Montag, 9. Juli 2012

Standpunkt 298 - Nachrichten-Ticker, 08.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Schweizer Angst vor dem Kollaps der Großbanken
(zeit.de) In der Schweiz wird eifrig darüber gestritten, ob eine Massenkarambolage der Banken droht. Eine Debatte, die auch andernorts zu denken geben müsste. Weiterlesen…

Kommentar: Die Angst der Schweizer ist völlig begründet. Darauf haben wir schon sehr, sehr früh, am 27.12.2010, hingewiesen (hier, unter Stichwort "Finanzkrise"), bezeichnen dort die Schweiz insgesamt als einen einzigen Hedgefonds. Sogar für die Schweizer selbst sind ihre beiden Global Player „too big to rescue“, zu groß für eine Rettung. Alleine der Anteil der UBS und der Credit Suisse am weltweiten Derivatehandel ist gigantisch (hier). Die Risiken sind unberechenbar, schon kleinste Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Krise in Spanien könnten tödlich enden. Natürlich nicht nur für die beiden Schweizer Banken. Die Frage, wann wie viel Eigenkapital vorgehalten wird, spielt überhaupt keine Rolle. Die Schweiz ist dann von jetzt auf gleich bankrott. Schlechte Nachrichten für Schwarzgeld-Junkies und Franken-Fetischisten. Dann ist nämlich ultimativ Schluss mit lustig. Aber für den Rest gibt es auch keinen Grund zur Freude: Kollabiert auch nur eine der großen „too-big-to-rescue-Banken, zu denen die Deutsche Bank definitiv gehört, wird aus der Finanzkrise unweigerlich ein Finanzkollaps. Garantiert. Für die LeserInnen unseres Blogs keine Überraschung (hier und hier). Der ZEIT-Artikel verliert darüber bedauerlicherweise kein Wort.


Ökonom: Schuldenkrise wird zu Hyperinflation und Währungsreform führen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Weil die Politik mit der Eurorettung überfordert ist, wird sie finanzielle Belastungen vor allem an den Bürger weiterreichen. Der Versuch, die Schulden über Inflation abzubauen, wird die europäischen Bürger ihre Ersparnisse kosten. Weiterlesen...

Kommentar: Der Ökonom Hülsmann formuliert mit leichter Hand Kritik, statt konkrete Vorschläge zu machen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Politik überfordert. Noch ist es möglich, diese Entwicklung zu verhindern, wenigstens in ihrer Wirkung abzuschwächen. Die dafür erforderlichen Maßnahmen beschreiben wir in einigen Tagen in unserem eigenen Masterplan.
    

Gabriel will Verstaatlichung von Pleite-Banken
(handelsblatt.com) Europäische Geldhäuser, die ihrem Staat auf der Tasche liegen, sollten auch in Staatshand übergehen, fordert SPD-Chef Gabriel. Banken, denen nicht mehr zu helfen ist, könnten geordnet in die Pleite entlassen werden. Weiterlesen...

Kommentar: Aha, Verstaatlichung und Insolvenz. Ein toller, lange schon überfälliger Vorschlag, glaubt man Herrn Gabriel. In Wirklichkeit nur reiner Opportunismus, gemacht für die Öffentlichkeit. So wird die SPD weder Kompetenz noch neue Wähler dazugewinnen. Gabriel meint nämlich mit “europäisch” alle Banken, nur nicht die deutschen. Er unterschlägt die massiven Risiken bei der Deutschen Bank und Commerzbank (hier), genauso wie die der Landesbanken. Dann reichen die 450 Milliarden im deutschen Rettungsfonds nicht mehr, wenn es knallt. Wir behaupten längst: Ausnahmslos alle Hilfspakete dienen letztlich nur der Rettung einiger weniger Großbanken in Europa, allen voran Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse (CS) und Commerzbank (noch einmal hier). Bitte erst die Hausaufgaben machen, Herr Gabriel.   


Haftungsunion gefährdet Deutschlands Wohlstand
(handelsblatt.com) Ex-BDI-Präsident und Chef der SMS Group, Heinrich Weiss, hält eine Haftungsunion in der Euro-Zone für unverantwortlich. Er sieht jahrzehntelang erarbeiteten Wohlstand in Deutschland in Gefahr. Weiterlesen...

Kommentar: Eine banale Behauptung, deren Beweis auch Herr Weiss schuldig bleibt. Selbst seine Idee mit den verspäteten Reparationszahlungen bleibt auf der Strecke. Es sind die von der Bundesbank in den Maastricht-Vertrag hinein diktierten Auflagen, die heute für unerträgliche Zustände sorgen (hier). Deshalb sind solche Äußerungen unverantwortlich. Eine Haftungsunion in der bisher diskutierten Form wird und muss es nicht geben. Wir liefern kurzfristig den Beweis.   


Something’s Rotten in Banking, and It’s Not Just Barclays
(businessweek.com) You might have missed the latest bank scandal, the one involving Barclays, in the hubbub of the U.S. health-care ruling and the euro salvage plan. If so, here’s what you need to know: On June 27, Barclays, the U.K.’s second-largest bank by assets, admitted, that it deliberately reported artificial borrowing costs from 2005 to 2009. The false reports were used to set a benchmark rate, the London interbank offered rate, or Libor, which affects the value of trillions of dollars of derivatives contracts, mortgages, and consumer loans. The bank agreed to pay a hefty $455 million to settle charges with U.S. and U.K. regulators, and on July 2, Chairman Marcus Agius resigned.. Weiterlesen...

Kommentar: Schade, leider berichten überwiegend die angloamerikanischen Medien über Einzelheiten zu Liborgate. Deshalb können wir auch nur englischsprachige Artikel zu diesem brisanten Thema anbieten. Trotzdem hoffen wir, dass viele unserer LeserInnen damit zurecht kommen.   


The Libor affair: Banksters
(economist.com) “SINCE we have not more power of knowing the future than any other men, we have made many mistakes (who has not during the past five years?), but our mistakes have been errors of judgment and not of principle.” So reflected J.P. Morgan junior in 1933, in the middle of a financial crisis. Today’s bankers can draw no such comfort from their behaviour. The attempts to rig LIBOR (the London inter-bank offered rate), a benchmark interest rate, not only betray a culture of casual dishonesty; they set the stage for lawsuits and more regulation right the way round the globe. This could well be global finance’s “tobacco moment”. Weiterlesen...

Kommentar: Paßt wunderbar zum vorangehenden Beitrag. Immer noch nur die Spitze der Entdeckungen. Liborgate: ein Nebenraum im Welt-Finanz-Casino.


It’s not a Libor Scandal, It’s the Culture of Lie-More
(bettermarkets.com) The importance of the exploding global interest rate rigging scandal goes far beyond the UK-based Barclays $453 million fine and the resignation of its CEO, Bob Diamond.
There are 20 global banks currently under investigation for what Barclays has settled.  And remember, while sounding very technical, the Libor rate that was rigged is used to set rates for some $800 trillion in global financial transactions from derivatives to consumer lending.  It sets the rates for an untold number of loans and other financial transactions.  This is not some victimless crime.  It's almost certain that millions if not tens of millions of individuals and companies worldwide have been ripped off because of this conspiracy.
The Libor interest rate is based on a survey of banks like Barclays.  Those banks know that the information they provide in that survey sets the Libor rate, which is then used to set the rate for those $800 trillion-plus transactions. Weiterlesen...

Kommentar: Dazu fällt sogar uns erst einmal nichts mehr ein...  


Straflosigkeit ermöglicht die Kultur der Gier
(zeit.de) Der Rücktritt von Ex-Barclays-Chef Diamond reicht nicht aus. Die Gefahr neuer Skandale wäre geringer, wenn die Verantwortlichen für die Zinsmanipulation bestraft würden. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist doch nichts neues. Stand schon nach der Lehman-Pleite ganz oben auf der Agenda der G20-Staaten. Passiert ist absolut nichts. Entsprechende neu entwickelte Regularien, Dodd-Frank und Volker-Rule, vergammeln in den Schubladen Washingtons. Die EU war erst gar nicht fähig, vergleichbares zu bewerkstelligen. Immer wieder wortreiche Ankündigungen ohne Folgen. “Bail not Jail” war statt dessen die Devise (hier). "Bis heute hat der Rückbau des weltweiten Finanzsystems nicht stattgefunden", so Jochen Sanio bei seiner Verabschiedung (hier).  


Top-Konzerne: USA überholt Europa
(tageblatt.lu) Mit 32 Treffern in der Top-100-Liste macht Europa nicht einmal mehr ein Drittel aus. Vor 18 Monaten dagegen waren es noch 36 Konzerne gewesen. Bei den USA ist der Trend umgekehrt: Stellten die Staaten im Vorkrisenjahr 2007 nur 32 der 100 teuersten Unternehmen der Welt, sind es aktuell 43. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Untersuchung lag der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch vor.
Die sinkende Bedeutung Europas in dem nach US-Dollar erstellten Ranking sei nur zum Teil auf den schwachen Euro zurückzuführen, sagte Ernst-&-Young-Partner Thomas Harms. Hauptursache sei vielmehr die lodernde Schuldenkrise in der Eurozone und die daraus resultierenden Unsicherheiten über die Entwicklung der Staatengemeinschaft. "Die Schuldenkrise schwebt derzeit wie ein Damoklesschwert über Europa.". Weiterlesen...

Kommentar: Dieses Ranking belegt nicht die Leistungsfähigkeit der US-amerikanischen Wirtschaft. Höchstens die grenzenlose Liquidität, mit der die Aktienkurse gepusht werden. Demnächst wird diese vermeintliche Stärke Amerikas noch als Wahlkampfthema in der Präsidentenkür eine unrühmliche Rolle spielen. Da wird Schönschreibung noch auf die Spitze getrieben. Die US-Wirklichkeit gibt die folgende Karikatur treffend wieder: 

                                    
                                       “Uncle Sam dying”  © media.photobucket.com