Mittwoch, 4. Juli 2012

Standpunkt 293 - Nachrichten-Ticker, 03.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Die Bankster sind zurück
(zeit.de) Die Zinsmanipulation bei Barclays erschüttert die Bankenwelt. Der Verdacht ist groß, dass andere Institute ähnlich handelten. Ermittelt wird auch gegen die Deutsche Bank. Weiterlesen…

Kommentar: Was für ein kapitaler Irrtum sich hier manifestiert:, Sie sind nie weg gewesen. Schon wieder geht es um eine gigantische Summe, mehr als 350 Billionen US-Dollar, mehr als das 5-fache der aktuellen Weltjahreswirtschaftsleistung. Und wieder sind es die üblichen verdächtigen Finanzkonzerne. Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell hat einmal in eines seiner Bücher den folgenden treffenden Satz geschrieben: „Es gibt keine Grenze für das, was Menschen aus Habgier zu tun bereit sind.“ Wann wird dieses Treiben endlich beendet? Und von wem?


Großbanken machen in den USA ihr Testament
(handelsblatt.com) Die US-Finanzmarktregulierer wollen nicht noch einmal ein solches Chaos wie nach der Lehman-Pleite erleben. Deshalb mussten neun internationale Großbanken Abwicklungspläne skizzieren – und teilweise veröffentlichen. Weiterlesen...

Kommentar: Was für eine Finte. Natürlich muss die US-Einlagensicherung FDIC Handlungsfähigkeit beweisen, besonders vor dem Hintergrund der JPMorgan-Affäre und Liborgate. Schon wieder ein Placebo für die Öffentlichkeit unter dem Motto: Schaut her, wir tun was. Es genügt, dass ein einziger der großen Finanzkonzerne in Schwierigkeiten gerät, alle anderen und noch viel mehr dazu würden kollabieren. Diese Testamente sind praktisch wertlos. Definitiv. Warum steht hier.


Für Europa sind Bankenpleiten ein Existenzrisiko
(welt.de) Bei der Hypo Real Estate werden Milliarden Euro verbrannt. In Zukunft brauchen wir Regelungen für die geordnete Pleite. Nur dann lässt sich der Teufelskreis von Banken- und Staatspleiten durchbrechen. Weiterlesen...

Kommentar: Völlig nutzlos zum jetzigen Zeitpunkt, die Regelungen für geordnete Pleiten. Erst muss den Banken die Grundlage für ihre kriminellen Machenschaften zerstört werden. Der Derivatehandel und, gerade neu entdeckt, das 350 Billionen $ schwere Liborgate sind nur zwei Beispiele dafür. Für alles andere, wie z. B. die Bankenunion, brauchen die Journalisten ihre Bleistifte nicht zu spitzen.


“Da dämmerte mir erstmals, dass es in London einen ‘Inside Club’ gibt”
(tagesanzeiger.ch) Weil sie den Liborzins manipulierten, müssen Topbanker heute büssen. Wie kam es dazu? Die Londoner Ex-Bankerin Barbara Stcherbatcheff zeichnet “Liborgate” exklusiv für Tagesanzeiger./ch/Newsnet in einer dreiteiligen Serie nach. 1. Teil. Weiterlesen...

Kommentar: Unbedingt lesen. Sehr aufschlussreich. Auch der Schluss: “In Finanzzentren wie London, New York, Tokio und Zürich laufen derzeit weitere Untersuchungen. Nahezu zwanzig Banken werden von den Aufsichtsbehörden durchleuchtet, auch in der Schweiz sind Ermittlungen im Gang. Ich persönlich rechne mit weiteren, massiven Strafen: Was wir bis jetzt gesehen haben, ist erst der Anfang einer Reihe von Verurteilungen.” Hoffentlich.  


Die Eurokrise – eine deutsche Verschwörung?
(focus.de) In einflussreichen Polit-Kreisen kursiert eine wahnwitzige Theorie: Die Deutschen nutzen ihre ökonomische Macht, um Europa zu unterjochen – nur aus diesem Grund hätten sie die anderen Länder absichtlich in die Krise getrieben. Weiterlesen...

Kommentar: Scheinbar soll eine Verschwörungstheorie mit einer neuen beantwortet werden. Dazu passt auch die Behauptung, Krugman und Roubini seien “Staatsschulden-Sind-Gut!”-Fanatiker. Beide sind lediglich Gegner der deutschen Austeritätspolitik. Der Autor faselt von Gründungslügen des Euro, den gebrochenen Stabilitätsversprechen, begangen von Frankreich und Deutschland bereits von Anfang an, und von irrwitzigen Hilfsmilliarden, die angeblich Deutschlands Wirtschaftskraft “längst überfordern”. Bis heute liegen Deutschlands Verpflichtungen bei 37 Milliarden Euro, ein Klacks im Vergleich zu den 450 Milliarden Euro Rettungsfonds, den die Bundesregierung alleine für die deutschen Banken vorhält. Geld geflossen ist noch keins. Außerdem schon lange von den reichen Südeuropäern bei den deutschen Banken gebunkert, und noch mehr dazu (hier).


Island ist glücklich ohne EU und den Euro
(welt.de) 2008 brachen die drei größten Banken Islands zusammen. Heute geht es wieder aufwärts mit Island. Anleger, die auf fette Zinsen gesetzt hatten, wurden per Volksabstimmung nicht entschädigt. Weiterlesen...

Kommentar: Broder, uns graut vor dir. Was für eine Geschichtsklitterung. Island hat sich gnadenlos auf Kosten von Briten und Niederländern saniert, in der Regel Kleinanleger, denen man viele Milliarden Euro schuldig geblieben ist. Trotz negativem Volksentscheid ist über diese Forderungen noch nicht endgültig entschieden. Nach wie vor verhandeln die Regierungen der betroffenen Länder miteinander. Deutsche Anleger hatten mehr Glück. Denen schuldeten die isländischen Banken nur rund 300 Millionen Euro, die zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs auf Konten in Deutschland lagerten und kurzerhand konfisziert wurden. Zähneknirschend stimmte Island zu, die betroffenen Deutschen daraus zu entschädigen. 2,1 Milliarden Dollar hat alleine der IWF anschliessend beigesteuert, um einen Bankrott endgültig abzuwenden (hier). Ausdrücklich gegen die Auflage, die Schulden gegenüber den Gläubigern in Großbritannien und Niederlande zu regulieren. Bis heute hat der IWF auf die Einhaltung dieser Vereinbarung nicht bestanden. Vertragsbrüche gibt es offensichtlich auch anderswo. Aus Skandinavien wurden zusätzlich noch 2,5 Milliarden Dollar bereitgestellt (hier). Was Broder behauptet ist schlicht falsch. Island sucht immer noch den Anschluss an EU und Euro-Zone: “Island kämpft nach Fast-Pleite um den EU-Beitritt” (hier). Island hat am 17. Juli 2009 den Beitritt zur Europäischen Union beantragt, die Beitrittsverhandlungen wurden am 27 Juli 2010 aufgenommen (hier). Anders wird das Land dauerhaft auch nicht überleben können. Die Verhandlungen stocken weil die EU, anders als der IWF, die Altlasten aus den Bankpleiten reguliert haben will. Derweil hofft Island erst einmal “auf einen Mulitmilliardär aus China” (hier). Es wird sich erst noch zeigen, ob das Referendum “eine moralisch richtige und ökonomisch vernünftige Entscheidung” war, wie es der isländische Professor Olafur Isleifsson behauptet.  


Seehofer droht mit Koalitionsbruch
(speigel.de) In der Koalition wächst der Widerstand gegen Angela Merkels Euro-Politik. CSU-Chef Horst Seehofer kritisiert die EU-Gipfelbeschlüsse scharf – und droht der Kanzlerin in einem Interview mit dem Ende von Schwarz-Gelb: “Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem ich das nicht mehr mittragen kann.” Weiterlesen...

Kommentar: Herbert Wehner hat einmal den Begriff vom “Papiertiger” geprägt...   


Monti will Sparschraube noch härter anziehen
(wirtschaftsblatt.at) Der Ministerpräsident will nach Medienangaben vom Dienstag Sparschnitte von mindestens 4,2 Milliarden Euro in die Wege leiten, um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ab Oktober abzuwenden. Weiterlesen...

Kommentar: Der angebliche Erfolg in Brüssel hat für Monti seinen Preis: Neue Sparmaßnahmen. Ganz sicher ist trotzdem nicht die Mehrwertsteuererhöhung vom Tisch. Monti regiert wider besseres Wissen und gegen sein Volk, aber für die Banken. Wie lange sehen die Italiener dabei noch zu?


Spanien kündigt weitere Sparmaßnahmen an
(spiegel.de) Die EU-Partner sind Spanien entgegengekommen, nun will die Regierung in Madrid ihren Reformwillen unter Beweis stellen. Sie kündigte weitere Sparmaßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise an. Am spanischen Arbeitsmarkt gibt es einen Hoffnungsschimmer. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Auch hier hat es nicht geklappt mit den angeblich leistungslosen Hilfsmaßnahmen durch die EU. Kein Wunder, noch gilt in der EU das Austeritätsprinzip. Dem kann sich auch Spanien nicht entziehen. Der Hoffnungsschimmer am Arbeitsmarkt erinnert stark an US-Verhältnisse, wo schon seit mindestens drei Jahren Monat für Monat nichts als Hoffnung verbreitet wird. Nach wie vor hat Spanien die höchste Arbeitslosigkeit in der gesamten EU, 24,6%, besonders erschreckend ist die Jugendarbeitslosigkeit: 




S&P zeigt Schweizer Kantonalbanken die gelbe Karte
(wirtschaftsblatt.at) Jetzt geht es sogar im sicheren Hafen Schweiz an’s Eingemachte: Der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) bereitet der Boom auf dem Schweizer Immobilienmarkt Kopfzerbrechen, der Ausblick wurde von “stabil” auf “negativ” zurückgenommen. Weiterlesen...

Kommentar: Eine Hammer-Meldung, in ihrer Tragweite noch gar nicht abzusehen. Das ist ein alarmierendes Zeichen, wenn jetzt sogar die Kantonalbanken, Hort Schweizer Sicherheit und der pure Konservatismus, angezählt werden. Gefühlt tragen bei diesen Banken die Angestellten noch Ärmelschoner. Für uns ist sicher: der “Alpenhedgefonds” Schweiz verliert seinen elitären Status. Anspruch und Wirklichkeit tauschen die Plätze. Die Schweizer müssen zusammenrücken.   


Obama versus Romney: Beschäftigungsprogramme im Vergleich
(project-syndicate.org) Die Vereinigten Staaten haben gerade ihr drittes Jahr der wirtschaftlichen Erholung hinter sich gebracht, aber die Arbeitslosigkeit beträgt noch immer über 8 Prozent und es gibt beunruhigende Anzeichen eines Abschwungs. Es ist daher keine Überraschung, dass die Beschäftigungslage zu einem Schwerpunkt im Präsidentschaftswahlkampf wurde – oder dass die Kandidaten sehr unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie man die Schaffung von Arbeitsplätzen ankurbeln könnte.  Weiterlesen... 

Kommentar/Ergänzung: Wer sich für den US-Präsidentschaftswahlkampf interessiert, ist hier richtig. Leider geht die Autorin Laura Tyson von einer völlig falschen Arbeitslosenquote aus, wie John Williams’ Shadow Government Statistics Monat für Monat beweist (hier).


Der Name AWD ist verbrannt
(ftd.de) Der Name AWD wird verschwinden. Traurig stimmt das wohl niemanden. Das Unternehmen hat ein miserables Image und leidet wie seine Konkurrenten unter den Umwälzungen in der Branche. Die Marktbereinigung ist überfällig. Weiterlesen...

Kommentar: Ein lesenwerter Artikel. Dem nur der Hinweis fehlt, dass in Österreich tausende Anleger gegen den AWD prozessieren (hier). In Deutschland ist der Strukturvertrieb bisher ganz gut weggekommen, größere Verfahren beginnen aber auch hier. Swiss Life ist wirklich nicht zu beneiden, denen hat Maschmeyer ein Kuckucksei ins Nest gerollt.  

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