Samstag, 30. Juni 2012

Standpunkt 287 - Nachrichten-Ticker, 29.06.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Kakofonie schadet
(wort.lu) Ob Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, Italiens Interimspremier Mario Monti, Frankreichs Präsident François Hollande oder Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel: Alle haben sich vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel lautstark in die Debatte über die Zukunft der Währungsunion und somit auch der Europäischen Union eingebracht. Die Wortmeldungen der Staatenlenker geben eine befremdende und gefährliche Kakofonie ab, mit der sich die vier Politiker selbst schaden. Weiterlesen…

Kommentar: Heute erstmals ein Artikel aus unserem kleinen Nachbarland Luxemburg, der Heimat des Chefs der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Thema, wie könnte es anders sein, der EU-Krisen-Gipfel. Neue, brauchbare Ideen scheinen auch im Großherzogtum nicht auf den Bäumen zu wachsen.  


Brüsseler Wachstums-Voodoo
(handelsblatt.com) Von einem Wachstumswunder ist Europa weit entfernt. Doch sollte man die Bemühungen der Regierungschefs für ein besseres Wirtschaftsklima zu sorgen, nicht gering schätzen. Zaghafte Ideen sind besser als gar kein Plan. Weiterlesen...

Kommentar: Sorry, aber was als Wachstumspaket beschlossen wurde, hat bestenfalls das Format eines 20g-Briefchens, mehr nicht. Also noch nicht einmal eine zaghafte Idee, sondern nur die übliche Augenwischerei. Die Rezession in Europa, fast hätten wir es vergessen zu schreiben, wird nur durch eine vollständige Neuordnung der Finanzmärkte erreicht. Den Banken müssen wieder die Regeln ordnungsgemäßer Geschäfte beigebracht werden. Alles andere sind Spiegelfechtereien.


“Ein eindeutiger Sieg für Mario Monti”
(tagesanzeiger.ch) Die Krisenstaaten erhalten Zugeständnisse, die Krisenbanken direktes Geld von Europa. Ein Schritt ins Verderben oder in die richtige Richtung? Wirtschaftsprofessor Tobias Straumann nimmt Stellung. Weiterlesen...

Kommentar: Die Meinung aus der Schweiz.      


Analysten: Merkel ist die eigentliche Siegerin des EU-Gipfels
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Nachdem sich die ersten Rauchschwaden der italienischen Sieges-Feuerwerke verzogen haben, kehrt Ernüchterung ein: Die meisten Analysten halten wenig bis gar nichts von den EU-Gipfelergebnissen. Weiterlesen...

Kommentar: Das Gegenteil zur Meinung aus der Schweiz.


Zu wenig, zu langsam, zu unsicher
(zeit.de) Viel Grund für Enttäuschung: Die Beschlüsse des EU-Gipfels werden die Panik an den Märkten nicht beenden und den Krisenstaaten nur wenig helfen, kommentiert M. Schieritz. Weiterlesen...

Kommentar: Hier nun die dritte Meinung. Der wir uns erst einmal anschliessen. Wenn sich der Theaterdonner verzogen hat, fassen wir die Ereignisse in einem eigenen Beitrag zusammen.


Neues Deutschland – totes Europa
(spiegel.de) Angela Merkels taktische Spielchen beim Euro-Gipfel haben gezeigt, was für ein Trugbild die europäische Solidarität ist, die berechenbare, deutsche Europapolitik ist Geschichte. Wir erleben eine Zeitenwende, an die wir uns später einmal erinnern werden. Vermutlich mit großem Bedauern. Weiterlesen...

Kommentar: Der “Spiegel” ist da schon weiter und hat sich eine Meinung gebildet. Die kommt aber zu spät. Was der Autor beschreibt hat schon wesentlich früher, 2009, eingesetzt, zu Beginn der angeblichen Krise in Griechenland.    


Wachstumspakt für Europa: Fast nur Luftbuchungen
(dgb.de) Europa kriselt und kommt allein nicht auf die Beine. Überall lauert die Rezession, fast überall wächst die Arbeitslosigkeit. Trotz Ausgabenkürzungen steigen die Schulden. Doch nun soll ein 130 Mrd. Euro schweres Wachstumspaket für Wachstum, Beschäftigung und Steuereinnahmen sorgen, so die Ankündigung von den Regierungschefs der vier größten Volkswirtschaften der Eurozone. Doch der Schein trügt: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben eine Rechnung mit vielen Unbekannten aufgestellt, die fast einer Luftbuchung gleicht. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Tatsachen in Kurzfassung. Für schnelle LeserInnen. Und die Grafik dazu: 


                         © DGB, 2012     


Warum Deutschland die Welt nicht retten kann
(handelsblatt.com) Englische und amerikanische Ökonomen glauben, die Deutschen können mit ihrem Geld den Euro vorm Untergang bewahren. Doch ihre Thesen entbehren jeglicher Grundlage. Weiterlesen…

Kommentar: Noch so ein Hofschranze von Angie I., Kaiserin von Europa. Was für eine Überzeichnung, es geht doch nur um Europa. Wer soll es denn sonst tun? Die Schwellenländer, allen voran China? Hätten die Deutschen gerne. Die USA? Sind selbst fußkrank im fortgeschrittenen Stadium. Der IWF? Dessen Einfluss als verlängerter Arm Amerikas ist jetzt schon unerträglich.  Nein, so funktioniert das nicht. Es muss nach dem Verursacherprinzip gehen und dann trifft es zu allererst Deutschland. So einfach ist das. Was wir meinen, zeigt beispielhaft die folgende Grafik: 

© Spiegel Online, 2012

Wohlgemerkt, das ist nur eine der vielen Ursachen. 

„Ein bisschen Demut täte uns Deutschen gut“
(spiegel.de) Er ist einer der mächtigsten Gewerkschaftsführer des Landes und gilt als kluger Taktiker: IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis kritisiert im Interview mit SPIEGEL ONLINE die überhebliche Haltung Deutschlands in der Griechenland-Krise und spricht über die Gefahren von Billigjobs in der Exportindustrie. Weiterlesen…

Kommentar: Demut? In Deutschland gerade nicht in Mode, schliesslich fühlen sich die Deutschen mit ihren Forderungen nach harten Sparmaßnahmen vollkommen im Recht. Am deutschen Wesen soll Europa genesen. Wann geht dieses nutzlose Experiment endlich zu Ende? Lesenswert, selbst unter dem Gesichtspunkt, dass auch Vassiliadis von einer Staatsschuldenkrise ausgeht.   


Der Finanzmarkt braucht keine Banken
(fes.de) Die Krise in der Eurozone macht eines ganz deutlich: Der Bankensektor ist und bleibt ein beständiges Systemrisiko sowohl für die einzelnen Staaten als auch für die Staatengemeinschaft als Ganzes. Dass dem so ist, ist vor allem einem Mechanismus geschuldet, der nach immer demselben Prinzip funktioniert. Droht den Banken Insolvenz, werden sie entweder durch »billige« Kredite der Europäischen  Zentralbank  (EZB)  subventioniert  oder  der  Staat übernimmt die Verluste mittels sogenannter Bad Bank-Lösungen und Beteiligungen (siehe aktuell Spanien). Weiterlesen…

Kommentar: Ein diskussionswürdiges „Plädoyer für eine grundlegende Finanzreform“ heißt es dort richtig. Leider noch lange nicht durchsetzbar.   


Irland zeigt wie es geht
(zeit.de) Der EU-Gipfel verschafft Spanien eine Atempause, mehr nicht. Wie man am besten mit einer Bankenkrise umgeht, können die Spanier von Irland lernen. Weiterlesen…

Kommentar: Zuletzt war es Island, das als Blaupause für eine erfolgreiche Krisenpolitik herhalten musste. Unter völlig falschen Annahmen. So ist es auch bei Irland. Das Referendum zum Fiskalpakt war eine Farce. Mit dem IWF wird andauernd über die Konditionen der Hilfskredite nachverhandelt. Tausende von Iren verlassen das Land Richtung England und Amerika (hier). Wieder einmal werden, auch bei der "ZEIT", Äpfel mit Birnen verglichen.


Neuer Skandal um britische Großbanken
(ftd.de) Erneuter Schlag für die britische Finanzwelt: Weil sie ihren Kunden komplexe Finanzprodukte verkauft, sie aber nicht ausreichend über deren Risiken aufgeklärt haben, müssen vier Großbanken tausende Kunden entschädigen. Weiterlesen…

Kommentar: Es hört einfach nicht auf. Kürzlich Milliardenverluste bei JPMorgan, jetzt gleich vier „angesehene“ Banken in England. Die Betrügereien gehen munter weiter. Wenigstens müssen Schadenersatzzahlungen geleistet werden. In Deutschland kämen die Banken ungeschoren davon.
     

„Das ist die schlimmste Bank von allen“
(sueddeutsche.de) Faule Hypothekenkredite an Kleinsparer, riskante Vorzugsscheine an Analphabeten: Über 100 Jahre war die Caja Mediterraneo eine traditionelle Sparkasse in Spanien – dann kamen Boom und Gier. Tausende Kunden wurden abgezockt. Weiterlesen…

Kommentar: Es funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie in Griechenland: Banken-Bashing an Hand konkreter Beispiele. Scheinheilig. Deutschland ist Jahr für Jahr ab Oktober Tummelplatz strukturierter Verkaufsorgien mit Schrottimmobilien, die Milliarden-Schäden verursachen und regelmäßig Menschen in die Armut treiben, manche sogar in den Selbstmord. Mittendrin Banken aller Couleur.


Handel registriert Käuferschwund
(manager-magazin.de) Der Umsatz des deutschen Einzelhandels ist im Mai nach Abzug der Preissteigerung gesunken. Unter dem Strich blieben den Händlern 0,3 Prozent weniger in den Kassen als im April, berichten die Bundesstatistiker – und auch im April selbst lief es nicht so glänzend, wie erst angenommen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Klare Aussage. Die Grafiken dazu gibt es hier.


Abschließend wieder eine aussagekräftige Karikatur, passend zum Brüsseler Gipfel: 

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