Sonntag, 15. Juli 2012

Standpunkt 308, Nachrichten-Ticker, 14.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Euro-Krise überfordert die USA
(handelsblatt.com) Die Euro-Krise breitet sich auf der ganzen Welt aus – und macht auch vor den USA nicht halt. Stephen S. Roach, Ex-Chef der Asien-Sparte von Morgan Stanley, glaubt nicht, dass Amerika die Weltwirtschaft retten kann. Weiterlesen...

Kommentar: Na klar, schön den Schwarzen Peter immer wieder den Europäern unter der Tür durchschieben. Im Ziel vereint, trommeln schon seit Wochen die US-Blogs gegen Europa. Die Einzelheiten ersparen wir uns, wer sich dafür interessiert, der muss nur ein bisschen suchen, beispielsweise bei „zerohedge.com“. Die Liste der US-Patrioten ist lang und wird immer länger, je näher der Termin für die Präsidentschaftswahl in den USA rückt. Wetten?

Jetzt auch noch Roach, der eigentlich in den letzten Monaten uns nur dadurch aufgefallen ist, dass er China gesundbetete. Das ist wohl nicht sehr erfolgreich gelungen, wie die jüngsten Entwicklungen dort zeigen. Da bleibt jetzt Zeit, sich um die zerrüttete US-Wirtschaft zu kümmern, an deren misslicher Lage natürlich die Euro-Krise Schuld haben soll, die dann auch gleich die ganze Welt gefährdet. Bald werden sich die Chinesen melden, die Inder, Brasilianer, usw. Was für ein Bullshit ist das denn? Was hat Europa mit dem schlechten Konsumklima, mit dem Zusammenbruch der Mittelschicht, mit den desolaten Arbeitsmarktdaten in den USA zu tun, was mit den Schwierigkeiten Chinas, oder der verfehlten Wirtschaftspolitik in Indien oder Brasilien? In Wahrheit nichts.

Jeder ist für seine Not selbst verantwortlich, die Amerikaner außerdem für die Not in Europa. Leider  erlauben es die Europäer durch ihre grottenschlechte Krisenpolitik der übrigen Welt, ihnen auch noch die Schuld an allen anderen Schwierigkeiten vor die Füsse zu legen. Das ist die Crux.

Alle gemeinsam, vereint als G20-Staaten, müssen sich die Verantwortung dafür teilen, dass die grenzenlose Macht weniger Banken innerhalb der letzten vier Jahre nicht gebrochen wurde, obwohl entsprechende Pläne fix und fertig in den Schubladen liegen. Dieses Problem wird immer dringender, aus „too big to fail“ ist ein „too big to rescue“ geworden. Die jüngsten Skandale zeigen klar und unmissverständlich: Sie halten sich für unbezwingbar weil sie sich absolut sicher sind, immer wieder von den Staaten gerettet zu werden. Schliesslich sind es ihre Nieten, die an den wichtigsten Regierungsstellen weltweit sitzen. Einzig China bleibt die Ausnahme.   


Zähmung der Zocker
(spiegel.de) Der Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze hat den letzten Rest von Vertrauen in die Investmentbanker zerstört. Die Politik bringt erste Mechanismen zur Regulierung auf den Weg, die Renditen dürften in Zukunft deutlich kleiner ausfallen. Gelingt es, die Zocker an die Leine zu legen? Weiterlesen...

Kommentar: Die Antwort ist einfach: Nein.


Studie: Deutschland wäre der größte Verlierer bei Zerfall der Euro-Zone
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Ein Verlassen der gemeinsamen Währung hätte für Deutschland etliche negative Folgen, wie die Bank of America in einer Kosten-Nutzen-Analyse veranschaulicht. Ein Austritt wäre hier folgenreicher als beispielsweise bei Griechenland. Italien könnte sogar davon profitieren, die gemeinsame Währung zu verlassen. Das engt den Verhandlungsspielraum für Deutschland ein. Weiterlesen...

Kommentar: Nach der Allianz nun eine Analyse der Bank of America Merryll Lynch. Beide kommen zum gleichen Ergebnis. Wir sehen das ähnlich, aber aus einem ganz anderen, einfachen Grund: Da es sich nicht um eine Staatsschuldenkrise sondern um eine Bankenschuldenkrise handelt,  kann sich Deutschland die Rettung seiner Banken alleine nicht leisten (hier). Deutschland muss dafür sorgen, dass diese Schulden schon sehr früh vergemeinschaftet werden, also schon in den Ländern, die gerade an vorderster Front stehen. Deutschlands Anteil an den Hilfsgeldern ist bruchteilig gering und im Gegenzug werden den betroffenen Staaten Spardiktate abgepresst, mit denen elegant die Bürger dort in die Schuldenklaverei genommen werden.


Moody’s stuft italiens Bonität herab: Wild-West-Rating und das Libor-/Derivate-Kartell
(querschuesse.de) Nun hat also die US-Ratingagentur Moody´s Italiens Bonität zum zweiten Mal in diesem Jahr herabgestuft – gleich um zwei Stufen, nämlich von A3 auf Baa2. Zudem beließ die Ratingagentur den Ausblick auf „negativ“. Das heißt: keine Besserung in Sicht. Und das obwohl Premier Mario Monti die Sanierung der Staatsfinanzen sowie gegen Korruption und Steuerhinterziehung energisch vorantreibt und auch wachstumsfördernde Maßnahmen nicht vergisst.

Moody´s begründet die Herabstufung und den negativen Ausblick mit dem Vertrauensverlust Italiens auf den Kapitalmärkten sowie mit der sich verschlechternden wirtschaftlichen Entwicklung, die es wahrscheinlicher mache, dass die Einsparungsziele verfehlt würden.

Die Herabstufung ist zumindest kurz- bis mittelfristig quasi die Garantie für eine weitere Verteuerung der Schuldenfinanzierung Italiens über die Kapitalmärkte bzw. für steigende Bond-Zinsen und Risikoprämien – allen weitreichenden Beschlüssen des jüngsten EU-Gipfels zum Trotz, die, auf Druck von Mario Monti und des spanischen Regierungschefs Mariano Rajoy, unter anderem darauf abstellen, genau dies zu verhindern.

War es das also schon wieder – die Bruchlandung der Euro-Retter nach vorübergehendem Erfolgsgefühl? Nicht ganz. Weiterlesen...

Kommentar: Unbedingt lesen. Der Autor, Stefan Eichner, leistet sich seine eigene Sicht auf die Dinge und gibt auf jeden Fall reichlich Anregungen zur Meinungsbildung und Argumente für die Diskussionen mit „Freunden“.  


Nacht-und-Nebel-Rettung für Rom?
(tagesanzeiger.ch) Moody’s hat Italiens Bonität um zwei Stufen gesenkt. Zwar konnte das Land bei einer Auktion von Staatsanleihen günstig Geld aufnehmen, doch in Brüssel herrscht Nervosität. Vorbereitungen für eine Rettung laufen. Weiterlesen …

Kommentar: Es wird sich weiter durchgemauschelt in Europa. Not macht erfinderisch. Wieder einmal nimmt die Politik die Menschen nicht mit, sondern versucht wieder nur, mit Tricksen und Täuschen über die Runden zu kommen.


„Selbst wenn Staaten eisern sparen, droht die Pleite“
(spiegel.de) Italien stemmt Reformen, dennoch verschärft sich die Krise. Der Wirtschaftsweise Bofinger sieht das Land als Opfer eines Systemfehlers. Die These der Regierung Merkel, wonach striktes Sparen die Probleme löse, sei eine Illusion, sagt Bofinger im Interview. Weiterlesen...

Kommentar: Ein kleines, aber feines Interview mit dem deutschen Wirtschaftsweisen. Dem wir auch nichts hinzufügen.    


Österreichs Gemeinden: 20 Milliarden Euro versteckte Schulden
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die österreichische Schuldenkommission hat neue Milliarden-Schulden bei den Kommunen ausgemacht: Verkehrsbetriebe, Infrastruktur und Kultureinrichtungen belasten den Haushalt, ohne dass dies offiziell ausgewiesen wird. Vor allem die Gemeinde Wien weist beträchtliche inoffizielle Schulden aus. Weiterlesen...

Kommentar: Selbst unsere südlichen Nachbarn greifen in die Trickkiste. Nicht, dass es irgendwo anders besser wäre. Nur generiert sich Österreich wider besseren Wissens als grundsolide und ohne jede Einschränkung Triple-A-würdig. Da passt was nicht zusammen.


Großbritannien: Massiver Anstieg der privaten Verschuldung
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Im vergangenen halben Jahr hat sich die Verschuldung der britischen Bevölkerung kontinuierlich erhöht. Neu aufgenommene Kredite und nicht geleistete Rückzahlungen haben zugenommen. Die Konsumenten fürchten eine Begrenzung der Kreditvergabe in den kommenden Monaten. Weiterlesen…

Kommentar: Neue Nachrichten aus dem Land, wo in der Londoner City Milch und Honig fliessen. Der Rest muss halt darben, fällt zurück in den Lebensstandard der 1920er Jahre. Dazu eine kleine Grafik zum besseren Verständnis: 

© derStandard.at

Dazu die Skandale und Skandälchen, das erinnert doch alles schon sehr an ein Dritteweltland. Nur mit dem Unterschied, dass sich Großbritannien sein Geld selbst druckt und deshalb die Druckerpressen Tag und Nacht auf Hochtouren laufen. Die Regierung Cameron hat, ähnlich wie Kontinental-Europa auch nur einen Plan: Sparen, sparen, sparen. Sehr einfallsreich.


In dieser Welt werden wir nie souverän sein
(presseurop.eu) Euroskeptiker wettern über die an Brüssel abgetretene Souveränität. Aber warum echauffieren sie sich nicht darüber, dass Staaten seit 1945 auch Macht an Organisationen wie die Vereinten Nationen, die NATO und den Weltwährungsfonds abgetreten haben. Weiterlesen… 

Kommentar: Es geht um die Briten. Was der Autor beschreibt gilt jedoch in gleichem Maße für alle anderen EU-Europäer. Der Artikel ist, wie für die Londoner TIMES üblich, sauber ausgearbeitet. Wohltuend.