Donnerstag, 5. Juli 2012

Standpunkt 294 - Nachrichten-Ticker, 04.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Banken deponieren 800 Milliarden bei EZB
(wirtschaftsblatt.at) Lieber sicher bei der Europäischen Zentralbank zum Minizins Liquidität lagern als kurzfristig anderen Banken zu höheren Renditen Geld zur Verfügung zu stellen, lautet weiter das Motto der europäischen Kreditinstitute. Weiterlesen…

Kommentar: Wie irre ist das denn? Den Banken werden mittels der EZB Milliarden zur Verfügung gestellt um vor allen Dingen die Wirtschaft ausreichend mit Geld zu versorgen. Denen fällt nichts Besseres ein, als es wieder bei der EZB anzulegen. Das zeigt die Idiotie hinter diesen Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung der Banken: an die Realwirtschaft geht nichts. Trotz gegenteiliger Beteuerungen der EZB. Übrigens, deutschen Medien war diese Tatsache keine Meldung wert.    


Monster in unserer Mitte
(sueddeutsche.de) Im Jahr fünf der Finanzkrise müssen Regierungen und ihre Bürger erkennen, dass all ihre Pläne fehlschlugen. Das zeigt das Beispiel der britischen Barclays Bank. Noch immer lässt sich die Politik von hemmungslos spekulierenden Banken erpressen, die den Wohlstand und die Stabilität des Westens bedrohen. Um sich aus der Umklammerung der Geldhäuser zu befreien, müssen die Regierungen endlich aufs Ganze gehen. Weiterlesen...

Kommentar: 5 Jahre, in denen nichts reguliert wurde, trotz gegenteiliger Beteuerungen der G20-Staaten unmittelbar nach der Lehman-Pleite. Das Ergebnis für Europa haben wir kürzlich in einem Beitrag zusammengestellt (hier), bitte dort nachlesen. Ein bisschen freuen wir uns schon, dass jetzt eine britische Bank im Mittelpunkt eines riesigen Betrugs steht (hier). Wenigstens gerät Cameron jetzt in Erklärungsnot darüber, was vor den Augen seiner Regierung wegen fehlender Kontrolle möglich ist. Ein Gernegroß.     


“Auch als Unwissende lebten die Londoner Banker nicht schlecht”
(tagesanzeiger.ch) Barbara Stcherbatcheff zum Zweiten: Die Londoner Ex-Bankerin und Buchautorin zeichnet den Skandal um “Liborgate” exklusiv für Tagesanzeiger.ch/Newsnet in einer dreiteiligen Serie nach.Teil 2. Weiterlesen...

Kommentar: Diese Lektüre ist Pflicht. Nicht zuletzt für solche Sätze: “Erschreckend ist der Tatbestand selbst: Dass sich die mächtigsten Institute zusammentaten, um den Rest der Finanzwelt anzulügen. (...) Ausserdem schien es doch schwer vorstellbar, dass die BBA, Reuters oder die Regulierungsbehörden einen Betrug bei dieser derart wichtigen Referenzgröße wirklich zulassen würden.”  


Ex-Barclays-Chef beschuldigt Bank of England
(manager-magazin.de) Der geschaßte Barclays-Chef Bob Diamond schlägt zurück: Die britsche Notenbank Bank of England hat ihm zufolge von den Zinsmanipulationen bei der Bank gewusst. Im neuen Bankenskandal des Finanzplatzes beginnt das Schwarze-Peter-Spiel. Weiterlesen...

Kommentar: Klingt unfaßbar. Die britische Notenbank als Teil einer riesigen Betrügerei. Aber mittlerweile ist selbst das nicht mehr undenkbar. Politiker, zerschlagt endlich dieses obszöne System.   


Spanische Justiz ermittelt gegen Ex-IWF-Chef Rato
(wort.lu) Wegen der Krise um die marode Madrider Großbank Bankia hat die spanische Justiz Ermittlungen gegen den früheren Generaldirektor des Weltwährungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, eingeleitet. Weiterlesen...

Kommentar: Wir können unsere Frage nur immer wiederholen: Wann zerschlagen die Politiker diese kriminellen Vereinigungen und bestrafen die Verantwortlichen? Ansonsten ein Fall für die Korruptionsbekämpfer von Transparency International.


Reichenbach: Griechen sollen offene Rechnungen zahlen
(faz.de) Der Chef der Task-Force der EU-Kommission, Horst Reichenbach, hat Griechenland zum Bezahlen offener Rechnungen in Milliardenhöhe aufgefordert. “Es wäre ein erster Schritt, die angehäuften Außenstände zu begleichen”, sagte Reichenbach in Athen. Weiterlesen...

Kommentar: Ein toller Vorschlag vor dem Hintergrund, dass Griechenland pleite ist. Oder soll das Geld aus den Erlösen für die griechischen Staatsbetriebe kommen, die eilig zu Schleuderpreisen verkauft werden sollen (hier)? Passt irgendwie zusammen.


Lagarde lässt Griechenland abblitzen
(sueddeutsche.de) “Keine Lust zu verhandeln”: Während die griechische Regierung eine Lockerung der Sparvorgaben verlangt, lehnt IWF-Chefin Lagarde dies strikt ab. Sie sei gespannt, was Athen geleistet hat. Weiterlesen...

Kommentar: Der IWF und seine Chefin dokumentieren erneut ihre Unfähigkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Gerade der IWF hat da eine besonders schlechte Bilanz: Seit seiner Gründung, immerhin schon 1944, hat er noch keine einzige Krise erfolgreich bekämpft. Daran sollte man denken, wenn sich der IWF und seine Chefin wieder einmal irgendwo einmischen. Es geht immer primär um die Interessen der USA. Gut zu verfolgen in der Argentinien-Krise (hier).


Sieger und Verlierer
(project-syndicate.org) Es kommt nicht oft vor, dass eine Nation in ein und derselben Nacht hart auf dem Boden der Realität aufschlägt, aber so war es tatsächlich jüngst Deutschland ergangen. Sowohl im Fußball als auch in der Politik hatte sich das Land in einer Mischung aus Arroganz und Realitätsverweigerung verfangen. Deutschland schien das Maß aller europäischen Dinge geworden zu sein, bei der EM gleichermaßen wie in der EU. Und beide Male handelte es sich um einen veritablen Selbstbetrug. Weiterlesen...

Kommentar: Joschka Fischer kommentiert den Brüsseler Gipfel. Leider hat er das Kleingedruckte nicht gelesen. Das steht hier.  


Wie es mit dem Euro weitergeht
(sueddeutsche.de) Rettungsschirme, Bankenunion, Haftungsgemeinschaft – die Krisenpolitik wird immer komplizierter. Wer blickt da noch durch? SZ-Autoren beantworten die 20 wichtigsten Fragen zur Zukunft der Gemeinschaftswährung. Weiterlesen...

Kommentar: Der Versuch, ein wenig Ordnung in die vielen Vorschläge zur Krisenlösung zu bringen. Schafft einen guten Überblick. 


Zypern sieht Wirtschaftsliberale als Krisentreiber
(derStandard.at) Staatspräsident Chritofias fordert stärker auf Menschen fokussierte Politik: “Wir dürfen nicht unsere Gesellschaft zur Geisel der Märkte werden lassen.”  Weiterlesen...

Kommentar: Das ist längst passiert. Sollte dem Präsidenten auch auf Zypern nicht entgangen sein. So schnell wird sich daran auch nichts ändern. Vorher wird sogar die Euro-Zone geopfert.    


Luxemburgs Wirtschaft stagniert
(wort.lu) Die Zahlen sind nicht gut und die Aussichten für dieses Jahr alles andere als rosig: Luxemburgs Wirtschaftskraft ist im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahresniveau überhaupt nicht gewachsen. Weiterlesen...

Kommentar: Es wird einsam für Deutschland. Nach Frankreich und den Niederlande auch noch Luxemburg. Auch die Betriebsschließungen haben ungewöhnlich stark zugenommen (hier). Fehlt jetzt noch Finnland, dann findet die Mär vom starken Nord-Euro langsam ihr Ende. Auch nur noch eine Frage der Zeit. Nokia wird es schon richten.


Die Naivität der britischen Euro-Gegner
(zeit.de) Englands konservative Politiker und Medien wettern gegen Europa und fordern den EU-Austritt. Profitieren würde das Land davon nicht. Weiterlesen...

Kommentar: Die Unruhestifter von der Insel. Eine echte Schmierenkomödie. Die Schweiz und Norwegen sollen als Vorbild dienen. Lächerlich. Für uns ist Großbritannien "nur" der wichtigste US-amerik. Brückenkopf in Europa. Schon deshalb verbietet sich für die Briten ein Austritt, Ersatz ist nicht in Sicht.


Estland zeigt Südeuropäern den Weg aus der Krise
(welt.de) Der baltische Staat Estland hat vorgemacht, wie man trotz Depression und Euro aus der Krise kommt. Präsident Ilves verteidigt sein Konzept gegen die Thesen des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Krugman. Weiterlesen...

Kommentar: Zu der harschen Antwort von Ilves auf die sicher richtige Beurteilung Krugman’s fällt uns ein Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt ein: „Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen" (z. B. hier).


Die Volksrepublik steht vor dem Absturz
(welt.de) Nach Jahrzehnten des steilen Wachstums schwächt sich Chinas Entwicklung ab. Viele bisher gut vertuschte Strukturprobleme treten nun zu Tage. Experten warnen vor dem ganz lauten Knall. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Analyse, die viele Schwächen Chinas beschreibt. Für uns stand schon lange fest: Deutschlands Rezession wird von China nicht aufgefangen.


Das Ende der Bundesschätzchen
(zeit.de) Die Bankenlobby hat gewonnen, vermutlich wird der Bund sein Geschäft mit Privatkunden einstellen. Dann gibt es keine Bundesschatzbriefe mehr. Schlecht für die Anleger. Weiterlesen...

Kommentar: Wir halten den Verlust der Bundesschätzchen nicht unbedingt für einen Beinbruch. Uns stört aber der Einfluss, den die Banken auf diese Entscheidung genommen haben. Die zitierte Formulierung aus dem Koalitionsvertrag erinnert stark an frühere Formulierungen zur Liberalisierung des deutschen Finanzmarktes.


Kollegen, ihr habt versagt!
(taz.de) „Europe’s Most Dangerous Leader“ hat das britische Magazin New Statesman  Angela Merkel unlängst genannt, und im Blattinnern avancierte die deutsche Kanzlerin gleich zur „gefährlichsten Person der Welt“. Das Resumee der gut recherchierten Story liest sich am Ende dann so: „Auf Grund ihres Realitätsverlustes und ihrer Versessenheit auf Austeritätspolitik zerstört Merkel das europäische Projekt, sie stürzt Deutschlands Nachbarn in Armut und die Welt in eine globale Depression. Man sollte sie stoppen.“ Klar, da schlägt ein bisschen der branchentypische Hang zu Superlativen durch. Aber letztendlich bringen die Autoren des britischen Blattes nur auf den Punkt, wie man beinahe überall in Europa über die deutsche Kanzlerin und diesen Fiskalsadismus denkt, sowie über die deutsche Weigerung, endlich mit entschlossenen Maßnahmen den Krisenbrand auszutreten. In einem Land aber denkt man fundamental anders: in Deutschland. Normalerweise ist das in der EU-Politik ja so: Wenn von der „deutschen Position“ oder der „französischen Position“ die Rede ist, dann ist damit praktisch immer die Haltung der jeweiligen Regierung gemeint. Aber in der gegenwärtigen Eurokrise gibt es einen Schulterschluss zwischen Regierung, deutscher Öffentlichkeit, praktisch allen Medien, der so weit geht, dass sich die Opposition gar nicht mehr zu opponieren traut. Weiterlesen…

Kommentar: Exzellent! Mehr gibt es nicht zu sagen.