Er fürchtet um die Macht seiner Partei. Damit steht das Erreichen des Defizitziels auf dem Spiel. Das birgt Konflikte mit Brüssel. Weiterlesen…

Kommentar: Hollands Hütte brennt, und das nicht wegen des schlechten Abschneidens der Fußball-Nationalmannschaft. Scheinbar kommen die Holländer zu sich und erkennen die Nutzlosigkeit ihrer überzogenen Sparanstrengungen. „Financial Times Deutschland“ titelt „Hollands Wähler sind des Sparens müde“ (hier), „weil der Sparkurs nirgendwo in Europa funktioniert. Deutschland könnte einen wichtigen Verbündeten für seinen Sparkurs verlieren.


Ökonom erwartet binnen sechs Monaten Wirtschaftskrise in Deutschland
(dradio.de) Stephan Schulmeister: „Die Sparpolitik ist eine Symptomkur“. Düstere Prognose des Wirtschaftsforschers Stephan Schulmeister: Der europaweite Sparkurs werde die Wirtschaftskrise vertiefen, auch Deutschland wird betroffen sein. Die Kürzung der Staatsausgaben produziere eine selbst gemachte Wirtschaftkrise – Unternehmen hätten Angst, weiter zu investieren. Weiterlesen…

Kommentar: Ein aufschlussreiches Interview. Leider spricht Schulmeister ähnlich fachlich wie er schreibt. Deshalb für Laien eine etwas schwere Kost. Aber ein Versuch sollte es wert sein.


Alles oder nichts
(german-foreign-policy.com) Wenige Tage vor dem EU-Krisengipfel Ende dieser Woche erhöht die Bundesregierung den Druck auf die krisengeschüttelten Euroländer zur Preisgabe ihrer staatlichen Souveränität. Forderungen Italiens, auch ohne Souveränitätsverlust dringend benötigte Hilfen zu bekommen, weist der deutsche Finanzminister brüsk zurück. Ähnliche Anstrengungen Spaniens hatte Berlin erst kürzlich unterbunden. Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Programms, das unter dem Motto, die "europäische Integration" zu einem staatsähnlichen Eurozonen-Gebilde auszubauen, die deutsche Vormacht über den Kontinent zementieren soll - auf der Basis von Eingriffsrechten in die Staatshaushalte ökonomisch schwächerer Staaten. Weil der Machtpoker der Bundesregierung nicht nur die europäischen Krisenstaaten in die Verelendung stürzt, sondern auch die Weltwirtschaft schwer zu beschädigen droht, nehmen die Proteste gegen die Spardiktate Berlins weltweit zu. Scheitert das deutsche Va Banque-Spiel, ist selbst ein gravierender Rückschlag auf die deutsche Wirtschaft nicht ausgeschlossen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine sehr gute Analyse. Prima zu lesen auch für Einsteiger.


Mario Monti, Retter der Eurozone
(presseurop.eu) Nur eine politische Union kann den Euro und die EU noch retten – und nur der italienische Ministerpräsident kann das klar und deutlich sagen und Deutschland überzeugen, meint Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau vor dem dieswöchigen EU-Gipfel. Doch wird er es tun? Weiterlesen…

Kommentar: Wieder ein sehr guter Beitrag des Autors. Seine Idee mit der politischen Union ist richt, nur der Zeitpunkt falsch. Nach den jüngsten Aussagen von Merkel haben wir außerdem unsere Zweifel, ob mit ihr überhaupt irgendetwas Vernünftiges zu machen ist.


Schäuble: „Perfekte Lösungen brauchen lange“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, 69, fordert als Antwort auf die Euro-Krise mehr Europa und glaubt, dass es in Deutschland schon bald zu einer Volksabstimmung über eine neue Verfassung kommen wird. Weiterlesen…

Kommentar: Ein aufschlussreiches Interview, vom „letzten verbliebenen Europäer“ (George Soros). Leider will auch Schäuble den 2. und 3. Schritt vor dem 1. tun. Das wird ins Auge gehen. Schade. Wahrscheinlich hätte er aber das Zeug dazu, sich in Richtung geeigneter Maßnahmen zu bewegen. Seine Chefin hat es nicht.


Kauflaune der Deutschen steigt weiter
(wirtschaftsblatt.at) Trotz der wachsenden Furcht vor einem Abschwung, steigt die Kauflaune der Deutschen. Ihre Konjunkturerwartungen rutschten im Juni nach einer Serie schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft zwar auf ein Jahrestief. Die Verbraucher rechnen aber dennoch mit steigenden Einkommen und wollen mehr Geld für teure Anschaffungen ausgeben. Das für Juli berechnete Konsumklima-Barometer kletterte deshalb überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte, teilten die GfK-Marktforscher zu ihrer Verbraucher-Umfrage mit. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang auf 5,6 Zähler erwartet.
"Die Turbulenzen im Euro-Raum haben dem Konjunkturoptimismus der Verbraucher einen deutlichen Dämpfer gegeben", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Bislang sehen die Bundesbürger jedoch die Gefahren aus dem Ausland offenbar ausschließlich für die Konjunktur generell, und weniger für ihre persönliche Situation." Das Barometer für die Konjunkturerwartungen brach um 16,6 auf 3,0 Punkte ein.
Vorausgegangen war eine Serie negativer Nachrichten aus der Wirtschaft: Exporte, Produktion und
Industrieaufträge gingen zurück, die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten fielen so stark ein wie seit 1998 nicht mehr, während der Ifo-Index nach zwei Rückgängen in Folge auf dem niedrigsten Wert seit März 2010 liegt. Grund ist neben der schwächeren Weltkonjunktur vor allem die Schuldenkrise, wegen der viele Euro-Länder auch in der Rezession sparen. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine üble Meinungsmache. Dagegen setzen wir eine Meldung aus der Schweiz: „Konsumlust erlahmt“ schreibt der „Tages-Anzeiger“ (hier). „Die Schweizer Bevölkerung verspürt weniger Drang nach Konsum“, heißt es dort. Da soll es in Deutschland ganz anders sein? In einem Land, das noch nie in seiner Geschichte durch ein besonders ausgeprägtes Konsumverhalten aufgefallen ist? Wohl kaum.


Wie Spaniens Banken den Euro gefährden
(sueddeutsche.de) Spaniens Bauruinen lasten betonschwer auf den Bilanzen der Banken – und bringen den Euro ins Wanken. Nun will Madrid EU-Rettungsgeld. Europa muss die Regierung und jede einzelne Bank eisern kontrollieren - im Interesse Spaniens und Europas. Weiterlesen…

Kommentar: Solange es noch solche Artikel gibt, kann der Krise nichts passieren.


Think Tank: EU-Länder mit 913 Milliarden Euro in spanischer Wirtschaft engagiert
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Entwicklung im spanischen Bankensektor ist von enormer Bedeutung für die EU. Sind doch die EU-Länder mit rund 913 Milliarden Euro in die spanische Wirtschaft engagiert, schätzt der Think Tank Open Europe. Die Rezession und die sinkenden Immobilienpreise kündigen schon jetzt einen höheren Finanzierungsbedarf der Banken an. Weiterlesen…

Kommentar: Da reichen 100 Milliarden nie und nimmer, die sind nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Richtig, „Spanien ist definitiv too big to fail“. Da sind wir schon heute gespannt, wie Merkel diesem Problem beikommen will? Mit einem Euro-Austritt Deutschlands? Sie sollte sich vorher aber unbedingt die Bilanzen der deutschen Banken ansehen, besonders die des Branchen-Primus Deutsche Bank.Wer soll das bezahlen?


BRIC-Staaten verspielen das Vertrauen
(wirtschaftsblatt.at) Das dynamische Wirtschaftswachstum der Schwellenländer gerät ins Stocken. Die Währungen stehen unter Druck. Marode Wirtschaftssysteme, verabsäumte Modernisierung und Wachstumsschwächen machen auch vor den Dynamischsten der Dynamischen nicht halt. Im Gegenteil: Zum ersten Mal seit der Einführung der prägnanten Abkürzung "BRIC" vor zehn Jahren scheinen selbige angeschlagen. Dass es sich diesmal nicht nur um zyklische Schwankungen handelt, belegen die Währungen der BRIC-Länder, die in diesem Quartal kollektiv die größten Verluste seit über zehn Jahren hinnehmen mussten. Die Investoren fliehen aus den einst so aufstrebenden Schwellenländern. Weiterlesen…

Kommentar: Da geht sie hin, Deutschlands Hoffnung auf neue Wachstumsmärkte. Garantiert haben die ersten Konzernmanager schlaflose Nächte. Schadet nichts.


Der Giftschrank der Euro-Retter
(manager-magazin.de) Kapitalverkehrskontrollen galten als Relikt vergangener Tage. Jetzt werden sie wieder salonfähig. Verschärft sich die Euro-Krise, könnten sie in Europa gegen eine Kapitalflucht zum Einsatz kommen. Einen Präzedenzfall aus Euro-Land gibt es bereits. Weiterlesen…

Kommentar: Diese Entwicklung ist für uns und unsere LeserInnen keine Überraschung. Genauso haben wir auch schon über die anderen Werkzeuge der Repression berichtet (hier). Bitte dort nachlesen. 

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.