Dienstag, 12. Juni 2012

Standpunkt 259 - Nachrichten-Ticker, 11.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Geierfonds kreisen über Spaniens Banken
Die EU will Auflagen für die Restrukturierung der spanischen Banken durchsetzen. Ministerpräsident Rajoy versucht mit allen Mitteln, das zu verhindern. Er fürchtet, dass die EU-Kommission ihn zwingt, Banken abzuwickeln - und fürchtet den Ausverkauf Spaniens. Weiterlesen…

Kommentar: Logische Folge des von der EU formulierten Hilfsangebotes. Üblicherweise lässt sich für die Spekulanten mit solchen Krisen gutes Geld verdienen, wie das Beispiel Griechenland gezeigt hat. Die Auflagen für die 100 Milliarden, die gerade erst verhandelt werden, bedeuten für Land und Leute weitere schmerzhafte Einschnitte, ohne dass eine Besserung eintreten wird. Schlimmer, das Gegenteil ist der Fall. Nach unseren eigenen Schätzungen benötigt Spanien zwischen 300 und 500 Milliarden Euro, um sich zu stabilisieren. Dadurch wird die Staatsverschuldung auf ein Niveau steigen, mit dem das Land ohne einen Schuldenschnitt nie mehr zurecht kommen wird. Was dann passiert, versuchen wir uns gerade in unseren kühnsten Träumen auszumalen, um so schnell wie möglich darüber zu berichten.    


Spaniens Problem sind nicht nur die Banken
Bis zu 100 Milliarden Euro soll Spanien bekommen, um seine Banken zu retten. Doch die Banken sind längst nicht das einzige Problem. Die Regionen sind überschuldet, die Bildung schlecht – und die Industrie liegt am Boden. Hier sind Spaniens vier Schwierigkeiten. Weiterlesen ...

Kommentar: Spaniens Probleme sind, wir erklären es immer wieder, Folge der Finanzkrise, nicht Ursache, wie so gerne behauptet. Selbst die Immobilienblase ist erst in der Folge der US-amerikanischen Subprime-Krise geplatzt. Die Sache mit der schlechten Bildung ist auch nicht neu. Offensichtlich gehen weder die spanische Regierung noch die EU davon aus, dass eine bessere Bildung die Situation verändert. Schliesslich spart Spanien in diesem Bereich alleine 10 Milliarden Euro zusätzlich ein, um das Land für die Rettung durch EU und IWF fit zu machen.     


Troika soll Spaniens Bankenrettung kontrollieren
Mit der EU-Hilfe für Spanien sind nach Auffassung Deutschlands auch internationale Kontrollen verbunden. Die Sparaufsicht soll es aber nur für den Bankensektor geben. Weiterlesen ...

Kommentar: Welche Bankenrettung? Die 100 Milliarden sind eine kleine Hilfe, mit der sich Zeit erkauft wird, die eigentlich schon längst verbraucht ist. Schäubles Forderung nach einer Überwachung der span. Reformpolitik hat keinen praktischen Nutzen, unterhält bestenfalls die Zuschauer auf der Galerie. Was heißt schon Restrukturierung? Doch nur eins: Stochern im Nebel ...      


Stiglitz kritisiert Spanien-Hilfen als Voodoo-Ökonomie
Europas Börsen reagieren mit Kurssprüngen auf die Hilfsgelder für Spaniens Bankensektor. Nur einer hat was zu meckern: Nobelpreisträger Joseph Stiglitz. Statt mit Milliarden um sich zu werfen, solle Europa endlich das zugrundeliegende Problem angehen. Weiterlesen...

Kommentar: Schon im Tagesverlauf war die Feier zu Ende. Leider zäumt auch Stiglitz das Pferd von hinten auf. Seine Diagnosen sind richtig, seine Lösungen zum jetzigen Zeitpunkt falsch. Vorher muss zwingend der Finanzmarkt restrukturiert werden. Das kann Europa auch im Alleingang. Nur wird das eine bittere Pille für Deutschland: Dann muss es nämlich der Deutschen Bank an den Kragen gehen. Erst danach kann über eine Weiterentwicklung der EU und der Gemeinschaftswährung nachgedacht werden.   


Wie Spaniens Rettung funktionieren soll
Spaniens Bankensektor wird mit einem Kreditpolster von 100 Mrd. Euro von seinen Partnern gestützt. Doch ist er damit aus dem Schneider? Welche Reformen stehen an? Die drängendsten Fragen zu dem Komplex, der Europa umtreibt. Weiterlesen...

Kommentar: Leider wird es so nicht funktionieren. Die Pläne greifen zu kurz. Die Spekulanten lassen sich davon nicht stören. Für die ist Spanien nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Ziel, die Euro-Zone nachhaltig und dauerhaft zu schwächen, um dem Dollar noch für einige Zeit Luft zu verschaffen.


Fitch stuft die zwei grössten spanischen Banken herab
Letzten Donnerstag stufte Fitch die Bonität der spanischen Staatsanleihen herab. Nun zieht die Ratingagentur mit den zwei grössten spanischen Banken nach. Weiterlesen...

Kommentar: Die sich selbst erfüllende Prophezeiung bahnt sich ihren Weg durch Spanien. Ausgerechnet den beiden Banken, die selbst von der EU und dem IWF als solide eingestuft werden, stellt man die Rute ins Fenster. Da sollte jetzt schon klar sein, wo die spanische Reise hingeht. Und Europa schaut wieder hilflos zu. 


Griechen fordern spanische Spar-Konditionen
100-Milliarden-Kapitalspritze für die maroden Banken: Spaniens Regierung geht davon, dass das Land dafür nur geringe Auflagen erfüllen muss. Zwar sieht das die EU ganz anders – doch die Spanien-Hilfen bringen die Griechen auf den Plan: Sie fordern eine Neuverhandlung des eigenen Rettungspakets. Weiterlesen …

Kommentar: Logisch, oder? Schon wieder wird mit zweierlei Maß gemessen, ganz offensichtlich eine europäische Spezialität. Das kann nicht gut gehen.


Horst von Buttlar – Danke für die Erpressung, Herr Tsipras
Griechenland wählt - und Europa muss sich wohl entscheiden, wie sehr es sich nötigen lässt. Der radikale Linke Alexis Tsipras erleichtert die Suche nach dem Weg aus dem Schlamassel. Weiterlesen …

Kommentar: Die Deutschen, ein Volk von Dichtern und Denkern. Augenblicklich aber haben leider die Dichter die Oberhand, wie dieser Artikel zeigt. Die Wahrheit hinter der Dichtung: Gewinnt Tsipras, dann trifft Europa die alleinige Schuld. Griechenland wurde von EU/EZB/IWF und Deutschland in ein unerfüllbares Spardiktat gepresst, das Land regelrecht entmündigt. Nur zu gerne hätte man den Griechen auch noch das Wahlrecht genommen.    


Griechenland kann Patienten nicht mehr versorgen
Medikamente fehlen, OPs fallen aus: Die Krise wird für griechische Patienten zur körperlichen Gefahr. Apotheker warnen, das Gesundheitssystem kollabiere ohne EU-Hilfe. Weiterlesen …

Kommentar: Das ist unter Dritte-Welt-Niveau, innerhalb Europas. Bitte zu diesem Thema einen unserer früheren Beiträge lesen: „Europa zertrümmert Griechenland“ (hier). Mehr fällt uns dazu nicht ein.


Feindbild IWF
Was heute Griechenland ist, war vor zehn Jahren Argentinien: Das Land konnte seine Schulden nicht mehr bedienen, war abhängig von internationalen Geldgebern. Der IWF forderte Reformen, doch dem
widersetzten sich die linken Politiker - mit Erfolg. Weiterlesen…

Kommentar: Bitte aufmerksam lesen. Relativiert die Leistungen des IWF und erledigt den von einigen Ökonomen immer wieder gemachten Vorschlag, bei Griechenland dem argentinischen Weg zu folgen.  


Briten wollen Volksabstimmung – gegen die EU
Die Hälfte der Briten hat sich in einer Umfrage für ein sofortiges Referendum über eine Neubewertung der Beziehung Großbritanniens zur EU ausgesprochen. Weiterlesen …

Kommentar: Wir unterstützen Großbritanniens Austritt aus der EU 100%ig. Die Separation Großbritanniens wäre für Europa ein Glücksfall. Die USA würden einen wichtigen Brückenkopf im Kampf im ihre Interessen in Europa verlieren, deshalb machen die Briten gerade viel Wind um Nichts. 


Großbritannien: Wohnen im Kühlschrank
Im Londoner Stadtteil Newham müssen Menschen in Gartenhäusern, Garagen, Schuppen, Hütten oder sonstigen Anbauten leben, weil sie eine andere Bleibe nicht bezahlen können. Weiterlesen …

Kommentar: Ursprünglich ein Artikel des britischen „Guardian“. Wie meldete die Bank of England schon vor vielen Monaten: Der britische Lebensstandard ist auf dem Weg in die 1920er Jahre. Demnächst müssen wohl die früheren Kolonien Großbritannien retten.


Die Welt wartet vergeblich auf China
In keinem Land der Welt sparen die Menschen so viel wie in China. Die Sparquote liegt je nach Berechnungsart zwischen 30 und 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutschen, die auch nicht gerade für ihre Konsumfreude bekannt sind, legen im Schnitt etwa elf bis zwölf Prozent zurück. Die Amerikaner haben mit einer Rate von sechs Prozent erst in den vergangenen zwei Jahren wieder mit dem Sparen begonnen, nachdem Jahre der Konsumsause das Land in die tiefste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit getrieben haben. Dass der Chinese so viel Geld zurücklegt, hat Gründe. Wer wegen möglicher Krankheit, eventuellem Unfall oder gar Tod gleich den Ruin seiner Familie befürchten muss, der spart. Weiterlesen…

Kommentar: Für uns sind es andere Gründe, warum China nicht zur Lokomotive der Weltwirtschaft taugt. Schon möglich, dass deutsche Manager ihre persönliche Zukunft mit China verbinden. Deutsche Arbeitnehmer sollten es nicht, sonst machen sie sich zum Narren.


Chinas Aufsicht nimmt Finanzplatz Shanghai ins Visier
Chinas Bankenaufsicht zieht Kreisen zufolge die Zügel an. Die im Finanzzentrum Shanghai ansässigen Banken sollen das Kreditrisiko von Großkunden neu bewerten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag von Insidern. So sollen beispielsweise hinterlegte Sicherheiten neu bewertet werden. Weiterlesen…

Kommentar: Dieser Artikel wirft ein besonderes Licht auf die Rohstoffimporte Chinas, an denen so gerne die wirtschaftliche Stärke Chinas fest gemacht wird (vgl. Nachrichten-Ticker von gestern, hier). Am Beispiel Kupfer wird deutlich, dass die chinesischen Banken das Bild verzerren. Angeblich werden auch Stahl, Eisenerz und Sojabohnen als Sicherheiten für umstrittene Bankgeschäfte genutzt. Was bleibt von Chinas Stärke, wenn diese Anteile aus dem Importvolumen herausgerechnet werden? Wir sehen jedenfalls unsere Skepsis gegenüber den chinesischen Verhältnissen bestätigt.


Überdosis an Hauskäufern
Auch wir pumpen eine Immobilienblase auf. Auf Gedeih und Verderb stecken die Deutschen ihr Geld in Haus und Hof. Spanien und Irland haben gezeigt, wie übel das enden kann. Weiterlesen...

Kommentar: Gestern haben wir schon über eine ähnliche Entwicklung in Frankreich geschrieben. Dänemark, Schweden und die Niederlande stehen in, bzw. vor den gleichen Problemen. Eine LBS-Studie sieht das aus naheliegenden Gründen anders. Wir können nur warnen … (hier). 
 
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