Dienstag, 31. Juli 2012

Standpunkt 328 - Nachrichten-Ticker, 30.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Sorry, aber unsere Warnung entwickelt sich zum „running gag“: Wir können nichts für die aktuellen Nachrichten. Die zeigen jedoch unmissverständlich, wo die Reise in den nächsten Wochen und Monaten hingeht: von der Finanzkrise zum Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Sie sind längst Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende des Spiels bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Wer ernsthaft beabsichtigt, sich gegen Financial Repression und eine spätere Enteignung zur Wehr zu setzen, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann wird es zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Uns geht es nicht um Panikmache oder hanebüchene Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung.  

Gerne sind wir dabei behilflich, die Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige, provisionsfreie Beratung. Für diese Beratung berechnen wir lediglich eine geringe, einmalige Aufwandsentschädigung. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.   


Der Krieg der Zukunft geht ums Wasser
(welt.de) Die Zahl der Menschen steigt rapide an. Gleichzeitig breiten sich wegen des Klimawandels Wüsten weiter aus, Gletscher schmelzen. Darum erwarten Experten Kriege um bald knappes Gut: Süßwasser. Weiterlesen...

Kommentar: Den heutigen Nachrichten-Ticker eröffnen wir mit einer Meldung außerhalb der europäischen Krise. Die Nachricht ist aber deshalb nicht wirklich besser, nur anders. Wir kennen den Streit zwischen den verschiedenen Lagern zum Thema Klimawandel. Trotzdem halten wir die Entwicklung, so wie sie hier beschrieben wird, für sehr wahrscheinlich und wollen sie deshalb unseren LerserInnen nicht vorenthalten. Kommentieren wollen wir sie nicht.


„Banken akzeptieren, dass Skandale auftreten“
(handelsblatt.com) Aus Gier trieb Nick Leeson die Barings Bank in den Ruin. Nun prangert ausgerechnet der Skandalhändler die lasche Aufsicht an – und rügt die Deregulierung der Finanzbranche. Das habe eine fatale Risiko-Kultur entfacht. Weiterlesen...

Kommentar: Wer sich immer noch Zweifel daran leistet, dass die Weltfinanzterroristen und Geldgangster (O-Ton Ernst Prost, Liqui Moly) heute mit höchster krimineller Energie ihre Betrügereien durchziehen, der muss dieses Interview aufmerksam lesen. Dann wird auch klar, warum es überhaupt nicht möglich ist, die Staatschuldenkrise genannte Bankenschuldenkrise mit immer neuen Milliarden zu lösen. Nie, nicht heute, nicht morgen, nicht in zehn Jahren. Stattdessen beginnt der Verdacht zur Gewissheit zu werden, dass es nur noch darum geht, den Menschen ihre Ersparnisse abzuknöpfen, bevor das System kollabiert und alles wieder von vorne losgeht. Dann dürfen auch die Finanzkonzerne zerschlagen, die Spekulationen verboten, das Casino geschlossen, die Märkte reguliert, eine Finanzmarktaufsicht installiert, eine Bankenunion beschlossen werden. Aber erst dann. Bis dahin sind die Politiker lediglich Handlanger dieses Systems, helfen tatkräftig mit, die Menschen in die Schuldenknechtschaft zu pressen, erst in den wirtschaftlich schwachen, später auch in den starken Ländern. Es gibt keine andere vernünftige Erklärung für die Dinge, die seit der Lehman-Pleite 2008 passieren.


Die letzte Lösung lautet Enteignung
(handelsblatt.com) Staatsschulden sind Bürgerschulden. An Kreativität, den Bürgern die Schuldenlast aufzubürden, hat es Regierungen nie gemangelt. Man muss diese Politik nur richtig an den Mann bringen. Weiterlesen...

Kommentar: Der Artikel vermittelt den Eindruck, als liegt die Roadmap für die Lösung der Krise schon seit langem fest und hätte historische Vorbilder. Das stimmt so nicht. Was wir in Europa erleben hat auf keinen Fall historische Vorbilder. Deshalb können die Euro-Skeptiker auch behaupten, diese Gemeinschaftswährung konnte nie funktionieren. Daran ist nur richtig, dass bei der Gründung der EWU aus vielfältigem Eigennutz tiefgreifende handwerkliche Fehler gemacht wurden, die wir in der Hauptsache der deutschen Bundesbank ankreiden. Die Instrumente, die heute fehlen und mit denen der europäischen Krise hätte früh wirkungsvoll begegnet werden können, haben die Bundesbanker um Tietmeyer verweigert. Theo Waigel hat sich damals von ihnen vorführen lassen. Einen Beitrag über die politische Einflussnahme der Bundesbank haben wir hier.

Es ist richtig, die Enteignung der Bürger ist die letzte Lösung, nachdem alle anderen vorher versagt haben. Noch ist es nicht soweit. Obwohl wir wegen der jüngsten Entwicklung wenig Hoffnung auf Besserung haben. Sich frühzeitig dagegen abzusichern ist die allererste Bürgerpflicht. Dazu muss man sich klar machen, dass die Staatsschulden in Europa erst seit 2008 enorm angestiegen sind, weil die Länder den Beschluss gefasst hatten, die Banken zu retten. Sorry, aber es war klar, dieser Versuch musste scheitern. Davon waren wir von Anfang an überzeugt.  

Es ging damals schon um ein Billionen-Dollar-Volumen, nicht nur um ein paar Milliarden. Spätestens seit Ende 2009 wurde die Hilflosigkeit bei diesen Rettungsversuchen deutlich. Die Politiker ignorierten diese Entwicklung und machten einfach weiter. Seit dem sind viele Hundert Milliarden Hilfen zusätzlich an die Banken geflossen, für die Menschen haften, die für die Ursachen überhaupt nicht verantwortlich sind. Als wäre das nicht schon genug, erhöhen sich auch noch die Staatsschulden weiter. Verschärft wird diese Sache noch durch die rigiden Sparprogramme für die betroffenen Länder, durch die sich die Wirtschaftsleistung drastisch verringert, was ebenfalls unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Staatsschulden hat: Steigen die Staatsschulden und fällt gleichzeitig die Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), so erhöht sich zwangsläufig die Staatsschuldenquote, das Verhältnis von Staatsschulden zu BIP und das Maß aller Dinge. Diesen Zusammenhang sollten selbst die Politiker in Berlin verstehen. Solange sie es nicht tun, rutscht Europa weiter in Rezession, Massenarbeitslosigkeit, Armut.   


Deutsche Löhne steigen wie seit Jahren nicht mehr
(welt.de) Die Einkommen der tariflichen Arbeitnehmer in Deutschland steigt kräftig. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Vor allem Dienstleistungen und der Öffentliche Dienst legen stark zu. Weiterlesen…

Kommentar: Auf den ersten Blick eine gute Nachricht, aber nur auf den ersten. Näher betrachtet ist es ein Fake. „Statistisches Bundesamt als Bundesbeschönigungsamt“ nennt es Wolfgang Lieb von „nachdenkseiten.de“ (hier). Wieder ein „schönes“ von vielen Beispielen dafür, wie die Menschen in Deutschland an der Nase herumgeführt werden.  


Nachfrage nach Mitarbeitern geht weiter zurück
(handelsblatt.com) Deutsche Unternehmen sind im Moment vorsichtiger bei Neueinstellungen. Im Juli gab es so wenig offene Stellen wie seit einem Jahr nicht mehr. Dabei sind 2011 mehr als 600.000 zusätzliche Jobs entstanden. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Nachtrag zu dem gestrigen Bericht über die Zuversicht der BDI: „Industrie nennt Wirtschaftslage robust!“ (hier).   


Deutsche Politiker: Juncker sollte als Eurogruppenchef zurücktreten
(wort.lu) Die Eurozone kommt trotz aller Rettungszusagen für die kriselnde Währung nicht zur Ruhe. Euro-Gruppenchef Jean-Cluade Juncker warnte vor dem Zerfall der Währungsunion und deutete unmittelbar bevorstehende Entscheidungen der Euroländer an. Juncker gibt Deutschland eine Mitschuld an der sich verschärfenden Krise. CSU-Generalsektretär Alexander Dobrindt warf Juncker vor, Tatsachen zu verdrehen. „Sich jetzt hinzustellen und Deutschland als Teil des Problems, Teil der Krise zu bezeichnen, ist an Unverfrorenheit nicht mehr zu überbieten“, sagt er im Bay. Rundfunk. „Ob man so jemand wirklich in dieser Funktion als Eurogruppenchef behalten kann (…), da mache ich ein großes Fragezeichen. Weiterlesen…

Kommentar: Wir sehen die Dinge wie Juncker. Natürlich unterstützt CSU-Chef Seehofer seinen Generalsekretär und nannte Junckers Handlungsweise in der F.A.Z. „grenzwertig“ (hier). Das Luxemburger Tageblatt schreibt: „Die CSU verbittet sich jede Kritik an der deutschen Europapolitik und greift Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sowie EZB-Präsident Mario Draghi scharf an. Von ‚Fehlbesetzungen’ ist die Rede“ (hier). Dazu fällt uns ein sehr passendes Zitat von Jonathan Swift (1667 – 1745, irischer Schriftsteller) ein: „Taucht ein Genie auf, verbrüdern sich die Dummköpfe.“


Warum Juncker recht hat
(ftd.de) Der Chef der Eurogruppe hat allen Grund, die deutsche Doppelbödigkeit anzuprangern. Während Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble die nächste Rettungsaktion vorbereiten, machen FDP und CSU konsequent Stimmung dagegen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein zaghafter Versuch, Juncker Gehör zu verschaffen.


„Das Schrumpfen der Mittelschicht destabilisiert die Demokratie“
(tagesanzeiger.ch) Die Eurokrise hat die Mittelklasse erreicht. Immer mehr Deutsche rutschen nach Jahren des übertriebenen Konsums nach unten. Das führe zu einer grossen Verunsicherung, sagt der Soziologe Steffen Mau. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Bevor es so weit kommt, wird der Bundestag einfach beschließen, dass die Bundeswehr deutsche Interessen nicht nur am Hindukusch, sondern endlich auch im Innern der Bundesrepublik verteidigt. Schon ist alles geritzt, die Demokratie wird mit Waffengewalt verteidigt und ein Herzenswunsch von CDU/CSU geht in Erfüllung (hier).  
  

Schäuble und Geithner schwören auf Durchhalten ein
(derStandard.at) Eigentlich hatte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in seinem Urlaub auf der Nordseeinsel Sylt mit ein paar guten Krimis entspannen wollen. Am Montag jedoch wurde nichts daraus. Schäuble empfing stattdessen in seinem Feriendomizil US-Finanzminister Timothy Geithner. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Sollte das alles sein? Lob für Fortschritte, die keine sind? Für Länder, die nach wie vor mit dem Rücken zur Wand stehen? Deren Situation durch die Spardiktate nur weiter verschlimmert wurde? Kaum zu glauben. Andererseits sind die USA nicht auf Europa angewiesen, um ihre eigenen Probleme zu lösen. Amerika benötigt Jobs, Jobs, Jobs, die kann Europa nicht beschaffen. Auf den Konten US-amerikanischer Großbanken und Konzerne schlummern knapp 2 Billionen US-Dollar Liquidität, die könnten leicht für die Schaffung einer ausreichenden Zahl von Jobs eingesetzt werden. Eigentlich. Leider reicht Washingtons Macht nicht bis an die betreffenden Bankkonten heran, obwohl die US-Steuerzahler dafür haften. Deshalb muss die US-Regierung, um die Wiederwahl Obamas nicht zu gefährden, weiter die Europäer auch für ihre Krise verantwortlich machen. Bisher erfolgreich.


Griechenland will sein Geld aus der Schweiz zurückholen
(tagesanzeiger.ch) Milliarden von unversteuerten griechischen Euros liegen auf Schweizer Banken. Jetzt will das hochverschuldete Land den Kampf gegen die Steuersünder wieder aufnehmen. Weiterlesen...

Kommentar: Das ging aber schnell. Die Schweizer zeigen Verhandlungsbereitschaft. Vorhersehbar. Es war töricht von den steuerflüchtigen Griechen anzunehmen die Schweiz wäre sicher. Griechenland wird Erfolg haben.


Troika bleibt in Griechenland bis Einsparungen beschlossen sind
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Am Montagabend trifft sich die griechische Regierung, um die Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro zu beschließen. Und die Troika sollte bereits wieder auf dem Heimweg sein. Doch das Vertrauen in die griechische Politik ist verloren. Die Troika will bleiben und selbst sehen, dass die Sparmaßnahmen von allen getragen werden. Weiterlesen...

Kommentar: Das dauert noch. Der Beschluss wurde nämlich nicht gefasst (hier). Ein kleiner Rest von Souveränität hat sich die griechische Regierung erhalten.   


Der Druck auf Deutschland steigt
(handelsblatt.com) Deutschlands Rolle in der Euro-Krise steht immer mehr im internationalen Fokus – und in der Kritik. Europa erwartet von Deutschland Führungsqualitäten bei der Krisenbekämpfung. Dafür müssten sich einige Dinge ändern. Weiterlesen…

Kommentar: Schon seit Monaten erwartet Europa und die Welt deutsche Führungsqualitäten. Passiert ist wenig, außer dass Deutschland erfolgreich eine Lösung der europäischen Krise boykottiert, sie mit immer neuen Forderungen sogar noch verschlimmert. Angie I, Kaiserin von Europa (hier), in der Klemme.


Flammender Appell Blairs zu Euro-Rettung an Berlin
(wirtschaftsblatt.at) Der britische Ex-Premierminister Tony Blair hat Deutschland zur Rettung des Euro aufgerufen. Die gegenwärtige Krise ist laut britischem Ex-Premier von existenzieller Bedeutung für Europa und jede Alternative als die Rettung des Euro sei schlechter. Weiterlesen…

Kommentar: Passend zu Geithners Besuch auf Sylt: Unterstützung vom wichtigsten Verbündeten Amerikas in Europa, Großbritannien. Die Gemengelage wird größer.


USA und China müssen erste Hilfe leisten
(handelsblatt.com) Während Europa um seine Währung bangt, sehen die USA und China fassungslos zu – noch. Denn sollte sich die Krise verschlimmern, müssen die Großmächte eingreifen, und zwar in eigenem Interesse. Weiterlesen…

Kommentar: Um Himmels Willen, nein. Der Preis dafür wäre viel zu hoch. Europa ist die größte Wirtschaftsmacht und muss die Krise unbedingt alleine lösen. Sogar der IWF hat dabei nichts verloren. Das sind die Ideen von Billigheimern, die lieber Kosten und Verantwortung teilen, statt der Welt zu zeigen: Wir schaffen das alleine! Zur Wirtschaftsmacht Europa hier ein interessanter Artikel des SPIEGEL.


Die Bazooka kommt: EZB und Fed wollen Märkte mit Geld fluten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Noch in dieser Woche erwarten die Finanzmärkte bei der EZB und der Fed einen Wechsel in der Geldpolitik, Leitzinssenkungen, Anleihenkäufe und eine erneute Geldschwemme sind im Gespräch. Das treibt die Kurse an den Börsen in die Höhe. Weiterlesen…

Kommentar: Eine untaugliche Maßnahme. Hilft nur den Spekulanten.


Das Ende des Euro, in Scheiben serviert
(sueddeutsche.de) Merkel telefoniert, Schäuble empfängt, Juncker appelliert: Die Lage in der Euro-Zone wird immer dramatischer. Längst geht es nicht mehr nur um Hilfen für Griechenland oder Spanien, sondern um das ganze Projekt. Weiterlesen…

Kommentar: Schon wieder wird das Ende des Euro herbeigeschrieben. Das ist verantwortungslos. Diese Rechnung geht nicht auf, die Auflösung der Eurozone gleicht einem Selbstmord. Politisch, wirtschaftlich und für die Ersparnisse und Vermögen der Bürger. En regelrechtes Massaker.

Sicher, die europäischen Krisenmanager begreifen nicht das hochexplosive Gemisch aus Banken-Schuldenkrise, Währungskrieg, Spekulation, hemmungslosen Finanzverbrechern, Staatsschulden, Schuldenknechtschaft, Rezession, Massen-Arbeitslosigkeit, Armut und als Höhepunkt das Welt-Finanz-Casino der Banken, rund um die Uhr geöffnet. Daran wird sich durch die Auflösung der Eurozone nichts ändern, eher im Gegenteil: Es wird noch leichter einzelne Staaten kaputt zu spekulieren, erinnern wir uns beispielsweise nur an die Angriffe von Soros gegen Großbritannien und Thailand.

Sicher, die europäischen Krisenmanager bekämpfen die Krise mit den falschen Mitteln. Hauen Milliarden Euro raus (hier), verknechten die Bürger in den betroffenen Ländern auf viele Jahre, befeuern die Spekulation, bremsen die Wirtschaft in die Rezession und ignorieren beharrlich die Folgen.

Sicher ist aber auch, dass eine „Rückabwicklung“ des Euro auf die nationalen Währungen vor dem Hintergrund der beschriebenen Schwierigkeiten gar nicht möglich ist. Was passiert mit den Milliarden zur Rettung der Banken, was mit dem Giftmüll in den Bankbilanzen, was mit den Schulden der Öffentlichen Hand, der Privaten (Länder wie Großbritannien, Irland, Luxemburg z. B. haben Gesamtschulden von über 1000% des BIP!)? Wie werden die aufgeteilt? Europa verkommt zu einer Dritte-Welt-Region. Die einzige Möglichkeit, um das zu verhindern, wäre die umfassende Verwertung des „Volksvermögens“ durch die nahezu vollständige Enteignung der Bürger. Wie das funktioniert haben wir hier ausführlich beschrieben.

Wer bürgt für den Euro-Anteil an den chinesischen Devisenreserven? Was passiert mit dem 25%igen Anteil des Euros am Welthandel?

Was wird aus der deutschen Wirtschaft? Die neue deutsche Währung, gerne D-Mark II, wird massiv aufwerten, die der anderen Länder ab. Da können die deutschen Maschinen- und Autobauer noch so gute Qualität abliefern, was bei den Autoherstellern sowieso nicht der Fall ist, wie die regelmäßigen Rückrufaktionen belegen, Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, die Niederlande, Brasilien, China werden über den Preis höchst konkurrenzfähig. Besonders China wird gnadenlos deutsches Know how nutzen, gekauftes oder geklautes, egal. Die liefern dann einfach zwei Maschinen, die zusammen weniger kosten wie die eine deutsche und kompensieren so eventuelle Qualitätsdefizite. Andererseits halten wir den Nimbus der deutschen Qualität mittlerweile eher für einen Mythos.

Alle bisherigen Annahmen über die Einschnitte gehen von dem günstigsten Szenario aus: Die Schwellenländer, allen voran China, kompensieren weitgehend die Ausfälle in Europa, wo Deutschland nach wie vor rund 75% seiner Ausfuhren absetzt. Völlig undenkbar, die Schwellenländer fallen reihenweise aus und haben mit sich selbst genug zu tun. Unruhen sind dort dann an der Tagesordnung (in Europa übrigens auch). Bleiben noch die Amerikaner. Die werden das tun, was sie immer tun, wenn es knüppeldick kommt: sich auf sich selbst konzentrieren, ihren Binnenmarkt, der groß genug ist, um einige Jahre auf - zugegeben – niedrigstem Niveau zu überwintern.

Am Ende heißt es hämisch: „Schaut sie euch an, die dummen Deutschen…“


Angst vor sozialen Unruhen: Millionen Hochschulabsolventen in China ohne Job
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die abgeschwächte chinesische Wirtschaft stellt die derzeitige Regierung vor große Probleme. 6,8 Millionen Studenten werden 2012 ihr Studium beenden. Für rund 30 Prozent wird es keine Arbeit geben. Und die jungen, studierten Chinesen haben das Potential, wirkliche Unruhen anzuzetteln. Weiterlesen…

Kommentar: Diese Zahlen sprechen für sich, kommentieren zwecklos.


Chinas wichtigste Zeitung kritisiert Umweltpolitik der Regierung
(wirtschaftsblatt.at) Nach den gewalttätigen Protesten vom Wochenende gegen ein Industrieprojekt in der chinesischen Stadt Qidong hat Chinas einflussreichste Zeitung "People's Daily" am Montag die Behörden dazu aufgefordert, in Umweltfragen auf die Bevölkerung zu hören. Das Sprachrohr der kommunistischen Partei schrieb, das Land brauche "offene und transparente Entscheidungsmechanismen" und müsse ein "aufgeschlossenes Umfeld für die öffentliche Meinung" schaffen. Weiterlesen…

Kommentar: Da muss niemand ein Prophet sein: China steht vor einem riesigen Berg an Problemen, für den es teilweise überhaupt noch keine Lösungen gibt. Sich auf dieses Land als Handelspartner zu verlassen ist sträflicher Leichtsinn oder der eigenen Not geschuldet.


Deutsche Panzer für die neue Interventionsmacht Katar?
(heise/telepolis.de) Laut Medienberichten will das Herrscherhaus des Boomstaates bis zu 200 deutsche Panzer vom Typ Leopard 2 kaufen.
Bis zum Schluss habe sich Deutschland für ein globales Waffenexportabkommen "mit höchsten Standards" eingesetzt, so äußerte Außenminister Westerwelle sein Bedauern über die gescheiterte erste Runde der Verhandlungen, die den ersten weltweiten Waffenhandelskontrollvertrag zum Ziel haben. Es geht um Regelungen für den Handel mit konventionellen Rüstungsgegenständen, von Kriegsschiffen, Flugzeugen, Panzern, bis zu Kleinwaffen und, ein wichtiger Streitpunkt, Munition. Weiterlesen…

Kommentar: Deutschland wirft wirklich rücksichtslos alle Prinzipien über Bord. Still und leise werden die Standards für Rüstungslieferungen gekappt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass deutsche Panzer auch in China rollen, im Einsatz gegen Demonstranten, denn Feinde von Außen hat China nicht. Es ist eine Schande. 

Montag, 30. Juli 2012

Standpunkt 327 - Nachrichten-Ticker, 29.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



„Noch nicht alle haben unsere Strategie verstanden“
(welt.de) Viele Themen verlangten nach einer Reaktion des Finanzministers: die Rufe nach einem Euro-Austritt Griechenlands, die Krise in Spanien, das Rating Deutschlands. Doch Wolfgang Schäuble bleibt gelassen. Weiterlesen...

Kommentar: Ein so ausführliches Interview mit dem Bundesfinanzminister, da hätten wir uns eines mehr an nützlichen Informationen erhofft. Vor allen Dingen über die angebliche Strategie gegen die Krise in Europa. Leider Fehlanzeige. Auch aus dieser Ecke kommt nichts Neues. Jedenfalls nichts, was man nicht schon in den vergangenen Tagen irgendwo lesen konnte. Schade. Das nährt unseren Eindruck, es gibt keine wirkliche Strategie. Die Bundesregierung versucht nur, mit dem geringsten Einsatz die Eurozone zu retten. Das wird nie und nimmer funktionieren, Herr Schäuble.  


Spekulationen um Schäubles Inseldiplomatie
(ftd.de) Finanzminister Schäuble hat sich seinen US-Kollegen Geithner als Gast auf die Urlaubsinsel Sylt eingeladen. Über den Hintergrund des Treffens an der Nordsee herrscht Rätselraten. Weiterlesen...

Kommentar: Wir hätten da einen Vorschlag: Schäuble verbittet sich jede Form einer US-Einmischung, wirklich jede. Statt dessen wird er Geithner die deutsche rote Linie erklären, bis zu der finanzielle Hilfen für die notleidenden Länder bereitgestellt werden, und um Verständnis werben.. Da wird man aber in Spanien nicht sehr weit kommen (hier).


Schäuble: Aufspaltung von Universalbanken möglich
(faz.net) Diese Worte des Bundesfinanzministers dürften für Unruhe in der Finanzwelt sorgen. In einem Zeitungsinterview sagt Wolfgang Schäuble, dass er sich durchaus vorstellen könne, europäische Großbanken in Geschäfts- und Investmentbanken aufzuteilen. Weiterlesen...

Kommentar: So wie Schäuble seine Antwort formuliert hat, müssen sich die Großbanken in Europa nicht wirklich Gedanken machen. Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Und wenn es entschieden ist, dann wird man feststellen, das klappt so nicht: Wer soll denn den ganzen wertlosen Müll übernehmen, der sich noch in den Bilanzen dieser Banken tummelt (hier)? Sehr wahrscheinlich eine staatliche Bad Bank, vielleicht sogar nach schwedischem Vorbild (hier). Die Derivate verschwinden in einer Zweckgesellschaft oder Schattenbank und wuchern im Verborgenen weiter. 

Die Sache mit den schärferen Regeln hat sich vor diesem Hintergrund auch längst erledigt. Hätte unmittelbar nach der Lehman-Pleite noch Erfolg haben können, heute ist es zu spät. Aufspaltung und Regulierung werden nur funktionieren, wenn die Finanzindustrie, also ausnahmslos alle Finanzkonzerne, auseinander genommen, gereinigt und wieder zusammengesetzt wird. Dann natürlich getrennt, mit Regulierung und unter Aufsicht. 

Wir können es nur immer wieder betonen: Ohne eine tiefgreifende Restrukturierung der Finanzwirtschaft sind alle, wirklich alle, Rettungsmilliarden vollkommen nutzlos, das Ganze tatsächlich ein Fass ohne Boden. Europa wird vor den Trümmern der Gemeinschaftswährung stehen und danach nicht wie „Phönix aus der Asche“ wieder auferstehen. Kommt es so weit, dann verlieren 99% der Menschen ihr Hab und Gut, weil sie dann in bester Staatsbürgerpflicht für ihren Staat bürgen müssen: „Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.“ – Carl Fürstenberg, deutscher Bankier.


Koalition verliert Geduld mit Griechenland
(manager-magazin.de) Mit einem neuen Sparpaket will Griechenland in letzter Sekunde eine Staatspleite abwenden. Doch die Unmut in Deutschland wächst. Bundeskanzlerin Merkel bemüht sich um Beruhigung. Doch Spitzenpolitiker aus FDP und CDU äußern sich skeptisch über neue Zugeständnisse. Weiterlesen…

Kommentar: Ein lächerliches Sommertheater ist das. So schnell geraten die Dinge in Vergessenheit. In den Wochen vor der griechischen Neuwahl Mitte Juni wurden den Griechen vollmundig Zugeständnisse in Aussicht gestellt, wenn sie die richtigen, den europäischen Krisenmanagern genehmen, Parteien wählen (hier). Es hat geklappt und nun ist keine Rede mehr von Zeitaufschub oder Abschwächung der sowieso unhaltbaren Ziele. Jetzt verfallen EU und IWF wieder in die alte Rolle des Erpressers, in der sich besonders deutsche Politiker richtig wohlfühlen (hier). Hier noch eine Forderung, dort noch ein Nadelstich und immer schön die grobe Keule „Grexit“ schwingen (hier). Wie soll das denn gehen, der Austritt? Diese Antwort bleiben ausnahmslos alle diese Keulenschwinger schuldig. Müssen sie auch, es gibt dafür keine Regelung, ein Austritt aus der Währungsunion ist im entsprechenden EU-Vertragswerk schlicht nicht vorgesehen. Die „simple Mathematik“ des Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs hilft da auch nicht weiter. Auffällig ist jedoch, dass diese Forderungen wunderbar zur öffentlichen Meinung in Deutschland passen, der eine Emnid-Umfrage nachgegangen ist. Das Ergebnis ist eindeutig: 71% Zustimmung für einen Grexit.  


Juncker warnt vor Zerfall der Euro-Zone
(sueddeutsche.de) "Keine Zeit mehr zu verlieren": Der Vorsitzende der Euro-Gruppe sieht einen entscheidenden Punkt der Schuldenkrise gekommen. Jean-Claude Juncker unterstützt Pläne von EZB-Chef Draghi zum Ankauf von Staatsanleihen – und gibt Deutschland eine Mitschuld an der Krise. Berlin behandle die Euro-Zone "wie eine Filiale". Auch "Geschwätz über den Austritt Griechenlands" sei nicht hilfreich. Weiterlesen…

Kommentar: Nach längerer Pause meldet sich Juncker wieder wortgewaltig zur europäischen Krise und kümmert sich u. a. um das deutsche Sommerloch. Treffend, seine Bewertungen.   


Portugal: Hausbesitzer blicken einer „Steuerkatastrophe“ entgegen
(wirtschaftsfacts.de) Portugals Immobilienbesitzern stehen harte Zeiten ins Haus, von denen die meisten noch gar nichts wissen. Denn die anstehende Erhöhung der Gemeindesteuern wird sich auf Basis von Expertenschätzungen in vielen Fällen auf bis zu 400% belaufen. Es ist damit zu rechnen, dass eine Vielzahl von Hausbesitzern ihre Steuern zukünftig nicht mehr leisten kann, wodurch die Gemeinden sich als Beschleuniger von Zwangsversteigerungen entpuppen dürften. Verbände warnen bereits vor einer Steuerkatastrophe. Die Besitzer von Betongold werden nun durch den Staat geschröpft. Weiterlesen…

Kommentar: Portugal gehört zu den Staaten, die Philipp Rösler ausdrücklich für ihre Strukturreformen gelobt hat (hier). Deren Ergebnis hat zu Rezession, massivem Anstieg der Arbeitslosigkeit, Plünderung der Pensionskassen und Armut geführt. Jetzt auch noch die Maximierung der kommunalen Steuerbasis.


Die D-Mark wäre eine große Belastung für Deutschland
(welt.de) Eine Rückkehr zur D-Mark würde hohe Verluste beim Export und ein geringeres Wirtschaftswachstum bedeuten. Der Schock überträfe die Folgen der Lehman-Krise bei weitem. Weiterlesen...

Kommentar/Erklärung: Noch einmal das vor einigen Tagen schon veröffentlichte Ergebnis einer Allianz-Studie in den Worten des Chefvolkswirts. Zum besseren Verständnis zeigen wir eine Grafik, die mögliche Folgen eines Euro-Zusammenbruchs visualisiert. Selbst in dieser Darstellung, die sicherlich nicht von den härtesten Folgen ausgeht, erscheinen die Konsequenzen dramatisch. Gezeigt werden die Entwicklung der Wirtschaftsleistung, der Arbeitslosenquote und der Inflation. Aber Achtung: Überhaupt nicht einzuschätzen sind die Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzwirtschaft, deren Konzerne reihenweise in die Knie gehen. Es gab bisher in der Menschheitsgeschichte kein vergleichbares Ereignis, an dem man sich ein Vorbild nehmen könnte. Denjenigen, die hier und da immer noch mal für die Insolvenz von Banken plädieren, fehlt ein Konzept. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat so etwas schon seit Jahren – in einer ihrer Schubladen. Bisher haben die beiden Schweizer Großbanken, UBS und Credit Suisse (CS), sehr erfolgreich dessen Inkraftsetzung verhindert. Deshalb wird es auch der Schweiz das Genick brechen, wenn die Eurozone kollabiert. Das Land wäre mit einer Rettung von UBS und CS komplett überfordert, eine Staatspleite wäre die Folge. 


    © SPIEGEL, 2012


Argentinien: Wir wären gerne ihr
(zeit.de) Dieser Kontinent steckt voller Möglichkeiten! Europa und seine Krise, von Argentinien aus betrachtet. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Lesen, wirken lassen. Die beschriebenen tollen Verhältnisse im heutigen Argentinien decken sich nicht mit unseren Informationen (Beispiel hier). Wichtiger erscheint uns aber die Beschreibung der großen Bewunderung, die Europa offensichtlich aus weiter Ferne genießt. Schade, dass in Europa selbst dieses Gefühl nicht weit verbreitet ist.


Analyst: Erste Anzeichen von Kapitalflucht aus Deutschland
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Deutsche Staatsanleihen sind im Begriff, ihre Funktion als „sicherer Hafen“ zu verlieren. Den Grund sieht Josh Rosner von Graham Fisher darin, dass Deutschlands Erfolge in der Euro-Zone auf Lohndumping und massiver Exportförderung durch die deutschen Banken beruhen. Die sich abzeichnenden Schwierigkeiten Deutschlands bei der Finanzierung werden weitreichende Folgen für den deutschen Steuerzahler haben. Weiterlesen...

Kommentar: Eine Analyse, die es faustdick hinter den Ohren hat. Bitte aufmerksam lesen. Die Ergebnisse sind schwer verdaulich, jedenfalls für die deutschen Politiker und die Unternehmer. „Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) widerspricht den Skeptikern: Ein Prozent Wirtschaftswachstum sei in diesem Jahr „sehr realistisch“. Der deutschen Wirtschaft stellt der BDI ein glänzendes Zeugnis aus.“ Aus „Industrie nennt Wirtschaftslage robust!“, faz.net (hier).


Chinas Behörden kapitulieren vor der Protestgeneration
(welt.de) Aus den Fenstern geworfene Dokumente, verwüstete Büroräume, zerstörte Computer: Die Chinesen glauben ihren Behörden nicht mehr. Erstaunlich ist, wie viele junge Menschen sich dem Protest anschließen. Weiterlesen...

Kommentar: Chinas Weg an die Weltspitze ist steinig und mit vielen Rückschlägen verbunden. Das bekommen auch die Handelspartner zu spüren. Wir bleiben skeptisch.  


Wie die Olympischen Spiele Griechenland ruinierten
(zeit.de) Schulden, Ruinen und gebrochene Versprechen: Jetzt, wo alle nach London schauen, ist in Griechenland die Misere des Olympia-Erbes erschreckend zu erkennen. Weiterlesen...

Kommentar: Eine der Ursachen der griechischen Misere. Haushaltsdefizit 2002 3,7% des BIP, 2004 dann schon 7,5% und Anstieg der Staatsverschuldung von 182 auf 201 Milliarden Euro. Ein dickes Geschäft für die europäische und US-amerikanische Finanzindustrie, die griechischen Banken waren bestenfalls Erfüllungsgehilfen und bekamen ein paar Brotsamen vom Tisch der Mächtigen ab. Ein aufschlussreicher Artikel und Pflichtlektüre für unsere LeserInnen.  

Da kann man sich schon gut vorstellen, wie es dem klammen Großbritannien ergeht...
 

Sonntag, 29. Juli 2012

Standpunkt 326 - Nachrichten-Ticker, 28.07.

Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Standard & Poor’s bestätigte Bestnote für „Union Jack“
(wirtschaftsblatt.at) Trotz Rezession bekommt Großbritannien von der Rating-Agentur langfristig die Bestnote. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist vollkommen idiotisch, diese Bewertung. Großbritannien ist bankrott. Schon 2010 wollte das Land den Hafen von Dover an Frankreich verkaufen und sich von der Hälfte seiner Wälder trennen. Nur massive Proteste aus der Bevölkerung haben diese Pläne vorläufig verhindert.

Großbritannien dümpelt bei minus 4% "Wirtschaftswachstum" rum, da soll sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholen? In welchem Jahr? Wegen Olympia? Das wären die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, die für den Veranstalter mit einem Gewinn abschließen. 


Wieder ein politisch motiviertes Rating. Einzelheiten zu den Triple-A Märchen Ratings, auch zu Großbritannien, bitte hier nachlesen. Nach wie vor gültig.  


Irland zeigt Italien und Spanien, wie’s geht
(tagesanzeiger.ch) Die irische Regierung konnte am Donnerstag erstmals seit 2010 wieder Anleihen für 5,2 Milliarden auf dem Kapitalmarkt verkaufen. Auch die ausländischen Investoren sind auf die grüne Insel zurückgekehrt. Weiterlesen...

Kommentar: Klarer Fall von Meinungsmache, dieser Artikel. Leider wird nicht öffentlich gemacht, wer die Anleihen übernommen hat, wäre sicherlich sehr aufschlussreich. Die Investoren kehren zurück, aber: „Irland laufen die jungen Leute davon" (welt.de, 17.06.2010, hier). 100.000 schätzt das Dubliner Economic and Social Research Institute. 40.000 alleine 2011 (br.de, 20.05.2012, hier). Irland ein Musterknabe? Nach wie vor steckt das Land in riesigen Schwierigkeiten. Ein Blick auf die Entwicklung der Industrieproduktion in Europa 2011 klärt, wie es um Irland steht: 


Mittlerweile liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 40%, die Arbeitslosenquote unter Jungakademikern betrug 2011 39% (hier).


Schäuble kritisiert Sinns „Milchmädchenrechnung“
(focus.de) Streit zwischen Star-Ökonom Hans-Werner Sinn und Finanzminister Schäuble: „Milchmädchenrechnungen“ über einen Euro-Austritt Griechenlands helfen niemandem, kritisiert Schäuble. Doch die eigene Partei fällt dem Minister in den Rücken. Weiterlesen...

Kommentar: Warum heißt es immer noch „Star“-Ökonom und mit welcher Begründung? Wer darüber etwas weiß, den bitte um eine kurze Erklärung per E-Mail: der-oekonomiker@email.de. Jedenfalls verstehen wir den Zorn des Bundesfinanzministers. Und Leute wie Michael Fuchs, Hermann Otto Solms, Philipp Rösler, Rainer Brüderle, Alexander Dobrindt, Horst Seehofer, Markus Söder, usw., sind ahnungslose Brandstifter, denen es nicht um eine Lösung der Krise in Europa geht, sondern nur um politisches Profil. Griechenland wird nie ohne fremde Hilfe auskommen, genauso wenig wie Irland oder auch Portugal. Für Griechenland gilt: Selbst Grexit, ein Schuldenerlass von 100% und die vollständige Einhaltung der Sparprogramme machen das Land nicht überlebensfähig. Für diese Feststellung reichen die Grundrechenarten. Einer der Gründe: Die Griechen haben von den Hilfsmilliarden keinen Cent abbekommen (siehe hier und hier). Diese Tatsache wird von den Politikern einfach unterschlagen. Die Deutschen lassen sich wieder einmal zum Narren halten. 

Es funktioniert nie ohne Geld aus Brüssel, nennt sich eben Solidarprinzip. War für Deutschland Jahrzehnte lang kein Fremdwort, sondern wichtiger Teil einer deutschen Erfindung mit dem Namen "Soziale Marktwirtschaft". Die ist nur leider in den letzten Jahren konsequent abgeschafft worden ("Der Putsch von ganz oben", Stern, 21.10.2004, hier). Der „Star“-Ökonom Sinn hat seinen Teil dazu beigetragen.   


Griechenland in oder out?
(heise/telepolis.de) Nicht nur in Deutschland hat die Debatte über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone an Fahrt gewonnen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine treffende Beschreibung der Hintergründe und Ziele des wiederbelebten Griechen-Bashings.


Rösler lobt Mini-Jobs als Standortvorteil für Deutschland
(derStandard.at) 400-Euro-Jobs würden „Beitrag zu mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt“ leisten. Weiterlesen…

Kommentar: Ist der Mann noch zu retten? Wir sind uns sicher: Nein. Wahrscheinlich glaubt er den Stuss sogar, den er verzapft. Wir haben vor Monaten im Zusammenhang mit seiner Amtsübernahme schon vom „untalentierten Herrn Rösler“ geschrieben (hier). Wie recht wir haben. Einen Blick auf die Entwicklung der Einkommensarmut in Deutschland genügt. Sie liegt bereits seit Jahren oberhalb der OECD-Armutsrate. 

 
„Wenn Deutschland weiter so diskutiert, zerbricht die Eurozone“
(faz.net) Spaniens Europaminister Mendez de Vigo verlangt mehr Solidarität von Deutschland. Außerdem müsse die Diskussion über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone enden. Das Gerede einiger Politiker darüber sei „sehr gefährlich“. Weiterlesen...

Kommentar: Wen juckt das, Deutschland sucht sein Heil in den Schwellenländern. Die Eurozone verliert angeblich an Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Was für ein Nonsens.

    © faz.net


Der Euro sprengt in der Schuldenkrise Europa
(welt.de) Merkels und Hollandes Bekenntnis sind die letzten Zuckungen der gemeinsamen Euro-Diplomatie. Das politische Europa hat die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit überschritten. Es wirken gewaltige Fliehkräfte. Weiterlesen…

Kommentar: Die Journaille hilft beim Füllen des Sommerlochs. Der Euro stirbt im Süden? Falsch, abgemurkst wird er in Berlin, Frankfurt, Brüssel, New York, nirgends sonst.  


EU-Kommission genehmigt Finanzspritzen
(tageblatt.lu) Die EU-Kommission hat vorläufige Finanzspritzen für griechische Banken gebilligt. Die Institute müssen aber einen Restrukturierungsplan vorlegen. Die Troika kontrolliert indes weiter. Athen will die Streckung der Umsetzung des Sparpakets. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist Tagespolitik: Europa lässt die Banken in Griechenland nicht hängen, nachdem die EZB vorläufig ausgestiegen ist. Austrittsfantasien hat die Kommission für Griechenland keine.  


Die Lizenz, nichts tun zu können
(fuw.ch) „Draghi ist kein Messias, und eine Banklizenz für den ESM ist kein Evangelium, auf das die Märkte hoffen sollten.“ Auch als Bank bliebe der ESM, was er ist: ein zu kleiner Rettungsfonds. Weiterlesen...

Kommentar: Wieder einmal ein nützlicher Blick von „draußen“ auf die Krise in Europa. Lesenswert.


Die Sündenböcke in Zeiten der Schuldenkrise
(welt.de) Banken, Ratingagenturen, Griechenland, Deutschland, Spekulanten und Notenbanken: In der Euro-Krise werden im Wechsel immer die gleichen Akteure beschuldigt. Was ist dran an den Vorwürfen? Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt erklärt uns die Welt die Welt, pardon, die Krise in Europa. Nur macht sie es schlecht, sehr schlecht. Sündenböcke sind sie alle, jeder auf seine Art. Ausgenommen Griechenland, dem Spielball der Euro-Angreifer. Griechenland ist die arme Sau in diesem Spiel. Es geht in Wahrheit nicht um die Umstände des griechischen Euro-Beitritts. Die müssen nur als Begründung dafür herhalten, dass das Land von den Spekulanten angegriffen wird. Wir vergleichen diese Spezies mit Hyänen. Die jagen auch immer nur das schwächste Tier einer Herde.

Die Banken haben jahrelang hart dafür gearbeitet, exklusiv die Staaten finanzieren zu können. Es begann 1913 in den USA mit der Gründung der US-Notenbank Fed (hier). Seit dem hat man sie abhängig gemacht. Warnungen davor gab es schon früh, z. B. von Thomas Jefferson, von 1801 bis 1809 der 3. Präsidenten der USA: Falls das amerikanische Volk jemals die Kontrolle über die Herausgabe ihrer Währung auf Banken übertragen sollte, werden diese und die Firmen, die sich um sie bilden, unter dem Einsatz von Inflation und Deflation, dem Volk solange ihr Eigentum wegnehmen, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent, den ihre Väter einst in Besitz nahmen, aufwachen. Die Herausgabe von Geld soll von den Banken weggenommen werden, und zurück auf den Kongress und das Volk übertragen werden. Ich glaube aufrichtig, dass Banken, mit dem Recht Geld herauszugeben, gefährlicher für die individuellen Freiheitsrechte sind als eine stehende Armee.“  Genützt hat es nichts. 

Robert H. Hamphill, Kredit Manager, Atlanta Federal Reserve Bank, hat den Versuch unternommen, diese Zusammenhänge zu erklären: Wir sind vollständig abhängig von den öffentlichen Banken. Jemand muss jeden einzelnen Dollar, der im Umlauf ist, egal ob in bar oder elektronisch, leihen. Wenn die Banken ausreichend künstliches Geld herstellen, dann sind wir reich, wenn nicht verhungern wir. Wir haben kein stabiles Geldsystem. Wenn man das Bild im Ganzen erfasst, ist die tragische Absurdität unserer hoffnungslosen Position regelrecht unglaublich, aber sie  ist wahr. Das ist das allerwichtigste Thema, dem sich intelligente Menschen überhaupt widmen können. Es ist derartig wichtig, dass unsere ganze Zivilisation zusammenbrechen könnte, wenn die Wahrheit nicht allgemein bekannt wird und die Missstände nicht wirklich schnell angegangen werden.“

Die Ratingagenturen sind Teil dieses zerstörerischen Systems Finanz-Casino. Bitte einfach die folgenden Beiträge lesen: hier und hier. Beide sehr aufschlussreich.

Deutschland ist klarer Nutznießer der Euro-Einführung. Wir haben diese Tatsache bereits in unserer Replik auf die Bogenberger Erklärung von Hans-Werner Sinn ausführlich erläutert und belegt. Wen es interessiert, der kann es hier nachlesen.

Die Spekulanten gibt es offiziell gar nicht, es sind immer die Märkte. Nur gibt es die seit 2008 nicht mehr. Sorry, aber Banken gehören zur Spekulation. Pensionsfonds und Lebensversicherungen prinzipiell auch, Financial Repression versperrt ihnen den Weg aus diesem Spiel (hier).

Die Rolle der Notenbanken ist die des Interessenwahrers der Privatbanken. Am Beispiel der deutschen Bundesbank hat der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister in einer Untersuchung Mitte der 1990er Jahre diese Tatsache bewiesen (hier).


Deutschlands kommende Immobilienblase
(fuw.ch) In Deutschland sind heute keine Zeichen einer Immobilienblase zu sehen: Das heisst aber nicht, dass sich in den kommenden Jahren keine bilden kann. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Ein Artikel mit Zündstoff. Dessen Wirkung sich verstärkt durch den Hinweis auf einen früheren Beitrag, Titel: „Deutschland und Spanien: Näher, als man denkt“. Daraus eine kurze Leseprobe: „Spanien ist kein notorischer Defizitsünder. Genauso wenig wie Irland. Das kann nicht oft genug wiederholt und betont werden. Es ist schlicht falsch, wenn diese beiden Länder heute in der Diskussion rund um die Eurokrise den gleichen Stempel erhalten wie Griechenland, Italien oder Portugal. Nein, die Geschichte dieser beider Länder ist differenzierter, und sie birgt einige Lehren, die sich gerade der heutige Musterknabe in Europa, Deutschland, zu Herzen nehmen sollte.“

  
Der Skandal-Banker
(faz.net) Seit Juni ist der Inder Anshu Jain Chef der Deutschen Bank. Jetzt holt ihn die Vergangenheit ein: Kriminelle Zinsmanipulationen in großem Stil fielen in seinen Verantwortungsbereich. Weiterlesen…

Kommentar: Es wird immer klarer, warum die Bank den Kronzeugen im Libor-Skandal gibt. Sie versucht einen ihrer neuen Bosse zu schützen. Geht das gut?


Wie China die Krise bändigte
(handelsblatt.com) Als Einzige der großen Volkswirtschaften kann ausgerechnet China noch normale Wirtschaftspolitik betreiben. Auch wenn die Konjunktur auf einem Dreijahrestief angekommen ist, die wirtschaftliche Lage ist entspannt. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine Schönschreibung. Wir sind skeptisch. Warum steht beispielsweise hier und hier.