Dienstag, 17. Juli 2012

Standpunkt 312 - Nachrichten-Ticker, 16.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Rechtsfreier Raum Bank
(heise.de/telepolis) Eine Umfrage legt nahe, dass im Finanzsektor in erheblichem Ausmaß bestehende Gesetze gebrochen werden. Weiterlesen...

Kommentar: Lesen und staunen. Niemand darf glauben, es betrifft nur die üblichen verdächtigen Finanzkonzerne, der gesamte Bankensektor ist davon befallen. Die einen mehr, die anderen ein bisschen weniger. „Die Finanzbranche ist amoralisch“ (hier).


Großbanken droht nach Libor-Skandal US-Klagewelle
(wirtschaftsblatt.at) Zinsmanipulation. FBI, US-Finanzaufsicht und das Justizministerium in Washington haben die Ermittlungen aufgenommen und nun wurde bekannt, dass in der Affäre um Zinsmanipulationen seit geraumer Zeit bereits zwei US-Bundesstaaten ermitteln. Weiterlesen...

Kommentar: Wenigstens in diesen Dingen sind die Amerikaner spitze und gehen dazwischen. Obwohl üblicherweise nur Vergleiche zu erwarten sind, gibt es wieder ein paar Hundert Millionen USD in die Staatskasse. Da hat Europa noch mächtig Nachholbedarf.


„BaFin hat keine konkreten Anhaltspunkte für Euribor-Manipulation“
(wirtschaftsblatt.at) Zinsskandal. Trotzdem nimmt die deutsche Finanzaufsicht BaFin im Zusammenhang mit dem Skandal um die Manipulation von Zinssätzen Regulierungskreisen zufolge derzeit mehrere deutsche Banken unter die Lupe. Weiterlesen...

Kommentar: Die BaFin sieht wieder einmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wetten, da kommt nichts raus? Alles andere währe eine echte Überraschung.


Die Milliardensubventionen für die Banken
(faz.net) Ach, wie schön ist es, systemrelevant zu sein. Große Finanzinstitute werden im Notfall vom Steuerzahler gerettet. Eine neue Studie zeigt: Das Sicherheitsnetz ist eine Subvention in Milliardenhöhe. Weiterlesen...

Kommentar: 19 davon gibt es alleine in Europa. Es ist ein Hohn, die Sache mit der Systemrelevanz. Albrecht Müller von „nachdenkseiten.de“ hat sich schon vor längerer Zeit in einem tollen Beitrag für die F.A.Z.  mit dieser Lüge auseinandergesetzt. Uns war es einen Beitrag wert (hier). „Systemrelevante Finanzinstitute“ gibt es nur deshalb, weil die ungeschminkte Wahrheit über diese Konzerne mit höchster Wahrscheinlichkeit das politische System bis in die Grundfesten erschüttern würde. Selbst im obrigkeitshörigen Deutschland. Nur völlige Ignoranten können glauben, dass da was zu retten ist. Milliarden Euro werden in Europa dafür verpulvert, das gegenwärtige Bankensystem einigermassen stabil zu halten, mehr geht nicht. Knallt es irgendwann, dann hat der deutsche Rettungsfonds SoFFin im Vergleich zu den erforderlichen Beträgen bestenfalls die Grösse einer Portokasse.


Libor-Manipulation trifft deutsche Kommunen
(manager-magazin.de) Deutsche Städte und mittelständische Unternehmen zählen zu den Opfern der Zinsmanipulation durch Großbanken. Die Fälschung von Libor und Euribor könnte sie Milliarden kosten. Vor hiesigen Gerichten haben sie aber kaum Chancen auf Entschädigung. Weiterlesen …

Kommentar: Noch einmal: Lesen und staunen. Offensichtlich haben die Kommunen aus den Ereignissen rund um die Finanzkrise 2008 und die Lehman-Pleite nichts gelernt. Die Abzockerei hat nur einen anderen Namen bekommen. Schon wieder geht es um Milliarden, die verloren gehen. Es ist zum Heulen.


Europas Jugend ohne Perspektiven
(fuw.ch) Die Beschäftigungslage in Europa wird vor allem für Jugendliche schwierig bleiben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Uno und ruft die Politiker zum Handeln auf. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Erschreckend, was da gerade passiert und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Exemplarisch dazu eine aktuelle Übersicht der europäischen Arbeitslosenquoten: 

    © fuw.ch, 2012


Die wahre Katastrophe
(tagesanzeiger.ch) Ob die Krise vorbei ist oder nicht, ob vielerorts bereits wieder eine Rezession herrscht – die Fragen sind müssig. Die grössten Volkswirtschaften der Welt haben sich seit dem Einbruch von 2008 gar nie erholt und jetzt droht alles noch schlimmer zu werden. Weiterlesen...

Kommentar: Eine wunderbare, treffende und hervorragend recherchierte Analyse. Da gibt es nichts zu meckern. Bitte unbedingt lesen, es lohnt sich. Nicht nur für Volkswirtschaftler. Der Schluss desArtikels beschreibt das Dilemma: „Die Arbeitslosigkeit ist vor allem konjunkturell bedingt. Dass die Politik hier zu wenig tut, kommt einem Verbrechen an einer ganzen Generation gleich.“ Darf man von diesen Politikern die Lösung der Krise in Europa erwarten?  


Sparkurs verwandelt Spanien in ein Pulverfass
(welt.de) Mit Rekordeinsparungen von 65 Milliarden Euro will die spanische Regierung das hohe Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen. Doch gegen die harten Sparmaßnahmen regt sich zunehmend Widerstand. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Hoffentlich. Diese Einsparungen würgen jede Wirtschaftsleistung ab. Die folgende Grafik spricht Bände: 


Ausserdem noch die Betrügereien der spanischen Sparkassen oder die täglichen Zwangsräumungen in Verbindung mit den schlechten Sozialleistungen. Das muss zu Unruhen führen. Davon unbeeindruckt halten Angie I., Kaiserin von Europa (hier) und ihr Technokratenheer weiter an den Spardiktaten fest. Wie sagte einst Helmut Schmidt: „Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden.“ Wie Recht er doch hat.


Griechenland: Millionen Arbeitnehmer warten seit Monaten auf ihr Gehalt
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Viele Griechen, sowohl Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft als auch Beamte im öffentlichen Dienst, arbeiten derzeit ohne bezahlt zu werden oder erhalten nur einen Teil ihres Gehalts. Teilweise warten sie seit Beginn des Jahres auf ihren Lohn. Weiterlesen… 

Kommentar/Ergänzung: Wieder einmal wird augenfällig, dass von den Hilfszahlungen an Griechenland bei den Griechen selbst kein Cent ankommt (hier). Die im Artikel zitierten Zahlen sind erschreckend. Eine verheerende Entwicklung, durch die sich die Krise im Land noch weiter verschärft.


Deutschland vor dem Abschwung: Die Krise rückt näher
(manager-magazin.de) Deutschland geht’s super: Die Bürger sind zufrieden mit sich und der Welt. Aber das wird nicht so bleiben: Die Vorboten einer Abschwächung der Konjunktur sind längst erkennbar. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Das erinnert doch alles sehr an den Untergang der Titanic. Das elegante Kreuzfahrtschiff Deutschland hält sich selbst für unsinkbar, also wird weiter feste gefeiert, während der Zusammenstoss mit dem Eisberg „Rezession“ unausweichlich kommt. Holla, das wird ein schwieriges Wahljahr für die Kanzlerin und die Koalition 2013. Die zitierte Studie des US-Instituts gibt es hier


Die von der Opposition allein gelassenen Wähler lassen die Kanzlerin als „Übermutter“ erscheinen
(nachdenkseiten.de) Wenn man die Umfragewerte des neuen ZDF-Politbarometers nimmt und wenn man unterstellt, dass das dort ermittelte Stimmungs- und Meinungsbild einigermaßen richtig abgebildet wird, dann müssten wir von den NachDenkSeiten eigentlich resignieren. Merkel, deren Politik nach unserer Auffassung nicht nur Europa in den Abgrund sondern auch Deutschland in die Sackgasse führt, genießt in der Bevölkerung höchste Popularitätswerte. (So auch im ARD-Deutschlandtrend). Andererseits misstrauen nach einer anderen Umfrage 60 Prozent der befragten Bürger der Bundesregierung und drei Viertel sind der Ansicht, dass die Politik die Krise nicht im Griff habe. Wie lässt sich dieser Widerspruch zwischen Misstrauen einerseits und Zustimmung andererseits erklären? Weiterlesen…

Kommentar: Ein Artikel für alle, die sich über die Merkel’schen Umfragewerte wundern. Gut recherchiert, ausgezeichnet belegt.