Donnerstag, 21. Juni 2012

Standpunkt 274 - Nachrichten-Ticker, 20.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Traut nicht den Jungs aus New York und London
(derStandard.at) Europa, ein Hort der Stabilität, Spanien, zu Unrecht abgestraft, Athen kein Abschusskandidat: Folker Hellmeyer lässt sich Europa nicht schlechtreden. Weiterlesen …

Kommentar: Ein Interview, das wir jedem ans Herz legen, der sich noch ein gewisses Maß an Objektivität bewahren konnte, trotz des Trommelfeuers in den Medien gegen den Euro. Hellmeyer bietet Fakten, wo andere sich mit Behauptungen behelfen. „Jetzt sei es für Europa an der Zeit, den Finanzmärkten – die ganze Reformprozesse und die konjunkturelle Erholung in den Ländern stören – Paroli zu bieten“, erklärt richtig Folker Hellmeyer. "Es kann nicht sein, dass sich Märkte über Fakten so nachhaltig hinwegsetzen, dass mit ganzen Volkswirtschaften und ganzen politischen Systemen gezockt wird." Er formuliert hier beschönigend "Märkte", gemeint sind Spekulanten. Es müssen per Regulierung funktionierende Finanzmärkte überhaupt erst wieder installiert werden. Heute haben wir nur noch Spekulationsmärkte, völlig unreguliert wird alles erlaubt. Das muss sofort beendet werden. Ein äußerst schmerzhafter Prozess, für alle Beteiligten, allen voran Finanzwirtschaft und Politik.      


In der Krise zeigen sich die wahren Neoliberalen
(heise.de/telepolis) Während amerikanische und britische Politiker in der Wirtschaftskrise versuchten, keynesianische Wirtschaftstheorien anzuwenden, hielten deutsche Politiker fast ausnahmslos am neoliberalen Wirtschaftsmodell fest. Weiterlesen ...

Kommentar: Sehr aufschlussreich, zu welchen Ergebnissen die Studie kommt. Diese Anhänger der neoliberalen Schule vergessen offensichtlich, dass sich die deutschen Ökonomen in der Vergangenheit bei der Lösung diverser Krisen nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, d. h. immer genau mit den falschen Maßnahmen erfolglos diese Krisen bekämpften.  


Auf dem Weg in Dantes Hölle
(spiegel.de) Sollten wir in der Euro-Krise statt auf einen Schrecken ohne Ende auf ein Ende mit Schrecken setzen? Niemals! Das wäre ruinös, gerade für Deutschland. Doch mit ihrer Politik führt uns Kanzlerin Merkel genau dorthin – schnurgerade in Dantes Hölle. Weiterlesen...

Kommentar: Schon wieder schreibt Wolfgang Münchau viele richtige Dinge. Nur bei seinen Schlussfolgerungen liegt er knapp daneben. Was wir damit meinen ist Folgendes: Erst muss die Bankenkrise gelöst werden. Danach müssen die Bankenhilfen, dazu gehören die Rettungspakete an Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, die nämlich nur verkappte Bankenhilfen waren, wieder aus den Staatsschulden herausgerechnet werden. Sie werden über einen Sonderfonds abgebaut, indem von den betroffenen Banken entsprechendes Vermögen an den Fonds übertragen wird. Banken, die kein übertragbares Vermögen mehr haben, werden geschlossen, werthaltige Geschäfte auf andere Banken übertragen, gerne nach dem US-amerikanischen Muster. Bleibt es bei der 60%igen Grenze für die Staatsschulden, dann müssen nur noch die darüberliegenden Teile vergemeinschaftet werden, z. B. durch Euro-Bonds. Inwieweit die EZB überhaupt bei dieser Neuordnung eine tragende Rolle spielen muss, bleibt offen.


Zurück ins demokratische Mittelalter
(presseurop.eu/telegraph.co.uk) Die verheerenden Auswirkungen der Sparpolitik auf die griechische Bevölkerung sind eine Warnung, dass die Geschichte kein endloser Steigflug zu Fortschritt und Erleuchtung ist. Zivilisationen können auch zusammenbrechen, warnt Boris Johnson. Weiterlesen...

Kommentar: Unbedingt lesen. Ein guter Artikel. Die Schlussfolgerung einer Zweiteilung Europas ist aber unnötig. Knacken wir die Bankenkrise, dann knacken wir auch die europäische Krise. Danach werden die Menschen in Europa auch mit einer Fortentwicklung der politischen und wirtschaftlichen Union einverstanden sein. Davon sind wir überzeugt. Die Politik würde sich nämlich den dafür nötigen Respekt verschaffen, wenn sie die Banken an die Kandare nimmt, statt die Demokratie marktkonform zu gestalten, wie es die deutsche Kanzlerin anstrebt.   


Endzeitstimmung
(zeit.de) Hier kommt eine Insider-Information: Ich habe vor ein paar Wochen von einem Gespräch unter Mitgliedern des Bundeskabinetts gehört, in dem es darum ging, dass es den Euro in zwei Jahren nicht mehr geben werde. Ich weiß nicht, ob der Bericht korrekt war, aber mehr und mehr ist das auch mein Basisszenario. Weiterlesen...

Kommentar: Rabenschwarze Aussichten, die Mark Schieritz beschreibt. Sollte er Recht behalten, dann ist die Politik endgültig eingeknickt vor der Finanzwirtschaft. Merkel hätte sich mit ihrer Forderung nach marktkonformer Demokratie durchgesetzt. Europa zerfiele in Kleinstaatlichkeit, Deutschland verliert Wirtschaftskraft, Macht und Einfluss. Innerhalb Europas genauso wie in der Welt. Eine vermeintliche Freundschaft zu China, falls so etwas überhaupt möglich ist, ändert daran nichts.  


G-20 Gipfel endet ohne gemeinsame Europa-Strategie
(wirtschaftsblatt.at) Das Treffen der G-20 Staaten bringt Europa nicht weiter. Ein Aktionsplan soll Wachstum und Jobs bringen. Weiterlesen...

Kommentar: Wo, bitte sehr, soll die herkommen? Europa hat ja selbst keine. Weiteres schenken wir uns und verweisen stattdessen einfach auf einen anderen Artikel mit der passenden Überschrift “Schwächster Gipfel aller Zeiten” (hier) bei “sueddeutsche.de”.    


In Los Cabos scheitert die Weltregierung
(sueddeutsche.de) Die Euro-Krise hat für die Weltwirtschaft großes zerstörerisches Potenzial, doch beim G-20-Gipfel wird sie zum Problemchen herabgedimmt. Das hat einen einfachen Grund: Weil alle Staaten jede Menge Dreck am Stecken haben, schafft es der eine Sünder stets, dem anderen eine nur milde Rüge der eigenen Missetat abzuringen. Weiterlesen…

Kommentar: Nur der Ordnung halber: Nicht nur die Euro-Krise hat zerstörerisches Potential, da wären noch die Probleme in den USA und China, oder Indien, Russland, Australien. Ansonsten: Die G-20-Gipfel sind Kaffeekränzchen, sonst nichts.  


Griechenland braucht Solidarität
(sueddeutsche.de) Griechenland ist das schwächste Glied der Euro-Kette. Was dem Land in der momentanen Krise jetzt noch helfen kann, ist ein „Re-start“ der Wirtschaft und des Verwaltungsapparats auf allen Gebieten. Dabei darf das griechische Volk nicht zum Laborkaninchen der Finanzmärkte werden – es muss sich selbst von abenteuerlichem Linkspopulismus abwenden. Weiterlesen…

Kommentar: Wo war der Autor die letzten Monate? Scheinbar hat er von der Wirklichkeit nichts mitbekommen. Griechenland ist schon längst das Laborkaninchen der Spekulanten und, viel schlimmer, seiner europäischen Freunde. Nur darin ist Europa solidarisch. Griechenland soll abgewickelt werden, oder sich auf noch strammere Spardiktate einlassen. Die öffentliche Meinung in Deutschland zeigt die Grafik am Ende.  


Hedgefonds-Elite wettet gegen Deutschland
(sueddeutsche.de) Die Krise spitzt sich zu: Renditen in Spanien steigen, Griechenland hat noch keine Regierung. An den Finanzmärkten mehren sich Zweifel, dass Deutschland den Kontinent noch zusammenhalten kann. Das hat Konsequenzen für den Bundeshaushalt. Weiterlesen…

Kommentar: Geht doch. Wir haben diese Entwicklung schon seit Monaten erwartet und unsere LeserInnen informiert. Das Triple-A fällt auch noch.



Zeit des superbilligen Geldes ist vorbei
(spiegel.de) Das Bollwerk der Euro-Zone wird brüchig: Zahlreiche Anlageprofis rechnen mit steigenden Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Sie fürchten teure Hilfsaktionen, die die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik belasten. Die Zeit des superbilligen Schuldenmachens in Deutschland neigt sich dem Ende. Weiterlesen…

Kommentar: Das wird der Eisernen Lady und ihrem Finanzminister nicht gefallen. Diese Entwicklung kann nicht verwundern, wenn man sich das dilettantische Krisenmanagement ansieht.  


Hilfe, die Welt überfordert Deutschland!
(focus.de) Die Deutschen sollen die Eurokrise lösen – und ihre Nachbarn finanziell retten. Das fordern inzwischen fast alle. Doch Vorsicht: Wer uns isoliert und auspresst, riskiert politischen Extremismus – nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa. Weiterlesen…

Kommentar: Was hier angeprangert wird, gibt es so schlicht nicht. Großflächige Radikalisierung wird einsetzen – wenn herauskommt, dass mit den Milliarden nicht die Staaten, sondern die europäischen Großbanken gerettet wurden, bzw. immer noch werden. Bei den Iren, Griechen, Portugiesen, ist nichts angekommen, bei den Spaniern, Italienern, usw., wird ebenfalls nichts ankommen. Selbst die Wirtschaft kuckt in die Röhre.  


Chinesen werfen ihre Shoppingmaschine an
(wirtschaftsblatt.at) China wächst langsamer – das war lange unvorstellbar. Die Umstellung des Wirtschaftsmodells ist eine Chance, ein Überhitzen zu vermeiden, sagen Experten. Weiterlesen…

Kommentar: Wir haben es gewusst, China äfft auch nur Amerika nach. Das kapitalistische Rad ist halt schon erfunden, da kann nichts Neues mehr kommen.

Zum Abschluss eine Grafik über die aktuelle öffentliche Meinung in Deutschland zu möglichen Nacherhandlungen mit Griechenland: 

                           © Forschungsgruppe Wahlen, 2012