Freitag, 29. Juni 2012

Standpunkt 286 - Nachrichten-Ticker, 28.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Menschen glauben den Vertretern der Politik und der Wirtschaft nicht
(heise.de/telepolis) Eine Studie will die Unglaubwürdigkeit aber nur auf "mangelhafte Kommunikation" zurückführen, auch wenn zwei Drittel in der Umfrage sagen, dass sie sich in der Krise durch die Politik nicht vertreten sehen.
Politiker führen Misserfolge bei Wahlen oder Entscheidungen gerne darauf zurück, die Menschen hätten nur nicht recht verstanden, noch viel lieber wird die Worthülse verwendet, man habe die Politik oder das Thema nur nicht richtig kommuniziert. Eigentlich, so heißt das, habe man natürlich recht, weswegen die Bürger das auch sehen müssten. Eine Gemeinschaftsstudie des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Stuttgart) und der ING-DiBa AG (Frankfurt) scheint in dieser Weise auch die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zu deuten und sieht in der "mangelnden Glaubwürdigkeit" von Politikern, Unternehmen und Journalisten das zentrale Problem. Die würden die Krise nicht so erklären, "dass es den Menschen weiterhilft". Weiterlesen…

Kommentar: Deckt sich mit einer Untersuchung des renommierten Meinungsforschers „GALLUP“ in den USA im Dezember 2011. Die folgende Grafik macht das deutlich: 



Wenn Ökonomen die Realität verleugnen
(tagesanzeiger.ch) Massenarbeitslosigkeit herrscht in weiten Teilen Europas – und es wird immer schlimmer. Trotzdem fordern Ökonomen, dass wir noch mehr arbeiten und noch mehr Zuwanderung zulassen. Ein Irrsinn. Weiterlesen...

Kommentar: Die Einleitung soll nicht täuschen. Der Artikel beschreibt grundsätzlich die Schwierigkeiten der Ökonomen, sich von ihren alten Lehren zu verabschieden. Anschaulich.    


Ab in die Reha-Klinik
(manager-magazin.de) Der Wirtschaftsprofessor und Ifo-Chef Hans-Werner Sinn lobt den Widerstand der Kanzlerin. Im Falle einer Vergemeinschaftung der Schulden im Euro-Raum sieht er einen Untergang Europas voraus. Sinn will die Südstaaten in die Rekonvaleszenz entlassen. Weiterlesen...

Kommentar: Der Professor aus München ist für uns ein typisches Beispiel für die Verleugnung der Realität. Was er vorschlägt begeistert die Deutschen, löst aber nicht die Krise, wie wir immer wieder erläutern. Sinn ignoriert regelmäßig die Fakten, um der Regierung in Berlin unter die Arme zu greifen. Ein weiteres Beispiel seiner verqueren Thesen:     


“Ein Euro-Crash wäre für alle verheerend”
(focus.de) Starökonom Hans-Werner Sinn äußert sich im Interview über das mögliche Platzen einer Euro-Blase. Außerdem erklärt der Ifo-Präsident, warum Anleger jetzt lieber ihr Bad renovieren sollten. Weiterlesen...

Kommentar: Verheerend ist nur, was der sogenannte “Starökonom” hier zum Besten gibt. Wir finden es unerträglich, dass die Abrißbirne der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland jetzt auch nicht davor zurückschreckt, den Euro einzureißen und das dann auch noch als die einzig wahre Lösung zu verkaufen. Er sollte sich besser bei Kollegen wie Michael Hudson gründlich informieren, der die wahrhaftigen Hintergründe der Krise längst richtig beschreiben hat. Wir haben es hier, hier und hier bereits zusammengetragen.


EU-Fiskalpakt: Strangulierung von Wirtschaft und Sozialstaat
Die Umsetzung des Fiskalpakts wäre der finale Schritt ans Ende jener Sackgasse, in welche die EU vor 20 Jahren mit den Maastricht-Kriterien eingebogen ist. Die “automatisierte” und kollektive Sparpolitik wird die Wirtschaft in eine langjährige Krise führen und das Europäische Sozialmodell scheibchenweise demotieren. Weiterlesen...

Kommentar: Wir bieten diese Analyse des österreichischen Ökonomen Stephan Schulmeisters an, weil wir nicht erwarten, dass sich die deutschen Leitmedien mit den offensichtlichen Nachteilen des Fiskalpakts beschäftigen. Wir bedauern nur, dass Schulmeister leider nicht so gefällig schreibt, um auch für Laien verständlich zu sein. Trotzdem empfehlen wir allen LeserInnen sich daran zu versuchen.         


Demokratie, Austerität und die zwei Europas
(nachdenkseiten.de) Es gibt das marktkonforme Europa der Angela Merkel, das sich in Brüssel hinter den Institutionen der EU verschanzt hat und im Kielwasser der Krise die Mitgliedsstaaten auf die neoliberale Austeritätspolitik nach deutschem Vorbild umzukrempeln versucht. Die demokratische Legitimation dieses Europas ist jedoch zumindest fragwürdig. Es gibt aber auch noch das demokratische Europa, das trotz der unverhohlenen Erpressungen aus Berlin und Brüssel seine Stimme gegen diese Austeritätspolitik erhebt. Dieses Europa hat sich gestern in der parlamentarischen Versammlung des Straßburger Europarats eindrucksvoll zu Wort gemeldet und der Austeritätspolitik Merkelscher Schule eine klare Absage erteilt. Eine breite Mehrheit der Abgeordneten stimmte über alle Parteigrenzen hinweg mit siebzigprozentiger Mehrheit einem Bericht des deutschen Linken-Politikers Andrej Hunko zu, in dem die europäischen Staaten aufgefordert werden, ihre einseitige Austeritätspolitik zu Lasten der Volkswirtschaft und der sozial Schwachen neu zu justieren, sowie die Staatshaushalte nicht durch Kürzungen, sondern durch eine höhere Besteuerung der Wohlhabenden zu sanieren. Von Jens Berger. Weiterlesen...

Kommentar: Sehr aussagefähig. Sehr empfehlenswert auch der Verweis am Ende des Beitrags.   


“Deutschland lebt auf Kosten der anderen”
(derStandard.at) Für Walter Ötsch sind Deutschlands Nullzinsen ein Alarmsignal, das Wachstumspaket eine Mogelpackung und der Fiskalpakt grundverkehrt. Weiterlesen...

Kommentar: Noch ein Beitrag, den es so in den deutschen Medien nicht geben wird. Selbst wer Wachstumspaket und Fiskalpakt für eine gute Sache hält, könnte an Hand neuer Gegenargumente seine Position überdenken, ggfs. korrigieren. Alle anderen finden in dem Interview Unterstützung. Ötsch ist ein österreichischer Ökonom.    


Die tragische Heldin der Euro-Zone
(handelsblatt.com) Kanzlerin Merkel steckt in einem Dilemma: Gibt sie den Brüsseler Forderungen nach, zahlt Deutschland mit höherer Haftung für die Währungsgemeinschaft. Will sie die finanzielle Unschuld bewahren, droht dem Euro das Aus. Weiterlesen…

Kommentar: Angela Merkel wird höchstens zur tragischen Figur, keinesfalls zur Heldin. Sie heizt die Krise an, statt sie zu beenden. Das wird bestraft, spätestens in der zukünftigen Geschichte.    


Europas Vietnam
(presseurop.eu) Die siebenundzwanzig EU-Staaten versammeln sich zum x-ten „Gipfel der letzten Chance“. Vehement halten sie an ihren Standpunkten fest, blasen trotz allem weiterhin in ein und dasselbe Horn und hoffen, dass sich die Krise ganz einfach selbst löst. Ein bisschen so wie diese US-amerikanischen Generäle, die außerstande waren, den Krieg zu beenden und Vietnam immer und immer wieder bombardierten, kritisiert Barbara Spinelli. Weiterlesen…

Kommentar: Ein lesens- und nachdenkenswerter Artikel. Besonders auch die Bewertung des auf dem Vierer-Gipfel in Rom beschlossenen Wachstumspakets.


Nein! No! Non!
(handelsblatt.com) Beim EU-Gipfel wollen die Südstaaten gemeinsam mit Brüssels Bürokraten Deutschlands Haftung in Europa erhöhen. Damit schaden sie deutschen Wirtschaftsinteressen und der europäischen Idee. Dagegen steht die Kanzlerin. Weiterlesen…

Kommentar: Auf Gabor Steinhart kann sich die Kanzlerin verlassen. Ein Hofnarr. Für den Chefredakteur einer Wirtschaftszeitung zeigt er wenig Sachverstand. Devot schreibt er die Europapolitik der Kanzlerin schön. Leider wird er sich dafür nie verantworten müssen.


Warum Deutschland den EU-Masterplan blockiert
(sueddeutsche.de) Die Brüsseler Führungsspitze hat eine Vision für die Gemeinschaftswährung vorgelegt. Der Gipfel soll die EU völlig umbauen. Doch der Plan schafft gerade jetzt mehr Ärger, als dass er Probleme löst. Weil er in einer einzigen, unverantwortlichen Forderung mündet: den Bürger noch stärker in die Pflicht zu nehmen. Weiterlesen…

Kommentar: Stimmt, dieser Masterplan kommt zum falschen Zeitpunkt. Aber nicht, weil er vielleicht gegen die deutschen Sparer zielt, sondern weil vorher die Bankenschuldenkrise gelöst werden muss. Der Masterplan hilft dabei nicht. Gerne wird vergessen: besonders die deutschen Banken, angeführt von ihrem Primus Deutsche Bank, sind ursächlicher Teil dieser Krise. Jeder Cent aus den bisherigen Hilfspaketen für Irland, Portugal, Griechenland und jetzt Spanien, nutzt auch den Banken hierzulande. Noch werden dafür die Menschen in den betroffenen Ländern in die Pflicht genommen, ohne dass sie einen Nutzen aus diesen Hilfspaketen haben. Sind rundherum alle Länder abgearbeitet, fällt das Problem den deutschen Sparern vor die Füße und es geht an deren Ersparnisse. Wir hoffen, die Deutschen werden sich dann noch daran erinnern, wer ihnen die Krise und ihren Verlauf falsch erklärt hat. Es sind Unzählige.


„Die Krise droht uns zu verschlingen“
(zeit.de) Eine neue Verfassung, ein Umbau Europas – alles richtig, sagt der frühere EU-Kommissar Günter Verheugen im Interview. Bloß: Im Moment haben wir dafür keine Zeit! Weiterlesen…

Kommentar: Vieles analysiert Verheugen richtig, noch mehr falsch. Ein typischer EU-Bürokrat. Gerade deshalb empfehlen wir: lesen. Gibt eine Einführung in Brüsseler Denkmuster.    
     

Die große globale Schnäppchenjagd
(project-syndicate.org) Wenige Wahlen in der jüngeren Vergangenheit haben weltweit derartige Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie die Wahlen in Griechenland am 17. Juni. Nachdem die stimmenstärkste Mitte-Rechts-Partei Nea Dimokratia mit der Mitte-Links-Partei PASOK und der demokratischen Linken eine Koalition gebildet hat, besteht die Kernfrage für die Regierung unter Ministerpräsident Antonis Samaras darin, ob sie die mit den Partnern in der Eurozone vereinbarten Sparmaßnahmen im Gegenzug für die weitere Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union auch umsetzen kann.
Die Situation bleibt gefährlich – und das nicht nur für Griechenland. Spanien und Italien steht im Juli die Rückzahlung von Staatsanleihen im Ausmaß von 13,2 beziehungsweise 17 Milliarden Euro bevor. Wie ein unaufhaltsamer Tsunami kommen in jedem darauf folgenden Monat auf die beiden Länder weitere Rückzahlungen zu, die für anhaltende Turbulenzen in Europa und darüber hinaus sorgen werden.
Angesichts der globalen Bedrohung aufgrund der europäischen Schulden- und Bankenkrise gewannenMaßnahmen zur Stärkung des europäischen Bankensystems und der Förderung einer fiskalischen Integration am jüngsten G-20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos eine gewisse Dynamik. In der Abschlusserklärung des Gipfels heißt es, dass Länder mit guter monetärer Ausstattung bereit sind, wirtschaftliche Impulse zu geben, wenn sich das Wachstum abschwächt. Weiterlesen…

Kommentar: Die Autorin, Yuriko Koike, ehemalige japanische Verteidigungsministerin, beschreibt an Hand zweier Beispiele, Griechenland und Island, wie sich China in der Finanzkrise lukrative Schnäppchen sichert. Unsere regelmäßigen LeserInnen, wissen: wir sind besorgt über diese Entwicklung in Europa.   


Forscher rechnen mit mehr Wachstum in Deutschland
(spiegel.de) Das Ifo-Institut sieht Deutschlands Lage trotz Euro-Krise positiv. In diesem Jahr werde die Wirtschaftsleistung um 0,7% wachsen, heißt es in einer aktuellen Prognose. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine Bauernfängerei. Gestern noch meldete das österreichische „Wirtschaftsblatt“: „Wachstum der deutschen Wirtschaft mehr als halbiert” (hier) und zitierte aus einer Prognose des DIW. Da muss unverzüglich eine Gegenmeldung her. Selbst wenn es nur geringstes Wachstum ist. Scheinbar beginnt der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2013 schon so zeitig wie nie.


Sloweniens Banken werden zur Gefahr
(handelsblatt.com) Das größte slowenische Geldhaus hat nach staatlicher Hilfe gerufen. Wegen der massiv gewachsenen Verschuldung kann die Regierung die Institute jedoch kaum noch stützen. Und auch westliche Geldgeber zögern. Weiterlesen…

Kommentar: Der nächste Kandidat für die Krise. Jetzt also auch Osteuropa. Das wird Österreichs Banken treffen. Die sind dort kräftig engagiert. Absehbar, wann das Rating der Austria-Banken weiter in den Keller geht. Das Rating für Österreich wird folgen.