Dienstag, 10. Juli 2012

Standpunkt 299 - Nachrichten-Ticker, 09.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Renten-Fonds erwirtschaftete Rendite von 0,84%
(wort.lu) Der Renten-Kompensationsfonds erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Überschuss von 86 Millionen Euro. Das sind 435 Millionen weniger als im Jahr zuvor. Schuld daran ist die Finanz- und Schuldenkrise. Weiterlesen…

Kommentar: Leider gibt es in Deutschland keine öffentlich zugänglichen Zahlen über die erzielten Renditen beispielsweise der Lebensversicherungsgesellschaften oder der Rentenversicherungsträger und Pensionsfonds. Wie schlecht es um die bestellt ist zeigt jedoch dieser Blick über die Grenze ins benachbarte Luxemburg. 4,81% weniger gab es 2011 im Vergleich zum Vorjahr. Das lässt wenig Hoffnung für vergleichbare Kapitalanlagen in Deutschland. Da steckt wahrscheinlich augenblicklich viel Fantasie zwischen der erzielten und der garantierten Rendite. Damit wenigstens ein kleiner Gewinn herauskommt, müssen aber die Bankschulden dringend weiter vergemeinschaftet werden. Die Politik ist auf dem besten Weg.


Schiffsfonds vor dem Kollaps
(ftd.de) Das gesamte Modell Schiffsbeteiligungen steht vor dem Aus: Die Branche leidet an hohen Überkapazitäten, Anlegern drohen Milliardenverluste. Das hat Lloyd Fonds auf eine Idee gebracht, die verblüffend an hübsch verpackte US-Immobilienpapiere erinnert. Weiterlesen...

Kommentar: Wir können eine gewisse Schadenfreunde über den Niedergang dieser Anlagespezies einfach nicht verbergen. Noch immer klingen die Hurrarufe in unseren Ohren nach, alle von vermeintlich glücklichen Anlegern, die unsere Warnungen in den Wind schlugen. Wir kennen die Gaunereien der Steuersparmafia zur Genüge, da funktionieren bestenfalls 1%, 99% stehen knietief im Tal der Tränen. Jetzt rennen alle zum Ausgang, weil die ersten “Eisberg in Sicht” gerufen haben. Das klappt nicht mehr, die Prospekte, Verträge und Kontoauszüge haben nur noch Erinnerungswert. Vielleicht stehen sogar die Steuerersparnisse im Feuer.


Nackte Angst: Banken parken ihr Geld trotz Niedrig-Zinsen bei der EZB
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Bei den europäischen Banken scheint mittlerweile die pure Angst zu herrschen: Obwohl die Institute nach der Leitzinssenkung fast kein Geld mehr bekommen, legen die Banken ihr Geld immer noch bei der EZB an. Faktisch existiert der Interbankenmarkt nicht mehr. Weiterlesen...

Kommentar: Wir brauchen keine Beweise mehr: Die Maßnahmen der EZB zur Entschärfung der Krise in Europa (hier) erinnern uns an Schildbürgerstreiche, sonst nichts. Die Versprechungen, durch die nahezu grenzenlose Liquidität für die Banken, die Kreditvergabe an die reale Wirtschaft zu erleichtern, waren wertlos. Mittel zum Zweck, um den Menschen draußen diese Geldschwemme zu verkaufen. Deshalb müssen sich portugiesische Banken Geld bei der EZB leihen (hier), damit ihr Laden wenigstens noch einigermaßen läuft. Das Werk von Technokraten, ausgebildet bei der Kaderschmiede Goldman Sachs.


Eurogruppe schreibt Spanien Therapieplan
(derStandard.at) Spanien will seine Schulden an eine “Bad Bank” auslagern, um günstige Kredite zu erhalten. Der Eurogruppenchef soll am Montag feststehen. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist kein Plan, das ist bestenfalls eine Notlösung. Spekulanten wird diese Maßnahme nicht davon abhalten weiter gegen den Euro zu wetten. Alles wie gehabt.    


OeNB sieht heimische Banken ungefährdet – und fordert mehr Kernkapital
(wirtschaftsblatt.at) Die anhaltende Staatsschuldenkrise prägt weiterhin die internationalen Finanzmärkte. Die österreichischen Banken haben sich in diesem Umfeld vergleichsweise gut gehalten, so das Fazit der 23. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Weiterlesen...

Kommentar: Ein Placebo. In Wahrheit muss den Beamten der nachbarlichen Nationalbank schon längst der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Wenigstens wenn sie, statt nach Südeuropa, in den Osten blicken. Da schlummern nämlich gewaltige Risiken, die gerade erst beginnen aufzublühen. Dauert vielleicht noch zwei bis drei Monate.    


Der Unsinn des Herrn Sinn
(fuw.ch) Dass 172 Wirtschaftsgelehrte so einen, pardon, Schwachsinn unterzeichnen, ist besorgniserrregend. Weiterlesen...

Kommentar: Leider kocht dieser Ökonomenstreit immer noch hoch. Da können wir es nicht versäumen weiter zu berichten. Der Autor schreibt unterwegs einen wunderschönen Satz, der demnächst in Deutschland seine Bedeutung unter Beweis stellen wird, wenn nicht vorher noch Vernunft bei den Politikern und ihren Hilfswilligen einkehrt: “Banken sind global im Leben, aber national, wenn sie sterben.”


“Die Kritiker machen keine konstruktiven Vorschläge”
(zeit.de) Die Frage, ob wir ohne den Euro besser gefahren wären, ist irrelevant, sagt der Ökonom Bert Rürup. Wir haben ihn und jetzt müssen wir die Währungsunion stabilisieren. Weiterlesen...

Kommentar: Für Rürup haben wir so wenig übrig wie für Hans-Werner Sinn. Beide haben in den vergangenen 10/12 Jahren in Deutschland auf unterschiedliche Weise ihr Unwesen getrieben. Trotzdem: Seine Bestandsaufnahme zum Zustand des Euros und zu den Ursachen der Krise ist richtig. Nur seine Vorschläge lassen zu wünschen übrig, da kommt auch von ihm keine revolutionäre Idee. Schade.


Die EU ist ein Reich, und Reiche verheißen Krieg
(presseurop.eu) Die EU hat den Frieden in Europa gesichert, heißt es. Der Historiker Thierry Baudet sieht das anders. Seine provokante These lautet, dass ein Prozess, in dem Staaten ihre Souveränität abgeben, unausweichlich zu Konflikten führt. Daher empfielt er: Raus aus dem Euro und die nationalen Grenzen wiederherstellen.. Weiterlesen...

Kommentar: Zu bewerten, was der Niederländer Thierry Baudet hier vorträgt, überlassen wir den LeserInnen. Seine Beispiele an Hand von Nationalismus, Faschismus und Kommunismus halten wir jedoch für arg konstruiert. Außerdem: Zentralismus ist nicht gleich Zentralismus. Oder: Ein Vereinigtes Europa wird nicht klappen, zu sehr wirken immer noch die Leiden des WK II nach. Deswegen haben die Gründer der EWG auch die Bildung einer Europäischen Union geplant, nicht die Vereinigten Staaten von Europa nach US-Vorbild. Das wird gerne übergangen, wenn über die politische Union diskutiert wird. Wichtig ist auch, dass vorher die europäische Krise gelöst wird, andernfalls werden die Menschen den Plänen aus Brüssel zu mehr Integration nicht folgen. Massendemonstrationen wären unweigerlich die Folge, stark ausgeprägter Nationalismus auch. Anfänge haben wir bereits in Finnland und den Niederlanden erlebt. Für Griechenland und Portugal erwarten wir spätestens dann Militärdiktaturen. Die politische Landschaft in Europa bekäme ein neues Gesicht.   


Der Supermacht Amerika geht die Kraft aus
(focus.de) Die jüngsten Stromausfälle in Washington D.C. sind nur die Spitze eines Eisbergs. Amerikas Infrastruktur gleicht der eines Entwicklungslandes. Doch für dringend notwendige Sanierungen fehlen im Präsidentschaftswahljahr 2012 das Geld – und der Wille. Weiterlesen...

Kommentar: Wir berichten schon lange über diese Zustände und sind davon überzeugt, dass die Talsohle für Amerika noch nicht erreicht ist. Als Beispiel soll der Anstieg der Food Stamps-Bezieher dienen, der von der folgenden Grafik gut sichtbar dargestellt wird: 


Selbst wenn sich die Anzahl gerade stabilisiert hat, ist die Entwicklung seit 2006 signifikant.


“Die neoliberale Party ist vorbei”
(tagesanzeiger.ch) Reichensteuer in Frankreich, Vermögensabgabe in Deutschland, Jagd auf Steuersünder in Italien und europäische Finanzsteuer: Die Steuerdebatte in Europa kriegt Bewegung – die Reichen werden vermehrt zur Kasse gebeten. Weiterlesen...

Kommentar: Es ist noch ein weiter Weg dorthin. Am fest zementierten Ungleichgewicht des Steueraufkommens wird sich wenig ändern. Nach wie vor werden die Reichen geschont.   

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.