Sonntag, 24. Juni 2012

Standpunkt 280 - Nachrichten-Ticker, 23.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


RBS: Spanien wird Bailout von mindestens 300 Milliarden Euro beantragen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die steigenden, faulen Kredite in den Büchern der spanischen Banken und die zunehmende Verschuldung des Landes werden dazu führen, dass Spanien nach einem richtigen Bailout fragen wird, so die Royal Bank of Scotland. 300 Milliarden Euro aufwärts würde es umfassen. Weiterlesen …

Kommentar: Stimmt. Die Krise in Europa wird damit trotzdem nicht gelöst. Später zieht die Spekulanten-Karawane weiter – nach Italien.         


“Wir lösen unsere Probleme, die Euroländer sollen ihre lösen”
(tagesanzeiger.ch) Der britische Europaminister Lidington empfiehlt der Eurozone, sich in einer Fiskalunion enger zusammenzuschliessen. Und er plädiert für mehr Freihandel in der EU. Weiterlesen...

Kommentar: Ein denkwürdiges Interview. Heute schon versprechen wir: wenn die Briten ihre Probleme lösen, werden wir nie mehr ein böses Wort über sie verlieren. Und unsere Meinung ändern: Großbritannien ist ein wichtiger Teil Europas und gehört in die EU. Bemerkenswert: Zur Lösung der Probleme will man die Schweiz kopieren. Das klingt nach einer echten Überraschung. Vielleicht sollte Lidington gelegentlich das lesen: “UK: schwache Industrieproduktion” (hier).


Griechenland will weniger sparen
(ftd.de) Die neue griechische Regierung riskiert Ärger mit den europäischen Geldgebern. Bei vollständiger Umsetzung des im Koalitionsvertrags vereinbarten Programms, würde Griechenland einen Teil seiner bislang gegebenen Zusagen unterlaufen. Weiterlesen...

Kommentar: Der Regierung sitzt Syriza im Nacken, da darf man noch auf die eine oder andere Überraschung gespannt sein.


Monti will gefallen
(faz.de) Ministerpräsident Mario Monti wird bald zum Gipfel nach Brüssel geschickt, als gehe es um eine ferne Meisterschaft. In Italien aber läuft das Wirtschaftsleben in dem gewohnten Trott. Weiterlesen...

Kommentar: Richtig, für Mario Monti steht viel auf dem Spiel. Auf Unterstützung aus Berlin kann er (noch) nicht hoffen. Die Kanzlerin will die Krise noch ein Stück weit aussitzen, obwohl die sich gerade auf dem direkten Weg nach Deutschland befindet. Allen Rettungs-, Hilfs- und was auch immer für Pakten zum Trotz. Die Italiener schauen ihrer Regierung auf die Finger, da muss Monti mehr leisten als in blumiger Politikersprache Reformen zu verkünden, die die Zustände im Land nur verschlimmern und die Spekulanten nicht stören. Will der italienische Regierungschef politisch überleben, muss er mehr tun als abzuwarten, was in Berlin und Brüssel passiert.


Bundesbank-Chef bremst Monti
(sueddeutsche.de) Bundesbank-Chef Weidmann weist Itaqliens Forderungen nach Milliardenbeträgen aus den Euro-Rettungsschirmen zurück. Der Vorschlag von Premier Monti würde auf eine verbotene Staatsfinanzierung durch die Notenpresse hinauslaufen. Auf ähnliche Weise versuchte sich Italien schon in den siebziger Jahren zu retten – und scheiterte. Weiterlesen...

Kommentar: Scheitern wird auch die Bundesbank mit ihrer Haltung. Irgendwann wird sie von den Ereignissen überrollt. Ereignissen, an denen sie mitwirkt. Auffällig ist nämlich, dass Weidmann regelmäßig kritisiert, aber nie eine Alternative konkretisiert. Wir nennen das unterlassene Hilfeleistung.  


Das nebulöse Wachstumspaket
(faz.de) Die Summe des Wachstumspakets, das die Kanzlerin auf dem Vierergipfel in Rom mit Italien, Spanien und Frankreich in zweistündigen Verhandlungen ausgehandelt hat, klingt imposdant: 130 Milliarden Euro, um die Konjunktur in Europa anzukurbeln. Aber was wurde jetzt eigentlich genau vereinbart? Weiterlesen...

Kommentar: Die Antwort gab es schon gestern, die “Financial Times Deutschland” spricht vom “Wachstums-Placebo” (hier). Auch für die Journalisten: es gibt was zu schreiben. Tatsächlich blieb der Vierer-Gipfel ohne Ergebnis.     


Angela Merkel kann Spanien retten
(zeit.de) Spanien ist selbst schuld an der Krise. Aber nur mit europäischer Hilfe kann sie überwunden werden. Gelingt das nicht, sind die Kosten unermesslich. Weiterlesen...

Kommentar: Eine vereinfachte Fehleranalyse, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Wir können es nur immer wiederholen: Es ist keine Staatsschuldenkrise, es ist eine Bankenschuldenkrise, die unermesslich viel Geld kosten wird, wenn Europa mit seinen Rettungsversuchen so weitermacht wie bisher. Dagegen helfen kein Euro-Austritt, egal von wem, keine Wiedereinführung nationaler Währungen durch Auflösung der Euro-Zone, selbst die schon hier und da diskutierte Auflösung der EU als letzte Möglichkeit ist kein probates Mittel gegen die Krise. Die Bankenschulden bleiben. Denen kann sogar eine Währungsreform nichts anhaben. Wann lesen wir endlich davon in den deutschen Leitmedien?


Menetekel Bankenunion
(faz.de) Der Ruf nach einer europäischen Bankenunion wird immer lauter. Wenn sie kommt, müssen für Südeuropas Wackelbanken heimische Steuerzahler zahlen. Für etwas zu haften, über das man keine Kontrolle hat, darf man dem Steuerzahler nicht zumuten. Eine Analyse. Weiterlesen…

Kommentar: Richtig, die europäische Bankenunion ist jetzt der falsche Weg. Aber nicht wegen der in der Analyse genannten Gründe. Hinter Südeuropas Wackelbanken stehen deutsche, französische, schweizerische und britische Banken. Fallen die Wackelbanken in den PIGS-Staaten, dann gibt es ein Blutbad. Das kann aber auch eine Bankenunion nicht verhindern. Erst muss die akute Bankenkrise gelöst werden. Unter staatlicher Aufsicht, versteht sich. Später müssen die Bankenhilfen, dazu gehören die Rettungspakete an Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, die nämlich nur verkappte Bankenhilfen waren, wieder aus den Staatsschulden herausgerechnet werden. Sie werden über einen Sonderfonds abgebaut, indem von den betroffenen Banken entsprechendes Vermögen an den Fonds übertragen wird. Banken, die kein übertragbares Vermögen mehr haben, werden geschlossen, werthaltige Geschäfte auf andere Banken übertragen, gerne nach dem US-amerikanischen Muster. Weitermachen dürfen nur Banken, die noch über Eigenkapital verfügen und ein nachhaltiges Geschäftmodell vorweisen können. Bleibt es bei der 60%igen Grenze für die Staatsschulden, dann müssen nur noch die darüberliegenden Teile vergemeinschaftet werden, z. B. durch Euro-Bonds. Erst danach kann man über die Nützlichkeit einer Bankenunion nachdenken.


Vier Bausteine einer neuen Währungsunion
(sueddeutsche.de) Die Euro-Krise sollte bald gelöst werden, die Märkte werden ungeduldig. Ideen für die Rettung gibt es genug. Vier Bausteine sollen den Euro vor dem Zerfall retten. Zu welchem Preis ist unklar. Weiterlesen…

Kommentar: Was hier vorgestellt wird, taugt nicht zur Lösung der Krise in Europa. Nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Die Bausteine bekämpfen ein Phantom, die Staatsschuldenkrise. Noch einmal: im Kern ist es eine Bankenschuldenkrise. Die muss bekämpft werden. Alles andere ist brotlose Kunst.  


Nowotny: Bankenhilfen retten die Volkswirtschaft
(derStandard.at) Nationalbank-Gouverneur sieht „Euro als Währung unangefochten“ und Finanztransaktionssteuer nur für kurzfristige Transaktionen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein aufschlussreiches Statement des Österreichers Nowotny. Leider sind seine Annahmen grundfalsch. Eine geordnete, unter staatlicher Anleitung und Aufsicht vollzogene Neustrukturierung des Finanzsystems wird den Volkswirtschaften helfen, nicht schaden. Der Vergleich mit den 1930iger Jahren verbietet sich deshalb. Die Banken nehmen heute doch schon nicht mehr die ihnen zugedachten Aufgaben innerhalb der Volkswirtschaften wahr, wie die überzogen-zurückhaltenden Kreditvergaben zeigen.   


Krisenexport - „Die USA stehen vor einem Absturz“
(welt.de) Amerika leidet ebenfalls unter der Krise in Europa. Mehr noch: Schon bald könnte es dort zu einer heftigen Rezession kommen. Zwei US-Experten erklären, warum das so ist. Weiterlesen…

Kommentar: Richtig ist: Europa leidet unter der Krise in Amerika. Amerika steckt bereits seit 2008 in einer Rezession, daran wurde in den letzten Monaten nur statistisch etwas verbessert. Die Wirklichkeit bildet die Entwicklung der Food Stamps-Bezieher ab. Es sind über 46 Millionen, 2007 waren es 20 Millionen weniger. Anschaulich die folgende Grafik: 

Der nächste Crash kommt in China
(tagesanzeiger.ch) Eurokrise, Eurokrise, Eurokrise. Nichts beschäftigt die Finanzmärkte mehr als das bisweilen grotesk inkompetente Verhalten der europäischen Spitzenpolitiker in der Verarbeitung und Bekämpfung ihrer Krise. Und das seit Monaten. Nächste Woche treffen sie sich wieder zu einem Gipfel. Es ist etwa der zwanzigste in den vergangenen zweieinhalb Jahren – irgendwann haben wir mit dem Zählen aufgehört. Wetten wir, dass auch dieser Gipfel zu nichts führen wird?
Sprechen wir einmal von einem anderen Thema. Sprechen wir von China. Und, schliesslich ist es heiss und bald Wochenende, nehmen wir’s nicht ganz ernst. Weiterlesen…

Kommentar: Lesenswert. Unbedingt auch dem Link am Ende folgen. Interessante Meinung. Stützt unsere Einschätzung.  

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