Freitag, 1. Juni 2012

Standpunkt 247 - Nachrichten-Ticker, 31.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 



Anshu Jain – Wider die Deutschtümelei
Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. Weiterlesen…

Kommentar: Ja, es ist schon eine neue Kultur eingezogen, bei der Deutschen Bank. Fraglich ist nur, ob damit alle glücklich sein werden. Es ist in der augenblicklichen Euphorie um den Abgang von Josef Ackermann unmöglich, sich mit kritischen Anmerkungen durchzusetzen. Wir werden im kommenden Monat die Rolle der Bank im Rahmen des weltweiten Derivatehandels näher untersuchen und zu einem Beitrag verarbeiten. Nach unseren Erhebungen vereinigt die Deutsche Bank den höchsten Anteil am weltweiten Derivatevolumen von knapp 700 Billionen USD (BIZ-Zahl, 2. Halbjahr 2011) auf sich, noch vor den US-Großbanken. Einen kleinen Einblick gibt die Grafik in unserem Beitrag „Deutschland, der ‚Vampirkrake’ Europas“ (hier). 


Draghi watscht Spanien wegen Bankia-Desaster ab
"Die schlechteste Art, die Dinge zu machen": Mit drastischen Worten geißelt der EZB-Chef Spanien. Als eine Konsequenz fordert er, dass die Staaten Macht bei der Bankenüberwachung abgeben müssen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Papiertiger, der Herr Draghi. Wir sehen am Beispiel Griechenland, dass inoffiziell ständig Wege gefunden werden die Banken liquide zu halten. Solche Aussagen dienen nur der allgemeinen Verwirrung. Wir nennen es “Europas Lügen haben kurze Beine!” (hier).          


EZB will nicht den Euro-Retter spielen
EZB-Chef Mario Draghi will die Krisenhilfe der Zentralbank auf solvente Banken im Euroraum konzentrieren. Es sei nicht die Aufgabe der EZB, die Ursache für die Turbulenzen im Euroraum beizulegen. Weiterlesen …

Kommentar: Der reine Populismus. Gleichzeitig heißt es in einer anderen Wirtschaftszeitung: „EZB will Blitzrettung maroder Banken“. Was denn nun Herr Draghi? Geht jetzt schon die Übersicht verloren? Es ist doch ganz einfach: es gibt nur noch marode Banken in Europa, da kann es nicht so schwer sein, sich für einen Weg zu entscheiden. Sicher ist für uns auf jeden Fall, dass es ein Fehler ist, diese Banken weiter am Leben zu halten. Der Schuldenschnitt muss bei diesen Banken, nicht bei den Staaten gemacht werden. Denen muss als Gegenleistung für die Milliardenhilfen schlicht und einfach werthaltiges Vermögen von den Banken abgetreten werden. Es muss sein wie im realen Leben: Da geben die Banken auch nur Geld, wenn die Sicherheiten passen. Diese Banken kommen dann in einen Stresstest, der diesen Namen auch zu recht trägt. Alle anderen werden ohne wenn und aber gleich abgewickelt.       


Asmussen fordert Spezialaufsicht für Großbanken
Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen plädiert für eine strengere Überwachung der großen Banken der Euro-Zone. Er will für die 25 Topinstitute eine Extra-Aufsicht.  Weiterlesen …

Kommentar: So etwas ist entbehrlich. Es genügt eine saubere Regulierung und deren Überwachung. Dafür ist keine neue Behörde notwendig, davon gibt es sowieso schon mehr als genug.


Deutschland soll mit Euro-Austritt Europa retten
Nicht Griechenland soll raus aus dem Euro, sondern Deutschland. Die Nachbarn sind zu wettbewerbsfähig, meinen zwei US-Ökonomen. Weiterlesen …

Kommentar: Unsere amerikanischen Freunde, immer wieder mit selbstlosen Vorschlägen bei der Hand. Leider haben die regelmäßig nicht europäische oder gar deutsche Interessen im Auge, sondern nur amerikanische. Unsere Antwort: Weder noch meine Herren. Was wir brauchen ist eine europäische Wagenburg, das kennen Sie ja aus den Zeiten des Wilden Westens. Den haben wir irgendwie auf eine besondere Art gerade wieder. Also, Abschottung, Protektionismus, Regularien für den europ. Finanzmarkt, strenge Überwachung, Devisenbewirtschaftung à la Schweiz, Zerschlagung der too big to fail und too big to rescue Banken, usw., wären geeignete Maßnahmen. Traut sich nur, ein Glück für Amerika, kein europ. Politiker dran. Ökonomen, die so etwas fordern, werden einfach lächerlich gemacht.  


EU-Kommission zweifelt an Defizitabbau in den Niederlanden
In der Brüsseler EU-Kommission gibt man sich nicht davon überzeugt, dass die Niederlande es im nächsten Jahr schaffen werden, ihr Budgetdefizit ausreichend zu senken. Hauptsächlich basiert diese Annahme auf einer zu optimistischen Prognose für die Wirtschaftsentwicklung und einer unaufhaltsam steigenden Arbeitslosigkeit. Auch die für den 12. September angesetzten Neuwahlen könnten dazu führen, dass die Ziele zu einer Senkung des öffentlichen Haushaltsdefizits über Bord geschmissen werden. Weiterlesen …

Kommentar: Was ist denn nur los, mit einem der letzten Musterknaben in Europa? Regelmäßig wird mittlerweile darüber berichtet, dass es in den Niederlanden nicht mehr rund läuft. Die Banken stehen schon in der Kritik, die Wirtschaftleistung lässt zu wünschen übrig. Jetzt auch noch Unregelmäßigkeiten bei den Prognosen, festgestellt von der EU-Kommission, nicht gerade ein Hort von Schnellmerkern. Die Kommission findet deutliche Worte. Es bröckelt gewaltig, im noch gesunden Teil des europäischen Hauses. Die nächsten Schwächlinge stehen schon an …


Herabstufung durch Moody’s: Zu hohe Kreditverluste unter Dänemarks Banken
Dass Dänemarks Banken nicht viel weniger Probleme mit ihren Kreditportfolios haben als andere europäische Institute hat eine kleine Anzahl von Zusammenbrüchen oder Verstaatlichungen in den letzten Jahren gezeigt. Die Ratingagentur Moody´s Investors Service stufte nun die Kreditbonität von neun dänischen Banken herab, zu denen auch die Danske Bank, das größte Institut des Landes, zählt. Weiterlesen …

Kommentar: Für uns keine Überraschung. Der dänische Staat hat klammheimlich schon einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag in die heimischen Banken gesteckt. Für die Danske Bank hat es dann auch noch einige Milliarden aus dem letzten EZB-Paket im Februar gegeben. Offensichtlich können diese Milliarden die Verluste durch Kreditausfälle nicht ausgleichen. Brandgefährlich sind auch die Ausleihungen nach Osteuropa, die auch schon den österreichischen Banken zu schaffen machen.  


Das beste Hypothekenmodell der Welt
Dänemark kommt bei Immobilienkrediten ganz ohne Banken aus. Ein freier, effizienter Markt sorgt für günstige Zinsen, ohne die Schuldner einzuschränken. Und seit 200 Jahren ist kein einziger Schuldner ausgefallen. Weiterlesen…

Kommentar: Der Artikel aus der Schweiz widerspricht der rauen Wirklichkeit in den Bilanzen der dänischen Banken und Hypothekenfinanzierer. Die Ausfälle häufen sich, die Krise kommt nämlich längst auch in Dänemark an. Die Staatsverschuldung steigt sprunghaft an. Wir werden natürlich die Entwicklung weiter beobachten und darüber berichten. Jedenfalls sehen wir das dänische Rating in Gefahr.


Drachmen statt Dramen für Griechenland
Griechenland, ein einziger Infektionsherd: Raus aus dem Euro, am besten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, meint Krisen-Ökonom Max Otte. Weiterlesen…

Kommentar: Der Herr Professor erklärt uns die Welt. Besser, die Welt wie er sie sieht. Schuldig bleibt er, wie alle anderen, eine realistische Sicht auf die Folgen des Austritts für alle Beteiligten, vor allen Dingen die Kosten oder auch die wahrscheinliche Reaktion der Spekulanten auf sein Procedere. Außerdem lässt auch er völlig außer acht, wie sich die anschließenden Kreditausfälle auf den Derivatemarkt auswirken werden.    


Sorgen um Spanien pushen sichere Anleihen
Die Krise verursacht nicht nur Kosten. Niedrige Zinsen österreichischer Anleihen entlasten das Budget. Krisenprofiteure sind auch die USA. Weiterlesen …

Kommentar: Was für ein Hohn. Die Anleger kaufen österreichische Staatsanleihen und auch die USA kommen günstig an Geld. Österreich steckt knietief in Schwierigkeiten, über die Situation in den USA muss kein Wort mehr verloren werden. Trotzdem genießen diese Länder das Vertrauen der Anleger. Lachhaft.


Die am wenigsten hässliche Währung
Die Angst um die Zukunft der Euro-Zone schlägt auf die Devisenmärkte durch. Der Euro ist zeitweise unter die Marke von 100 Yen gefallen. Das verschärft die Probleme von Japans Exportindustrie. Weiterlesen …

Kommentar: Noch so ein Nonsens der Anleger. Japan hat die höchste Staatsschuldenquote der Welt. Sie liegt bei über 230%, die Euro-Zone hat eine Staatsverschuldung von um die 90%. Sachlich spricht nichts für die japanische Währung, alles nur Emotion. Ein schlechter Ratgeber.


Einzelhandel bleibt Wachstumstreiber
Noch hält die kleine Aufwärtsserie: Die Umsätze im deutschen Einzelhandel sind im April deutlich um 0,6 Prozent, verglichen mit dem Vormonat, gestiegen. Im April des vergangenen Jahres wurde allerdings noch deutlich mehr verkauft als zuletzt. Weiterlesen …

Kommentar: Den sparen wir uns. Stattdessen bitte folgendes lesen:


Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze mit -3,8%
Wie heute Morgen das Statistische Bundesamtes (Destatis) berichtete sind die deutschen Einzelhandelsumsätze für den Monat April 2012 schwach ausgefallen, von einem XXL-Konsumboom ist weiter nichts in Sicht. Die nominalen Einzelhandelsumsätze sanken um -2,0% und die realen Umsätze um -3,8% zum Vorjahresmonat. Allerdings hatte der  April 2012 mit 23 Verkaufstagen einen Verkaufstag weniger als der Vorjahresmonat. Berücksichtigt man also auch die Saison- und Kalendereffekte (Census X-12-ARIMA Verfahren) ging es im Vergleich zum Vormonat nominal um +0,7% aufwärts und real um +0,6% zum Vormonat. Weiterhin dokumentieren aber diese Daten für Deutschland eindeutig die lang anhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, denn immer noch liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -1,0% unter dem Niveau von 2000 und um -1,2% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der langen Datenreihe! Weiterlesen …

Kommentar: Das ist die Wahrheit. Alles andere ist Schönschreiberei. Sehr gut abzulesen an den vielen Grafiken, die in dem Beitrag aufgeboten werden. Mehr muss man dazu nicht wissen. Das findet auch „ftd.de“: „Einzelhandel verbucht Dämpfer“ (hier).


Arbeitslosigkeit im Mai so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr
Die Grundtendenz ist gut, aber sie schwächt sich ab: Die Arbeitslosigkeit ist erneut leicht gesunken, allerdings nicht so stark wie von Experten erwartet. 2,85 Millionen Menschen waren ohne Beschäftigung - das ist ein historisch niedriger Wert für den Monat Mai. Weiterlesen …

Kommentar: Wieder so eine Schönschreibung. Der Artikel vergleicht Äpfel mit Birnen, so oft haben sich schon die Berechnungen der Statistik geändert. Bitte einfach hier nachlesen, der „Spiegel“ nennt es im Oktober 2010 „Das Jobwunder, das keines ist“.   


Brasilien kämpft gegen die Krise
Das rasante Wachstum ist vorbei. Ausländische Investoren ziehen ihr Kapital ab. Der Aktienmarkt knickt ein. Brasilien kann sich der Krise im Rest der Welt nicht entziehen. Jetzt reagiert die Zentralbank. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Nachtrag zur gestrigen Meldung über das schwache Lkw-Geschäft. Auch Brasilien lebt nicht auf einer Insel der Glückseligkeit, sondern ist Teil einer wackeligen Welt, deren Wirtschaft sich in einer Rezession befindet, die sich noch weiter verschärfen wird. Gerne wird dann eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit als Ursache angeführt. Das ist Quatsch. Es ist der Export, der schwächelt, die nötigen Preise lassen sich nicht mehr durchsetzen, schon zeigen sich erste Kreditausfälle. Gleich rücken die sogenannten Experten mit ihren alten neoliberalen Reform-Ratschlägen an. Da stellt sich doch wieder einmal die Frage, wer lernt eigentlich nicht dazu? Scheinbar doch die Ökonomen, oder?   


Gold vor größtem Mai-Verlust seit 1982
Der steigende Dollar hat Gold in den vergangenen Wochen erneut schwer zugesetzt. Im Vergleich zum Vormonat hat das Edelmetall knapp sechs Prozent an Wert verloren. Das ist das größte Minus in einem Mai seit 30 Jahren. Weiterlesen …

Kommentar: Na und? Der Markt wird von vorne bis hinten manipuliert. Wer Freude an Gold und Silber hat, für den eröffnen sich prima Kaufgelegenheiten. Allen, die Gold nur in Form von Papier-Zertifikaten besitzen, raten wir dringend zum Umtausch in echte Ware. Bei einem Verhältnis von 10 Teilen Zertifikate zu 1 Teil Gold kann sich jeder vorstellen, wer da irgendwann auf der Strecke bleibt. Die Bank sicher nicht. Bitte nicht vergessen: "Gold and silver are money. Everything else ist credit." (J.P. Morgan, 1912)


Der Scheinriese in der Schuldenkrise
Experten empfehlen uns jetzt den Schuldentilgungsfonds, um die Finanzkrise zu lösen. Klingt beim ersten Hinhören plausibel, beim zweiten schon nicht mehr. Wann denken wir endlich über Lösungen nach, die funktionieren - statt über solche, die in unser Weltbild passen? Weiterlesen …

Kommentar: Wir empfehlen nur: lesen. Wolfgang Münchau schreibt wieder einmal viele vernünftige Dinge. Bemerkenswert.