Samstag, 9. Juni 2012

Standpunkt 255 - Nachrichten-Ticker, 08.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Nachrichten des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Euro-Krise 2012. Nächster Gegner: die stolzen Spanier
Spanien hat einige Probleme, seine durch die Bankenrettungen gestiegenen Staatsschulden am Markt zu refinanzieren. Das ist im Prinzip die Situation, für die Euro-Rettungsschirme überhaupt erst eingerichtet wurden. Leider haben diese Rettungsschirme einen eingebauten Fehler: Die Gelder sind mit Bedingungen verknüpft, die gleichzeitig die Wirtschaft, der sie helfen sollen, abwürgen. Deshalb will der spanische Staat kein Geld direkt annehmen, sondern nur indirekt über seinen Bankenrettungsfond – denn dieser Bankenrettungsfond kann keine neuen Sparprogramme zusagen. Das ist die einfache Geschichte, die Spiegel Online vielleicht einen Tick kompliziert aufschreibt. Weiterlesen …

Kommentar: Zu diesem Artikel gibt es nichts zu sagen, außer: aufmerksam lesen.  


“Spanien hat nur noch wenige Wochen”
Spanien ruft um Hilfe: Die Banken brauchen dringend frisches Geld - doch die EU streitet, unter welchen Bedingungen sie es bekommen sollen. Der Ökonom Luis Garicano erklärt im Interview, warum jetzt alle Europäer für die spanischen Institute haften sollten. Weiterlesen ...

Kommentar: Leider würde Luis Garicano nicht Recht behalten. Selbst wenn die 100 Milliarden für die Banken - wie auch immer - von der EU zur Verfügung gestellt würden, hört der Druck auf das Land nicht auf. Spanien ist ein wichtiger Teil der Euro-Zone. Die liegt unter Feuer. Deshalb wird das Schauspiel weiter gehen, in Spanien und, als nächste Steigerung, in Italien. Die europäischen Krisenmanager haben einfach nicht das große Ganze im Auge, oder verfolgen eigene Ziele. 


Spanien sucht die Rettung
Die Bankenkrise soll nun doch mit europäischer Hilfe gelöst werden. Die Möglichkeiten von Premier Mariano Rajoy sind begrenzt. Alles läuft darauf hinaus, dass die Banken mit Hilfsmitteln aus dem Euro-Rettungsfonds gestützt werden sollen. Die Optionen im Überblick. Weiterlesen ...

Kommentar: Lesen, merken, vergleichen. Spannend die Frage, für welche Lösung(en) sich die europäischen Technokraten-Politiker und ihre Einflüsterer entscheiden. Wir sind aber davon überzeugt: Die EZB ist mit dabei.


Fitch schickt Spaniens Bonität in den Keller – die Euro-Retter helfen mit
Die Ratingagentur Fitch hat Spaniens Kreditwürdigkeit gleich um drei Stufen, von “A” auf “BBB”, herabgesetzt. Spanien liegt damit nur noch zwei Stufen über Ramschniveau. Zudem wurde auch der Ausblick auf „negativ“ gesetzt. Das heißt, es ist mit weiteren Herabstufungen zu rechnen. Der zentrale Grund für die drastische Herabstufung: die hohen Kosten, die Spanien bei der Sanierung des maroden Bankensektors vermutlich bevorstehen. Fitch schätzt den benötigten Mittelaufwand für die Sanierung des Bankensektors auf 60 bis 100 Milliarden Euro. Das wären etwa 6-10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Deutschland hatte den Bankenrettungsfonds bzw. „Sonderfonds Finanzmarkstabilisierung“ (SoFFin) 2008 mit 480 Mrd. Euro ausgestattet, was in etwa 19 Prozent des deutschen BIPs entsprach. Spaniens Banken haben dagegen nach einer Schätzung von Emilio Botin, Chef der Banco Santander, Spaniens größter Bank, „nur“ einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 40 Milliarden Euro und er betont, es gebe in Spanien einige wenige Banken, die finanzielle Hilfe benötigen, aber keine „Finanzkrise“. Weiterlesen...

Kommentar: Ein spannender Beitrag. Besonders wegen des Vergleichs mit Großbritannien. Unsere regelmäßigen LeserInnen wissen schon lange, dass wir Großbritannien schon seit mehr als einem Jahr als bankrott einstufen. Hier und da werden wir jetzt endlich bestätigt.  


Darum geht auch Spanien den Bach herunter
Lange ist Spanien im Windschatten der Griechenland-Krise gesegelt. Jetzt, da sich das Land wohl unter den Euro-Rettungsschirm flüchtet, ist klar: Der größte Euro-Brandherd liegt in Madrid. Was ist bloß schiefgelaufen? Weiterlesen...

Kommentar: Wieder eine Analyse, die Ursache und Wirkung verwechselt. Helmut Schmidt weiss warum: "Politiker und Journalisten teilen sich das Schicksal, dass sie heute über Dinge reden, die sie morgen erst verstehen."  


Unter der Fuchtel der Troika
Seit 14 Monaten beobachten der IWF, die EZB und die Europäische Kommission das Land mit Argusaugen. Sie haben ihm Geld geliehen, damit es seine Schulden bedienen kann. Jetzt überprüfen die Emissäre der Geldgeber vor Ort die Umsetzung der Reformen, während die Bevölkerung „mehr Zeit, mehr Geld und bessere Bedingungen“ fordert. Weiterlesen …

Kommentar: Wieder zeigt sich: die deutschen Medien sind gleichgeschaltet. Wer sich einigermaßen unabhängig informieren will, der muss sich im europäischen Ausland umsehen. Gute Gründe für unseren Nachrichten-Ticker. Der spanische Journalist beschreibt ein eisenhartes Sparprogramm, das einen entscheidenden Fehler hat: es funktioniert nicht, wie der Anstieg der Staatsschuldenquote zeigt. Diese idiotische Entwicklung wird mit endlosen Kürzungen, rapide steigender Arbeitslosenquote und zunehmender Armut bezahlt.     


Italiens Reformpolitik auf der Kippe
Der italienische Premier Mario Monti hat zugegeben, dass seine Fachleuteregierung wegen der rigorosen Sparmaßnahmen an Popularität verloren hat. Gleichzeitig versichert er, dass die auf Schiene gesetzten Reformen und die noch kommenden Veränderungen bereits in den kommenden Monaten positive Auswirkungen auf die Wirtschaft zeigen werden. Weiterlesen …

Kommentar: Monti auf verlorenem Posten. Die Italiener spielen nicht mit, bei der sogenannten Reformpolitik, hinter der sich in Wahrheit ein Spardiktat versteckt.


Flächenbrandbekämpfung mit der Spritzpistole
Glaubt man den Medien, ist die „eiserne Spar-Kanzlerin weich geworden“ und „rückt von [ihrem] strikten Sparkurs ab“. Doch warum sollte man den Medien glauben? Sämtliche Punkte aus dem sogenannten „Wachstumspaket“, mit dem Angela Merkel sich die Zustimmung von SPD und Grünen zum Fiskalpakt sichert, sind einerseits kalter Kaffee und längst auf europäischer Ebene beschlossen und andererseits noch nicht einmal im Ansatz geeignet, um ein Gegengewicht zur desaströsen Austeritätspolitik zu bilden. Weiterlesen…

Kommentar: Den sparen wir uns. An dem Beitrag von Jens Berger gibt es nichts zu mäkeln.  


Wir brauchen eine Bankenunion
Euroländer wie Spanien stecken in einem Teufelskreis, aus dem sie sich kaum aus eigener Kraft befreien können. Eine Bankenunion würde die Abhängigkeit zwischen den Regierungen und ihren Bankensystemen durchbrechen. Weiterlesen …

Kommentar: Noch so ein Theoretiker. Akademischer Hochkaräter und Berater der Bundesregierung. Bisher ging es den Befürwortern einer Bankenunion darum, dass Banken liquidiert werden können, ohne dass Staat und Steuerzahler belastet werden. Fuest geht es um das genaue Gegenteil: Staaten können eher pleitegehen, ohne die Banken zu gefährden. Die Sicherung privater Banken, in der Regel als Aktiengesellschaften geführte Finanzkonzerne, steht über der Sicherung von Staaten.  Schon wieder ein Mosaiksteinchen zur „marktkonformen Demokratie“ der Bundeskanzlerin. Oder, anders ausgedrückt, die Vorbereitung zur Rettung einzelner „too big to rescue“-Banken ("zu groß, um gerettet zu werden) vom Schlage einer Deutschen Bank. Die Europäer, ganz besonders die Deutschen, schauen kritisch auf die griechischen, spanischen, italienischen und französischen Banken. Deren Schwierigkeiten sind Peanuts gegen die Probleme, die in der Deutschen Bank stecken. Josef „Joe“ Ackermann hat die Deutsche Bank zu einem der weltweit größten Finanzkonzerne ausgebaut. Dafür hat er die Bank mit gigantischen Risiken belastet. Billionenschweren Verpflichtungen stehen nur ein paar unbedeutende Milliarden Eigenkapital gegenüber (hier). Es genügt eine Kleinigkeit und die Bank liegt in Schutt und Asche. Dann reichen noch nicht einmal alle deutschen Ersparnisse und Vermögen, immerhin knapp 10 Billionen Euro, um aus dieser Nummer heraus zu kommen. Die Deutsche Bank ist nicht einmalig in Europa, die beiden Schweizer Großbanken spielen in der gleichen Liga, aber innerhalb der EU ist sie ein Einzelfall. Die übrigen europäischen Großbanken sind dagegen kleine Würstchen.


Bundesbank stemmt sich gegen Konjunkturpanik
In Europa tobt die Staatsschuldenkrise, die deutsche Notenbank hält mit Optimismus dagegen. Sie rechnet nicht damit, dass die Konjunktur hierzulande einbricht - im Gegenteil. Von den Exporteuren kommen allerdings schlechte Nachrichten. Weiterlesen …

Kommentar: Diese Einschätzung zu kommentieren verbietet sich von selbst. Die Bundesbank verbreitet populistischen Nonsens.   


Moody’s Warns Of Spanish Downgrade, Threatens AAA-Countries In Case Of Grexit
Recent developments in Spain and Greece could lead to rating reviews and actions on many of the euro area countries, says Moody's Investors Service in the report "Rating Euro Area Governments Through Extraordinary Times -- Implications of Spain's bank recapitalisation needs and the rising risk of a Greek Exit".

As Spain moves closer to the need for direct external support from its European partners, the increased risk to the country's creditors may prompt further rating actions. The official estimates of recapitalising Spain's banking system have risen significantly and the country's indirect reliance on European Central Bank (ECB) funding via its banks has been growing. Moody's is assessing the implications of these increased pressures and will take any rating actions necessary to reflect the risk to Spanish government creditors. Moody's rating on Spain is currently A3 with a negative outlook.

However, Spain's banking problem is largely specific to the country and is not likely to be a major source of contagion to other euro area countries, except for Italy, which likewise has a growing funding reliance on the ECB through its banks.

In contrast, Moody's says that if the risk of a Greek exit from the euro were to rise further, it could lead to additional rating pressures throughout the region. Greece's exit from the euro would lead to substantial losses for investors in Greek securities, both directly as a result of the redenomination and indirectly as a result of the severe macroeconomic dislocation that would likely follow. It could also pose a threat to the euro's continued existence. Weiterlesen …

Kommentar: Spaniens Herabstufung geht weiter. Jetzt ist Moody’s an der Reihe. Brisant auch die Meldung, dass nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone die restlichen Triple-A-Ratings in Gefahr geraten. Unsere Voraussagen werden sich bestätigen …(vgl. hier und später). 

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.