Freitag, 13. Juli 2012

Standpunkt 305 - Nachrichten-Ticker, 12.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



EU-Gericht bricht die Macht der Saatgut-Weltkonzerne
(wort.lu) Der Streit ums Saatgut schwelt seit Jahren. Wenige Weltkonzerne beherrschen den Markt – und verdrängen kleine Bauern. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stärkt kleinen Züchtern nun den Rücken. Europas Bauern dürfen alte Sorten selbst vermarkten. Ökoverbände und Grüne sind zufrieden. Weiterlesen… 

Kommentar: Fernab von der Krise in Europa  gibt es hier und da auch noch erfreuliche Nachrichten. Offensichtlich will der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg Europa noch nicht an die weltweit operierenden Agrar-Konzerne verloren geben. Die Technokraten von der EU würden es, dank intensiver Lobbyarbeit der Konzerne, liebend gerne tun. Als Verbraucher sollten wir für die Haltung der Richter dankbar sein.


Deutschland sollte demütiger sein
(zeit.de) Die Deutschen haben Mitschuld an der Krise. Sie sollten aufhören, sich selbstgefällig zurückzulehnen und mit ihrer Agenda 2010 zu prahlen, findet Ex-FDP-Mann C. Giesa. Weiterlesen...

Kommentar: Demut (das Fehlen von falschem Stolz und Arroganz) und die Deutschen: zwei Welten treffen aufeinander. Selbst unseren christlichen Parteien ist diese Gefühlsregung völlig fremd. Verlorengegangen mit der Agenda 2010, dem Todesstoß für die Soziale Marktwirtschaft. Demut ist was für Warmduscher, oder die Menschen in den krisengeschüttelten PIIGS-Staaten. Die sollen Deutschland demütig, besser noch unterwürfig, gegenübertreten, für die selbstlose Hilfe, die deutsche Steuerzahler bisher dorthin geleistet haben. Gefühlte 95% der Kommentare in den einschlägigen deutschen Leitmedien äußern sich so. Und weil das nicht funktioniert, muss der Euro eben ganz schnell abgeschafft oder Deutschland  noch schneller aus der Währungsunion austreten. Das ist dekadent, sonst nichts. Oder, wie es Altkanzler Helmut Schmidt kürzlich ausdrückte: "Deutschland verliert den Sinn für Geschichte, für seine Befreiung durch Europa und für die Solidarität mit seinen Nachbarn". 

Ein erfreulich freimütiger Artikel, der einen kritischen Blick auf die Ursachen der Krise wirft. Schade, dass die marktkonformen, deutschen Leitmedien so wenig auf solche Beiträge achten.


Deutsche Banken der Euribor-Manipulation verdächtigt
(derStandard.at) Finanzaufsicht BaFin prüft Regulierungskreisen zufolge unter anderem Deutsche Bank und Commerzbank. Weiterlesen...

Kommentar: Niemand darf sich noch ersthaft darüber wundern, dass deutsche Banken bei so gut wie jeder Sauerei mitmischen. Insgesamt geht es um acht deutsche Institute, die unter die Lupe genommen werden. Weder BaFin noch Banken äußern sich bisher dazu. Schon seit dem vergangenen Jahr laufen Untersuchungen der EU-Kommission gegen zahlreiche europäische Großbanken. Da wundert es einmal mehr, dass Wolfgang Münchau in seiner jüngsten Kolumne eine Schonzeit für die(se) Banken verlangt hat. Selbst die Sparkassen und Genossenschaftsbanken werden nicht frei von Schuld sein, Untersuchungen laufen auch gegen die DZ Bank, die Landesbank Baden-Württemberg, die BayernLB, die Helaba, NordLB und Landesbank Berlin.  


Deutschlands Jugend schreibt den Euro ab
(welt.de) Der Euro ist auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die Gemeinschaftswährung wird weltweit zunehmend aus den Portfolios verbannt – und jetzt wendet sich auch noch die Jugend ab. Weiterlesen...

Kommentar: Dafür gibt es Gründe. Primär ist es die einseitige Berichterstattung in den Medien von wirtschaftsliberalen Journalisten, die überwiegend gegen den Euro und gegen eine stärkere Beteiligung Deutschlands an der Rettung der betroffenen Staaten argumentieren. Sie plappern nach, was Leute wie Sinn, Hankel, Henkel, Starbatty und Konsorten von sich geben, ohne jeden Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Aussagen. Diese Journalisten gefallen sich dabei, durch gezielte Manipulation die öffentliche Meinung zu machen. Sekundär fehlt eine anständige Grundausbildung in den Schulen über die Zusammenhänge der europäischen Krise, über die Euro-Einführung, die Finanzkrise 2008 und die anschliessende Bankenkrise, die Hintergründe der Hilfspakete an die Banken, die Umdeutung der Bankenkrise in eine Staatsschuldenkrise, usw., usw. Es gäbe viel zu tun, um Deutschlands Jugend in Wirtschaftsfragen besser auszubilden (hier). Jedem interessierten Lehrer, jeder Schule machen wir das Angebot, bei Vorbereitung und Umsetzung eines solchen Unterrichts behilflich zu sein. Gerne auch den Unterricht zu übernehmen.

Erschreckende Defizite erleben wir auch immer wieder bei den Erwachsenen. Dabei finden wir es erstaunlich, dass sich die Volkshochschulen nicht dieser Problematik annehmen. Wir können auch denen behilflich sein.


“Deutschland muss sich die Frage stellen: Euro oder D-Mark”
(derStandard.at) Warum sich Deutschland jetzt – gemeinsam mit der Bevölkerung – entscheiden muss und die Ablehnung lebenserhaltender Maßnahmen auch in der Ökonomie den Tod bedeutet, erklärt Peter Bofinger. Weiterlesen...

Kommentar: Der deutsche Ökonom Peter Bofinger, viel kritisierter Wirtschaftsweiser, gibt dem österreichischen Standard ein bemerkenswertes Interview. Wir folgen nicht allen seinen Ideen, nur hat er wenigstens welche, die in die richtige Richtung gehen und, zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, gute Chancen bieten, um die Krise in Europa zu beenden. Selbst das Sondergutachten des Sachverständigenrates, dem er angehört, in dem ein Schuldentilgungspakt vorgeschlagen wird, könnte helfen. Nur muss vorher mit dem Mythos systemrelevanter Banken aufgeräumt werden, d. h., alle Banken müssen auseinandergenommen und auf ihre Überlebensfähigkeit geprüft werden. Die bisherigen Stresstests waren eine Farce, in Europa ebenso wie in den USA. An entscheidenden Stellen wird einfach weggesehen, der Stresstest wird quasi um die bekannten Probleme herumgeführt. Nur nicht daran rühren, keiner will wissen, wie ernst die Lage wirklich ist. Scheinbar interessiert das auch an den deutschen Stammtischen niemand. Die halten lieber krampfhaft an ihren überkommenen Thesen vom Untergang Deutschlands durch die Einführung des Euros fest. Leider gehört dazu auch das Feindbild John Maynard Keynes, sonst hätte das folgende Zitat vielleicht eine Chance: „Wenn meine Informationen sich ändern, ändere ich meine Meinung.“ Wäre wenigstens mal ein Anfang.


Osteuropa vor Banken-Konsolidierungswelle
(wirtschaftsblatt.at) Strukturwandel. Österreichs Nationalbank (OeNB) erwartet in den kommenden Jahren eine Banken-Übernahmewelle der osteuropäischen Finanzbranche. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist der Anfang vom Ende, der Beginn einer tiefgreifenden Krise in diesem Teil Europas. Österreich wird davon schwer getroffen. Österreichische Banken sind stark investiert, zählen zu den größten Kreditgebern in der Region. Spätestens dann wird sich das Land eine weitere Herabstufung durch die Ratingagenturen einhandeln. Da helfen keine Gesundsprechungen und Mutmacher. Kern-Europa wird so weiter geschwächt. 


Donnergrollen in Europas Autoindustrie
(manager-magazin.de) Peugeot streicht 8000 Stellen, Opel-Chef Stracke tritt zurück – diese Schritte sind Auftakt für eine schmerzhafte Epoche in der europäischen Autoindustrie. Jedes zweite Werk ist bald nicht mehr profitabel, der Markt bricht ein. Und Staaten fallen als Retter aus. Weiterlesen...

Kommentar: So vorhersehbar (hier und hier). Schon seit Monaten brechen in Südeuropa die Autoabsätze weg. Davon betroffen sind erst einmal nur französische Hersteller, außerdem Fiat, die VW-Tochter Seat in Spanien und Opel, bzw. Ford in Deutschland (hier, hier und hier). Die anderen deutschen Hersteller retten sich vorläufig durch ihre Umsätze in den USA und den Schwellenländern. Wie lange noch? Wir haben schon frühzeitig auf diese Entwicklung hingewiesen, als überall von den Auto-Managern noch Parties gefeiert wurden. Beispielhaft zeigt die folgende Grafik an Hand der Entwicklung in Italien (hier) die aktuelle Situation: 


© querschuesse.de    


US-Arbeitsmarkt entwickelt sich prächtig
(derStandard.at) Zahl der Arbeitslosenanträge fällt auf Vier-Jahres-Tief. Zugleich geht die Teuerung dank günstigen Rohöls auch in den USA zurück. Weiterlesen...

Kommentar: Was ist das denn für eine Aussage? Und mit was wird sie begründet? Das ist schon nicht mehr Schönfärberei, das ist Informationsmanipulation. Hier eine Grafik über die tatsächliche Lage am US-amerikanischen Arbeitsmarkt, die mit der Zahl der Arbeitslosenanträge nichts zu tun hat:  


Die Arbeitslosenquote in den USA ist heute höher als zu Zeiten der Großen Depression ab 1929. So sieht sie aus, die Wahrheit.