Freitag, 15. Juni 2012

Standpunkt 264 - Krisendynamik


Europas Banken steht die Rute im Fenster

Der folgende Text ist in leicht gekürzter Fassung am 06.06.2012 anlässlich des „Swiss Economic Form“ (SEF) in der Verlagsbeilage (Seite 18) der „Neue Züricher Zeitung“ unter der Überschrift „Krise entwickelt Eigendynamik – Das Geschäftsmodell europäischer Banken scheint auf Sand gebaut“ erschienen (hier). Er hat an Aktualität nichts eingebüßt.


Demnächst kommt es zum Schwur. Besser, den Banken werden die Hosen runtergezogen, freiwillig tun die das nämlich nicht.

Die ganze Diskussion über den Austritt oder Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone, die schleichende Not bei Spaniens Banken, die offensichtliche Rezession in Europa als Folge der eisernen Spardiktate für die PIIGS-Staaten und die Herabstufungen durch die Ratingagenturen, (die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) machen alle eines deutlich: Die seit dem EU-Gipfel im Dezember 2011 wieder einmal für gelöst erklärte europäische Krise hält sich nicht an diese Vorgabe, sondern entwickelt sich munter weiter. Und im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen, nicht leicht zu erkennen, weil gut versteckt, die Banken.

Noch gelingt es allen Beteiligten, den Bossen der Banken, den vielen kleinen und großen, wichtigen und unwichtigen Politikern, den Technokraten in der EU, der EZB, beim IWF und der Troika, einem Gemisch von allen, sowie den die Krise managenden Politikern aus Berlin, Paris, Luxemburg, Rom und Madrid, die ganze Gemengelage als Staatsschuldenkrise erscheinen zu lassen. Damit nehmen diese Leute einen ganzen Kontinent ohne Not in Geiselhaft. Oder doch nicht?

Die „New York Times“ hat sich vor einiger Zeit damit beschäftigt, wie viel Kredite europäische Banken an die PIIGS-Staaten ausgeliehen haben und in der folgenden Grafik anschaulich dargestellt: 



Die Summe ist beachtlich, 1.807 Milliarden Euro. Und trotz der milliardenschweren Hilfspakete hat sich an diesem Volumen wenig geändert, nur an der Risikobewertung, was zu einem besseren Platz in der Bilanz führt. Das ist das Werk moderner Alchemisten in den Giftküchen der Notenbanken und der von ihnen beschützen Finanzkonzerne. Jeder noch so kleine Bankrott, geordnet oder ungeordnet, bringt dieses System sehr wahrscheinlich zum Einsturz. Das ist der gute Grund dafür, weshalb der IIF, Bankenverband der internationalen Großbanken, sich im Zusammenhang mit der intensiven politischen Diskussion über einen Euro-Austritt Griechenlands eilig zu Wort gemeldet hat und für diesen Fall von einem Weltuntergang spricht.

Dann stehen unmittelbar auch die nahezu 1.000 Milliarden Euro der EZB im Feuer, die in zwei Tranchen großzügig an die Banken, bevorzugt in Spanien, Italien, Portugal, Frankreich und Großbritannien, verteilt wurden. Wirft man dann noch einen Blick auf die Eigenkapitalausstattung der Banken, die Probleme der Banken in Dänemark, Schweden, Holland, und bewertet außerdem noch die Risiken aus den Schattenbanken, bzw. Zweckgesellschaften, was bisher wohlweislich unterblieben ist, dann kommt man nur zu einem Ergebnis: Europas Banken stehen auf tönernen Füssen, schlimmer, ihr Geschäftsmodell ist auf Sand gebaut. 

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