Sonntag, 15. Juli 2012

Standpunkt 309 - Europas Krise (33), Globaler Euro

Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen! - Folge 33


Der Euro: treibende Kraft in einem globalisierten Finanzsystem

Das ist eine Überschrift, ganz nach unserem Geschmack. Schliesslich gehören wir zu der scheinbaren Minderheit, die sich nach wie vor dagegen wehrt, den Euro in der Krise zu sehen.

Wir halten uns nicht für unbelehrbar, wir halten es vielmehr mit John Maynard Keynes: „Wenn meine Informationen sich ändern, ändere ich meine Meinung.“

Andererseits lassen wir uns nicht leicht überzeugen, sondern verteidigen jedes Argument, das wir uns in den vergangenen Jahren erarbeitet haben, sehr engagiert. 

Wir glauben nicht (mehr) an die Kraft der Politik, misstrauen den Ökonomen und ausnahmslos allen Technokraten.

Den in den Köpfen der Deutschen fixierten Mythos Bundesbank halten wir für völlig übertrieben, durch nichts mehr gerechtfertigt. Die Bundesbank hat sich mit ihrer unrühmlichen Rolle im Zusammenhang mit der Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) in Verruf gebracht. Damals hat die Bundesbank unter ihrem Präsidenten Hans Tietmeyer, in der ihr eigenen Machtvollkommenheit aufgrund ihrer gottgleichen Anbetung in Deutschland, geradezu brachial ihre Standards diktiert. Die EU-Konvergenzkriterien sind das beste Beispiel dafür. Starr und unflexibel, bereits damals veraltet, völlig untauglich für die Anforderungen der weiter zunehmenden Globalisierung. Die ursprüngliche „Bank deutscher Länder“, seit 1957 die Deutsche Bundesbank, hat immer wieder auf ihrer politischen Unabhängigkeit bestanden, nur um selbst in der Bundesrepublik ständig massiv Politik zu betreiben. Altkanzler Helmut Schmidt und Ex-Finanzminister Theo Waigel haben das in ihren Ämtern schmerzlich erfahren. Einen kleinen Einblick in das Wesen und Wirken der Bundesbank geben wir mit Hilfe des österreichischen Ökonomen Stephan Schulmeister in dem Beitrag “Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?” (hier). Sehr empfehlenswert.

Zufällig sind wir anlässlich einer Recherche auf einen Beitrag gestossen, den wir in der aktuellen Diskussion um das Für und Wider der europäischen Währung, besonders auch mit dem Blick auf ihre Rolle als Weltreservewährung, unseren LeserInnen dringend ans Herz legen möchten.

Es handelt sich um eine Rede des spanischen Ökonomen Eugenio Domingo Solans, die er im Auftrag der EZB am 11. November 2002 vor der Spanisch-Schweizerischen Handelskammer in Zürich gehalten hat. Solans war bis zu seinem Tod 2004 das erste spanische Mitglied im Direktorium der EZB. Er erläuterte in seiner Rede die Haltung der noch jungen Europäischen Zentralbank zu folgenden Themen:

  • Grundlegende Faktoren der internationalen Rolle des Euro
  • Die Verwendung des Euro an den Weltmärkten
  • Die internationale Verwendung des Euro durch die Behörden
  • Die Verwendung des Euro im Privatsektor außerhalb des Eurogebiets

Die Rede (hier) bietet einen guten Einblick in die Anfänge des Euro und die Ziele, die von der EU von Anfang an mit seiner Einführung verfolgt wurden. Weit weg von dem deutschen Klischee, der frühere französische Präsident Mitterrand habe sich die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung nur durch die Zusage einer Währungsunion unter deutscher Beteiligung abhandeln lassen.

Sollten sich die Verantwortlichen bei der EZB, gerne auch bei der Bundesbank, in Brüssel und den jeweiligen Hauptstädten nicht endlich an die Anfänge, vor allen Dingen an die ursprünglichen Ziele, erinnern? Vielleicht könnte das der Krise in Europa helfen. Ein Versuch wäre es wert.