Mittwoch, 20. Juni 2012

Standpunkt 272 - Nachrichten-Ticker, 19.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Der Niedergang von Moral und Verstand bei unseren Meinungsführern ist beeindruckend
(nachDenkSeiten.de) Die Beobachtung betrifft das heute-journal von gestern mit Belegen grenzenloser Überheblichkeit und Dummheit und den Presseclub vom Sonntag mit offen präsentiertem Egoismus. Weiterlesen…

Kommentar: Diesen Artikel haben wir bewusst an den Anfang der heutigen Ausgabe gestellt. Er gibt unseren LeserInnen die Gelegenheit, die folgenden Beiträge zur Krise in Europa vielleicht mit anderen Augen zu lesen.     


Fekter: Griechenland-Programm wird “pragmatisch angepasst”
(wirtschaftsblatt.at) Griechenland könne zwar nicht mit Geschenken rechnen, die Grundzüge des Programms “werden Flexibilität zeigen können”, sagt Finanzministerin Maria Fekter. Weiterlesen ...

Kommentar: Ein Dankeschön für das griechische Wahlergebnis. Offensichtlich aber nicht mit Berlin abgesprochen, von dort, bzw. vom G-20-Gipfel, kommen jedenfalls von der deutschen Kanzlerin andere Töne.  


Juncker will den Griechen mehr Zeit gönnen
(wirtschaftsblatt.at) Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat seine Forderung bekräftigt, das Griechenland verordnete Reformprogramm zeitlich zu strecken. Weiterlesen...

Kommentar: Scheinbar sind sich wenigstens Österreich und Luxemburg einig. Bleibt abzuwarten, wer sich durchsetzt. Ohne Berlin geht da nichts.  


Politischer Neustart mit alter Besetzung?
Der konservative Wahlsieger Antonis Samaras könnte jetzt eine Koalition für das Spar-Memorandum bilden. Griechenland hat dann eine Zukunft, glaubt die Athener Tageszeitung Kathimerini, zumindest wenn Politiker eine bisher zu vernachlässigte Tugend an den Tag legen: Verantwortungsbewusstsein. Weiterlesen...

Kommentar: Ein Artikel nach dem Prinzip Hoffnung. Eine große Gefahr: Die Spekulanten geben der neuen Regierung keine Zeit, um an dem EU-Spardiktat Nachbesserungen zu erreichen. Wir glauben eher daran, dass der Druck auf Griechenland, und damit der Druck auf Spanien und Italien, einfach weiter erhöht wird. In dem Spiel gegen Europa spielt Griechenland letztlich nur eine untergeordnete Rolle, die großen Schlachten werden andernorts geschlagen.  


Chefinvestor der Deutschen Bank prophezeit Euro-Crash
(spiegel.de) Griechenland hat pro-europäisch gewählt, doch viele Investoren geben das Land bereits auf. Ein ranghoher Anlagemanager der Deutschen Bank setzt auf einen schnellen Austritt Athens aus der Währungsunion - und hält ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für "sehr wahrscheinlich". Weiterlesen...

Kommentar: Welche Investoren? Die sind schon lange weg. Spekulanten verrichten in Griechenland ihr Werk. Denen würde ein Grexit, mit Blick auf den Kampf gegen den Euro, gut in den Kram passen. Es ist sträflicher Leichtsinn einen Austritt Griechenlands als “verkraftbar” zu beschreiben, wie es der BGA-Präsident tut. Das Problem wäre bei einem Grexit nicht ein griechischer Banken-Run, sondern die folgende mörderische Spekulation gegen Spanien, Italien, Portugal, Frankreich.


Soll Griechenland mehr Zeit bekommen?
(spiegel.de) Griechenland hat gewählt - aus EU-Sicht sogar die richtige Partei. Müssen die Euro-Partner dem krisengeplagten Land jetzt bei den Sparbeschlüssen entgegenkommen? Verdient das Land eine Atempause? Ein Pro und Contra führender Ökonomen. Weiterlesen...

Kommentar: Wir können Bofingers Gründe nachvollziehen, nur spielt diese Frage im Zusammenhang mit der Krise in Europa überhaupt keine Rolle. Egal was die EU sich noch zu Griechenland einfallen lässt, das Land ist am Ende. Zerstört von den Freunden aus Europa (Standpunkt 177, “Europa zertrümmert Griechenland”, 23.02.2012, hier).   


Kein Geld für Griechenland ohne neues Abkommen
(wirtschaftsblatt.at) Nach der Wahl in Griechenland wartet die Eurogruppe nun auf die Regierungsbildung, die wohl relativ rasch erfolgen dürfte, sagte Thomas Wieser, als "Präsident der Arbeitsgruppe der Eurozone" ranghöchster Beamter der Eurozone, am Montagabend an Rande eines Vortrags in Wien. Es werde aber jedenfalls kein Geld freigegeben, bevor eine neue Überprüfung durch die Troika stattgefunden hat und das Ergebnis mit der griechischen Regierung akkordiert ist (memorandum of understanding). Weiterlesen…

Kommentar: Die neue griechische Regierung hat viel zu tun, um die Wahlversprechen gegenüber dem eigenen Volk wenigstens teilweise in die Tat umzusetzen. Spekulanten und Europa werden es ihr  nicht leicht machen.


Mehr Zeit für Athen – sonst nichts!
(handelsblatt.com) Die neu gewählte griechische Regierung muss handeln – ansonsten lässt der IWF die Euro-Zone am Ende mit dem Krisenland allein. Schon jetzt ist klar: Mehr als einen Aufschub wird es für die Hellenen nicht geben. Weiterlesen…

Kommentar: Wieso schreibt die Journaille immer noch so einen Nonsens zusammen? Griechenland liegt schon längst im Staub, das Spardiktat hat sich als kontraproduktiv erwiesen, trotzdem soll der Druck auf Griechenland aufrechterhalten werden. Angeblich, weil sonst der IWF aussteigt. Na und? Keine schlechte Entwicklung. Der IWF hat noch nie in seiner Geschichte einen guten Job gemacht, sondern immer nur US-amerikanische Interessen vertreten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.


Geldspritzen wofür?
(handelsblatt.com) Griechenland hat bisher zig Milliarden Euro frisches Geld vom Ausland bekommen. In der Wirtschaft ist dort davon nichts angekommen. Darüber muss verhandelt werden. Weiterlesen…

Kommentar: Wir halten den Autor, immerhin für mehrere Jahre Chef der Dresdner Bank, nicht für so naiv, dass er nicht die Wahrheit hinter den Hilfszahlungen an Griechenland kennt. Die Milliarden dienten ausschließlich den Banken, niemand sonst. Bitte hier nachlesen. Deshalb soll ein vergleichsweise mickriges Wachstumspaket aufgelegt werden, hinter dem dieses Manko versteckt werden soll.  


Finanzmärkte strafen Spanien mit Rekordzinsen
(spiegel.de) Der Druck auf Spanien wird von Tag zu Tag größer. Bei einer Anleihenauktion musste das Land für kurzfristige Kredite mehr als fünf Prozent Zinsen zahlen. Das geplante Hilfspaket für die Banken kann die Investoren nicht beruhigen. Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt geht erst einmal Spanien verloren.  


Mexican Yields Drop to Record as Spain’s Borrowing Costs Soar
(Bloomberg.com) Mexican bond yields fell to a record low as investors sought refuge for their money outside of Europe after Spain’s borrowing costs rose to a euro-era high. Weiterlesen…

Kommentar: Soweit ist es mit Spanien gekommen. Im internationalen Vergleich schon auf Ramsch-Niveau. Statt dass Europa Schlimmeres verhindert, wird der Niedergang mit ungeeigneten Maßnahmen noch beschleunigt.


Spanien rückt wieder ins Zentrum der Finanzkrise
(wirtschaftsblatt.at) Die Schlinge zieht sich allmählich zu. Die Lage der spanischen Staatsfinanzen wird von Tag zu Tag bedrohlicher. Es wächst die Gefahr, dass die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone zur Abwendung eines Staatsbankrotts die EU und deren Rettungsfonds um Hilfe bitten muss. Die Zinsen und Risikoaufschläge, die der spanische Staat für seine Anleihen bieten muss, sind auf ein Rekordniveau gestiegen. Mit Renditen von über sieben Prozent bei den Zehn-Jahres-Papieren sind sie nicht mehr weit entfernt vom Zinsniveau, das Griechenland, Portugal und Irland zur Flucht unter den EU-Rettungsschirm gezwungen hatte. Weiterlesen…

Kommentar: Der Artikel rundet die heutigen Nachrichten zu Spanien ab.


Europa verbittet sich US-Krisenbelehrung
(derstandard.at) Europa und der Rest der Welt schieben sich gegenseitig die Schuld an der Finanzkrise in die Schuhe, insgesamt wollen die G-20 zur Ankurbelung der Weltwirtschaft aber an einem Strang ziehen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein wirklich geschickter Schachzug der G20. Alle 20, die da am Tisch sitzen, haben mehr oder weniger ihr Scherflein zur Krise beigetragen. Die Berichterstattung über den Gipfel spricht Bände: „G20 streiten über Euro-Rettung“ (hier), „Das war vollkommen undiplomatisch“ (hier) oder „Europa bleibt auf sich allein gestellt“ (hier). Vermittelt einen guten Eindruck von der Nutzlosigkeit dieses Treffens: Außer Spesen nichts gewesen.


„Halte USA für größeres Sorgenkind als Europa“
(derstandard.at) Martin Wittig, Chef von Roland Berger, sieht in den USA das größte Risiko. In Griechenland oder Spanien würde er dennoch nicht investieren. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Interview mit einem gewissen Charme. Leider besteht der in Griechenland oder Spanien ausgemachte Reformstau aber auch nur aus den üblichen Zutaten.


„Die Schuldenkrise stammt doch aus den USA“
(focus.de) Angela Merkel steht unter Beschuss. Die G-20-Staaten ätzen gegen Deutschland und das Krisenmanagement in Europa. Doch die Kanzlerin lässt sich das nicht bieten. Rückendeckung erhält sie von EU-Kommissionspräsident Barroso, der die Kritiker harsch in die Schranken weist. Weiterlesen…

Kommentar: Aber leider setzt sich Europa nicht mit den richtigen Mitteln zur Wehr. Ohne Not betreibt Europa eine Verschärfung der Krise.


Die Agenda des Salzwasserökonomen
(nachDenkSeiten.de) Mit seinem Buch „Vergesst die Krise! Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen“ liefert der US-Ökonom Paul Krugman einen wortmächtigen Gegenentwurf zur Ideologie des „Kaputtsparens“. Er versteht es einmal mehr, mit einfachen Worten und Metaphern volkswirtschaftliche Zusammenhänge so darzustellen, dass sie auch von Lesern ohne große Vorkenntnisse verstanden werden können. Weiterlesen…

Kommentar: Paul Krugman ist in Deutschland nicht sonderlich gut gelitten, er gilt als Vertreter der nachfrageorientierten Ökonomie des John Maynard Keynes. Gerade deshalb verdient Krugman hierzulande eine Chance. Es lohnt sich.


Vergesst den Vergleich mit 1931
(ftd.de) Der in der Euro-Krise bemühte Verweis auf die Bankenkrise vor 80 Jahren führt in die Irre. Die einzige Lehre daraus: zurück zur sozialen Marktwirtschaft und der Regulierung der Märkte. Weiterlesen…

Kommentar: Ein erfrischender Beitrag zur Diskussion rund um die europäische Krise. Nennt Ross und Reiter. Pflichtlektüre.   


Ablassjahr nach biblischem Vorbild ist fällig
(derstandard.at) Wer Schulden hat, muss sie zurückzahlen. Muss das so sein? Nein, sagt David Graeber. Er erzählt die Geschichte der Schulden als Geschichte der Unterdrückung. Weiterlesen…

Kommentar: Was Graeber meint ist nicht neu. Er beschreibt es aber auf so verständliche Weise, dass selbst „Ungebildete“ damit bestens klar kommen. Schon Kurt Tucholsky wusste: „Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen.“


„Die Deutschen sollten besorgter sein als andere“
(zeit.de) Die Weltwirtschaft könnte ähnlich stark abrutschen wie in den dreißiger Jahren, warnt der Ökonom Barry Eichengreen im Interview. Deutschland müsse sich schneller bewegen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein aufschlussreiches Interview eines unserer „Lieblingsökonomen“. Lenkt den Blick auf das Wesentliche. Obwohl er es dabei mit der Kanzlerin einfach zu gut meint.


Konjunkturerwartungen sinken so stark wie seit 14 Jahren nicht mehr
(spiegel.de) Die Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend. Weiterlesen…

Ergänzung: Grafisch aufbereitet gibt es das Ganze hier: „Deutschland: ZEW-Index schmiert kräftig ab“. Unmissverständlich.


Großbritannien vor der „Rein oder raus“-Frage
(handelsblatt.com) Die Krise im Euro-Raum hat in Großbritannien die Reihen der Euro-Skeptiker permanent erweitert. Die Forderungen nach einem EU-Referendum werden immer lauter. Und es wird kommen – die Frage ist nur wann. Weiterlesen…

Kommentar: Warum nicht gleich? Die Engländer haben sich in der Europäischen Gemeinschaft nie wohlgefühlt. Zeit, sich zu trennen. Eine nette Formulierung: „Die Auswirkungen der Krise auf der Insel sind immens (…).“ Welche Krise ist gemeint? Die europäische? Die Finanzkrise aus 2008, die von den USA auf die Reise um die Welt geschickt wurde? Englands Krise ist vor allen Dingen eins, hausgemacht. Cameron und sein Finanzminister, Osborne, sehen ihr Land auf dem richtigen Weg aus der Krise. Als Gegenleistung fällt der Lebensstandard der Briten zurück in die 1920er Jahre, so die Bank of England in einer Untersuchung. Tatsächlich ist Großbritannien längst schon pleite, bleibt zahlungsfähig nur durch die Druckerpressen der Notenbank.


Hedge-Fonds-Chef treibt Lloyds in die Enge
(ftd.de) Chris Hohn bringt mit seinem Hedge-Fonds TCI auch mal ganze Konzerne zu Fall. Sein neuestes Ziel ist die britische teilverstaatlichte Bank Lloyds. Weiterlesen…

Kommentar: Lesen, staunen. Es geht um die No. 3 der Banken in Großbritannien, die von der letzten EZB-Liquiditäts-Pulle noch einmal einen großen Schluck genommen hat.


Großbritannien: Finanzlobby stoppt Bankenreform
(sueddeutsche.de) Angesichts der desaströsen Erfahrungen der Finanzkrise wäre eine Reform dringend notwendig gewesen. Doch die britische Regierung scheitert an der Neuordnung des Bankensektors und kommt stattdessen der Finanzlobby in zwei entscheidenden Punkten entgegen. Weiterlesen…

Kommentar: „Drastische Reformvorschläge für britische Banken“ (wiwo.de) sollten es werden (hier). Die sind vom Tisch. Cameron ist kläglich gescheitert. Die Macht der „City of London“ ist einfach zu groß. Schliesslich hängt Großbritannien am Tropf der Finanzkonzerne. Weiter geht die wilde Hatz.


„Ich warte auf das Platzen der Immoblase“
(wirtschaftsblatt.at) Stephan Hirsch, Vorstand der Athos Immobilien AG, will Objekte in Salzburg und Wien kaufen, sobald die Preise fallen. Weiterlesen…

Kommentar: Es geht um Österreich, wo die Preise schon so hoch sind, dass Käufe wirtschaftlich nicht vertretbar und vielmehr mit dem Platzen der Immobilienblase zu rechnen ist. Spätestens dann stehen die österreichischen Banken vor neuen Problemen, dann im eigenen Land.  


Anleger setzen weiter auf Gold
(manager-magazin.de) Seit Monaten sinkt der Goldpreis. Anleger haben das Interesse an dem Edelmetall jedoch nicht verloren, wie aktuelle Umfragen zeigen. Viele erwarten einen Wiederanstieg des Preises in den kommenden Monaten. Weiterlesen…

Kommentar: Auf was sonst? Eine nur logische Folge der Entwicklung in Europa. Interessant nur, dass die deutschen Leitmedien vor wenigen Wochen Gold als Krisensicherung verdammten und einen weiteren Kursrückgang prophezeit hatten. Wenige Tage danach zog der Goldpreis enorm an. Wir empfehlen, es mit J.P. Morgan zu halten, der schon 1912 erklärte: Gold and silver are money. Everything else is credit.“ Gegen Gold spricht nur, dass dessen Besitz irgendwann kriminalisiert werden kann, d. h. durch ein entsprechendes Gesetz verboten wird. Mit diesem Problem haben wir uns bereits im Zusammenhang mit dem Thema „Enteignung“ beschäftigt. Bitte hier nachlesen. Alternativ empfehlen wir deshalb Silber, das „Gold des kleinen Mannes“. Österreichische, französische, schweizerische und deutsche Silbermünzen kommen in Frage, die irgendwann als Zahlungsmittel im Umlauf waren.  

Den heutigen Nachrichten-Ticker schließen wir mit einer Karikatur ab, die ganz wunderbar zu der aktuellen Situation in europäischen Krisenstaaten passt: