Sonntag, 17. Juni 2012

Standpunkt 266 - Nachrichten-Ticker, 16.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Paradox, aber wahr: Zerfall der Eurozone ist nicht finanzierbar
Ein goldener Ausstieg aus der Eurozone ist unwahrscheinlich. Weiterlesen…

Kommentar: Der Artikel hat schon einige Monate auf dem Buckel. Trotzdem ist er an Aktualität nicht zu überbieten. Besonders vor dem Hintergrund der gerade heftig grassierenden Sehnsucht nach einem griechischen Austritt aus der Euro-Zone. Deshalb stellen wir ihn unseren LeserInnen noch einmal zur Verfügung. In den deutschen Leit-, Führungs- und „BILD“-ungsmedien wird dieses Thema verdrängt.    


Argentinien, das Vorbild für Griechenland
Ob eine zweite Währung, ob Schneckenzucht als Gelderwerb für Arbeitslose – die Krisenrezepte für Griechenland haben die Argentinier vor Jahren erprobt. Weiterlesen...

Kommentar: Krisengewinner in Argentien waren damals die Reichen aus dem In- und Ausland. Auf der Strecke geblieben, ist das Volk. Das leidet heute immer noch unter den Nachwirkungen der Rezepte von IWF und Weltbank. Das Tafelsilber wurde, genauso wie es in Griechenland vorgesehen ist, als Voraussetzung für die Finanzhilfen an Konzerne aus den USA und Spanien billig verscherbelt. Die übrigen Konditionen für die internationale Hilfe waren erbärmlich für das Land, wurden aber mit erpresserischen Methoden durchgesetzt. Als Nachwirkung leidet Argentinien heute beispielsweise unter einer Inflation von über 30%.  


Juncker warnt vor “unabsehbaren Folgen”
Mit einem dramatischen Appell wendet sich Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker an die Griechen: Ein Sieg der Linksradikalen habe "unabsehbare Folgen für die Währungsunion". Derweil üben Spitzenpolitiker harsche Kritik am Krisenmanagement von Kanzlerin Angela Merkel. Weiterlesen ...

Kommentar: Jetzt auch noch Juncker. Helmut Schmidt hat den Euro-Gruppenchef einmal für einen der fähigsten Politiker Europas gehalten, wie sehr hat er sich darin getäuscht. Unverhohlen droht er den Griechen mit schwerwiegenden Konsequenzen, wenn die radikale Linke die Wahl gewinnt. Dabei hat Europa bei der Durchsetzung seiner Forderungen, selbstverschuldet, eine äußerst schwache Postition. Wer für Finanzhilfen zur Rettung seiner Banken – NICHT der griechischen Banken – von Griechenland ein Spardiktat erpresst, dessen verheerende Folgen von vorneherein absehbar sind, darf sich nicht wundern, wenn die verantwortlichen Politiker im Land bei nächster Gelegenheit abgewählt werden. Schuld an der Entwicklung sind Europas Krisenmanager, keinesfalls die Griechen. Die haben in ihrer Not, und in dem Glauben, sie bekommen tatsächlich die vielen Milliarden Euro Hilfe, alles versprochen, was EU/EZB/IWF verlangt haben. Geld gab es keins, nur neue Schulden (hier). Deshalb ist es perfide, wenn Juncker jetzt auch noch den letzten Rest an Demokratie in Griechenland unter europäisches Patronat stellen will. Mit harschen Worten sollen die griechischen Wähler auf die europäische Linie gebracht werden. 


Wildwest in Europa
Staatliche Souveränität ist ein hohes Gut. Man darf sie nicht der Krise opfern. Doch genau das droht in Europa zu geschehen. Dabei gäbe es bessere Alternativen. Weiterlesen...

Kommentar: Treffender Artikel, bis auf die Schlussfolgerung. An dieser Stelle bestätigt der Autor eindrucksvoll, dass er der Umdeutung der Bankenkrise in eine Staatsschuldenkrise offensichtlich auf den Leim gegangen ist. Insofern geht seine Alternative ins Leere. Alles, was wir bisher an bail outs erleben durften, wir müssen diese Tatsache immer und immer wieder betonen, waren Bankenhilfen. Bei Iren, Griechen, Portugiesen, ist kein Cent angekommen, allen wurde nur im Wege der Spardiktate genommen. In Spanien wird es jetzt vor aller Augen praktiziert: Die bis zu 100 Milliarden EU-Hilfe erhalten die Banken nicht direkt, sondern über den spanischen Staat, sodaß dessen Bürger, nicht die Banken, dafür haften müssen. Für Schuldner und Gläubiger eine elegante Lösung, die A-Karte haben Spaniens Bürger.   


Merkel bleibt eisern beim Spardiktat für Athen
Angela Merkel fordert von Griechenland ein klares Bekenntnis: Kurz vor der Wahl lehnt sie jegliche Änderung am Sparpaket ab. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die sich nicht an Abmachungen hielten, jeden anderen "am Nasenring durch die Manege führen". Weiterlesen...

Kommentar: Die neue Eiserne Lady, immer starke Sprüche auf den Lippen. Sie führt Europa wie einen Laborversuch im Physikunterricht. Fehlversuch fest eingeplant.   


Osborne: “Euro-Problem wird nur noch schlimmer”
Mit den Wahlen in Griechenland und steigenden Zinsen in Spanien ist laut britischem Finanzminister keine Besserung in Sicht. Weiterlesen... 

Kommentar: Im Grunde hat der Mann recht. Trotzdem sollte er sich um die im Vergleich sehr viel größeren Probleme in Großbritannien kümmern, statt sich wieder einmal als Amerikas Helferlein zu platzieren.


Im Notfall könnte Griechenland selbst Euros drucken
Viele Politiker drohen den Griechen mit dem Rauswurf aus der Währungsunion. Tatsächlich gibt es dazu keine Handhabe. Athen könnte selbst Euro-Banknoten und –Münzen herstellen. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist die Wirklichkeit. Deshalb sind wir schon darauf gespannt, wie die Merkel und ihr Gefolge den Grexit überhaupt bewerkstelligen wollen. Aushungern? Ach ja, die Zahlungen einstellen. Diese Maßnahme trifft die Banken der Geberländer, für die diese Hilfen bestimmt sind, nicht die Griechen. Oder die Auslandsvermögen konfiszieren, die, wie immer wieder vorwurfsvoll betont wurde, in den letzten Wochen und Monaten überwiegend in die Schweiz, Luxemburg und Deutschland verschoben wurden? Das trifft nur die reichen Griechen, nicht die breite Masse. Außerdem fehlt dafür noch die gesetzliche Handhabe. Ergo: Die wüsten Drohungen in Richtung Griechenland sind nichts als heiße Luft. Befriedigt aber auf jeden Fall die deutsche Öffentlichkeit und besorgt ein paar zusätzliche Beliebtheitspunkte.   


Was wäre, wenn in Griechenland...?
Am Sonntag wählen die Griechen und es kursieren die wildesten Gerüchte über die Folgen des Wahlausgangs für den Euroraum. Droht jetzt der gefürchtete „Grexit“? Bankvolkswirte haben sich Gedanken gemacht und spielen verschiedene Szenarien durch. Weiterlesen …

Kommentar: Crédit Suisse und Barclays wissen mehr. Ansonsten gilt: die Gedanken sind frei.    


Die Mär von der Überlastung Deutschlands
Kanzlerin Merkel warnt vor einer Überforderung Deutschlands in der Euro-Krise. Doch läuft das Land wirklich Gefahr, sich zu übernehmen? Schon einmal wurde der Bundesrepublik die Funktion einer globalen Konjunktur-Lokomotive aufgedrängt - gegen erheblichen innenpolitischen Widerstand, aber mit Erfolg. Weiterlesen…

Kommentar: Wieder ein empfehlenswerter Beitrag von Wolfgang Münchau. Alles richtig und verständlich geschrieben, selbst für Politiker. Mittlerweile kommen wir aber an den Punkt, wo alle gut gemeinten Ratschläge zu spät kommen, die Krise ein Stadium erreicht, ab dem sie endgültig nicht mehr zu beherrschen ist. Demnächst wird jede Lösung unbezahlbar.


Wut der Straße gegen Wut der Märkte
Ist endlich Schluss mit den Schmerzen? Vor der Wahl in Griechenland versprechen die Parteien den Bürgern Linderung vom Sparkurs. Die Geldgeber blicken mit Argwohn auf Athen und fürchten einen Triumph des Populismus, der Märkte und Euro-Zone in größte Schwierigkeiten bringen könnte. Ein Überblick über Parteien, Konflikte und mögliche Szenarien. Weiterlesen…

Kommentar: Alleine in der Überschrift steckt schon eine kapitale Fehldeutung: Märkte fehlen, es dominieren die Spekulanten. Solange diese Einsicht fehlt, wird es kein Krisenende geben. Gegen Spekulation ist per se kein Kraut gewachsen, es sei denn, die Politiker packen die grobe Keule aus und gehen brachial dazwischen. Rücksicht ist völlig unangebracht, die Spekulanten nehmen auch keine. Es wird Zeit, sich mit den Spekulationen eines George Soros gegen das englische Pfund oder den thailändischen Baht zu beschäftigen. Das sind lehrreiche Beispiele für die Macht der Spekulanten und die Hoffnungslosigkeit von Politik und Notenbanken.


In Rom ist Rettung kein Tabu mehr
Trotz der Beteuerungen der Regierung prüft das italienische Finanzministerium bereits mit den Vertretern der Troika die Modalitäten einer Rettung. Angestrebt sei eine „Light-Lösung“, die es nicht erlaubt, die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums mit Griechenland zu vergleichen. Weiterlesen…

Kommentar: Die Angst geht um in Europa. Jetzt soll für Italien, ähnlich wie bei Spanien, eine „Light-Lösung“ her. Wird nicht funktionieren, die Spekulanten hauen sich höchstens vor Freude auf die Schenkel. Weiter geht die wilde Fahrt gegen den Euro. Es wird spekuliert auf Teufel komm’ raus.

Was muss noch alles passieren, bis Europa das Richtige tut, seine Banken verstaatlicht, die wertlosen liquidiert, den kleinen Rest restrukturiert, den Eurokurs fixiert, die Finanzmärkte reguliert, zukünftig ernsthaft kontrolliert, die Wirtschaft in den schwachen Ländern mit einem „Master-Marshallplan“ subventioniert, den Konsum überall stimuliert, bei dieser Gelegenheit Osteuropa saniert, den IWF hinauskomplementiert, die Spekulation damit exekutiert? Solange es auf diese Frage keine Antwort gibt, wird die Krise in Europa nicht beendet.


„Anleger missbrauchen uns als Schrottplatz“
Ifo-Chef Hans Werner Sinn fordert, dass Griechenland schnellstmöglich zur Drachme zurückkehrt. Die Risiken für Deutschland seien sonst unkalkulierbar – und der Euro in allergrößter Gefahr. Weiterlesen…

Kommentar: Hoffentlich erleben wir den Tag, an dem man Hans Werner Sinn für seinen Unsinn zur Verantwortung zieht, mit Schimpf und Schande aus Deutschland jagt, am besten auf eine einsame Insel schickt, auf der er seine Lehren praktizieren kann, ohne Unheil zu stiften. Der Mann wird in Deutschland gefeiert für seine populistischen, erzkonservativen, akademischen Thesen, für die er regelmäßig die Fakten schuldig bleibt und vorgibt, die Interessen Deutschlands zu vertreten. Der Mann ist ein Demagoge.

Deshalb schließen wir den heutigen Nachrichten-Ticker mit einem besonders treffenden Zitat ab:

"Der Akademikergeist neigt immer dazu, an einmal aufgenommenen Meinungen festzuhalten und sich dabei als Hüter der Wahrheit vorzukommen." - Claude Henri Saint-Simon, Graf de Rouvroy