Samstag, 2. Juni 2012

Standpunkt 248 - Nachrichten-Ticker, 01.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Japan und China verzichten auf Dollar als Handelswährung
China und Japan verzichten auf den Dollar als Zwischenwährung und handeln ihre Währungen fortan direkt. Davon versprechen sie sich eine grössere globale Rolle von Yuan und Yen. Weiterlesen…

Kommentar: Während sich die Europäer ihre Gemeinschaftswährung kaputtmachen (lassen), entwickelt sich im fernen Asien eine neue Währungsallianz zur Erleichterung des zwischenstaatlichen Handels. Immerhin ein Volumen von 345 Milliarden US$ im vergangenen Jahr. Damit ist China der wichtigste jap. Handelspartner. Es ist uns kein Trost, dass mit dieser Verabredung auch der US-Dollar eins auf die Mütze bekommt. Die Verteidiger dieses Dollars werden sich jetzt nur noch mehr um den Euro „kümmern“ und treffen dabei leider auf eine sehr, sehr schwache, geradezu dilettantische Verteidigung in Europa. Schade.


USA mahnen Europa zur Lösung der Schuldenkrise
Die Euro-Krise belastet die Finanzmärkte rund um den Erdball. Die USA verlangen von Europa eine klare und schnelle Lösung – zumal US-Präsident Barack Obama mitten im Wahlkampf steckt. Weiterlesen ...

Kommentar: Welche Lösung? Natürlich die Rekapitalisierung der Banken, d. h. Bankenhilfen ohne Ende, das von der Wall Street gesteuerte Finanzcasino muss schliesslich weiterlaufen. Wenigstens bis der leistungslose Friedensnobelpreisträger Barack Obama im November als Präsident wieder gewählt worden ist. Danach die Sindflut. Es ist nicht die Euro-Krise, die die Welt belastet, einzig und allein die Banken-Krise und ihr Finanzcasino machen der Welt zu schaffen.


Weltbank-Chef Zoellick schwört Europa auf Bankenrettung ein
Weltbank-Präsident Robert Zoellick hat die europäischen Staaten aufgefordert, sich für den Fall eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone auf Finanzhilfen für Banken vorzubereiten. Sollte Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden und die Euro-Staaten nicht entschlossen die Finanzbranche stützen, könnte die daraus resultierende Krise den Kontinent zu einer wirtschaftlichen Gefahrenzone machen, schrieb Zoellick in einem Kommentar in der “Financial Times” vom Freitag. Die Länder müssten daher darauf vorbereitet sein, die Banken mit Geld aus dem künftigen Euro-Rettungsfonds ESM zu rekapitalisieren. Weiterlesen ...

Kommentar: Noch so ein Freund Amerikas. Zoellick geht es auch nur darum, das Spiel der Banken noch eine Weile am Laufen zu halten. Die kleinen Banken in Griechenland, Spanien oder Italien sollen nicht gerettet werden. Letztlich geht es nur um das Überleben der höchstens zehn weltgrössten Banken (inkl. fünf US-amerikanischer) so lange wie möglich. Alle Beteiligten wissen, irgendwann ist damit Schluss und sie hoffen nur darauf, dass die Übertragung der Verluste auf die Staaten den Zusammenbruch des Systems noch viele Jahre hinauszögern wird. Hoffentlich ein Trugschluss.


Jain erwartet Bereinigung am Bankenmarkt
Die neue Doppelspitze der Deutschen Bank hat sich am ersten Tag ihrer Amtszeit den Mitarbeitern vorgestellt. Anshu Jain sprach dabei von einer bevorstehenden Konsolidierung unter den Großbanken auf der Welt. Weiterlesen...

Kommentar: Hört hier vielleicht einer schon die Flöhe husten? Oder versucht er es gar mit ein bisschen Ehrlichkeit? Wir wissen es nicht. Sicher ist jedenfalls: die Großbanken bewegen sich mit Riesenschritten auf den Abgrund zu. Ob am Ende konsolidiert wird oder abgeschafft, hängt davon ab, über wieviel Macht die verantwortlichen Politiker dann noch verfügen und wie marktkonform sich die Demokratie bis dahin schon entwickelt hat.


Die Krise wird schlimmer, doch Brüssel schaut weg
Trotz deutlicher Beweise, dass ihre Sparpolitik die kämpfenden Mitgliedsstaaten immer weiter in die wirtschaftliche Agonie treibt, veröffentlichte die Europäische Kommission am 30. Mai ihren wirtschaftlichen Jahresbericht, in welchem sie eine bankrotte Strategie verteidigen will, so der Wirtschaftsredakteur des Guardian. Weiterlesen …

Kommentar: Warum sind es ausgerechnet englische Journalisten, die über den nötigen Durchblick verfügen? Sind sie in Wirtschaft besser ausgebildet? Oder kritischer gegenüber der Obrigkeit? Vielleicht versuchen sie ja auch nur, einen sehr guten Job zu machen. Störend nur, dass auch Elliott von den Finanzmärkten schreibt, statt von den Spekulanten. Sicherlich ein Journalist noch aus der Zeit, als es tatsächlich noch Finanzmärkte gab und nicht nur noch Finanzcasinos.             


Europas Déjà-vu-Erlebnis
Die Finanzwelt blickt derzeit nach Spanien. Natürlich, sie schaut auch gebannt nach Griechenland und Irland, aber wie wir im März in diesem Blogbeitrag schon dargelegt haben, ist Spanien wegen seiner Grösse und Komplexität der Probleme der wichtigste und gefährlichste Brandherd für die Eurozone. Weiterlesen …

Kommentar: Danke, Mark Dittli für diese Aussenansicht. Sie ist unverstellt und nennt noch einmal die von deutschen Ohren ungern gehörten Wahrheiten. Sehr empfehlenswert die beiden Grafiken zum Defizit. Das wäre dringender Lesestoff für unsere verantwortlichen Politiker, die sich leider diesen Tatsachen immer noch verweigern. Natürlich auch Lesestoff für unsere deutschen ultra-nationalen Ökonomen und BGH-Klagehansel, die aber lieber auf die Target2-Bilanz der Bundesbank starren. Es reicht einfach nicht, den deutschen Mainstream zu lesen, hin und wieder hilft nur ein Blick über die Grenze ins nahe Ausland. Mark Dittli prangert die Verstaatlichung der Banken nach dem irischen Muster an. Recht hat er. Nie und nimmer darf die Übernahme der Banken durch den Staat nur dem einen Zweck dienen, deren Schulden zu sozialisieren. Das ist Schwachsinn.  


Europa zahlt – ob mit oder ohne Athen-Austritt
Erste Group-Chef Andreas Treichl zeichnet ein düsteres Bild der Euro-Zone. Unter anderem geht Treichl davon aus, dass auch Spanien unter den Schutzschirm flüchten muss.  Weiterlesen …

Kommentar: Schön, dass Treichl einige unangenehme Wahrheiten ausspricht, selbst wenn die Aussagen hier und da hätten schärfer ausfallen können. Wie Ernst muss die Lage sein, dass Treichl sich so weit aus dem Fenster lehnt?   


„Der Euro ist alternativlos!“
Anlässlich des 62. Österreichischen Städtetages in Dornbirn lässt Finanzstaatssekretär Andreas Schieder keine Zweifel über den Stellenwert des Euro aufkommen und warnt vor der „Zeitbombe Arbeitslosigkeit“. Weiterlesen…

Kommentar: Den Österreichern geht die Entwicklung der europäischen Krise echt an die Nieren. Das Land ist klarer Profiteur des Euro, auf der anderen Seite haben sich seine Banken aber in Osteuropa in die Bredouille gebracht, deren Ausgang völlig offen ist. Bekommen die Europäer die Krise nicht in den Griff, dann werden die Spekulationen auch gegen Österreich beginnen. Davon gehen wir heute schon aus.  


Osteuropa zittert vor der Drachme
Ein Euro-Austritt Griechenlands würde auch die Nachbarn des Landes in den Abgrund reißen: Auslandsbanken und Handelsströme von Südosteuropa wären direkt betroffen. Die Währungen von Rumänien und Serbien sind bereits im Sinkflug. Weiterlesen …

Kommentar: Ein lesenswerter Artikel. Der Austritt Griechenlands wird für Europa immer teurer. Die Rolle der griechischen Banken in den Nachbarländern ist nämlich bisher noch in keiner der tollen Berechnungen über die Kosten des "Grexit" berücksichtigt worden.


Anleger bezahlen Deutschland fürs Geldparken
Die Krisenangst der Anleger nimmt dramatische Züge an. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen sinkt unter Null, die USA bezahlen für ihre Schulden so wenig wie seit über 200 Jahren nicht mehr. Grund ist die schwache Konjunktur in China - und die wachsende Sorge um Spanien. Weiterlesen …

Kommentar: Das ist blanker Wahnsinn, wie die Anleger auf die weltweiten Entwicklungen reagieren. Befeuert weiter die Krise. Eine irre Situation, dass die USA so billig zu Geld kommen. Von Interesse wäre in diesem Zusammenhang aber, wer die amerikanischen Papiere überhaupt kauft. Nur die FED?


Chinas Industrie geht auf Schrumpfkurs
Auch die Großkonzerne der Volksrepublik liegen laut frischen Daten nur noch knapp über der Wachstumsschwelle: Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt kühlt sich spürbar ab. Weiterlesen …

Kommentar: Neue Headline: "China wächst langsamer." Vielleicht wird es doch nichts, mit der weichen Landung für China. Der Weltwirtschaftslokomotive geht der Dampf aus. Ein Horrorszenario für die Welt. Besonders auch für Deutschland. Wo doch China die Abkühlung in Europa ausgleichen soll. Wenigstens wenn es nach den deutschen Konzernchefs geht. Wir warnen schon seit Monaten vor dieser Entwicklung, bisher ohne Erfolg. Das wird sich ändern.  


Musterschüler Irland spart sich aus der Krise
Für den Fiskalpakt wurde eine eindeutige Zustimmung erwartet. Schließlich gilt Irland als die Erfolgsgeschichte der bisherigen Staaten unter dem Eurorettungsschirm. Weiterlesen …

Kommentar: Was hier behauptet wird, ist schlicht falsch. Irland hat erst kürzlich eine fällige Milliarden-Zahlung an den IWF nicht geleistet, über die Zahlungsbedingungen für einen weiteren hohen zweistelligen Milliarden-Betrag wird gerade nachverhandelt.    


Iren stimmen Fiskalpakt zu
Irland hat sich für den EU-Fiskalpakt entschieden. Mehr als 60 Prozent der irischen Wähler votierten bei dem Referendum mit Ja. Ganz Europa ist erleichtert. Weiterlesen …

Kommentar: Das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich haben sich die Iren gegen den Fiskalpakt entschieden. Sie haben es nur nicht offen getan. Der Grund liegt auf der Hand: Irland braucht Europa. Mit Ausnahme von Großbritannien hat kein EU-Land eine vergleichbar hohe Staatsverschuldung.

Gerade einmal die Hälfte aller Wahlberechtigten ist zur Abstimmung gegangen. Davon haben 60% zugestimmt, d. h., in Wahrheit beträgt die Zustimmung „der irischen Wähler“ nur niedrige 30%! Das ist angewandte „marktkonforme Demokratie“.

Zu der journalistischen Leistung fällt uns ein Zitat von Kurt Tucholsky ein: "Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen - und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch." 

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.