Mittwoch, 6. Juni 2012

Standpunkt 252 - Nachrichten-Ticker, 05.06.

Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


“Frankreich und Deutschland sind zu dominant”
In der Euro-Krise gerät die Demokratie in Gefahr, sagt der finnische Außenminister Erkki Tuomioja. Im Interview spricht er sich für eine Insolvenz Griechenlands aus. Weiterlesen …

Kommentar: Nicht Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien erheben diesen Vorwurf, es ist Finnland, das Land oben rechts aus Europa. Offensichtlich fürchtet der finnische Außenminister die Aussetzung der Demokratie in Europa während der Krisenbewältigungsversuche. Noch einmal gibt es die Bestätigung, dass sich Finnland die Teilnahme am 2. Hilfspaket für Griechenland mit besseren Sicherheiten hat bezahlt lassen.         

“Tür zum Markt geschlossen”
Die spanische Regierung hat Probleme bei der Geldbeschaffung eingeräumt. "Für Spanien ist die Tür zum Markt geschlossen", sagte Finanzminister Cristobal Montoro. Das Geständnis kommt zur Unzeit. Weiterlesen ...

Kommentar: Es ist soweit. Spanien steht mit dem Rücken zur Wand, Geld wird nahezu unbezahlbar. Das Theater um Spanien zeigt wieder einmal, dass es keine einheitliche Krisenstrategie gibt, selbst nicht bei einem so wichtigen Land. Deshalb hat auch Keiner eine Ahnung, wieviel Geld Spanien zur Rettung seiner Banken benötigt, von 23 bis 90 Millionen Euro ist alles geboten. Für uns sind weit über 100 Milliarden Euro erforderlich.


Wie Spanien zu retten ist
Spanien sucht nach einer Lösung der Bankenmisere jenseits der Euro-Notfallfonds. Doch die Optionen des Krisenlandes sind begrenzt. Wie Spanien auf die Beine kommen kann: Ein Überblick. Weiterlesen...

Kommentar: Nette Vorschläge. Jeder davon greift zu kurz, leider. Für Ruhe, wie es Berlin gerne hätte, sorgt keiner.


Spanien und die Brandstifter – eine hausgemachte Krise
Wer das Epizentrum der Eurokrise in Athen verortet, wird sich vermutlich schon bald verwundert die Augen reiben. Während Europa ohne eine ernstzunehmende Debatte den Fiskalpakt verabschiedet und gespannt auf das Wahlergebnis in Griechenland wartet, hat sich die Finanzkrise binnen weniger Wochen in Spanien von einer steifen Brise zu einem zerstörerischen Orkan entwickelt. Die spanische Krise kann als Musterbeispiel für das Versagen Europas gelten. Sehenden Auges haben Brüssel und Berlin eine bis vor kurzem noch grundsolide Volkswirtschaft mit ihrer aufgezwungenen Austeritätspolitik ruiniert. Selbst jetzt – wo die Katastrophe unmittelbar vor der Tür steht – verweigert Europa jegliche echte Hilfe und schaut stattdessen tatenlos zu, wie sich die Eurokrise zu einem Flächenbrand ausweitet … einem Flächenbrand, der nicht an Ländergrenzen haltmacht und nun ganz Europa bedroht. Weiterlesen ...

Kommentar: Eine gute Beschreibung. Lesen lohnt sich. Lässt auch Rückschlüsse auf die Erfolgsaussichten der bisher vorgesehenen Lösungen zu.      


Deutschland bereitet Beteiligung der Finanzmärkte an Krisenkosten vor
Die deutsche Regierung bereitet einem Zeitungsbericht zufolge eine Beteiligung der Finanzmärkte an den Krisenkosten vor. Dazu hätten sich die Spitzen der Koalition bei ihrem Gipfel am Montag auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe unter Einbeziehung von Bundeskanzleramt, Finanz- und Wirtschaftsministerium verständigt, berichtete die "Rheinische Post" vom Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise. Weiterlesen ...

Kommentar: Schon wieder das leidige Thema Finanzmarktbesteuerung, jetzt nicht als Finanztransaktionssteuer und verpackt in ein neues Wachstumspakt. Was soll das bringen? Die Banken bleiben unbeeindruckt.


Eurozone laut Markit auf dem Weg in die Rezession
Trotz der noch guten Lage in Deutschland laufen die Geschäfte der Dienstleister in der Eurozone so schlecht wie seit über einem halben Jahr nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 0,2 auf 46,7 Zähler, wie das Markit-Institut am Dienstag zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte. Mit dem achten Rückgang in den vergangenen neun Monaten entfernte sich das Barometer weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Lediglich die deutschen Dienstleister hielten sich darüber. Weiterlesen … 

Kommentar: Was sonst? Wie lange wollen die Statistiker diese Wirklichkeit noch verbergen? Bis zur nächsten Bundestagswahl? Das wird nicht gelingen.  


Deutsche Banken könnten Griechen-Pleite verkraften
Die Finanzaufsicht Bafin sieht einem möglichen Zahlungsausfall Griechenlands gelassen entgegen: Deutsche Banken seien im Krisenstaat kaum noch engagiert - an Spekulationen über die künftige Finanzpolitik will sich Bafin-Chefin Elke König aber nicht beteiligen. Weiterlesen …

Kommentar: Vor solchen Aussagen der BaFin kann nur ausdrücklich gewarnt werden. Die offiziellen Zahlen sind kein Gradmesser für die tatsächlichen Verwicklungen. Es fehlt der Blick auf die Schattenbanken und Zweckgesellschaften, oder auf die Ausleihungen über ausländische Banken. Besonders brisant: Die Gefahren für das Derivategeschäft der Deutschen Bank, wenn aufgrund des griechischen Zahlungsausfalls diese Wetten beglichen werden müssen.   


Jedes Gerücht kann einen Banken-Run auslösen
Europa ist bei der Suche nach dem Ausweg aus der Krise falsch abgebogen, Wirtschaftshistoriker Weber sieht düstere Zeiten dräuen. Weiterlesen …

Kommentar: Soll noch einer sagen, die Österreicher machen sich keine Sorgen um Europa. Ein lesenswertes Interview, sehr hilfreich um sich eine Meinung, unbeeinflusst vom Mainstream, zu bilden.


Lagarde ruft EZB zu Leitzinssenkung auf
IWF-Chefin Christine Lagarde fordert von der Europäischen Zentralbank mehr Einsatz im Kampf gegen die Krise: Die Frankfurter Währungshüter sollten den Leitzins senken. Das Thema dürfte auch bei einem Krisengespräch der G7-Staaten zur Sprache kommen. Weiterlesen …

Kommentar: Es wäre an der Zeit, dass aus der Ecke des IWF mal wieder ein vernünftiger Vorschlag käme. Nicht so einen Nonsens, dessen Wirkung schon nach wenigen Stunden wieder verpufft. Ein gutes Beispiel dafür, wie hoffnungslos überfordert alle sind. Madame Lagarde macht da keine Ausnahme.


Vier Wege aus der Euro-Krise
Spanien bekommt seine Bankenkrise nicht in den Griff, europaweit wachsen die Schulden, die Aktienkurse sacken ab. Laut US-Großinvestor Soros bleiben für die Euro-Rettung nur noch drei Monate Zeit - danach drohe eine Katastrophe. Aber welchen Ausweg gibt es? Vier konkrete Lösungen. Weiterlesen …

Kommentar: Von denen keine funktioniert. Geht Spanien unter den Rettungsschirm, so ändert sich nichts daran, dass nach wie vor eine umfassende Lösung fehlt. Was passiert mit Italien, Frankreich, usw.? Für Euro-Bonds, egal in welcher Form, ist jetzt der falsche Zeitpunkt. Sie sind nur als Teil einer Gesamtlösung nützlich, die wir noch nicht sehen. Die Bankenunion kann ebenfalls keines der Probleme lösen, es sei denn, man nimmt die too big to rescue-Banken von dieser Regelung aus und überlässt sie ihrem wohlverdienten Schicksal. Der Grexit ist, das schreiben die Autoren selbst, keine Lösung, zu ungewiss sind die Folgen. 


Diese Waffen bleiben der EZB
Zinsen senken, Staatsanleihen kaufen, Banken flüssig halten - was die Europäische Zentralbank gegen die Euro-Krise tun könnte. Eine Analyse. Weiterlesen …

Kommentar: Ein ärmliches Arsenal, erinnert irgendwie an die Spritzpistolen unserer Kindheit. Ärgerlich: Schon seit Monaten sind die Probleme Spaniens bekannt und außer Beschwichtigungen ist den europäischen Politikern und Notenbankern offensichtlich nichts eingefallen. Was jetzt kommt ist mit der heißen Nadel gestrickt.


Irland grummelt Ja
Am Donnerstag stimmten die irischen Wähler zu 60 Prozent für den EU-Fiskalpakt. Doch das war kein Akt der lautstarken Befürwortung der EU, sondern vielmehr ein Akt der Verzweiflung, wie im Leitartikel des Irish Independent zu lesen ist. Weiterlesen …

Kommentar: Dem haben wir nichts hinzuzufügen, diesem Akt der Verzweiflung. Damit beenden wir aber auch endgültig die Artikel zu dem Fiskalpakt-Referendum in Irland. Eins noch: Für uns ist diese irische Regierung eine einzige Enttäuschung. Wie hatte doch Kenny den Mund im Wahlkampf so voll genommen, dass er mit EU/IWF/Troika die Konditionen der Kredite nachverhandeln werde. Nichts dergleichen ist geschehen, von einem kleinen Zahlungsaufschub für einen zur Rückzahlung fälligen Betrag einmal abgesehen.  


Krise und kein Ende: Top-Banker beraten in Kopenhagen
Bleibt Griechenland im Euro oder kommt der "Grexit", der Austritt aus der Gemeinschaftswährung? Kann Spanien seine maroden Banken aus eigener Kraft retten oder braucht es doch die Hilfe der europäischen Partner? Diese und andere Fragen zeigen: Die Euro-Schuldenkrise ist 2012 mit voller Wucht zurück. Und sie dürfte die diesjährige Frühjahrstagung des Internationalen Bankenverbandes IIF dominieren - mehr als das Dauerstreitthema Regulierung oder die Frage nach dem richtigen Risikomanagement in Zeiten sinkender Renditen. Weiterlesen …

Kommentar: Eine Tagung mit Signalwirkung? Trotzdem darf man gespannt sein, was den Herrschaften zu den jüngsten Ideen der Politiker zur Lösung der Krise in Europa einfällt. Konstruktives eher nicht. 

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