Samstag, 23. Juni 2012

Standpunkt 278 - Nachrichten-Ticker, 22.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Mathematik der Armut
(tagesspiegel.de) Je ärmer die Briten werden, desto weniger Arme gibt es – der offiziellen Statistik zufolge. Weiterlesen…

Kommentar: Lesen. Zeigt eindeutig, wie virtuos auch die Briten mit den Zahlen umgehen. Und belegt, dass es sich England überhaupt nicht leisten kann, die EU zu verlassen.        


Drei größte spanische Banken brauchen kein Kapital
(handelsblatt.com) Spanische Banken benötigen nach dem offiziellen Gutachten der Beratungsfirmen Oliver Wyman und Roland Berger zufolge bis zu 62 Milliarden Euro Finanzhilfen. Die größten Geldhäuser des Landes sind nicht betroffen. Weiterlesen...

Kommentar: Santander, BBVA und Caixabank sollen ohne Finanzhilfen auskommen. Lächerlich. Die greifen einfach in einen anderen Topf. Alle drei Banken haben sich schon üppig bei der letzten EZB-Aktion im Februar bedient. Kürzlich wurde in Spanien über 23 Mrd. Euro Soforthilfe für BBVA diskutiert. Still und leise ist der spanische Staat eingesprungen. Immer wieder fällt auf: Es wird vor aller Augen gelogen und betrogen in Europa. Siehe hier


Moody’s macht die Probleme der Banken deutlich
(faz.de) Banken haben derzeit viele Schwierigkeiten: die Schuldenkrise, eine lahme Wirtschaft in Amerika und neue Regulierungen. Jetzt stuft die Ratingagentur Moody’s 15 Banken herab – auch die Deutsche Bank. Weiterlesen...

Kommentar: Ein netter Artikel, der aber mit der Wirklichkeit sehr wenig zu tun hat. Diese Herabstufungen hängen der Entwicklung hinterher und beschreiben Dinge, die schon längst bekannt sind. Die wichtigen Probleme werden jedoch regelmäßig verschwiegen. Ratingagenturen sind wie Gerichtsmediziner. Wenn sie kommen, ist es bereits zu spät und der Patient längst tot, so beschreibt es der Börsenexperte Thomas Grüner in einem Interview des österreichischen Standard mit der Überschrift “Wo ist die Krise?” (hier). Das ist die richtige Antwort auf diese Herabstufungen, die übrigens schon vor Wochen angekündigt wurden.  


Angst vor dem Euro-Aus treibt Anleger in die Schweiz
(welt.de) Die Euro-Krise sorgt auf dem Schweizer Immobilienmarkt für Panikkäufe. Ausländer bieten für Büro-Objekte inzwischen astronomische Summen – und akzeptieren selbst Renditen von null Prozent. Weiterlesen...

Kommentar: Ausgerechnet die Schweiz. Die kleine Schweiz als der rettende Anker. Wer kommt bloß auf so eine Idee? Das ist lange her. Die Wirklichkeit sieht heute anders aus. Schon die Ausfallrisiken aus den Derivateschulden der beiden Großbanken UBS und Crédit Suisse belaufen sich für jeden Schweizer auf 450.000 CHF. Dieser Betrag ist geschätzt und könnte, wovon wir überzeugt sind, noch höher liegen. Alleine die Schulden der UBS belaufen sich auf das Vierfache der Schweizer Wirtschaftsleistung. In der Schweiz selbst heißt es deshalb schon längst über UBS und Crédit Suisse “too big to rescue”.  ZEIT ONLINE hatte am 10.02.2011 die folgende Meldung: „Denn sie wollen nichts lernen“ (hier). Der Autor schreibt: „Die Schweizer Grossbanken lassen sich nicht zähmen. Sie haben den Kampf gegen die Regulatoren gewonnen. Dabei nennen die Geschäftsberichte monströse Zahlen. Ein Beispiel: Die Schweizer Grossbanken haben Kreditausfallversicherungen ausstehend, die sie im Extremfall zur Zahlung von jeweils über 1000 Milliarden Franken verpflichten. Das wäre jeweils das Doppelte der helvetischen Wirtschaftskraft. Diese Risiken sind nicht vollständig gegenversichert. Fraglich ist zudem, ob die Gegenversicherungen tatsächlich leisten würden, oder nicht selbst in Not geraten, wenn sie in Anspruch genommen werden. Hier schlummert das ständige Risiko eines Staatsbankrotts.“ Noch Fragen? Für die sind demnächst SNB und FINMA zuständig. Sehr wahrscheinlich auch die EU.


Monti fürchtet heftige Spekulationsangriffe auf Euro-Länder
(sueddeutsche.de) Italien ist trotz seiner hohen Schulden ein Segen für Europa – und vor allem für Deutschland, sagt Mario Monti. Im Gespräch erklärt Italiens Premier, warum er mehr europäische Integration für nötig hält und bei einem Scheitern des EU-Gipfels nur noch wenige Tage bleiben, den Euro zu retten. Weiterlesen...

Kommentar: Ein äußerst interessantes Interview eines planlosen Regierungschefs. Auch Monti versucht es ohne geeignete Maßnahmen in Italien. Er kann nicht gewinnen. Gegen die Spekulanten ist bisher kein Kraut gewachsen. Als Ökonom muss er das wissen.  


EU-Granden beschließen Wachstums-Placebo
(ftd.de) Die Staatschefs von Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland haben sich auf ihrem Gipfel in Rom auf ein Wachstumspaket in Höhe von 130 Mrd. Euro geeinigt, das weitgehend aus bereits beschlossenen Mitteln zusammengesetzt ist. Weiterlesen...

Kommentar: Ein schöner Versuch, Aktionismus zu verbreiten. Die große Show quasi. Wichtige, dringende Entscheidungen zu Spanien und Italien sind nicht gefallen. Was muss noch passieren, damit sich Europas Spitzenkräfte endlich ernsthaft mit der Lösung der Krise beschäftigen, bevor es zu spät ist?          


Die Nöte mit dem Euro-Schirm
(ftd.de) Das Bundesverfassungsgericht stärkt das deutsche Parlament und nimmt auch den Bundespräsidenten in die Pflicht. Das ist gut so, löst aber das größte Problem nicht: Dass sich die Krisenländer trotz ihrer Nöte darum drücken, unter den Rettungsschirm zu gehen. Weiterlesen…

Kommentar: Die Krisenländer haben schlicht begriffen, wie der Hase läuft. Griechenland ist beispielhaft. Rettungsschirm bedeutet die Aufgabe von Souveränität, die Verpflichtung zu mörderischen Sparprogrammen, garantierte Rezession, weiterer Anstieg der Staatsschulden, jahrzehntelange Schuldenknechtschaft, als Preis für nicht endende Bankenhilfen.    


„Lebensfähigkeit des Euro steht in Frage“
(wirtschaftsblatt.at) IWF-Chefin Lagarde hat heikle Lösungsvorschläge für die Vertrauenskrise in der Eurozone. Spanien braucht bis zu 62 Milliarden €. Weiterlesen…

Kommentar: Wir waren immer schon der Meinung, dass der IWF bei der europäischen Krise nichts verloren hat. Der IWF hat noch nie in einer Krise irgendwo auf der Welt einen guten Job gemacht, vgl. die Argentinien-Krise (hier). Immer nur die Interessen der USA vertreten. So auch jetzt, in Europa. Die bemerkenswerte Lehrstunde des IWF ist eher eine Leerstunde, substantiell wird nichts geboten. Die vorgeschlagene "volle Fiskalunion" ist in Europa z. Zt. nicht durchsetzbar und das zu recht. Intuitiv begreifen die betroffenen Menschen, dass damit die Krise nicht zu Ende geht.


Lagarde ruft EZB zum Kauf von Staatsanleihen auf
(ftd.de) In Europa tobt ein Streit über die Frage, ob die EZB angeschlagene Staaten durch den Aufkauf von Bonds entlasten soll. Während Berlin den Schritt als Bruch der europäischen Verträge geißelt, empfiehlt ihn IWF-Chefin Christine Lagarde als „kreativen“ Weg aus der Krise. Weiterlesen…

Kommentar: Die geforderte „kreative“ Währungspolitik der EZB meint etwas anderes: Die unbegrenzte Fortsetzung der Milliardenzahlungen an die Staaten damit die ihre Banken retten können. So bleibt das Zocker-System in Bewegung und bricht auf absehbare Zeit nicht zusammen. Im Gegenzug werden den Menschen in den betroffenen Ländern sukzessive ihre Ersparnisse geraubt. Eine elegante Vermögensumschichtung, die in Deutschland bereits seit der Agenda 2010 voll im Gange ist und langsam auf die Zielgerade einbiegt.


Das Europaproblem der Schwellenmärkte
(project-syndicate.org) Von Hongkong bis Sao Paulo und allerorts dazwischen dominiert unter Großanlegern derzeit ein Wort: Griechenland. Werden die Griechen in der Eurozone bleiben? Und was wird aus der Europäischen Union und der Weltwirtschaft, wenn sie es nicht tun? Weiterlesen…

Kommentar: Der Autor, Dominique Moisi, beschreibt eine Entwicklung, die den deutschen Konzernchefs Schweißperlen auf die Stirn treiben muss. Jedenfalls sind wir fest davon überzeugt, dass die Schwellenländer bisher auch nur den altbekannten Kapitalismusmustern gefolgt sind und deshalb heute mit der Situation in den Industriestaaten überfordert sind. Dazu fehlt ihnen eine Blaupause.


Das rote Tuch
(manager-magazin.de) Der Solarsektor ist erst der Anfang. Branche für Branche treten chinesische Unternehmen einen Siegeszug an. manager magazin zeigt, wer sich Sorgen machen muss – und wie sich Konzerne wie SAP, Siemens oder VW wehren. Weiterlesen…

Kommentar: Eine aufschlussreiche Analyse. Was hier beschrieben wird, macht uns Angst. China nutzt konsequent die andauernde wirtschaftliche Schwäche des Westens, seine wirtschaftliche und politische Macht zügig auszubauen. Europa, selbst die USA, lassen diese Pläne zu. Schlimmer, sie laden China regelrecht dazu ein.