Montag, 4. Juni 2012

Standpunkt 250, Nachrichten-Ticker, 03.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Der Geheimplan für ein neues Europa
Im Auftrag der Regierungschefs entwickeln die Spitzen der europäischen Institutionen hinter den Kulissen einen Plan für ein neues, stabileres Europa. Der Preis könnte die Spaltung der EU sein.  Weiterlesen …

Kommentar: Was für ein ärmlicher Masterplan, nie und nimmer dazu geeignet, die europäische Krise erfolgreich zu bekämpfen. Der Plan dient der Bekämpfung einer Staatsschuldenkrise, die in Wirklichkeit aber eine Bankenkrise ist. Oder anders ausgedrückt: Solange für 10 Milliarden Euro Sparprogramm 100 Milliarden Euro Bankenhilfe geleistet wird, handelt es sich weiter nur um eine besonders hinterlistige Form von Political Repression. Möglich, dass die Griechen diese Hinterlist durchschaut haben und sich am 17. Juni per Stimmzettel zur Wehr setzen. Die Iren waren bei der Abstimmung über den Fiskalpakt noch zu feige dazu. Die Spaltung Europas wird wahrscheinlich durch viele tiefe Gräben geschehen. Wir erwarten, dass einer dieser Gräben entlang der deutschen Grenze verläuft. Die Folgen wären übel, steht Deutschland doch dann mit der Rettung seiner Banken, allen voran der Deutschen Bank, völlig alleine da. Deren Bilanzen sind völlig verseucht. Dabei geht es insgesamt um viele Billionen, nicht mehr nur um ein paar hundert Milliarden Euro. Wir bereiten dazu gerade einen Beitrag vor, den wir noch in diesem Monat veröffentlichen werden.  
      

Wiener Ökonom verortet “Insolvenzverschleppung” der EU in Griechenland
Kunibert Raffer: Mittelmeer-Staat ist ohne EU-Hilfe zahlungsunfähig und hätte schon 2010 in Konkurs gehen sollen. Weiterlesen ...

Kommentar: Na, der ist aber spät dran, mit seinen Gedanken zu Griechenland. Hat scheinbar noch nichts gerafft. Interessant seine Feststellung, die Insolvenz “hätte den Privatgläubigern weniger Geld gekostet und viel Steuergeld erspart”. Und die Insolvenzquote? Längst ist bekannt, dass selbst ein 100%iger Schuldenerlass Griechenland nicht in die Lage versetzt, danach seine Ausgaben zu bestreiten. Sein Vergleich mit den USA hinkt gewaltig. Die US-Kommunen kennen sehr wohl die Zwangsverwaltung, wird schliesslich dort mit “wachsender Begeisterung” praktiziert. Der Vergleich mit Kalifornien ist ebenfalls nonsens. Die Währung der US-Staaten ist der US-Dollar, nichts anderes kann ihn ersetzen. Es sei denn, man erklärt sich von Washington unabhängig.  


“Wir sind alle griechische Juden!”
Über den Traum Europa und den Alptraum Austerität – eine Petition europäischer Denker. Weiterlesen ...

Kommentar: Ein schwieriger Ansatz. Aber eine korrekte Beschreibung, wenn es auch hier und da an Kontur fehlt. Warum schaffen es Akademiker immer wieder, so schön um den heißen Brei zu reden/schreiben, nicht auf den Punkt zu kommen? Bedauerlich. Trotzdem verdient dieser Beitrag die Verbreitung.    


Portugals Zentralregierung stützt Regionen und Pleitefirmen mit EU-Bailoutgeldern
Die Lissabonner Zentralregierung hat zurzeit alle Hände voll zu tun, um nicht nur ihre finanziell Not leidenden Regionen zu stützen, sondern auch den Unternehmenssektor zu stabilisieren, in dem es seit einiger Zeit Pleiten hagelt. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, legte die Regierung nun einen staatseigenen Fonds mit einem Gesamtvolumen von 220 Millionen Euro auf, der vor einem Bankrott stehenden Firmen eine außergerichtliche Einigung mit ihren Gläubigern ermöglichen soll. Weiterlesen ...

Kommentar: Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Portugal von den europäischen Politikern, allen voran dem Bundesfinanzminister, für seine Sparanstrengungen und für sein Krisenmanagement gelobt. Weitere Hilfszahlungen wurden versprochen, das Spardiktat gelockert werden. Offensichtlich wurde Portugal für Dinge gelobt, die das Land zunehmend in Schwierigkeiten bringen. In Wahrheit sieht es eher nach einem weiteren Fall von “Kaputtsparen” aus. Die in dem Bericht angesprochene Insel Madeira liegt im Atlantik, weit vor der afrikanischen Küste, ist wunderschön, lebt vom Tourismus und wird seit Jahren von einem größenwahnsinnigen Gouverneur regiert, dem auch die EU das Geld sprichwörtlich in den Hintern geschoben hat. Aber wen kümmert das heute noch?   


Kommunen könnten Sparkassen schröpfen
Die Sparkassen erzielen ordentliche Gewinne. Bisher verzichteten die Städte und Gemeinden auf die Gewinnausschüttungen. Durch die angespannte finanzielle Situation der Kommunen könnte sich das schon sehr bald ändern. Weiterlesen ...

Kommentar: Keine guten Nachrichten für die Sparkassen-Kundschaft. Demnächst müssen ihre Banken dabei helfen, die Löcher der Kommunen zu stopfen. Von denen gibt es viele, wie die folgende Grafik zeigt: 

 
Investitionsrückstand der Kommunen, © wirtschaftundgesellschaft.de

So sieht es aus, wenn den Kommunen wichtige Steuereinnahmen flöten gehen. Das Werk einer rot-grünen Regierung. Für die Kommunen besteht dringender Handlungsbedarf. Dagegen wird die Sparkassenlobby letztlich nicht viel ausrichten können. Die Bundesbank darf ihnen da als Beispiel dienen.


Ferienimmobilien: Anlegen und hinlegen
Das Geld in einer Ferienimmobilie anlegen - immer mehr Deutsche denken über ein solches Investment nach, zumal die Anlagealternativen rar geworden sind. Selbst Krisenländer wie Spanien und Griechenland kommen dafür in Betracht. Vor allem Spanien lockt mit scheinbar günstigen Preisen. Weiterlesen… 

Kommentar: Wer sich die Finger verbrennen will, nur zu. Alle anderen suchen sich bessere Plätze, um ihr Geld zu investieren. Es gibt sie. Weder in Griechenland noch in Spanien, Irland oder Portugal ist heute schon absehbar, ob der Preisverfall schon zu Ende ist. Wir sehen jedenfalls noch erhebliches Potential nach unten. Andere Regionen sind da schon weiter, dort lohnt sich mittlerweile ein Investment auf jeden Fall. Und schlägt alle andere Anlageformen um Längen. Einzelheiten dazu gibt es bei uns, Email genügt.  


GM will Milliarden bei Renten einsparen
General Motors plant, seine Rentenlast um 26 Milliarden Dollar zu reduzieren. Dazu will der Konzern Tausenden Ruheständlern eine Pauschalzahlung anbieten. GM ist nicht der erste US-Autobauer, der diese Strategie fährt. Weiterlesen …

Kommentar: „Financial Repression“ auf ur-amerikanisch. Betroffen ist wieder die Mittelschicht, die 99er. Hintergrund dieser Maßnahme sind riesige Fehlbeträge bei den Pensionsrückstellungen, die GM eigentlich noch aufbringen müsste. Das ist mit den im Artikel angesprochenen Risiken gemeint.


Bank-Run in China?
Während alle Augen auf die Eurozonenkrise gerichtet sind, könnten in China gerade die schlimmsten Befürchtungen wahr werden.

Erinnern wir uns: Bevor alle Augen auf die Eurozonenkrise gerichtet waren, hatte man sich da und dort noch für andere, für die Weltwirtschaft relevante Entwicklungen interessiert. Wäre es nicht ein potentiell enorm gewichtiger Baustein im aktuellen weltwirtschaftlichen Finanzdesaster, könnte die Eurozone ja durchaus froh sein, zeitweise ein wenig aus dem Fokus der Finanzmärkte verdrängt zu werden. Ein guter Kandidat dafür scheint sich gerade am anderen Ende der Welt aufzubauen, wo sich nach inzwischen auch schon jahrelangen Warnungen in China nun schon recht deutliche Anzeichen für das Eintreten der schlimmsten Befürchtungen zeigen. Weiterlesen …

Kommentar: Eine Knaller-Nachricht aus dem Reich der Mitte, der vordersten Lokomotive des Weltwirtschaftszuges. So langsam wird es aber eng für die deutschen Manager, die schon seit Monaten Zuversicht für den chinesischen Markt verbreiten. In den deutschen Leitmedien wurde sogar suggeriert, der Handel mit China und den anderen Schwellenländern könne die zu erwartenden Ausfälle in Europa kompensieren. Offenbar ein Trugschluss, oder war es vielleicht eine Ente, die da durchs mediale Dorf gejagt wurde? Einfach nur, um die ersten kritischen Frager nach den Folgen einer Rezession in den europäischen Nachbarländern für Deutschland zu beruhigen?  

Bisher war es verpönt, im deutschsprachigen Raum kritisch über China zu berichten. Wir gehörten zu den sehr Wenigen, die immer wieder Zweifel an den ständigen Hurra-Rufen der Konzern-Chefs und der Statistiker äußerten. In den USA und Asien ist man da schon weiter. Zum Einstieg in das Thema empfehlen wir unser China-Dossier.

Es mehren sich die Zeichen, dass China vor riesigen und vielschichtigen Problemen steht, die im herrschenden, weltwirtschaftlichen Umfeld nicht zu bewältigen sind. Es ist wenig Phantasie nötig, um sich die Folgen auszumalen. Nicht nur für China, sondern für die ganze Welt. 

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.