Freitag, 6. Juli 2012

Standpunkt 295 - Nachrichtenticker, 05.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Brandbrief an die lieben Mitbürger
(manager-magazin.de) Ifo-Chef Sinn versteckt sich ungewohnt bescheiden in einer alphabetischen Liste von 160 deutschsprachigen Ökonomen. Doch der heutige Protestbrief an die „lieben Mitbürger“ trägt seine Handschrift. Ob der geballte Zorn des Sachverstands gegen den italienischen Professor weiterhilft? Weiterlesen…

Kommentar: Heute beschränken wir uns darauf, diese öffentlichkeitswirksame Protest-Aktion vorzustellen, außerdem die ersten Kommentare dazu. Vielleicht beschäftigen wir uns in einem eigenen Beitrag mit diesem "Akademiker-Begehren", nachdem die erste Aufregung verklungen ist. Eine stattliche Anzahl von aufgeregten Ökonomen, die den Brüsseler Gipfel von letzter Woche zum Anlass nehmen sich wieder einmal in den Vordergrund zu schieben. Die ersten Reaktionen gibt es auch schon …    


Deutschlands Ökonomen sinken auf Tsipras-Niveau
(blog.handelsblatt.com) Langsam mache ich mir wirklich Sorgen um Deutschland und die deutschen Ökonomen. In der morgigen Ausgabe der FAZ erscheint offenbar folgender Aufruf, in dem mehr als 150 deutsche Volkswirte den Beschluss des Brüsseler Gipfels von letzter Woche heftig kritisieren.  Weiterlesen...

Kommentar: Olaf Storbeck hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder an den Sinn’schen Thesen gerieben. Wir vor einiger Zeit in einer mehrteiligen Reihe auch (hier). Mittlerweile bleiben wir von dessen Äusserungen unbeeindruckt. Lesen und sich eine eigene Meinung bilden. Für uns hat Storbeck vollkommen Recht. Die auf den Artikel folgenden Kommentare halten Sinn und seinen Freunden feste die Stange. Wer will kann die auch noch lesen. Jetzt auch noch das “Original” in der “FAZ”:       


Der offene Brief der Ökonomen im Wortlaut
(faz.de) 160 Wirtschaftsprofessoren wenden sich mit einem Protestaufruf an Bürger und Politik. Die Beschlüsse des jüngsten Eurogipfels erfüllten sie mit großer Sorge, schreiben die Wissenschaftler. Die Erklärung im Wortlaut. Weiterlesen...

Kommentar: Am Ende  gibt es auch die Liste der Unterstützer. Wen es interessiert...


Deutsche Ökonomen im Panikmodus
(blog.zeit.de) Die Ökonomen gehen auf die Barrikaden: Wir, Wissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftlerinnen der deutschsprachigen Länder, sehen den Schritt in die Bankenunion, die eine kollektive Haftung für die Schulden der Banken des Euro-Systems bedeutet, mit großer Sorge. Die Bankschulden sind fast dreimal so groß wie die Staatsschulden und liegen bei den fünf Krisenländern im Bereich von 9 Billionen Euro. Es ist schlechterdings unmöglich, die Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang soliden Länder Europas für die Absicherung dieser Schulden in die Haftung zu nehmen. So steht es in einem Brief, den Hans-Werner Sinn und andere formuliert haben. Und das ist grober Unfug. Niemand fordert die Kollektivhaftung für die Bankverbindlichkeiten und diese ist auch nicht auf dem Gipfel beschlossen worden. Es geht um die Rekapitalisierung von Banken und da sprechen wir von ganz anderen Größenordnungen. Weiterlesen...

Kommentar: Auch dieser Autor, Mark Schieritz, hat in der Vergangenheit Hans-Werner Sinn deutlich kritisiert. So auch in diesem Beitrag, was wir nachvollziehen können. Schieritz wird in den anschließenden Kommentaren heftig angegriffen. Es gilt als Majestätsbeleidigung, den Star-Ökonomen Sinn, zu kritisieren.    


Merkel zweifelt an Kompetenz der Ökonomen
(welt.de) Kanzlerin Angela Merkel ist verärgert über den Brandbrief von 160 Ökonomen, die vor finanziellen Verpflichtungen Deutschlands warnen. Sie rät den Experten, sich die Gipfel-Beschlüsse mal anzuschauen. Weiterlesen...

Kommentar: Die Kanzlerin meldet sich schon zu Wort und keilt zurück. Es stimmt, offensichtlich haben die Kritiker das Kleingedruckte zu den Brüsseler Ergebnissen erst gar nicht gelesen.   


Volkswirte verteidigen Merkels Euro Kurs
(spiegel.de) 170 Ökonomen um Ifo-Chef Sinn rechnen mit dem Kurs der Kanzlerin ab, verdammen die Brüsseler Gipfel-Beschlüsse und die Bankenunion. Angela Merkel reagiert verärgert – und bekommt Unterstützung von Pro-Euro-Volkswirten. Die arbeiten nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen schon an einem Gegenappell. Weiterlesen...

Kommentar: Kommt es jetzt zum Glaubenskrieg zwischen deutschen Ökonomen? Es sind sogar ein paar mehr, die eine Gegenoffensive starten. Trotzdem, die Überscchrift ist irreführend. Bofinger kann sicher nicht als Verteidiger des Kanzlerinnen-Euro-Kurses gelten. Es bleibt spannend. Leider helfen diese Streitereien bei der Suche nach geeigneten Maßnahmen gegen die Krise nicht. Die geht unvermindert weiter und die Zeit wird knapp.


“In Europa muss es bei Hilfe zur Selbsthilfe bleiben”
(faz.net) Erst war er Wirtschaftsminister, dann trat er aus der SPD aus. Jetzt wird Wolfgang Clement Kuratoriumsvorsitzender der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Ein Interview über seine Sicht auf die Krise in Europa, die Bildungspolitik in Deutschland und die Energiewende. Weiterlesen...

Kommentar: Ein Lobbyist mehr. Clement war Wirtschaftsminister, als die rot-grüne Bundesregierung den deutschen Banken die Tür für ihre Zockereien weit aufgestoßen hat (hier). Das muss man wissen, wenn man liest, welche Meinung Clement verbreitet. Natürlich hält auch er daran fest, dass es eine Staatsschuldenkrise, keine Bankenschuldenkrise, ist. Genauso wie er den Eindruck vermittelt, in Deutschland, bzw. in Europa, wäre die Soziale Marktwirtschaft in Gefahr. Er verschleiert die Tatsache, dass es höchstens noch Spuren davon gibt. Die Spardiktate geben ihr den Rest.


“290 Millionen Pfund sind für Barclays keine wirkliche Strafe”
(tagesanzeiger.ch) Im dritten und letzten Teil ihrer Serie über den Libor-Skandal beschreibt Barbara Stcherbatcheff, wie die Behörden mit kriminellen Bankern wirklcih umgehen sollten. Weiterlesen...

Kommentar: Klare Worte einer Insiderin: “Durch den Libor-Skandal wissen wir nun, dass kriminelle Handlungen Teil des Systems waren. Solange dafür niemand ins Gefängnis wandert, wird sich an diesem System nichts ändern.”  Leider geht es mit den Betrügereien munter weiter. Die Politik ist längst korrumpiert und deckt diese Mißstände (hier).  


“Wir waren verzweifelt”
(manager-magazin.de) Ex-Barclays-Chef Bob Diamond hat die Zinsmanipulationen seines Instituts vor dem Finanzausschuss des britischen Unterhauses gerechtfertigt. Es sei der Bank darum gegangen, eine Verstaatlichung zu vermeiden, so der Banker. Andere Institute hätten ähnlich gehandelt. Weiterlesen...

Kommentar: Eine wachsweiche Begründung für Liborgate. Ansonsten: Stcherbatcheff hat in ihrem dreiteiligen Beitrag erst einmal alles gesagt.  


Zins-Zocker verschieben die Nulllinie des Kapitalmarkts
(focus.de) Ein neuer, unfassbarer Skandal erschüttert die Bankenwelt: Institute in London sollen über Jahre am wichtigsten Marktzins der Branche herumgefummelt haben – mit weitreichenden Folgen. FOCUS Online erklärt die Hintergründe. Weiterlesen...

Kommentar: Noch eine Analyse zu Liborgate. Bietet einige Neuigkeiten, erklärt verständlich die Zusammenhänge.


“Werft die Angst über Bord”
(zeit.de) “Warum rettet ihr Banken?”, fragt der Investor. “Aus Furcht”, sagt der Abgeordnete. Ein Gespräch zwischen Markt und Politik. Weiterlesen...

Kommentar: Ein wirklich lesenswertes Gespräch, selbst für den Unkundigen. Ersetzt so manche Talk Show. Nur Mut.      


“Deutschland ist nicht mehr immun”
(zeit.de) Die Weltwirtschaft erlebt eine Flaute – stürzt jetzt auch Deutschland ab? Wir haben Ökonomen aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland um eine kurze Analyse gebeten.  Weiterlesen...

Kommentar: Konkrete Aussagen gibt es nicht. Von uns schon: Nachdem nun auch die Schwellenländer, allen voran China, ins Rutschen geraten sind, muss sich Deutschland auf schwere Zeiten einstellen. So einfach ist das.  


Irland gelingt Rückkehr an den Kapitalmarkt
(manager-magazin.de) Zum ersten Mal seit der Inanspruchnahme des Euro-Rettungsschirms hat Irland wieder Geld am Kapitalmarkt aufgenommen – und zwar problemlos. Dublin musste sogar einen deutlich niedrigeren Zinssatz als die Krisenländer Spanien und Italien zahlen. Weiterlesen...

Kommentar: Eine ganz und gar politische Entscheidung. Erst das erfolgreiche Referendum, jetzt noch der Kapitalmarkt. Das ist ein gnadenloser Beschiss. Nach den Schwierigkeiten in Spanien und Italien muss unbedingt ein Erfolg her. Die Situation Irlands hat sich nicht wirklich verbessert. “Die Stimmung in Irland ist wütend” überschrieb “manager-magazin.de” am 19.06.2012 ein Interview mit dem irischen Gewerkschafter Doyle (hier). Doyle: “Das Ja-Votum zum Referendum sollte nicht falsch interpretiert werden. Die Menschen haben mit einem Revolver an der Schläfe gewählt.” Und: “Irland kommt auf seinem Erholungspfad nicht voran. (...) Unsere Arbeitslosigkeit liegt bei 14,8 Prozent – in den vergangenen vier Jahren hat sie sich verdoppelt. (...) Irlands Wirtschaft wird 2013 ins sechste Jahr der Kontraktion laufen, belastet von den Problemen der Arbeitslosigkeit und ständiger Furcht und Unsicherheit über die Zukunft. So wie es aktuell läuft, brauchen wir ein zweites ‘bailout’.” Alles klar?    


Donald Trump: Offiziell ausgewiesene US-Arbeitslosenzahlen sind Fake
(wirtschaftsfacts.de) Dass die offiziellen Statistiken zur Arbeitslosigkeit in den USA auf eine Weise ausgewiesen werden, die äußerst fragwürdig anmutet, hatten wir in der Vergangenheit mehrfach anhand der zugrunde liegenden Statistikmodelle zu erklären versucht. Anstatt Monat für Monat der Schlagzeile über die Arbeitslosenquote ihre Aufmerksamkeit zu schenken, zweifeln endlich immer mehr Investoren an der Validität dieser Daten. Dazu gehört auch der Milliardär Donald Trump, der das US-Arbeitsministerium nun öffentlich für dessen Datensalat kritisiert. Donald Trump sieht Arbeitslosigkeit in den USA eher bei 14% bis 16%. Weiterlesen...

Kommentar: Trump gibt zu, was offensichtlich ist. Dem Wahlkampf geschuldet. Trump übernimmt die Zahlen des US-Meinungsforschers GALLUP. Wir halten die Erhebungen von “shadowstats.com” für noch aussagekräftiger.