Donnerstag, 14. Juni 2012

Standpunkt 262 - Nachrichten-Ticker, 13.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Bankenkrise: Die große Lüge
Der Zusammenbruch des spanischen Bankensystems ist eine staatliche Schande, meint der Leiter des portugiesischen Jornal de Negócios. Denn er ist auf die Komplizenschaft von Banken und Politikern und die Verleugnung der Krise zurückzuführen. Die Konsequenzen tragen aber die Bürger.  Weiterlesen …

Kommentar: Der Artikel aus Portugal beschreibt sehr gut am Beispiel Spaniens die Wirklichkeit hinter der europäischen Krise. Die Zukunft wird zeigen, dass in allen Ländern, auch in Deutschland, die hier beschriebene Komplizenschaft von Banken und Politikern, zusammen mit der Verleugnung der Krise, die Ursachen für die Schwierigkeiten sind, hinter denen sich eine Bankenkrise versteckt, die wegen der Komplizenschaft von allen Beteiligten zu einer Staatsschuldenkrise umgedeutet wurde, für die die Bürger bluten sollen. Sehr wahrscheinlich platzt in Deutschland keine Immobilien- oder irgendeine andere Blase, viel gefährlicher ist die Beteiligung der Deutschen Bank an der weltweiten 700-Billionen-USD-Derivate-Blase, an der die Bank ungefähr 10% hält.


Hildebrand geht zu Blackrock
Als Chef der Schweizer Nationalbank SNB musste Philipp Hildebrand wegen angeblich unsauberer Geschäfte seiner Frau gehen – und wurde später entlastet. Jetzt startet er in Sachen Karriere noch einmal durch. Weiterlesen...

Kommentar: Normalerweise muss uns Philipp Hildebrand nicht interessieren. Die Sache hat aber eine Besonderheit: Blackrock ist eine der größten Investmentgesellschaften der Welt und sehr aktiver, bestimmender Teil des weltweiten Finanz-Casinos. Wir sehen darin ein Beispiel für die heute allgegenwärtige Korruption. Die ist schon so normal, da gibt sich niemand mehr Mühe, diese Wahrheit zu verstecken.


Warten auf Griechenland
Vordergründig ist die Wahl in Griechenland eine Abstimmung über den Euro. Doch die Eurogruppe lehnt den Austritt Athens kategorisch ab, weil das kurzfristig bequemer ist. Damit lädt sie die Griechen ein, ihr weiter auf der Nase herumzutanzen. Eine Analyse. Weiterlesen ...

Kommentar: Diese Analyse ist mangelhaft, eine meinungsbildende Maßnahme. Statt eines neuerlichen, sich inhaltlich wiederholenden Kommentars verweisen wir lieber noch einmal auf unsere Beiträge “Europa zertrümmert Griechenland” (hier) und “Europas Lügen haben kurze Beine!” (hier). Wer sich Zeit nimmt, der findet auch noch in anderen Beiträgen, z. B. “Angie I, Kaiserin von Europa” (hier), alternative Bewertungen.   

Amerika will Europa vor sich selbst retten
Die Amerikaner trauen den Europäern nicht mehr zu, ihre Probleme selbst zu lösen. Jetzt entwerfen sie eigene Rettungspläne. Barack Obama hat eine einfache Botschaft an die Europäer: Nehmt euch ein Beispiel an Amerika! Dort habe man mit massiven Kapitalspritzen das Bankensystem innerhalb kurzer Zeit stabilisiert, erklärte Amerikas Präsident in einer Presserunde vergangenen Freitag. Die Europäer sollten endlich einen großen Schritt nach vorn machen und nicht länger um die Probleme herumtrippeln, gab ein sichtlich genervter Obama Kanzlerin Angela Merkel beim Treffen in Camp David mit auf den Weg. Nach Monaten fruchtloser Hintergrundgespräche hat man in Washington offenbar beschlossen, die diplomatischen Handschuhe auszuziehen und die Verantwortlichen jenseits des Atlantiks öffentlich abzuwatschen. "Im Weißen Haus herrscht der Eindruck: Da sind Dilettanten am Werk", sagt Domenico Lombardi, Experte für internationale Beziehungen der Brookings Institution in Washington. Weiterlesen...

Kommentar: Jetzt nimmt die europäische Krise eine neue Wendung, die Amerikaner kümmern sich. Da kann nichts mehr schief gehen. Das Rezept ist einfach: Reichlich Kohle auf den Tisch und schon funktioniert es wieder, genau wie in den USA. Unterschlagen wird geflissentlich, dass Amerika seine Banken mit den billionenschweren Hilfen nicht gerettet, sondern nur die endgültige, notwendige Lösung weit in die Zukunft verschoben hat. Die Bilanzen der zehn größten US-Banken sprechen Bände, man muss sie nur lesen. Macht aber keiner. Diese Wahrheit will niemand wissen. Außerdem: Die in dem Artikel beschriebene US-Wirtschaftserholung ist eine wahlkampfgezeugte Schimäre, sonst nichts. Sie findet in Wirklichkeit nicht statt, sonst würde beispielsweise die US-amerikanische Mittelschicht nicht unaufhaltsam erodieren. Das ist eine unumstößliche Tatsache.    


Obamas Umfragewerte auf Jahrestief
Knapp fünf Monate vor der US-Präsidentschaftswahl ist Amtsinhaber Barack Obama in einer Umfrage auf den schlechtesten Wert seit Januar gerutscht. Weiterlesen...

Kommentar: Hier liegt die Ursache für Obama’s falsches Spiel gegenüber Europa. Der amtierende Präsident steht mit dem Rücken an der Wand, hilflos, ratlos. Keines seiner Versprechen aus der vergangenen Wahl hat er durchgesetzt, viele der damaligen Wähler haben sich von ihm abgewendet. Den Friedensnobelpreis hat er als leistungslosen Vorschuss auf seine Regierungszeit erhalten, ihn bestätigt hat er nicht. Wäre Obama wirklich der "tolle Kerl" als den er sich gerne darstellt, er hätte den Preis längst zurückgegeben.    


Wolfgang Münchau: Kurz vor dem Kollaps
Muss nach Spaniens Banken bald auch Italien unter den europäischen Rettungsschirm? Die Hilfen würden bei weitem nicht reichen - der Euro-Zone droht der Kollaps. Wie würde ein Zusammenbruch ablaufen? Weiterlesen...

Kommentar: Münchau kommt wieder in vielen Dingen auf den Punkt. Interessant auch, dass er in Deutschland Prinzipienreiter entdeckt hat, wie jüngst Otmar Issing mit seinem Beitrag in der “F.A.Z.”. Dazu stellt er die richtige Frage: “Wollen wir wirklich die Fehler der Prinzipienreiter vergangener Generationen wiederholen?” Leider hört sein Artikel damit auf, statt noch zu beschrieben, wie weit diese Prinzipienreiterei in der Krise schon gediehen ist und ob es nicht schon zu spät ist noch umzukehren. Aus Angst vor der Tragweite der Antwort?


Monti redet Italien stark
Italien sei nicht mehr so „lustig“ wie früher, sagt Mario Monti. Das Land führe einen disziplinierten Haushalt und wolle im kommenden Jahr sogar Überschüsse produzieren. Hilfen aus der Euro-Zone brauche es nicht. Weiterlesen…

Kommentar: Unglaublich, wie verzweifelt Monti die italienische Situation schönredet. Der Mann ist hoffnungslos überfordert, weil völlig ratlos. Aus Europa kommt keine Hilfe, vor deren Bevormundung hat er Angst.  


„Banken abstürzen lassen“
Die baskische Wirtschaftswissenschaftlerin Miren Etezarreta über politische Verantwortlichkeit, die spanische Banken-Rettung und Alternativen. Weiterlesen …

Kommentar: Zugegeben, ein langer Artikel, aber lesen lohnt sich. Enthält viele Fakten und Erklärungen, die sich so in den deutschsprachigen Leitmedien nicht finden lassen. Aus gutem Grund. Wir überlassen es unseren LeserInnen, inwieweit sie sich von diesem Interview in ihrer Meinung beeinflussen lassen.


Portugal schaut besorgt zum Nachbarn
Die Kreditgeber sind zufrieden mit Portugal, die Aussichten gut, dass sich das Land bald selbst refinanzieren kann. Aber die Probleme in Spanien bereiten dem Nachbarn Sorgen und könnten Probleme bereiten. Weiterlesen…

Kommentar: Falsch, die spanischen Probleme werden Portugal große Probleme bereiten. Das Land ist eng verbunden mit seinem Nachbarn und steht natürlich nicht so gut da, wie rundherum behauptet wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Portugal wieder neue Hilfsgelder braucht. 


Wie Europa Spanien retten muss
Die Banken liegen am Boden und brauchen dringend Kapital. Doch die Finanzmärkte vertrauen Madrid nicht mehr. Jetzt muss Europa einspringen – oder nicht? Kann Deutschland das überhaupt noch leisten? Weiterlesen …

Kommentar: Weil es in dem Artikel um ein Pro und Contra geht, verzichten wir auf einen eigenen Kommentar. Wir hoffen nur, dass unsere LeserInnen mittlerweile die Schwächen auf beiden Seiten erkennen.   

Zinsen für spanische Anleihen erreichen Rekordhoch
Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen kletterte zwischenzeitlich auf 6,783 Prozent. Dies ist der höchste Stand seit Einführung des Euro. Weiterlesen …

Kommentar: Wieviel Stunden ist es her, dass die EU angekündigt hat den spanischen Banken mit 100 Milliarden Euro unter die Arme zugreifen? 72 Stunden! Spekulanten lassen sich eben nicht durch bloße Absichtserklärungen beruhigen.


Stéphane Hessel: „Was hat Europa schon für Griechenland getan?“
Der Autor Stéphane Hessel findet, dass sich Deutschland nicht genügend für die Rettung Griechenlands einsetzt. Die Empörung der Griechen über das deutsche „Spardiktat“ sei „leider ganz natürlich“. Weiterlesen…

Kommentar: Eine lesenwerte Meinung. Für uns nicht nachvollziehbar: Hessel hält Barack Obama für ein Vorbild. Dany Cohn-Bendit wird darüber den Kopf schütteln.  


Türkei wendet sich von Europa ab
Die Türkei wollte mal Mitglied der EU werden, aber die EU wollte sie nicht. Heute blicken Politik und Wirtschaft vom Bosporus verstärkt nach Osten – mit Erfolg. Denn dort liegen die Wachstumsmärkte des Landes. Weiterlesen…

Kommentar: Gut so. Hoffentlich vergisst die EU auch nicht, die 500 Millionen Euro Wirtschaftshilfe, die  bisher Jahr für Jahr an die Türkei geflossen sind, stattdessen nach Griechenland zu überweisen. Natürlich nicht als Bankenhilfe, sondern als Menschenhilfe, gegen Armut, Arbeitslosigkeit und Demokratieversagen.  


Der Aufstieg des Franken ruiniert Familien in Ungarn
Hunderttausende Ungarn haben Immobilienkredite in Franken aufgenommen. Weil der Kurs der Schweizer Währung drastisch stieg, stehen viele Schuldner vor dem Nichts. Weiterlesen…

Kommentar: Die Krise zieht weite Kreise. Und wieder sind es Immobilienkredite. Wem werden die betroffenen Banken diese Verluste demnächst unterschieben?   


Warum die Immobilien-Wette nicht aufgeht
Immobilien gelten Deutschen als Hort der Sicherheit. Doch die Vorstellung ist trügerisch. Die Rechnung geht für die Anleger nicht auf. Weiterlesen…

Kommentar: Alles richtig. Makler, Banken, Verkäufer profitieren. Und natürlich der Staat, wie sich in der Vergangenheit schon gezeigt hat. Unseren Beitrag dazu gibt es hier: „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“.  


Chinesen favorisieren deutsche Firmen
Für chinesische Firmen zählt Deutschland zu den attraktivsten Investmentstandorten weltweit. Weitere Übernahmen sind wahrscheinlich. Das größte Interesse gilt dabei Maschinenbau- und Autofirmen. Weiterlesen …

Kommentar: Wir finden diese Aussichten besorgniserregend. Der Industriestandort Deutschland wird ausgesaugt.


Abschliessen wollen wir den heutigen Nachrichten-Ticker mit einer Karikatur, die wir bei „economist.com“ gefunden haben, passend zum augenblicklichen politischen Zustand in Europa: 

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