Mittwoch, 13. Juni 2012

Standpunkt 260 - Nachrichten-Ticker, 12.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Reden wir nicht mehr über Rettungsschirme!
In Europa wird vor einer Krise gewarnt, die «heute lebende Generationen noch nicht erlebt haben.» Und wer ist dafür verantwortlich? Die üblichen Verdächtigen aus dem Süden? Nein! Neuerdings mehren sich auch in Deutschland die Stimmen, welche die Schuld bei sich selbst suchen. Exklusiv für die TagesWoche schreibt UNO-Chefökonom Heiner Flassbeck, was sein Land tun muss, damit Europa doch noch gerettet werden kann. Weiterlesen …

Kommentar: Wir geben gerne zu: Heiner Flassbeck ist einer der deutschen Ökonomen, von dem wir jeden Beitrag gerne lesen und unseren LeserInnen genauso gerne empfehlen. Was er von sich gibt hat Hand und Fuß, vielleicht liegt es daran, dass er durch seine Tätigkeit bei der UNCTAD den nötigen Abstand zur Krise hat. Das Problem ist aber auch bei ihm: Was er vorschlägt, kann erst dann wirksam funktionieren, wenn die Bankenkrise beendet wird. Damit wurde aber noch überhaupt nicht angefangen.


Europa, in Misstrauen geeint
Jahrzehntelang haben Kritiker der Europäischen Union von einem Demokratiedefizit gesprochen. Diesen Vorwurf an die EU und ihre Institutionen habe ich nie akzeptiert, aber ich erkenne ein neues und gefährliches Defizit innerhalb der Union – ein Vertrauensdefizit, sowohl zwischen Staaten als auch zwischen Bürgern verschiedener Mitgliedsländer. Stünde auf den Euro-Banknoten ein Motto wie auf den Dollar-Noten, würde es heute wohl lauten „Europa, in Misstrauen geeint“. Weiterlesen ...

Kommentar: Ein empfehlenswerter Beitrag der früheren spanischen Außenministerin und ein interessanter Blick auf Europa.       


Bei Euro-Kollaps droht neues 1933
Statt ständig nur Inflationsangst zu haben, sollten die Deutschen den Zusammenbruch Europas fürchten – und sich daher nicht länger gegen eine gemeinschaftliche Finanzhaftung in einer Bankenunion sperren. Weiterlesen...

Kommentar: Belehrungen von “höchster” Stelle, aus dem inneren Zirkel der Ökonomen-Zunft. Grundsätzlich haben die Herren sicherlich recht, nur daraus als Lösung die Bankenunion abzuleiten, ist schlicht falsch. Diese Bankenunion, soweit Einzelheiten dazu bekannt sind, wird die Krise Europas zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls lösen. Auch nicht in Verbindung mit Fiskalunion oder Fiskalpakt.


Barroso: Bankenunion auch ohne Vertragsänderung möglich
EU-Kommissionspräsident Barroso werkelt an einer Bankenunion mit europäischer Bankenaufsicht. Bisher dachten die meisten: Das wird Jahre dauern, weil erst die EU-Verträge geändert werden müssen. Doch jetzt will Barroso seine Vorstellungen durch die Hintertür umsetzen – ohne Vertragsänderungen und gegen heftigen Widerstand aus Deutschland. Weiterlesen...

Kommentar: Barroso entwickelt sich zur Fehlbesetzung. Er gehört zu den Technokraten, die sich um die Wirkung ihrer Äußerungen keine großen Gedanken machen. Da wird auch schon mal gelogen, betrogen oder auch “nur” getrickst und getäuscht. Gerne auch der Demokratie ein Tritt in den Hintern verpasst. Darin überbieten sich die Krisenmanager gerade. Barroso vs. Deutschland, eine interessante Partie. Der hinterlistige Barroso kann sie nicht gewinnen.


Mehr Milliarden werden den Euro nicht retten
Geht der Euro verloren, zerfällt auch die Europäische Union. Doch einfach weiter unvorstellbare Summen in die Gemeinschaftswährung zu stecken, wird die Krise nicht beenden. Die Politik muss endlich die eigentlichen Ursache der Krise angehen. Es bleibt nicht viel Zeit. Weiterlesen...

Kommentar: Stimmt, aber die vorgeschlagene Lösung, “für einen Ausgleich zwischen starken und schwachen Ländern zu sorgen”, wird ohne eine Neuordnung des Finanzmarktes nicht funktionieren. Erst müssen die Banken auseinandergenommen werden, dann reduzieren sich schlagartig wieder die Staatsschulden und der Euro kann mit geeigneten Maßnahmen gegen die Spekulanten verteidigt werden. Alles andere führt nur weiter Richtung endgültigem Kollaps.  


So frisst sich die Schuldenkrise durch Europa
Schon seit zweieinhalb Jahren versucht die Politik, die Schuldenkrise in den Griff zu kriegen. Allen Garantien, Krediten und Versprechen zum Trotz verschärft sich die Lage weiter. Die wichtigsten Stationen im Überblick. Weiterlesen...

Kommentar: Eine ganz brauchbare Übersicht für die LeserInnen, die sich erst später bei der Euro-Krise zugeschaltet haben.  


Rabattschlacht um Euro-Hilfen voll entbrannt
Die "weichen" Hilfen für Spanien wecken bei den Ländern, die bereits unter den Rettungsschirm geschlüpft sind, Begehrlichkeiten. Portugal, Irland und Griechenland verlangen nun ebenfalls laxere Bedingungen für ihre Milliardenkredite - groß ist der Unmut vor allem in Portugal. Weiterlesen …

Kommentar: Nachvollziehbar. Wie wird die EU damit umgehen?


EU will Athens Fesseln lockern
Europa will Griechenland in der Euro-Zone behalten. Daher kann sich das Land nach der Wahl auf Zugeständnisse einrichten - und das, obwohl die Griechen offenbar die Sparverpflichtungen erneut verletzt haben. Weiterlesen…

Kommentar: Unglaublich, da wird über Wochen eine Diskussion über das Für und Wider eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone geführt, werden Berechnungen über die Kosten angestellt, gegenseitige Drohungen ausgestoßen, Misstrauen geschürt. Und plötzlich kommt alles anders. Wie schon in einem eigenen Beitrag beschrieben: „Europas Lügen haben kurze Beine“ (hier).



Italien ist nicht Spanien ist nicht Griechenland
Die Wirtschaft bricht ein, die Schulden sind hoch: Seit Spanien Schutz unter dem Rettungsschirm gesucht hat, wird emsig über Italien diskutiert. Noch vor wenigen Wochen hatte die EU-Kommission große Hoffnungen für das Land, doch nun erlahmt der Reformeifer der Regierung und die Schwarzarbeit floriert. Die Finanzmärkte nehmen das Land wieder ins Visier. Zu Recht? Weiterlesen…

Kommentar: Der Artikel ist schon nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Italien steckt längst bis über beide Ohren in Schwierigkeiten, nur reden will niemand darüber. Monti’s Reformeifer erlahmt, weil er keine kriegsähnlichen Unruhen in seinem Land riskieren will. Der Einsatz der Streitkräfte im eigenen Land gegen die eigenen Bürger ist kein origineller Einfall. Entwicklung der Wirtschaftsleistung, der Arbeitslosigkeit, der Armut und der Staatsschulden bewegen sich bereits in spanischem bzw. griechischem Fahrwasser. Wohin die italienische Reise geht, ist heute schon klar: unter den Rettungsschirm.   


Es geht abwärts mit Italien
Die Wirtschaft schrumpft, die Schulden steigen, die Einkommen sinken. Mit Spanien rutscht auch Italien tiefer in die Krise. An den Finanzmärkten nimmt der Druck auf das Land zu. Die römische Regierung schiebt die Schuld auf Deutschland. Weiterlesen …

Kommentar: Italien in Not, wie eben schon beschrieben. Es klingt einfach, Deutschland dafür die Schuld zu geben. Nur hat sich Monti bewusst auf die deutschen Rettungsmaßnahmen eingelassen, schliesslich ist er Regierungschef von Merkozy’s Gnaden. Die von ihm durchgesetzten Sparprogramme haben schon eine Menge Unheil in seinem Land angerichtet (Selbstmorde, Kinderarbeit). Selbstkritisch sollte er dafür die Verantwortung übernehmen und entweder zurücktreten oder die Dinge ändern.   


Fitch: Italien in besserem Zustand als Spanien
Italien befindet sich nach Einschätzung der Rating-Agentur Fitch in einem besseren Zustand als Spanien und braucht daher voraussichtlich keine Hilfe. Weiterlesen …

Kommentar: Wie lange hält diese Aussage? Tage, Wochen, Monate? Sehen Sie selbst.


Krise wirft Amerikaner um 20 Jahre zurück
Alles spricht von Europa und einem drohenden Zerfall der Währungsunion. Dabei wütet die Krise in den USA ebenso heftig. Erstmals zeigen Zahlen des Fed, was das für die US-Haushalte bedeutet. Weiterlesen…

Kommentar: Dankenswerterweise zeigen uns die Schweizer, wo die europäische Krise eigentlich herkommt. Und warum sie weiter köcheln muss. Wer ein bisschen Zeit hat, der sollte sich auch die Fed-Zahlen ansehen.  


USA: Dramatische Verarmung der Mittelschicht
Das Nettovermögen der Mittelschicht ist von 2007 bis 2010 nach Angaben der Fed durch die Finanzkrise auf den Stand der frühen 1990er Jahre geschrumpft. Weiterlesen…

Kommentar: Was hier in Zahlen ausgedrückt wird,  haben wir bereits in unserer Jahresvorausschau 2011 (hier) beschrieben. Die schlechte Nachricht: Auch Europa ist vor dieser Entwicklung nicht sicher.  


Stark geflunkert – Milliarden Tonnen CO2 in Chinas nationaler Treibhausgasbilanz unterschlagen
Klimamodelle müssen geändert werden. Forschergruppen aus China, den USA und Großbritannien haben die Angaben Chinas zu seinen nationalen Treibhausemissionen unter die Lupe genommen. Sie verglichen dazu die statistischen Angaben der einzelnen chinesischen Provinzen mit den Werten, die für die letzten Jahre als nationale Emissionswerte veröffentlicht wurden. Ergebnis: China stößt seit Jahren bis zu 20% mehr CO2 aus als angenommen. Die Menge der chinesischen Emissionen ist damit die mit Abstand größte aller Länder weltweit. Alleine im Jahr 2010 betrug die Diskrepanz zu den akkumulierten CO2-Emissionen der Provinzen 1,4 Mrd. Tonnen – und die Diskrepanz ist über die Jahre größer geworden. Weiterlesen…

Kommentar: Diesen Beitrag haben wir aufgenommen, um beispielhaft Chinas Umgang mit seinen Statistiken zu demonstrieren. Aus solchen Dingen speist sich unser Misstrauen gegenüber den chinesischen Statistiken zur wirtschaftlichen Entwicklung, uam.


Sprengen die Investmentbanken das Finanzsystem?
In den Büchern der Banken lauern Billionenrisiken. Wenn sich die Krise um Euro und Staatsschulden zuspitzt, sind sie kaum noch zu beherrschen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Überraschung, dieser Artikel. Selbstverständlich lautet die Antwort Ja. Unabhängig von der Entwicklung in Europa. Es geht nur noch um das Wann. Schade, dass die Fakten nicht vollständig sind. Es fehlen die aktuellen Zahlen der BIZ (Dezember 2011) und zu den europäischen Banken, die maßgeblicher Teil des Systems sind. Das Volumen ist gigantisch, aktuell gibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Bank der Notenbanken, knapp 700 Billionen US-Dollar an. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsleistung der ganzen Welt beträgt gerade einmal 63 Billionen US-Dollar. Es sind nur eine Hand voll Banken, die diese tickende Zeitbombe zu verantworten haben. Allen voran die „big 5“ aus den USA, JPMorgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs. Dazu gesellen sich die europäischen Grössen Deutsche Bank, UBS, Crédit Suisse (CS), HSBC. Ein nennenswertes Volumen vom grossen Derivate-Kuchen, 11,6 Billionen, gehört außerdem der mit Milliarden Steuergeldern geretteten Commerzbank. Die genannten US-Banken halten aktuell zusammen für 226,5 Billionen USD Finanzderivate, die Deutsche Bank, UBS, CS und Commerzbank kommen zusammen auf 188,6 Billionen USD (Quelle: Geschäftsberichte 2011). Diese Rechnung wird demnächst präsentiert und niemand kann sie übernehmen.