Freitag, 22. Juni 2012

Standpunkt 277 - Nachrichten-Ticker, 21.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Peer Steinbrück: “Jedes Land ist für seine Banken selbst verantwortlich”
(focus.de) Von der Idee einer europäischen Bankenunion hält Peer Steinbrück nicht viel. Er will mehr Kontrolle über die großen Geldhäuser. Eine Haftung der deutschen Steuerzahler und Sparer für das Missmanagement ausländischer Banken lehnt der ehemalige SPD-Finanzminister ab. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine Aussage. Gnade uns Gott, wenn Deutschland für seine Banken selbst verantwortlich sein soll. Ein Blick in die Deutsche Bank-Bilanz hätte ihm Klarheit verschafft. Unsere LeserInnen haben wir mit dem Standpunkt No. 198, „Deutschland, der ‚Vampirkrake’ Europas“ (hier) die Problematik geschildert. Kurzfristig erscheint im Blog ein neuer Beitrag zum Thema. Als angehender Kanzlerkandidat-Kandidat der SPD sollte man besser informiert sein, Herr Steinbrück.        


“Niemand mit allen Tassen im Schrank will in die EU”
(welt.de) Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer glaubt, dass Europa seinen Höhepunkt überschritten habe. Die beste Volkswirtschaft der Welt sei die Schweiz. Das Land eigne sich als Zukunftsmodell. Weiterlesen ...

Kommentar: Noch so ein Witzbold. Außerdem dumm und arrogant. Auch diesem Politiker empfehlen wir einen Blick in die Bilanzen der Crédit Suisse und der UBS. Wenn er was davon versteht, dann muss ihm ganz schnell “Hören und Sehen” vergehen. Die beiden Banken halten zusammen über 100 Billionen USD vom weltweiten Derivatevolumen von knapp 700 Billionen USD in 2011 (BIZ). Die Schweizer Wirtschaftleistung betrug im vergangenen Jahr 665,898 Mrd. USD (Quelle: Wikipedia, 17.05.2012). Vor diesem Hintergrund ist es lächerlich, das Schweizer Modell für irgendetwas zu loben. Nicht vergessen: Die US-Finanzbehörde ist mit der Schweiz auch noch nicht fertig. Für uns ist heute schon sicher: Irgendwann steht die Schweiz vor der Frage eines Beitritts zur Euro-Zone, wahrscheinlich sogar zur EU, um eine Pleite zu verhindern. Zugegeben, klingt abenteuerlich, aber warten wir es ab.


“Banken drucken Staaten bedenkenlos Geld”
(derStandard.at) Die Zentralbank soll wieder die Macht über die Notenpressen erlangen, sagt Wirtschaftssoziologe Joseph Huber. Um die Schuldenkrise zu lösen, sollen die Banken aufhören, Geld aus dem Nichts zu schaffen, und die Zentralbank solle wieder die volle Kontrolle erlangen. Das Guthaben auf Girokonten sollte durch sogenanntes Vollgeld ersetzt werden, das vollständig gedeckt ist. Außerdem sollte der Gewinn aus der Geldschöpfung wieder komplett dem Staat zufließen, sagt der Wirtschaftssoziologe Joseph Huber im Gespräch mit derStandard.at. Weiterlesen...

Kommentar: Was für die Allgemeinbildung. Ein guter Ansatz. Steht vollkommen den Interessen der Banken entgegen. Deshalb werden sich die diversen Notenbanken als deren Interessenwahrer kaum dafür stark machen.


“Grexit führt zu humanitärer Katastrophe”
(derStandard.at) Das Horrorszenario eines Euro-Austritts Griechenlands ist ausgeblieben – noch. Denn die neue Regierung wird die Krise nicht lösen, meint der Chef der deutschen Linken, Bernd Riexinger. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Dieses Interview unbedingt lesen. Es wird kaum einen Weg in die deutschen Leitmedien finden. Die Fakten stimmen. Die Grafik zum Artikel gibt es gleich dazu: 


   © derStandard.at, 2012 


Wo geht’s hier bitte raus aus der Krise?
(derStandard.at) Der Soziologe Sighard Neckel bescheinigt der Politik Hilflosigkeit, die Finanzmärkte geben immer noch den Takt und den Weg an. Weiterlesen...

Kommentar: Diesen Artikel schieben wir heute ein. Er ist bereits älter, wurde schon am 18.11.2011 veröffentlicht. An Aktualität hat er nichts verloren, mit Blick auf den G-20-Gipfel eher im Gegenteil. Wer dem Mainstream nicht mehr uneingeschränkt glauben will, der ist bereit für dieses Interview.  


Bernanke nimmt Europa in die Pflicht
(spiegel.de) Die Euro-Krise zieht auch die Vereinigten Staaten in Mitleidenschaft. "Die europäische Situation bremst das US-Wirtschaftswachstum", klagt der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke. Sein Appell: Die Europäer müssten sich dringend zusammenraufen.. Weiterlesen...

Kommentar: Ein geschickter Schachzug, um den Druck auf den Euro wieder ein bisschen zu erhöhen. Ratlosigkeit auch hinter dem Großen Teich. Aber Barack Obama will um jeden Preis wieder gewählt werden. Das beschönigen der heimischen Statistiken reicht da nicht mehr aus. Außerdem ist das eigene Krisenmanagement mangelhaft. Jetzt wird eben wieder in Richtung Europa geschossen. Als nächstes werden sich die Ratingagenturen wieder zu Wort melden.     


Deutsche Wirtschaft sinkt ins Stimmungstief
(manager-magazin.de) Die Euro-Krise frisst sich durch Europa: Deutschlands Wirtschaft, bisher der Fels, auf den sich Europa stützte, gerät zunehmend unter Druck. Im Juni ist die Stimmung unter den hiesigen Einkaufsmanagern so eingebrochen, wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt haben wir den Salat, Deutschlands Wirtschaft ist nicht die versprochene Insel der Glückseligkeit. Was nun, eine Sparorgie für Deutschland? Oder endlich die richtigen Maßnahmen für Europa?  Prof. Sinn und Konsorten werden sich was einfallen lassen. Die Schuldigen sind natürlich schon längst ausgemacht, die europäischen Südstaaten. Eine Fehldiagnose, finden wir.   


Ökonomen senken Daumen über Italien
(ftd.de) Italien stürzt immer tiefer in die Rezession: Volkswirte erwarten 2012 eine Schrumpfung von mehr als zwei Prozent. Deutlich wird der Einbruch der Wirtschaft auf dem Immobilienmarkt. Weiterlesen…

Kommentar: Die Rettung Spaniens ist noch gar nicht richtig angelaufen, da wird schon Italien ins Rampenlicht geschoben. Europas Krisenpolitiker werden in den nächsten Wochen alle Hände voll zu tun haben und trotzdem bei der Bewältigung der Krise auf keinen grünen Zweig kommen. Was das bedeutet: Für Deutschland kommen die Einschläge näher.   


Spaniens Banken brauchen bis zu 62 Mrd. Euro
(ftd.de) Die mit Spannung erwarteten Gutachten zum Finanzbedarf der spanischen Banken sind da. Das Land braucht bis zu 62 Mrd. Euro, um seine Geldhäuser zu retten. Weiterlesen…

Kommentar: Schon wieder machen die Europa-Krisenmanager den alten Fehler und behalten die Wahrheit für sich. Tatsächlich sind mehr als die doppelte Summe nötig. Für diese Feststellung sind keine teuren Gutachten nötig, sondern nur intensive Internet-Recherche. Wir nennen (noch) nicht unsere Quelle, unterstreichen aber ausdrücklich unsere Behauptung. Dazu kommen viele zusätzliche Milliarden für die völlig überschuldeten Regionen, bis auf das Baskenland sind es alle. Vorsichtig geschätzt sind die von der EU zugesagten 100 Milliarden Euro erst 1/3 der tatsächlich nötigen Summe. Wir sind davon überzeugt, Madrid, Berlin, Brüssel, usw., wissen Bescheid und suchen händeringend einen Weg, die wirkliche Höhe der Milliardenhilfe für Spanien so weit wie möglich zu verschleiern.


Großbritannien: Arbeitsarmut wächst, die Einkommen der Topmanager auch
(heise.de/telepolis) In Großbritannien leben nach einer Studie sieben Millionen Menschen mit Job unter einem "extremen finanziellen Stress", vom Arbeitslohn leben zu können, wird für viele immer schwieriger. In Großbritannien gibt es kein Hartz-IV, aber natürlich gleichen sich die Argumente, wenn es um die Arbeitslosen geht. Sie sollen sich bemühen, einen Job zu ergattern, dann ist alles gut. Zumal Arbeit, unabhängig von allen Bedingungen, immer besser sei, als nicht zu arbeiten, und Leistung auch immer belohnt wird. Weiterlesen…

Kommentar: Einfach lesen, dann wird klar, wie wenig die britische Regierung die Situation im Griff hat. Da wird sich unsere Hoffnung nicht so schnell erfüllen, dass Großbritannien per Referendum seinen Austritt aus der EU erklärt. Schade.