Freitag, 8. Juni 2012

Standpunkt 254 - Nachrichten-Ticker, 07.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Die Absahner: Who's who in Hochfinanz und Politik 
Europas Sozialisten wettern immer wieder heftig gegen das Finanzkapital und fordern schärfere gesetzliche Vorschriften, um die weltweite "Herrschaft der Finanzmärkte" einzudämmen. Dabei sollte man allerdings auch wissen, wovon und von wem man redet. Denn das Bild, das die Vokabel "Märkte" heraufbeschwört, lässt uns leicht übersehen, wer genau da eigentlich von der aktuellen Krise und den Sparmaßnahmen profitiert. Weiterlesen …

Kommentar: Wunderbar, eine sehr passende Ergänzung zum Artikel „Hauptsache oben“ von gestern (hier). In den geschilderten „Vor-Fällen“ lassen sich viele Erklärungen für Europas Krise ableiten. Eine nette Auswahl.


Die Krise ist zu schnell für die EU
Die EU-Kommission will Banken schärfer kontrollieren. Spanien kann sie damit nicht mehr helfen. Warum hat sie dem Kollaps fünf Jahre zugesehen? Weiterlesen...

Kommentar: Sehr genau beobachtet hat die britische Vorsitzende des EU-Parlamentsauschusses für Wirtschaft und Währung, Sharon Bowles, die Situation: “In der Tragödie und im Drama ist Timing alles.” Offen ist im Moment nur noch, wie es endet: Als Tragödie oder als Drama. Mehr Auswahl haben wir nicht.


Die alte Welt sieht immer älter aus
«Entitlement», das ist das Schlüsselwort Francesco Bongiovannis. Der erfolgreiche Italiener erklärt, warum Europa nicht mehr zu retten ist. Weiterlesen...

Kommentar: “Europas Niedergang und Ende”, Wall Street Journal schreibt: “Die scharfsinnigste Studie über ein Europa, das sich zu viele Illusionen macht und das nun als Bankrotteuer aufwacht”. Der Londoner Guardian nennt es “einen Weckruf für das 21. Jahrhundert”. 

Bongiovanni bezeichnet den Austritt Griechenlands als  “eine Katastrophe” und kritisiert Monti, Merkel und Cameron. “Man kann nicht gleichzeitig durch den Mund und durch die Nase einatmen”, bei den Kürzungen “schneidet man in die Muskeln statt ins Fett”. Bongiovanni glaubt, er “gehöre zur letzten Generation in Europa, die einen steigenden Lebensstandard hatte. Dass es die kommenden Generationen schlechter haben werden als wir, ist unvermeidlich.” Trübe Aussichten und niemand, der dafür die Verantwortung übernehmen wird.


Auf Europa schwappt eine Investitionswelle aus China zu
Europa kann sich trotz Schuldenkrise einer Studie zufolge in den kommenden Jahren auf einen regelrechten Investitionsboom aus China einstellen. Die Direktinvestitionen der Volksrepublik in Europa dürften sich im Zeitraum von 2010 bis 2020 auf eine bis zwei Bill. Dollar (801 bis 1.602 Mrd. Euro) erhöhen, schätzt die New Yorker Beratungsfirma Rhodium Group in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung. 2011 waren die Direktinvestitionen auf zehn Mrd. Dollar hochgeschossen. Allein für Übernahmen, Fusionen oder andere Standortprojekte dürften die Chinesen im laufenden Jahrzehnt frisches Kapital in Höhe von 250 bis 500 Mrd. Dollar in die Hand nehmen. Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht zum Zusammenbruch der Euro-Zone komme. Weiterlesen...

Kommentar: Eine schädliche Entwicklung. Europa verkauft sich aus. Beste Ingenieurleistung, besonders in Deutschland, wird verscherbelt. China nutzt die europäische Krise konsequent aus, um seine Position in Europa auszubauen und zu festigen. Europa wird auf diese Weise ausgeweidet. Mit Hilfe der Politiker und Manager, also der Eliten, die sich davon große Pfründe versprechen. Erhalt von Arbeitsplätzen, Industriestandorten, usw., werden dann keine Rolle mehr spielen. Kein Grund zu Feiern. Griechenland, Portugal und Polen können demnächst ein Lied davon singen. Und die Beschäftigten der jüngst übernommenen deutschen Unternehmen. Apple Store, Ikea und andere Unternehmen wurden in der Vergangenheit schon nach China kopiert. Auch Autozulieferer werden in China dringend gebraucht.


Merkel für ein Europa der zwei Geschwindigkeiten
Kanzlerin Angela Merkel will auf schwächelnde EU-Länder keine Rücksicht nehmen. "Wir dürfen nicht deshalb stehen bleiben, weil der ein oder andere nicht mitgehen will", sagte sie. Weiterlesen ...

Kommentar: Mutti zeigt mal wieder ihr hässliches Gesicht. Merkel findet, “wir dürfen nicht deshalb stehen bleiben, weil der eine oder andere noch nicht mitgehen will”. Was für ein Europa wird das? Zurück auf den Anfang, der EWG, oder gleich die Montanunion? Die Wahrheit ist: Die Krise wird für partikuläre Interessen mißbraucht. Von einer Minderheit. Auf Kosten der Mehrheit.    


Spanien: Über sechs Prozent Zinsen für neue Schulden
Trotz Befürchtungen der eigenen Regierung kann sich Spanien am Kapitalmarkt weiter Geld besorgen. Das hoch verschuldete Land sammelte am Donnerstag 2,1 Mrd. Euro ein, musste Investoren jedoch mit deutlich höheren Zinsen locken. Die Rendite für zehnjährige Anleihen kletterte auf gut sechs Prozent. Damit blieb sie aber noch unter der kritischen Marke von 7 Prozent. Die mit Spannung erwartete Emission stieß am Finanzmarkt auf ein positives Echo. „Spanien kann sich eindeutig noch Geld am Markt leihen, muss für dieses Privileg aber hohe Zinsen zahlen“, sagte Rabobank-Analyst Lyn Graham-Taylor. Weiterlesen…

Kommentar: Das sind doch wirklich erfreuliche Aussichten für Spanien, es gibt noch Geld. Zu Killer-Konditionen. Nur noch eine Frage der Zeit, wann dieser Stoff für Spanien unbezahlbar wird. Dann wird es auch für die Technokraten an den Schalthebeln der Macht schwierig, weiter auf Zeit zu spielen. G-20, die USA, China, alle heben warnend den Zeigefinger Richtung Europa. Lächerlich. Die einen befeuern absichtsvoll die Krise, die anderen haben keine Ahnung, wie sie zu lösen ist. Eine wunderbare Melange politischer Unfähigkeiten.    


Wer hat Spanien auf dem Gewissen?
Noch im Herbst galt Spanien als Land mit stabiler Wirtschaft. Doch plötzlich stürzt die Industrie auf das Niveau von 1994. Was ist da los? Eine Spurensuche. Weiterlesen …

Kommentar: Die Schuldigen sind doch in Wahrheit schnell ausgemacht: Ratlose Ökonomen, ahnungslose Politiker, unfähige Technokraten bei der EU, dem IWF und der EZB, raffgierige Banker und, nicht zu vergessen, die Kaltmamsell des Kapitals (Zitat Urban Priol), Angela Merkel und ihr Tross. Fehlende Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes, Konsolidierung der Staatsfinanzen, nur Erklärungsversuche für eine Entwicklung, die eigentlich ihre Ursache in der weltweiten Bankenkrise hat, die längst flächendeckend zu einer Staatsschuldenkrise umgedeutet wurde. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nur so stehen den Banken weiter die unbegrenzten Hilfen zur Verfügung. Die Banken sind schliesslich die Leidtragenden dieser Krise, behaupten die. „Dieser Weg ist zerstörerisch“, sagt der Ökonom James Nixon von der französischen Société Générale. Meint damit aber etwas anderes: „Das größte Problem ist die Haushaltskonsolidierung.“


Industriemächte knöpfen sich Spanien vor
Im Gezerre um Finanzhilfen für die maroden Banken machen Europas Handelspartner Druck, Spanien könnte der „kleine“ Schirm reichen. Weiterlesen …

Kommentar: Dieser Artikel darf in unserer heutigen Aufzählung nicht fehlen.   


Spanien nähert sich Ramsch-Niveau
Die schlechten Nachrichten für Spanien reißen nicht ab. Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Krisenlandes herabgestuft. Doch noch will Spanien die Eurozone nicht um Hilfe bitten. Weiterlesen…

Kommentar: Begründet wird die Abstufung mit den Kosten der Bankensanierung, obwohl die noch gar nicht feststehen. Negativer Ausblick bereits inklusive. Das übliche Rating-Procedere.  


Spanien zwischen Panik und Prognose
Bis zu dieser Woche hat Madrid geglaubt, man könne mit Bankenhilfen bis zur Wahl in Griechenland warten. Weil sich keine einfache Lösung zeigt, herrscht jetzt Panik. Weiterlesen …

Kommentar: Eine Einschätzung direkt aus Spanien. Lesenswert.


Das Gespenst Monnets
Manche guten Ideen sind wie ein schönes Objekt, in dem eine Zeitbombe steckt. Das Ideal eines vereinigten Europa wird zwar nicht explodieren, aber vielleicht auseinander fallen. Um die Gründe dafür zu verstehen, hilft es, die intellektuellen Ursprünge der Europäischen Union zu untersuchen.  Weiterlesen …

Kommentar: Ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen des Autors, Ian Buruma. Beachtlich auch die Beschreibung der „Technokraten“, den neuen Führungskräften in Europa. Der Franzose Jean Monnet gilt als Wegbereiter der europäischen Einigung.   


Bernanke zeigt Bereitschaft zum Gelddrucken
Ben Bernanke steht in den Startlöchern: Die US-Notenbank steht bereit, wenn die Eurokrise und ein Konjunktureinbruch die US-Wirtschaft bedrohe. Seine Stellvertreterin findet noch deutlichere Töne.  Weiterlesen …

Kommentar: Die Überschrift signalisiert eine klare Botschaft. Erst im Beitrag selbst relativiert sich die Sache: „Konkrete Angaben, wie wahrscheinlich solche Schritte seien und wann es so weit sein könnte, machte Bernanke allerdings nicht. Yellen, seine Stellvertreterin sieht größeren Spielraum, entscheidet es aber nicht. Anderswo heißt es deshalb:


Ben Bernanke legt sich nicht auf Konjunkturspritzen fest
Die Lage in Europa stelle ein „signifikantes“ Risiko für das Finanzsystem und die Wirtschaft der USA dar, sagte Fed-Chef Ben Bernanke. Trotz der schleppenden Erholung in den USA und der eskalierenden Schuldenkrise in Europa will sich US-Notenbankchef Ben Bernanke nicht auf weitere Konjunkturspritzen festlegen. Weiterlesen …

Kommentar: Natürlich, es ist die Lage in Europa, die Amerika gefährlich werden kann. Das ist die übliche Propaganda, jetzt eben vom Fed-Chef. Alles fein dosierte Nadelstiche gegen Europa. Echte Hilfe sieht anders aus, vernünftige Lösungsvorschläge sind nicht zu erwarten.


Drogen-Slum in Vancouver: Downtown an der Nadel
Menschen kauern auf der Straße, streunen umher auf der Suche nach Drogen, setzen sich Spritzen an den Hals: Mitten in Vancouver befindet sich ein Slum, die HIV-Rate ist dort so hoch wie in manchen Ländern Afrikas. Das Leid ermöglicht es Forschern, Strategien im Kampf gegen Aids zu erproben. Weiterlesen …

Kommentar: Wir erinnern uns: Kanada gilt als Musterland, bestens präpariert gegen die Krise. Offensichtlich hinterlässt diese Krise aber auch dort immer tiefere Spuren. Für uns nicht unerwartet. 10.000 Drogenabhänige auf engstem Raum, HIV-Raten wie in Botswana (fast jeder 3. hier HIV-positiv): ein Feldlabor im Kampf gegen Drogen und Aids.