Sonntag, 8. Juli 2012

Standpunkt 297 - Nachrichten-Ticker, 07.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


“Wir haben die Rückkehr zur D-Mark durchgerechnet”
(wirtschaftsblatt.at) Allianz-Chef Michael Diekmann hat ein Ende der Gedankenspiele zu einer möglichen Rückkehr Deutschlands zur D-Mark gefordert. "Eine Rückkehr zur D-Mark wäre verantwortungslos", sagte der Vorstandsvorsitzende von Europas größter Versicherung der "Welt am Sonntag". Das Ende des Euros würde nach Berechnungen der Allianz zu gewaltigen Wohlstandsverlusten in Deutschland führen. "Wir haben die Rückkehr zur D-Mark ökonomisch durchgerechnet. In diesem Szenario würde Deutschland in eine tiefe Depression abrutschen, das Bruttoinlandsprodukt würde eine Zeit lang mit zweistelligen Raten schrumpfen, am Ende könnten über vier bis fünf Jahre 25 Prozent des BIP verloren sein", sagte Diekmann. Weiterlesen…

Kommentar: Nachvollziehbar. Wird den Euro-Neurotikern nicht gefallen und daher viel Widerspruch ernten. Leider ist aber für die Erhaltung des Wohlstandes auch entscheidend, wann und wie endlich mit der Lösung der Krise in Europa begonnen wird. Ausnahmslos alle bisherigen Maßnahmen hatten nur zum Ziel, Zeit zu gewinnen, um sich nicht mit den wirklichen Ursachen der Krise beschäftigen zu müssen. In der Hoffnung, vielleicht passiert ein Wunder und die Krise verschwindet von ganz alleine. Es wird dringend Zeit, damit aufzuhören. Wir schreiben schon von Anfang an dagegen an (hier, unter Stichwort "Europa"), natürlich hört niemand auf uns. Sorry, für uns ist klar: wir werden Recht behalten.


Den Euro kann man nicht mit Geld retten
(tagesanzeiger.ch) Die Kritik von 170 deutschen Ökonomen gegen eine Europäische Bankenunion wurde öffentlich zerrissen. In einem Gastkommentar für Tagesanzeiger.ch/Newsnet verteidigen zwei Schweizer Wirtschaftsforscher den Aufruf. Weiterlesen...

Kommentar: Die standhaften Ökonomen um Hans-Werner Sinn bekommen neue, freundliche Unterstützung, jetzt aus der Schweiz. Diese Unterstützung mag nachvollziehbar sein, in der Sache Neues bietet sie nicht. Vor allen Dingen unterschlägt sie völlig einen besonders ausgeprägten Aspekt des Aufrufes, den der Konzeptlosigkeit. Gerne wird von seinen Anhängern in die Sinn’sche Kritik ein Konzept gleich hineingedeutet, vorhanden war es nie. 
Die Autoren werfen der EU-Politk vor, sie habe “bsiher völlig konzeptlos reagiert”, nennen es “große Worte statt Konzepte”. Ein Vorwurf, der genauso auf Hans-Werner Sinn zutrifft. Für uns stellt sich die Frage: Hätte es nicht die Sache des deutschen Top-Ökonomen sein müssen, die Bundesregierung mit schlüssigen, durchdachten, praktischen Lösungskonzepten zu versorgen, statt sich auf die Verbreitung ultra-konservativer, neo-liberaler, nationalistischer Thesen zu beschränken?
Die Autoren haben Recht, natürlich ist es eine Bankenschuldenkrise, natürlich gehen die Hilfsgelder direkt an die Banken (hier, am Beispiel Griechenlands und hier für alle), natürlich dürfte es diese Vergemeinschaftung der Bankenverluste nicht geben. Wie gesagt, alles richtig, aber auch keine Alternativen. Die von den Autoren beschriebene Staatsschuldenkrise gibt es so nicht. Die Staatsschulden sind seit 2008 in Europa wegen der milliardenschweren Bankenhilfen und deren Folgen gestiegen. Vorher war die Situation in keinem der betroffenen Länder, auch nicht in Griechenland, besorgniserregend, selbst wenn dieser Eindruck heute in der Öffentlichkeit gerne vermittelt wird. 
Es war zu keiner Zeit Aufgabe der Staaten, deshalb hatten sie dafür auch keine Vorsorge getroffen,  irgendwelche Privatbanken/Finanzkonzerne zu retten. Die Regierungen sind in einer gut vorbereiteten konzertierten Aktion von den Bossen und deren Lobby schlicht und ergreifend aufs Kreuz gelegt worden. Ihnen wurde der falsche Eindruck vermittelt, dass mit einer einmaligen Aktion die Sache “Bankenrettung” erledigt sei. Washington machte, gut überlegt, den Anfang, den anderen Staaten blieb dann nichts übrig, als zu folgen. Das Ergebnis ist bekannt.
Was heute in Europa geradezu verzweifelt bekämpft wird, sind die Folgen dieser gescheiterten “Bankenrettung” und der Spekulationen gegen den Euro (wir nennen es einen Währungskrieg Dollar vs. Euro, gehen darauf aber jetzt nicht näher ein). Bisher stehen die betroffenen Länder auf verlorenem Posten. Noch einmal unser Vorwurf: Von den schärfsten Kritikern kommen keine Konzepte, keiner will Verantwortung übernehmen. Nur zu warnen reicht nicht.
    

Die Wirtschaftsweisen und das Zwölf-Nullen-Risiko
(wirtschaftsblatt.at) An Eindringlichkeit lassen es die "Fünf Wirtschaftsweisen" in ihrem Sondergutachten zur EU-Staatsschuldenkrise nicht fehlen. Zunächst noch nüchtern formulieren die renommierten Ökonomen, die den Sachverständigenrat der Regierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bilden: "Für Deutschland wäre ein unkontrolliertes Auseinanderbrechen des Euro-Raums mit hohen Risiken verbunden". Der Finanzwirtschaft sowie den deutschen Unternehmen und Privatpersonen drohten bei einer Auflösung der Währungsunion "erhebliche Verluste". Weiterlesen...

Kommentar: Ein lobenswerter Versuch, den die Wirtschaftsweisen mit ihrem Sondergutachten starten. Leider packen auch sie das Übel nicht an der Wurzel. Verorten das Problem an der falschen Stelle. Trotzdem, ein mutiger Schritt, wo alle anderen lieber kneifen.  


Keine Spanien-Rettung: EU räumt erstmals Scheitern des Gipfels ein
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Eine Woche nach dem EU-Gipfel wird klar: Das Treffen war ein Flop. Kein Beschluss kann zeitnah umgesetzt werden. Spanien wird keine Banken-Rettung ohne höheres Defizit bekommen. In Brüssel herrscht Ernüchterung. Weiterlesen...

Kommentar: Für uns keine Überraschung. Wir hatten den Brüsseler Gipfel gleich als Misserfolg bewertet.


Spanien macht Inventur
(zeit.de) In Madrid schimpft kaum einer über das “Spardiktat” aus Berlin. Die Krise zwingt das Land zur Selbstkritik. Weiterlesen...

Kommentar: Eine Analyse, die viel zu kurz greift. Die den Spaniern alleine die Schuld für die Krise ans Revers heftet. Und der Bundesregierung für ihre unnachgiebige Haltung den Rücken stärkt.So lassen sich die Probleme garantiert nicht lösen.


Gipfel-Beschlüsse: Finnland bezichtigt Mario Monti der Lüge
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der EU-Gipfel hat offenbar die Gräben in Europa vertieft: Ein finnischer Diplomat sagte, dass Mario Monti in seiner Eurphorie über die Rettung die Unwahrheit gesprochen habe. Auch die Niederländer wollen keine Schuldenunion. Weiterlesen...

Kommentar: Der Ton wird härter zwischen den Partnern in Europa. Jeder ist sich selbst der Nächste. So wird nicht nur die Euro-Zone, sondern auch die EU scheitern. Offenbar gibt es starke Kräfte, die darin Vorteile sehen.   


The rotten heart of finance
(economist.com) A scandal over key interest rates ist about to go global. Weiterlesen...

Kommentar: Die britische Wochenzeitung The Economist hat hier eine Analyse verfasst, die einmal mehr die kriminelle Energie hinter den Geschäften der Finanzkonzerne offenlegt. Wer über den eigenen Tellerrand hinausdenkt muss sich eingestehen, dass die Finanzkrise wahrscheinlich erst zu Ende geht, wenn es zu einem Kollaps, einem Super-GAU, gekommen ist. Trübe Aussichten.  


Have Banks Been Manipulating Libor for DECADES?
(zerohedge.com) We've previously noted that Libor manipulation has been going on since at least 2005 ... and continued long after the manipulation was first reported.. Weiterlesen...

Kommentar: Der Barclays-Ex Daimond wird als Lügner entlarvt (hier).   


BaFin beraumt Sonderprüfung bei Deutscher Bank an
(ftd.de) 19 internationale Banken sind in den Libor-Skandal verwickelt. Die Finanzaufseher von der BaFin forschen deshalb auch bei der Deutschen Bank nach. Weiterlesen...

Kommentar: Tja, so sieht sie aus, die “Leistung aus Leidenschaft” einer Zocker-Bude.


Obamas US-Wahlkampf: Mister Frust
(spiegel.de) Messias gegen Businessman, Mister Cool gegen Langweiler - im Duell zwischen Barack Obama und Milt Romney scheinen die Rollen klar verteilt. Doch nun zeigen Umfragen: Der blasse Gegenkandidat ist für den Präsidenten schwer zu packen. Was ist Romneys Geheimnis? Weiterlesen...

Kommentar: Obamas Chance auf eine Wiederwahl heißt Mitt Romney, trotz enger Umfragewerte. Alleine mit seiner Politik wäre er ohne Chance.  


US-Aktien im Wachstumsrausch
(manager-magazin.de) Die letzten zwölf Quartale infolge ist die Wirtschaft der USA durchschnittlich um 2,4% gewachsen – im Vergleich zu den dümpelnden Märkten in Europa geradezu ein kräftiger Anstieg. Für Anleger lohnt sich deshalb ein Einstieg. Weiterlesen...

Kommentar: Was ist das denn für ein Artikel? Hilft jetzt auch noch die deutsche Journaille Obama im Wahlkampf? Der Artikel ist eine Schönschreibung. Amerika erlebt einen unvergleichlichen Niedergang, das zeigt ein Blick auf die offizielle und tatsächliche Arbeitslosenquote: 8% vs 23% (hier). Den offiziellen Zahlen ist einfach nicht zu trauen. Wir können nur vor Engagements in US-Aktien dringend warnen. Der amerikanische Aktienmarkt lebt von der riesigen Liquidität, rund 2 Billionen USD (hier, unter "USA"), die durch diverse Fed-Programme in den Kassen der Konzerne vor sich hin gammeln.


Die USA haben ein neues Einfallstor in die Schweiz
(tagesanzeiger.ch) Liechtenstein hat das Bankgeheimnis für US-Bürger vollständig aufgehoben. Die Amerikaner erhalten damit Zugang zu Dokumenten, die auch Schweizern gefährlich werden können. Weiterlesen...

Kommentar: Die US-Behörden lassen nicht locker. Während sie die Schweiz im Schwitzkasten halten (hier), erhöhen sie den Druck weiter. Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, u. a. hier, dass die USA bei der Verfolgung ihrer Steuersünder eine Vorreiterrolle für andere Staaten übernommen haben. Selbst wenn Deutschland sich mit schlechteren Ergebnissen als Amerika zufrieden gibt, werden auch andere Länder den Amerikanern nacheifern. Für uns steht es auch außer Frage, dass man sich gegenseitig helfen wird, d. h. beispielsweise, dass Informationen, die den Amerikanern über deutsche Steuersünder in die Hände fallen, an die deutschen Finanzbehörden weitergegeben werden. 


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