Montag, 25. Juni 2012

Standpunkt 281 - Nachrichten-Ticker, 24.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Wegen Krise: Britische Banken vergeben keine Kredite mehr
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Es seien nicht die regulatorischen Anforderungen durch die Finanzaufsicht, die die britischen Banken dazu bringen, ihr Bargeld zu horten, statt Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Die Banken fürchten, dass die Finanzmärkte sie als nicht sicher erachten könnten, so der Chef der britischen Aufsichtsbehörde. Weiterlesen…

Kommentar: So will Großbritannien seine Probleme lösen? Da sind wir aber wirklich gespannt. Für uns das erste Anzeichen, dass demnächst auch eine britische Bank um Staatshilfen nachsucht. Die neue Machtfülle für die Bank of England ist für uns Teil der wackeligen britischen Bankenzukunft.          


Älteste Bank der Welt steht am Abgrund
(tagesanzeiger.ch) Die drittgrösste Bank Italiens wird zunehmend in den Sog der Eurokrise gerissen. Die im Jahr 1472 gegründete Banca Monte dei Paschi verhandelt über staatliche Finanzhilfen in der Höhe von einer Milliarde Euro. Weiterlesen...

Kommentar: Eine wirklich schlechte Nachricht aus Italien. Banca Monte dei Paschi (MPS) war einer der größten Abnehmer aus der letzten Liquiditätsschwemme der EZB. 15 Milliarden Euro und Platz 12 in der Rangliste (hier). Lt. Bericht soll sich die Bank an italienischen Staatsanleihen verschluckt haben. Irritierend wenn man bedenkt, dass solche Geschäfte mit entsprechenden Derivaten abgesichert werden. Hat MPS auf diese Absicherung verzichtet, um Geld zu sparen, oder muss unter allen Umständen der Leistungsfall für diese Derivate verhindert werden? Ist der Sicherungsgeber nicht leistungswillig/leistungsfähig? Gab es einen Wink von der ISDA? Warten wir mal ab.  


“CS und UBS sind im Tanga unterwegs”
(tagesanzeiger.ch) Im Streit um höhere Sicherheiten für die Grossbanken stellt sich der Bankenprofessor Urs Birchler auf die Seite der Nationalbank. Wenn die CS und die UBS ihre Kapitalbasis nicht erhöhten, sei das gefährlich. Weiterlesen...

Kommentar: Die Schweizer scheinen die Gefahr zu erkennen, die von ihren beiden großen Banken ausgeht und wollen handeln. In Deutschland ist man da noch nicht so weit. Die Deutsche Bank bleibt selbstbestimmt und darf machen was sie will. It’s a nightmare.  


Sichere Spareinlagen sind nur ein Mythos
(welt.de) Theoretisch ist das Geld auf deutschen Konten gut geschützt. Doch der Entschädigungsanspruch gilt nicht uneingeschränkt. Und was wäre bei einem europäischen Bankensturm. Weiterlesen...

Kommentar: Richtig, ein Mythos, und ohne jeden Rechtsanspruch, wie das Landgericht Berlin schon 2010 entschieden hat (hier). Damit sind die Zusagen des Einlagensicherungsfonds der Banken wertlos, nur noch eine freiwillige Leistung. Vor diesem Hintergrund halten wir es außerdem für fraglich, ob der Staat einspringt. Steinbrück und die Kanzlerin haben diesen Eindruck zwar im Oktober 2008 schon einmal vermittelt, später jedoch selbst betont, es wäre eine gesetzlose Aussage gewesen, nur dem Zweck geschuldet die Nerven der Sparer zu beruhigen. Die Zahlen in dem Artikel belegen, die deutsche Einlagensicherung reicht hinten und vorne nicht.


Zustände wie nach dem Lehman-Kollaps
(manager-magazin.de) Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einem Teufelskreis und bilanziellen Belastungen, die die angeheizte Jagd nach besicherten Schuldtiteln auslösen könnte. Die BIZ-Experten vergleichen die Lage mit jener nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Weiterlesen...

Kommentar: Wenn die BIZ recht behält, dann werden die bisher diskutierten Milliardenbeträge für die Hilfsmaßnahmen noch ein paar Nullen zusätzlich brauchen. Gefallen hat uns die Aussage, dass der “Teufelskreis” von Finanz- und Schuldenkrisen nur durch “robuste Regulierung” der großen internationalen Finanzinstitute durchbrochen werden kann. Die BIZ fordert, überall müssten Regierungen Banken deshalb “zur Übernahme von Geschäftsmodellen bewegen, die risikoärmer und tragfähiger sind”. Was die BIZ vorschlägt, ist gerade das Gegenteil von den Lösungsvorschlägen, die aktuell auf dem Tisch der europäischen Krisenmanager zur Entscheidung liegen. Hoffentlich lesen die Damen und die Herren den BIZ-Jahresbericht (hier).    


BIZ sieht Notenbanken an Belastungsgrenze
(ftd.de) In ihrem Jahresbericht warnt die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Notenbanken vor einer Fortsetzung der lockeren Geldpolitik. Die Gefahr, die Notenbanken zu überlasten, nehme zu. Weiterlesen...

Kommentar: Was für ein krachendes Statement. Wie groß müssen die Probleme schon sein, dass die BIZ so klare Worte findet. Hat was vom einsamen Rufer in der Wüste.      


EU-Ratspräsident warnt vor Zugeständnissen an Athen
(sueddeutsche.de) "Wir verlangen, dass die Griechen ihre Zusagen einhalten": In Deutschland stoßen die Forderungen der Griechen, nach mehr Zeit für die Umsetzung der Sparmaßnahmen, auf deutliche Ablehnung. EU-Ratspräsident Van Rompuy befürchtet finanzielle Anstrengungen für die Mitgliedsstaaten. Ministerpräsident Seehofer spricht von Belastungen in Milliardenhöhe. Weiterlesen...

Kommentar: Denken diese Leute eigentlich nach, bevor sie den Mund aufmachen und reden? Eher nicht. Für unsere LeserInnen ein bisschen Anschauungsmaterial. Beginnen wollen wir mit einer Grafik zum Auftragseingang der griechischen Industrie. Einfach April 2008 mit April 2012 vergleichen:  

 
Jetzt noch eine Grafik über die Preisentwicklung. Die stören sich nämlich nicht an der Krise im Land und steigern munter weiter: 


 
Zuletzt noch ein Bild zu Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit im Land. Unmissverständlich: 


Sollte genügen, um sich über die Idiotie der griechischen Sparprogramme klar zu werden.


Griechenland schlägt Troika komplett neues Sanierungs-Programm vor
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Griechen bereiten sich auf die am Montag beginnenden Verhandlungen mit der Troika vor. Ihr Verhandlungspapier sieht vor, dass sie das Memorandum in allen wesentlichen Punkten ändern wollen. Vom ursprünglichen Sparkurs bleibt nicht mehr viel übrig. Weiterlesen…

Kommentar: Die griechische Regierung kennt die eben gezeigten Grafiken auch, und sie ist angetreten daran etwas zu ändern. Die Troika hat schon reagiert: das Treffen wurde kurzerhand abgesagt (hier).  


Finanzministerium zeichnet düsteres Euro-Crash-Szenario
(spiegel.de) Das Wachstum würde massiv einbrechen, die Arbeitslosigkeit auf mehr als fünf Millionen steigen: Nach SPIEGEL-Informationen rechnet das Finanzministerium für den Fall eines Euro-Zusammenbruchs mit katastrophalen Folgen für die deutsche Wirtschaft. Weiterlesen…

Kommentar: Fakt ist aber, die bisherigen Maßnahmen treiben die Euro-Zone in den Zusammenbruch. Daran würde auch der angeblich mehrheitlich befürwortete Ausschluss Griechenlands nichts ändern. Für die Krise sind die Banken, nicht die Staaten verantwortlich. Es wäre noch nicht einmal ein Bauernopfer.    


Erste-Bank-Chef: Europa geht auch ohne Euro
(derStandard.at) Für Andreas Treichl ist eine „gemeinsame Armee wichtiger als eine gemeinsame Währung“, seine Meinung teilen nicht alle. Weiterlesen…

Kommentar: Überbieten sich gerade Österreichs Banker mit dummen Aussagen? Gestern der ÖNB-Gouverneur Nowotny, heute der Chef der größten österreichischen Bank. Bei solchen Aussagen freuen wir uns, dass auch Österreich demnächst sein selbstverursachtes Krisen-Päckchen tragen muss. Es ist Nonsens, was Treichl zu den Nicht-Euro-Ländern behauptet. Er sollte sich die Situation dieser Länder im Einzelnen und vor allem genau ansehen. Besonders Schweden, Dänemark, oder die Länder Osteuropas, mit denen die österreichischen Banken intensive Geschäftsbeziehungen pflegen, stecken bereits in größten Schwierigkeiten oder befinden sich auf dem Weg. Panzer statt Euro? Ein Depp, oder?


Holen wir uns Europa zurück!
(zeit.de) Technokraten gefährden die europäische Idee mit ihrer kalten Krisenpolitik. Dagegen müssen wir Bürger uns wehren, kommentiert Ludwig Greven. Weiterlesen…

Kommentar: Da müssen wir nichts mehr sagen, alles richtig.  


Katastrophale Daten: Chinas Absturz beschleunigt sich rapide
(wirtschaftsfacts.de) Absturz überall: Immobilienpreise, Investitionen, Exporte, Industrieproduktion, Beschäftigung und Preise. Die Konjunkturdaten, die in den letzten Wochen aus China vermeldet werden, sind gelinde ausgedrückt katastrophal. Nicht nur an den privaten Häusermärkten sind die Preise im Mai den achten Monat in Folge gesunken, sondern auch die Produktions- und Exportdaten weisen auf einen signifikanten Abschwung der Aktivitäten hin. Bis auf die vor zwei Wochen erfolgte Zinssenkung geben jedoch weder Regierung noch People´s Bank of China (PBC) irgendwelche Hinweise darauf, dass es schon bald zu neuen Stimulierungsmaßnahmen kommen könnte. Weiterlesen…

Kommentar: Auch China wird das Rad nicht neu erfinden. Die Stimulierungsmaßnahmen stammen aus dem gleichen Werkzeugkasten wie im Westen. Wir erwarten einen harten Absturz, keine weiche Landung.