Sonntag, 1. Juli 2012

Standpunkt 289 - Merkels großer Plan

Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen! - Folge 32

Merkels großer Plan: Im Westen nichts Neues.

Europas Retter treten auf der Stelle. Trotz einem neuen EU-Krisen-Gipfel in dieser Woche gibt es keine neuen Pläne. Sehr zum Leidwesen der deutschen Führungsmedien, die kurzerhand von dramatischen Wendungen in Brüssel berichten, von Gewinnern auf der einen (hier und hier) und der Verliererin (hier und hier), oder vielleicht doch Auch-Gewinnerin (hier und hier), auf der anderen Seite. In einem Fall wurde Angela Merkel sogar zur tragischen Heldin der Eurozone verklärt (hier). Deutschlands Sparer sind auch jetzt wieder Europas Zahlmeister (hier) und Hans-Werner Sinn erkannte sofort „Schuldenunion führt zum Zusammenbruch Europas“ (hier), um noch gleich nachzulegen: „Ein Euro-Crash wäre für alle verheerend“ (hier). Tatsächlich erleben wir den Brüsseler Gipfel und seine Nachbearbeitung in den deutschen Leid-Medien als Farce, als eine Massierung von Tricksern und Täuschern, von denen jeder auch noch davon überzeugt ist, nur er könne mit seinen Ideen die Krise in Europa beenden.

Die Anleger reagieren mittlerweile schon auf bloße Lippenbekenntnisse, Beschlüsse müssen gar keine mehr gefasst werden. Über Stunden hinweg wird feste gefeiert (hier), regelmäßig ist der Spuk bald zu Ende.

Die Spekulanten - pardon, offiziell heißt es Märkte -  halten sich währenddessen den Bauch vor Lachen. Lassen die Korken knallen für weitere Wochen, in denen dicke Gewinne gemacht und die Boni gesteigert werden.

Leidtragende sind nicht, obwohl sie regelmäßig dazu stilisiert werden – die deutschen Sparer, wenigstens noch nicht. Es sind die Iren, Griechen, Portugiesen und bald auch die Spanier, denen mit nutzlosen Austeritätsprogrammen Unmenschliches abverlangt wird. In deren Heimat die Staatsschulden trotz dieser Spardiktate weiter ansteigen und denen deshalb immer neue Einsparungen abverlangt werden. Gleichzeitig soll die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden. Durch Lohnverzicht und Arbeitsmarktreformen beispielsweise. Funktioniert nicht, das stört aber keinen.

Dieser Zustand ist schon seit Monaten unverändert, wie der Blick in unser Archiv zeigt. Regelmäßige LeserInnen wissen bereits, dass wir im Rahmen der Reihe „Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen!“ immer wieder Ausflüge in unser Archiv unternehmen, um Schätzchen wieder ans Tageslicht zu holen, die irgendwann irgendwo schon einmal im Mittelpunkt gestanden haben.

Heute ist es ein Artikel der „ZEIT“, der im Zusammenhang mit dem letzten großen EU-Krisen-Gipfel im Dezember 2011 unter der Überschrift „Merkels großer Plan“ erschienen ist. Für uns bestätigt dieser Beitrag, erschienen am 01.12.2011 bei „zeit.de“ (hier), rückblickend vor allem drei Dinge: Die damals propagierte Rettung ist fehlgeschlagen, die Krise hat sich verschärft und nach wie vor fehlt es an Ernsthaftigkeit, die Krise zu lösen. Merkels großer Plan: noch nicht einmal ein Plänchen. 

„Die Union unter ihrer fabelhaften Kanzlerin Angela Merkel“ (O-Ton des Zwischenrufers aus Berlin, Hans-Ulrich Jörges) bleibt im Angesicht der Krise, die in Europa immer schneller weiter um sich greift, uneinig, unentschlossen, unreif. Sie werden es vergeigen. 

Den „ZEIT“-Artikel, verfasst u. a. von Mark Schieritz, dem nimmermüden Euro-Helfer, empfehlen wir uneingeschränkt der Aufmerksamkeit unserer LeserInnen. Es lohnt sich.

Noch etwas haben wir kürzlich bei Hans-Ulrich Jörges in einem Zwischenruf aus Berlin gefunden („stern“ 25/2012, Seite 50): „Betrug in der Politik, das sei zu ihrer Ehrenrettung vorausgeschickt, ist nicht eben alltäglich. Gemeinhin mühen sich die Akteure redlich.“ Hat das Zeug zum Bonmot, oder?