Sonntag, 10. Juni 2012

Standpunkt 257 - Nachrichten-Ticker, 09.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Europas Größenwahn führt zu seinem Untergang
Der Euro und die "Vereinigten Staaten von Europa" waren eine schöne Idee. An ihr festzuhalten aber, nur um nicht zugeben zu müssen, dass man sich vertan hat, macht einen Irrtum zum Verhängnis. Weiterlesen …

Kommentar: Broder erklärt uns den europäischen Gedanken. Was für ein nichtsnutziger Kerl. Noch nicht einmal mehr amüsant. Miesepetert gegen Europa. Kann kaum verbergen, dass es ihm eigentlich nur um die weitere Vormachtstellung der USA geht. Tatsächlich gibt es keinen Grund, sich als Europäer einer tieferen Integration Europas entgegen zu stellen, sie ist sogar zwingend notwendig. Besonders als Antwort auf die Globalisierung. Diskussionswürdig sind nur Zeitpunkt, Geschwindigkeit, Inhalt und Form der notwendigen Verträge.     


Das traurige Hunger-Schauspiel in US-Supermärkten
Am letzten Tag jedes Monats stehen Hunderttausende Amerikaner nachts Schlange für Lebensmittel. Ab Mittermacht gelten die neuen Essensmarken. Noch nie waren so viele US-Bürger auf sie angewiesen. Weiterlesen...

Kommentar: 46,4 Millionen US-Amerikaner beziehen Lebensmittelmarken. Schätzungen gehen davon aus, dass sogar schon 60 Millionen Menschen Anspruch auf diese Unterstützung hätten, knapp 20% der gesamten US-Bevölkerung. Das Ergebnis der Finanzkrise, die längst in der US-amerikanischen Mittelklasse angekommen ist. Gerade stockt diese Entwicklung, ein Rückgang ist bis auf weiteres aber nicht zu erwarten.  


China: Schwerster Abschwung seit Jahren befürchtet
Das Wachstum der Industrieproduktion Chinas verharrt auf einem für die Volksrepublik niedrigen Niveau. Im Mai stieg sie im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Prozent, wie aus am Samstag veröffentlichten Daten hervorging. Experten hatten mit einem Anstieg von 9,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat lag das Wachstum bei 9,3 Prozent, dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. Weiterlesen...

Kommentar: Es lässt sich nicht länger leugnen, China gerät in schwere Turbulenzen. Zu groß ist die Abhängigkeit von den USA und Europa. Dort gehen langsam die Lichter aus, d. h. eine massive Rezession hält Einzug. Das kann der Binnenmarkt nicht ausgleichen.  


Spanische Banken brauchen mindestens 40 Milliarden Euro
Schlüpft Spanien wegen seiner Banken unter den Euro-Rettungsschirm, oder nicht? Das ist eine der Fragen, die Europas Politiker an diesem Wochenende besonders umtreibt. Der Internationale Währungsfonds hat schon einmal den Bedarf spanischer Banken durchgerechnet. Weiterlesen...

Kommentar: ... und sich verrechnet. Dieser Stresstest war völlig nutzlos. Schon wieder geht es nur darum, der Öffentlichkeit ein X für ein U vorzumachen. Andere nennen es Salamitaktik. Wir nennen es Lüge. Nach unserer neuesten Schätzung sind mindestens 300 Milliarden Euro nötig. Unsere ursprüngliche Annahme, 80 bis 120 Milliarden Bankenhilfe reichen, war jedenfalls viel zu gering. Es ist lächerlich wenn eine stellvertretende IWF-Direktorin den Eindruck vermittelt, als habe man den Bedarf eher über- statt unterschätzt. Wir möchten bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass keiner der bisherigen Banken-Stresstests in Europa auch nur halbwegs die Wirklichkeit abgebildet hat. Bitte hier und hier nachlesen. Außerdem werden die Veröffentlichungen des IWF in den Medien wohl unterschiedlich verarbeitet ...  


Spaniens Banken benötigen zwischen 40 und 80 Milliarden Euro
Der IWF hat in einem Stresstest den Kapitalbedarf für Spaniens angeschlagne Banken ermittelt. Experten erwarten, dass das Land die EU schon bald um Hilfe bitten wird. Weiterlesen ...

Kommentar: Woher die 80 Milliarden kommen wird leider nicht deutlich, vermutlich aus dem IWF-Report. Am Ende heißt es dann noch, die spanischen Banken brauchen bis zu 100 Milliarden Euro. Passend zum europäischen Hilfsangebot ...


Spanien erhält 100 Milliarden Euro Bankenhilfe
Spanische Banken werden eine Finanzspritze bis zu 100 Milliarden Euro aus Geldern des Hilfsfonds EFSF erhalten. Die EU-Staaten verlangen keine Austeritätsmaßnahmen der spanischen Regierung. Weiterlesen …

Kommentar: Geschafft, Europa erhält seinen Willen. Spanien muss die Hilfe annehmen. Zu den von der EU diktierten Konditionen: Bis zu 100 Milliarden Bankverluste werden in Spanien mit diesem Hilfspaket sozialisiert, d. h. auf den spanischen Steuerzahler übertragen. Das ist der Deal: Die EU verzichtet auf neue Sparmaßnahmen, im Gegenzug haften die Spanier für diese horrende Summe. Zusätzlich zu den milliardenschweren, bereits untragbaren Einsparungen bei den Staatsausgaben. Bis zuletzt hat sich die spanische Regierung dagegen gewehrt. Nicht zu vergessen: Eine weitere Voraussetzung für diese Hilfe ist ein Programm des spanischen Staates zur Stabilisierung der Banken. Wie soll das funktionieren, wenn die Wirtschaft in den Keller rauscht und in der Folge das BIP einbricht, die Arbeitslosenquote in den Himmel steigt, der Arbeitsmarkt nicht mehr stattfindet, der Konsum wegbricht, die Steuereinnahmen ausbleiben, als Folge von allem die Staatsverschuldung immer weiter ansteigt.


Peter Bofinger warnt vor Rettungsschirm für Spanien
Der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat davor gewarnt, Spanien mit Hilfe des Rettungsschirms EFSF beizustehen. In einem am Samstag veröffentlichten Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Bofinger: "Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen." Weiterlesen …

Kommentar: Bofinger hat Recht. Aber noch einmal, dieses Hilfsangebot hat nur ein Ziel, die Vergesellschaftung der Bankenschulden. Nichts Neues also. Schlimm nur, dass mit dieser Summe noch längst nichts gewonnen ist. Die spanische Regierung weiß das, Peter Bofinger auch. Natürlich kennen auch EU und IWF die wirklichen Zahlen.


Juncker will spanische Bankenkrise rasch beseitigen
Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hat sich für eine rasche Beilegung der spanischen Bankenkrise ausgesprochen. "Die Lösung wird schnell erfolgen müssen", sagte der luxemburgische Ministerpräsident am Freitag im Sender Deutschlandradio Kultur und nährte damit Spekulationen über weitere Schritte noch am Wochenende. Es gebe jedoch keinen volkswirtschaftlichen Grund dafür, dass sich Spanien unter den Euro-Rettungsschirm EFSF begebe, ergänzte Juncker mit Blick auf die Konsolidierungsbemühungen der spanischen Regierung. Weiterlesen…

Kommentar: Juncker hat im Verlauf der europäischen Krise an Format verloren. Erfreulich nur, dass er weiter von einer Bankenkrise spricht und die spanischen Probleme noch nicht in eine Staatsschuldenkrise umdeutet. Scheinbar ist dafür der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen. Seine weiteren Aussagen sind politisch motiviert, mit Krisenlösungen haben sie nichts zu tun. 


Frankreichs Wirtschaft schrumpft, deutscher Exporte leidet
Die Euro-Zone rutscht in die Wirtschaftskrise. Jetzt trifft sie Frankreich. Die Krise macht sich auch im deutschen Außenhandel bemerkbar. Weiterlesen …

Kommentar: Hoffentlich keine Nachrichten, über die sich unsere LeserInnen wundern. Eine absolut vorhersehbare Entwicklung, trotz ifo-Index, Bundesbank, usw. Seit Monaten weisen wir immer wieder darauf hin. Die Schwellenländer können Ausfälle der deutschen Wirtschaft bei den Lieferungen innerhalb Europas nicht ausgleichen. Schlimmer: Wie die jüngsten Entwicklungen in Brasilien, Indien und China zeigen, kämpfen diese Länder selbst mit erheblichen Problemen. Die Rezession in Europa wird auch für Deutschland eine schmerzhafte Angelegenheit. Grund für diese Entwicklung ist aber nicht eine angebliche Staatsschuldenkrise in vielen europäischen Ländern, verschuldet durch die Einführung des Euro, sondern eine weltweite Bankenkrise, als Folge der völlig verfehlten Krisenpolitik nach der Lehman-Pleite 2008. Alle heutigen Lösungsversuche sind letztlich nur Teil dieser falschen Politik gegenüber den „too big to fail“-Banken, die sich mittlerweile wegen dieser Versäumnisse zu „too big to rescue“-Banken weiterentwickelt haben. Die Staaten haben sich zum Finanzier des weltweiten Finanz-Casinos erpressen lassen, ohne Chance, aus dieser Nummer wieder heraus zu kommen.